DESINFACTS | Ausgabe 2/2025

DESINFACTS AUSGABE 02/2025 Umfassende Hygiene-Lösungen für die ambulante Versorgung

EDITORIAL 03 FORUM Kongressbericht „ICPIC 2025“ 04 Einsatz für Nachhaltigkeit dreifach ausgezeichnet 12 Freiburger Infektiologie- und Hygienekongress 2025 21 Die Rolle der Apotheken für die Patientensicherheit 24 WISSEN Die 5 Momente der Flächenhygiene: Verbessern Visualisierungen die Compliance? 06 Neue Übersicht über relevante Erreger im Gesund- heitswesen und die zugehörigen Hygienemaßnahmen 13 Europäische Normen im Bereich Desinfektionsmittel 14 Bessere Händehygiene in spanischen Seniorenheimen: PRINCESS-Programm 17 Geruchsbelästigung am Arbeitsplatz 18 C. difficile – hartnäckige Herausforderung im Klinikalltag 20 Hygienemaßnahmen in der Dialyse 22 PRAXIS Erreger mit besonderen Hygieneansprüchen 19 Hände- und Flächenhygiene im Dental-Bereich 23 Händehygiene im häuslichen Alltag 25 Fußpilz – unterschätzte Mykose im Alltag und Sport 26 Neue S2k-Leitlinie & WHO-Resolution sollen berufsbedingte Handekzeme vermeiden 27 Bewusster Umgang mit medizinischen Einmalhandschuhen ist möglich 28 STUDIEN Neue Erkenntnisse zum HawthorneEffekt in der Händehygiene 7 INTERVIEW Erfahrungen mit dem Software-Modul „Observe“ 8 VERANSTALTUNGEN 30 Inhalt 2

Editorial DESINFACTS 2|2025 Dr. Heide Niesalla Die Corona-Pandemie hat uns eindrücklich vor Augen geführt, welche zentrale Rolle konsequente Hygiene und Infektionsprävention spielen – und das nicht nur in Kliniken und Pflegeeinrichtungen. In dieser Ausgabe richten wir den Blick bewusst auf die ambulante Versorgung. Denn die Ambulantisierung gewinnt zunehmend an Dynamik und stellt die Krankenhauslandschaft vor tiefgreifende Veränderungen. Bereits im kommenden Jahr sollen nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums rund eine Million bislang stationär behandelte Fälle ambulant versorgt werden. Wir beleuchten, welche Lösungen HARTMANN für Zahnarztpraxen bietet, wie Dialyse-Einrichtungen besonders vulnerablen Patientinnen und Patienten mit chronischem Nierenversagen und geschwächtem Immunsystem bestmöglich unterstützen können und welche wichtige Rolle Apotheken einnehmen. Denn als erste Anlaufstelle bei vielen Gesundheitsfragen leisten sie einen entscheidenden Beitrag zur Patientensicherheit. Ein besonderes Highlight dieser Ausgabe ist unser neues Erregerposter, das erstmals eine umfassende Übersicht über die wichtigsten Krankheitserreger im Gesundheitswesen bietet und sowohl relevant für den stationären als auch für den ambulanten Bereich ist. Damit steht Hygieneverantwortlichen und medizinischem Fach- und Pflegepersonal ein praxisnahes Werkzeug zur Verfügung, das im Alltag unterstützt und Orientierung gibt. Neben den fachlichen Schwerpunkten greifen wir auch Themen auf, die über den Klinik- und Praxisalltag hinausgehen und dennoch von großer Bedeutung für Gesundheits- und Patientenschutz sind. Ein zentrales Beispiel ist der verantwortungsvolle Umgang mit Ressourcen. Die HARTMANN Gruppe und ihre Tochterunternehmen wurden hierfür bereits mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit den EcoVadisZertifizierungen. Was genau hinter diesen Bewertungen steckt, lesen Sie ebenfalls in dieser Ausgabe. Wir hoffen, diese Ausgabe unterstützt Sie in Ihrer täglichen Arbeit und liefert Impulse für den Blick über den eigenen Bereich hinaus. Denn Infektionsprävention bleibt eine übergreifende gemeinsame Aufgabe. Ihre Dr. Heide Niesalla, Head of HARTMANN SCIENCE CENTER 3

FORUM Denn das ist aus unserer Sicht klar: sichere Pflege basiert auf gesunden Händen! Deshalb präsentierten wir auf unserem Messestand in Genf nachhaltige Lösungen für die Desinfektion und Hautpflege sowie innovative Ansätze für die Infektionsprävention. Das von HARTMANN im Conference Center in Genf organisierte Symposium warf zudem einen kritischen Blick auf „60 Jahre alkoholhaltige Hände-Desinfektionsmittel“. Besonders im Fokus standen neue wissenschaftliche Erkenntnisse über deren Wirksamkeit und Auswirkungen auf die Hautgesundheit. HARTMANN Symposium Für die wissenschaftlichen Einblicke während des Symposiums konnten wir als Sprecher den Facharzt für Hygiene und Infektionsprävention und ehemaligen medizinischen Koordinator der Aktion Saubere Hände PD Dr. Tobias Kramer (LADR GmbH Medizinisches Versorgungszentrum Dr. Kramer & Kollegen, Geesthacht) und den Facharzt für Dermatologie und Venerologie, Allergologie, Umweltmedizin und Berufsdermatologie Prof. Dr. Swen Malte John (iDerm an der Universität Osnabrück) gewinnen. Tobias Kramer sprach in seinem Vortag „Reassessing alcohol-based hand rubs – balancing speed, compliance and efficacy“ über die Neubewertung alkoholbasierter Hände-Desinfektionsmittel unter Abwägung der Kriterien Geschwindigkeit, Compliance und Wirksamkeit: „Wir brauchen neue Impulse, um unsere Kollegen im Krankenhausumfeld anzusprechen und die Einhaltung des 5-Momente-Modells weiter zu verbessern. Dazu muss die Benutzererfahrung berücksichtigt werden. Warum funktioniert eine 15-sekündige Handdesinfektion im Vergleich zu einer 30-sekündigen? Warum verbessert sie möglicherweise die Compliance? Dafür kann es nur eine psychologische Erklärung geben.“ Prof. Dr. Swen Malte John (Vorsitzender der Taskforce Occupational Skin Diseases der Europäischen Akademie für Dermatologie und Venerologie und Koordinator Forschung Direktor des Instituts für interdisziplinäre Dermatologische Prävention und Rehabilitation – kurz: iDerm – in Osnabrück) nahm die neue Resolution der World Health Assembly (WHA) zum Anlass für seinen Vortrag „Safe hands, safe care – The role of skin health in hand hygiene“ über die Bedeutung der Hautgesundheit bei der Handhygiene: „Hautkrankheiten müssen prioritär behandelt werden. Denn gesunde und geschützte Hände, bedeuten sichere Pflege“, so eine Botschaft. „Was wir brauchen, ist Aufklärung. Dies ist umso wichtiger, wenn man bedenkt, was normalerweise passiert. Wenn bei Gebrauch von alkoholbasierten Hände-Desinfektionsmitteln die Hände zu brennen beginnen, waschen viele Mitarbeiter im Gesundheitswesen ihre Hände noch häufiger. Dies führt jedoch dazu, dass sie ein Handekzem entwickeln.“ Die Prävention nosokomialer Infektionen und die Bekämpfung von Antibiotikaresistenzen bleiben eine weltweite Herausforderung. Das wurde auch wieder Mitte September bei der International Conference on Prevention & Infection Control – kurz: ICPIC – deutlich, die bereits zum achten Mal in der Schweiz am WHO-Sitz Genf stattfand. Wir von HARTMANN haben den Anlass genutzt, um vor Ort mit Experten aus aller Welt über die bisherigen Erfolge und die zukünftigen Herausforderungen der alkoholischen Hände-Desinfektion zu diskutieren. Kongressbericht „ICPIC 2025“ Rückblick nach vorne: die Zukunft der alkoholischen Hände-Desinfektion ICPIC 2025 4

Den Vortragsreigen schloss Dr. Viktoria Kolbe (Wissenschaftlerin im HARTMANN SCIENCE CENTER) ab, die in ihrem Vortrag „Requirements for modern alcohol-based hand rubs“ erläuterte, welche Anforderungen alkoholbasierte Handdesinfektionsmittel für die hygienische Händedesinfektion heutzutage erfüllen müssen. Poster und Stand: aktuelle Forschung Neben dem Symposium steuerte das HARTMANN SCIENCE CENTER insgesamt vier Poster zum wissenschaftlichen Programm des ICPIC bei: Thema waren beispielsweise die Faktoren, die die Qualität der Händehygiene in den unterschiedlichen klinischen Funktionseinheiten – z.B. im OP oder der chirurgischen Ambulanz – beeinflussen (P1087: Factors influencing hand hygiene quality in functional units). Eine andere mit einem Poster präsentierte HARTMANN Studie verglich die physikalischen Eigenschaften von Zellulosefasertüchern mit herkömmlichen PET-basierten Tüchern. Gerade mit Blick auf Patientensicherheit und Benutzerfreundlichkeit liefern die Ergebnisse wertvolle Hinweise für die Praxis (P1165: Analysis of the material of ready-to-use disinfection wipes for surface disinfection and their impact on patient safety). FORUM Sie sind nicht in Genf gewesen? Das macht nichts! Auf unserer Kongress-Website ICPIC 2025 können Sie sämtliche Poster online betrachten und herunterladen. Dort finden Sie auch Video-Mitschnitte der Symposiums-Vorträge. Erfahren Sie hier mehr: https://www.hartmann-science-center.com/de-de/newsund-themen/events/icpic-2025 Um Fragen zu alkoholbasierten Hände-Desinfektionsmitteln, die vielen Praktikern im klinischen Pflegealltag unter der Nägeln brennen, ging es in den beiden anderen Postern: Können alkoholbasierte Hände-Desinfektionsmittel (je eins auf Ethanol- und eins auf Propanolbasis) die strengen Wirksamkeitsanforderungen der Norm EN 1500 bereits in 15 Sekunden erfüllen? (P1238: Alcohol-based hand rubs fulfil EN1500 in 15 seconds). Und braucht man wirklich die empfohlene Menge von 3 Millilitern, um die erforderliche Handabdeckung zu erreichen? (P1239: Influence of hand rub volume on hand coverage, spillage and user preference). 5

WISSEN Die 5 Momente der Flächenhygiene Verbessern Visualisierungen die Compliance? Unterschiede zwischen den Konzepten Die 5 Momente der Händehygiene sind in patientennah und -fern eingeteilt und prozessorientiert. Alle Momente bauen entlang eines stringenten Pfades aufeinander auf. Im Vergleich dazu sind die 5 Momente der Flächenhygiene komplexer. Es handelt sich nicht um eine Ablauffolge, sondern um voneinander unabhängige Momente. Die vorgeschlagene Visualisierung [3] verändert bewusst den Blickwinkel im Vergleich zur Standarddarstellung der 5 Momente der Händehygiene, um die Abbildungen voneinander abzugrenzen. Um den Text kurz zu halten, fasst z. B. Moment 1 die Desinfektion patientennaher und „high-touch“-Flächen als Routine-Desinfektion zusammen. Gelungene visuelle Darstellungen erleichtern die Wissensvermittlung – das gilt auch im Gesundheitswesen. Deutlich wird dies am Konzept der 5 Momente der Händehygiene [1], dessen Erfolg nicht zuletzt an der starken Bildsprache liegt. Für die Flächenhygiene wurden ebenfalls 5 Momente vorgeschlagen [2], doch hat sich das Konzept bisher nicht durchgesetzt. Ein aktueller Artikel [3] schlägt nun in Analogie zur Händehygiene eine Visualisierung der 5 Momente der Flächenhygiene vor. Diese soll helfen, die Akzeptanz der Flächenhygiene als wichtige Säule der Infektionsprävention zu fördern. Von der Theorie in die Praxis Gewohnheiten bei Beschäftigten lassen sich nur schrittweise verändern. Der Akzeptanz der Flächenhygiene steht auch im Weg, dass Reinigungsarbeiten und -kräfte bislang wenig wahrgenommen werden. In der Praxis bestimmen Hygieneplan und Risikoanalyse der Kliniken, welche Arbeitsschritte jeweils unter die 5 Momente der Flächenhygiene fallen. Auch die Häufigkeit der Reinigung und Desinfektion unterscheidet sich zwischen Bereichen mit unterschiedlichem Risiko. Die Visualisierung der 5 Momente der Flächenhygiene kann dabei helfen, die komplexen Vorgaben der Flächenhygiene in die Praxis zu überführen. Auch im Rahmen eines umfassenden Schulungs- und Interventionsprogrammes sollten Visualisierungen als ergänzendes Tool genutzt werden. Quellen 1. WHO (2009). WHO Guidelines on Hand Hygiene in Health Care. https://www.who.int/publications/i/item/9789241597906 (abgerufen am 18.02.2025) 2. Dancer SJ, Kramer A (2019) J Hosp Infect 103: e1–8. https://doi.org/10.1016/j.jhin.2018.12.015 3. Krewing M et al. (2025) Hyg Med xx: xx-xx. DOI 4. Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut (2022) Bundesgesundheitsbl Gesundheitsforsch Gesundheitsschutz 65: 1074-1115. https://doi.org/10.1007/s00103-022-03576-1 Visualisierung der 5 Momente der Flächenhygiene nach [2,4], veröffentlicht in [3]. 1RoutineDesinfektion nach Kontamination 3 2vor aseptischer Tätigkeit 4Schlussdesinfektion 5im Ausbruchsfall Hier geht es zum Download des Posters 6

STUDIEN Keine Beobachtung ohne Einflussnahme! Neue Erkenntnisse zum Hawthorne- Effekt in der Händehygiene 24/7-Daten vom EMS, ergänzt durch direkte Beobachtungen Während der Studie wurden Daten auf einer Intensivstation, einer Intermediate Care-Station und einer Normalstation erhoben. Dabei wurden Patientenzimmer, Entsorgungs-/Putzmittelräume und sonstige Räume (z. B. Küchen, Flure) separat untersucht. Während das EMS über Sensor-bestückte Desinfektionsmittel-Spender permanent Daten lieferte, führten Hygienefachkräfte zu bestimmten Zeiten zusätzlich direkte Beobachtungen zur HHC gemäß der „5 Momente“ [2] durch. Für die Auswertung wurden die Ergebnisse statistisch modelliert [1]. Unter dem Hawthorne-Effekt (HE) versteht man das Phänomen, dass sich Menschen anders verhalten, wenn sie (wissentlich) beobachtet werden. Da der HE zu einer Verzerrung von Studienergebnissen führen kann, wird in der Forschung alles getan, um diesen zu vermeiden. Beim Monitoring der Händehygiene-Compliance (HHC) gilt die direkte Beobachtung jedoch als Goldstandard – trotz des Wissens um den HE. Eine neue Studie quantifizierte nun den HE an einem deutschen Klinikum mit Hilfe eines elektronischen Monitoring-Systems (EMS) und fand Unterschiede zwischen verschiedenen Stationen und Raumtypen [1]. Positiver Hawthorne-Effekt in Patientenzimmern am stärksten Insgesamt war ein positiver HE – also eine verbesserte HHC unter direkter Beobachtung – am stärksten in Patientenzimmern der Normal- und Intensivstation zu verzeichnen, während auf der Intermediate Care-Station kein signifikanter Unterschied bestand. Im Gegensatz zu den Ergebnissen von Patientenzimmern wurde ein negativer HE – also eine schlechtere HHC trotz Beobachtung – vor allem in Entsorgungsräumen festgestellt. Allerdings fanden in diesen Räumen weniger Beobachtungen statt und das beobachtete Personal könnte womöglich reaktantes Verhalten gezeigt haben [1]. Quellen 1. Otchwemah R et al. (2025) Am J Infect Control: S0196-6553(25)00451-1. https://doi.org/10.1016/j.ajic.2025.06.020 2. WHO (2009). WHO Guidelines on Hand Hygiene in Health Care. https://www.who.int/publications/i/item/9789241597906 (abgerufen am 31.07.2025) Fazit Auch wenn die Ergebnisse durch weitere Studien untermauert werden müssen, zeigen sie doch eines: Der HE scheint besonders im direkten Patientenkontakt relevant zu sein. Außerdem kann er innerhalb einer Klinik zwischen verschiedenen Stationen deutlich schwanken. Um die HHC möglichst aussagekräftig zu überwachen, können Kliniken verschiedene Methoden – wie hier elektronische und Personal-gebundene – kombinieren. Der vollständige Artikel kann hier heruntergeladen werden: Observing is influencing: How hand disinfection compliance observations affect hand disinfection rates; specifics derived from an electronic monitoring system - American Journal of Infection Control Abbildung in Anlehnung an [1]. Signifikanzniveaus: * ≤0,05; ** ≤0,01; *** ≤0,001. Sonstige Putzmittel/ Abfall Patient Ohne Beobachtung Beobachtung 25 20 15 10 5 0 ** + 31,4 % ** + 57,7 % *** + 70,5 % Rate (Händedesinfektion/Patiententag) Normalstation Sonstige Putzmittel/ Abfall Patient 50 40 30 20 10 0 + 3,5 % *** -99,4 % + 5,3 % Intermediate Care Sonstige Putzmittel/ Abfall Patient 75 60 45 30 15 0 *** + 27,4 % * + 32,9 % ** + 32,0 % Intensivstation 7

INTERWIEW Erfahrungen mit dem Software-Modul „Observe“ „Ein großer Vorteil ist, dass nun ein direktes Feedback gegeben werden Sehr geehrte Frau Hombeuel, seit wann erfassen Sie am Klinikum Memmingen die Händehygiene-Compliance mit Observe? Was hat sich durch die Nutzung für Sie verändert? Alexandra Hombeuel: Wir nutzen Observe seit 2020. Seitdem ist es viel einfacher, die Compliance zu erheben. Es ist tatsächlich leichter, das per Klick zu machen anstatt händisch. Und es ist komfortabel: Ich habe ein Gerät und kann alles, was für mich wichtig ist, dort hinterlegen. So habe ich immer alles präsent – natürlich auch für die Auswertung. Es ist optimal, dass man die Statistik sofort generieren und die Ergebnisse mithilfe bildlicher Darstellungen, ohne viele Worte, veranschaulichen kann. Und je nachdem, was man wissen will oder was man abbilden möchte, kann man auch unterschiedlichste Statistiken generieren. Das ist wirklich ganz toll. Und Sie Herr Hohl, seit wann messen Sie am Kantonsspital Aarau die Händehygiene-Compliance? Wie hat Observe die Arbeit in Ihrem Haus beeinflusst? Stefan Hohl: Die Händehygiene-Compliance wird hier im Spital effektiv seit 2006 erfasst. Mit Observe sind wir seit 2017 dabei. Die Erfassung wurde zu Beginn von Hand gemacht. Damals war die Digitalisierung noch nicht so weit. Man hat das auf Papier gemacht und die Daten dann übertragen in eine Excel-Tabelle. Das war sehr aufwändig, mühsam und auch fehleranfällig. Ich war damals noch nicht hier, aber ich kenne diese Art der Erfassung aus einer anderen Klinik. Dort haben wir damals auch noch so gearbeitet. Darum weiß ich, wie anstrengend es ist, weil man sich ziemlich konzentrieren muss, damit man die richtigen Zahlen dann am richtigen Ort einträgt. Heute ist das alles viel einfacher: Fehler werden minimiert und wir sparen auch Zeit, weil man die Daten eben nicht im Nachhinein nochmals erfassen muss. Und ich finde, ein großer Vorteil ist auch, dass nun ein direktes Feedback an die Beobachtenden gegeben werden kann: Wenn möglich führen wir im Anschluss an die Beobachtung immer außerhalb des Patientenzimmers ein direktes Feedback-Gespräch. Und dabei hilft es, wenn die Auswertung wie in der App visuell schön mit diesen Balkendiagrammen dargestellt wird. Hat sich mit Einführung des Observe-Moduls denn auch die Adhärenz bei der Händehygiene verbessert? Stefan Hohl: Mit Einführung von Observe ist natürlich auch die Zahl der Erfassungen gestiegen. Weil es einfacher wurde, aber vielleicht auch, weil wir mehr Personen im Team hatten, die dann mitgemacht haben. Seitdem haben wir rund 500 Erfassungen mehr pro Jahr. Insgesamt sind das seitdem immer über 2000 Erfassungen jährlich. Vorher lagen wir deutlich darunter. Die Adhärenz bei der Händehygiene hat sich im Laufe der Jahre verändert. Ob es an Observe lag, ist schwer zu sagen. Wir haben auch einen COVID-19-Effekt beobachtet: Während der Pandemie ab Anfang 2020 stieg die Compliance stark an - aufgrund vermehrter Präsenz auf den Stationen und eines erhöhten Bewusstseins für Hygiene. Wie war das in Memmingen, Frau Hombeuel, ist durch Observe auch bei Ihnen die Adhärenz bei der Händehygiene gestiegen? Alexandra Hombeuel: Ja, aber nur in ganz wenigen Bereichen unserer Klinik auch tatsächlich nachhaltig. Bei der praktischen Umsetzung von Hygieneregeln spielen mehrere Komponenten eine Rolle: In erster Linie ist es aber das Bewusstsein, das sich langfristig ändern muss. Unsere Daten zeigen, dass es nach wie vor, teils signifikante Schwankungen bei den Berufsgruppen gibt. Das ist die Realität. Es herrscht oft immer noch die Meinung vor, dass so eine einfache Maßnahme wie die Händedesinfektion nach den 5 Momenten, gar keine so große Bedeutung/infektionspräventive Wirkung haben kann. Es fehlt leider die Einsicht, dass tatsächlich jeder selbst einen Beitrag leisten kann und dass das Individuum gefragt ist. Seit 2015 unterstützt das Software-Modul „Observe“ der HARTMANN Hygiene-Plattform Krankenhäuser in acht Ländern dabei, die Händehygiene-Compliance gemäß den „5 Momenten der Händehygiene“ der WHO zu erfassen und zu analysieren. Im Gespräch mit DESINFACTS berichten Alexandra Hombeuel, Hygienefachkraft am Klinikum Memmingen (in Bayern), und Stefan Hohl, Fachexperte Infektionsprävention am Kantonsspital Aarau (Schweiz), welche Erfahrungen sie mit dem digitalen Assistenten für ein besseres Monitoring der Händehygiene-Compliance bisher gesammelt haben.* * Die Interviews wurden jeweils getrennt voneinander und ohne Kenntnis der Aussagen anderer Gesprächspartner geführt. 8

kann“ INTERVIEW 9

INTERWIEW Erfahrungen mit dem Software-Modul „Observe“ Hat sich denn in den Bereichen, in denen sich die Händehygiene-Compliance verbessert hat, das geänderte Verhalten auch in einer sinkenden Anzahl an Infektionen niedergeschlagen? Alexandra Hombeuel: Das können wir so genau gar nicht sagen. Bei unserer Infektionserfassung ist nichts negativ aufgefallen. Die Händehygiene ist letztlich aber auch nur eine Komponente der gesamten Hygiene. Könnten Sie, Herr Hohl, denn einen Zusammenhang zwischen der verbesserten Händehygiene-Compliance und einer sinkenden Anzahl an Infektionen feststellen? Stefan Hohl: Nein, das ist effektiv sehr schwierig zu sagen. Ob die Infektionen steigen oder sinken hängt von sehr vielen unterschiedlichen Faktoren ab: Von den Mitarbeitenden, der Fluktuation der Mitarbeitenden, der Zahl der temporären Mitarbeitenden. Oder ganz allgemein auch von der Hygiene im OP, die, aber weniger als auf den Abteilungen, auch mit der Händehygiene zusammenhängt. Man kann die verschiedenen Faktoren schwer voneinander trennen, letztlich spielt alles zusammen. Wie nutzen Sie die erhobenen Daten konkret? Haben Sie daraus Interventionen für Ihr Haus abgeleitet? Stefan Hohl: Wir nehmen die Daten zu Anfang eines Jahres aus dem System und werten dann das vergangene Jahr aus. Daraus erstellen wir einen Jahresbericht. Die Ergebnisse teilen wir dann den Stationen, den jeweiligen Leitungen und der ärztlichen Leitung mit. Alle Pflegestationen, die eine Adhärenz von unter 75 % haben, werden dann spezifisch geschult bezüglich der Händehygiene. Es finden auch Ärzte-Schulungen statt. Wir hatten beispielsweise 2023 eine nicht ganz so gute Händehygiene-Compliance festgestellt. Deswegen haben wir im Jahr darauf Hörsaalveranstaltungen gemacht. Das waren Pflichtveranstaltungen, an denen möglichst alle Pflegenden und auch die Ärzte teilnehmen mussten. Im 2022 haben wir zum Beispiel auch Schulungen durchgeführt. Damals aber direkt auf den Pflegestationen. Denn wir hatten im Jahr zuvor gesehen, dass die Händehygiene vor allem vor dem Patientenkontakt und vor invasiven Tätigkeiten schlecht umgesetzt wurde. Wir versuchen die vorhandenen Daten so gut es geht zu nutzen, um auf den Stationen oder bei den Ärzten Einfluss zu nehmen, wenn das notwendig ist. Alexandra Hombeuel: Wir machen Nachbesprechungen und vereinbaren dann auch weitere Maßnahmen. Aber das verläuft leider oft im Sande. Wir von der Hygiene haben nun mal keine Weisungsbefugnis. Das heißt: man kann zwar etwas vereinbaren, aber wir haben nicht die Möglichkeit, das auch einzufordern. Das heißt, Sie können zwar leichter als früher Probleme bei der Händehygiene-Compliance erfassen und die Ergebnisse schnell grafisch ansprechend darstellen, tun sich aber schwer damit, nachhaltige Änderungen zu bewirken. Wie bewerten Sie denn den praktischen Einsatz des „Observe“-Moduls? Sind Sie zufrieden damit? Alexandra Hombeuel: Grundsätzlich finde ich die Anwendung, so wie sie ist, klasse. Sie hat alles was man für eine ComplianceBeobachtung braucht. Der große Vorteil ist, dass die Anwendung aufgrund der digitalen Erfassung die Glaubwürdigkeit der erhobenen Daten erhöht. Und das ist ja nicht alles. Die SOPs gehören ja auch noch dazu. Das ist schön. Was manchmal ein bisschen schwierig ist, das ist das Erstellen eigener SOPs. Das ist schon eine ziemlich zähe Geschichte. In dem Punkt könnte die Anwendung etwas anwenderfreundlicher sein. Stefan Hohl: Wir sind sehr zufrieden mit Observe. Und auch mit der gesamten Hygiene-Plattform von HARTMANN, die wir seit zwei Jahren nutzen. Mit der Hygiene-Plattform funktioniert das System noch besser und noch stabiler. Zuvor konnte es vorkommen, dass bei der Erfassung das System abgestürzt ist oder Daten nicht ganz korrekt erfasst wurden. Es ist nun auch vom Optischen her ansprechender und die Daten-Erfassung ist relativ selbsterklärend. Dadurch können wir das System auch neuen Nutzern, die es zum ersten Mal verwenden, schnell und gut erklären. Es ist optimal, dass man die Statistik sofort generieren und die Ergebnisse mithilfe bildlicher Darstellungen, ohne viele Worte, veranschaulichen kann Alexandra Hombeuel 10

INTERVIEW Mit der Hygiene-Plattform funktioniert das System irgendwie noch besser und noch stabiler Stefan Hohl 11

FORUM Bronze, Silber & Platin: Einsatz für Nachhaltigkeit dreifach ausgezeichnet EcoVadis gehört zu den weltweit führenden und anerkannten Anbietern von Nachhaltigkeitsbewertungen und unterstützt Unternehmen, ihre Nachhaltigkeitsziele zu erfüllen. EcoVadis bewertet Unternehmen anhand von 21 Kriterien in den vier Themenbereichen Umwelt, Arbeits- und Menschenrechte, Ethik sowie nachhaltige Beschaffung. Die Vergabe einer Medaille erfolgt dabei ausschließlich an Unternehmen, die über ein starkes System für Nachhaltigkeitsmanagement verfügen und im Vergleich mit anderen bewerteten Unternehmen überdurchschnittlich abschneiden. Bronze für die HARTMANN GRUPPE Dass die gesamte HARTMANN GRUPPE bereits viele wirkungsvolle Maßnahmen erfolgreich implementiert hat und deshalb in puncto Nachhaltigkeit auf einem guten Weg ist, belegt die aktuelle EcoVadis-Beurteilung: Demnach zählt die HARTMANN GRUPPE zu den Top 35 % aller Unternehmen, die in den letzten zwölf Monaten durch EcoVadis geprüft wurden. In der Gesamtbewertung zählt die Unternehmensgruppe zu den besten 18 %, im Bereich Umwelt sogar zu den Top 4 %. Aber auch in den Kategorien Arbeits- und Menschenrechte sowie nachhaltige Beschaffung liegt die HARTMANN GRUPPE mit Platzierungen unter den Top 15 % bzw. Top 12 % klar über dem Branchendurchschnitt. Silber für den Standort Herbrechtingen Der HARTMANN Standort Herbrechtingen hat im Rahmen der aktuellen Neubewertung sogar das Silber-Rating von EcoVadis erhalten. Damit gehört der Standort zu den besten 3 % aller zuletzt bewerteten Unternehmen in der Branche für medizinische und zahnmedizinische Apparate und Materialien. Besonders gut schnitt der Standort in den Bereichen Ethik (Top 2 %), Arbeits- und Menschenrechte (Top 3 %) sowie Umwelt (Top 4 %) ab. Auch in der nachhaltigen Beschaffung (Top 5 %) erzielte der Standort exzellente Ergebnisse. Dreifache Bestätigung: erneut Platin für Kneipp Kneipp, ein Tochterunternehmen der HARTMANN GRUPPE, schreibt in puncto Nachhaltigkeit eine besondere Erfolgsgeschichte: Kneipp hat bereits zum dritten Mal das EcoVadis Platinum-Rating erreicht und gehört damit zur absoluten Spitzengruppe aller weltweit geprüften Unternehmen (Top 1 %). Damit wird der Anspruch des Unternehmens gewürdigt, möglichst immer umweltschonende, sozial verantwortliche und wirtschaftlich tragfähige Lösungen zu finden. Das EcoVadis Rating belohnt dabei auch die kontinuierliche Verbesserung interner Prozesse. Denn die Hürden für Top-Ratings werden mit jedem Jahr angehoben. Dennoch konnte Kneipp auch 2025 sein Ergebnis verbessern: Erstmalig wurde das Unternehmen in allen Kategorien mit der Höchstwertung „hervorragend“ beurteilt. Das Engagement hat sich gelohnt: Die HARTMANN GRUPPE sowie einzelne Standorte und Tochterunternehmen wurden in diesem Jahr für ihr Nachhaltigkeitsengagement mit Medaillen von EcoVadis ausgezeichnet. Gesamtbewertung Umwelt Arbeits- und Menschenrechte Nachhaltige Beschaffung Top 18 % Top 4 % Top 15 % Top 12 % Gesamtbewertung Umwelt Arbeits- und Menschenrechte Nachhaltige Beschaffung Top 2 % Top 3 % Top 4 % Top 5 % 12

WISSEN Neue Übersicht über relevante Erreger im Gesundheitswesen und die zugehörigen Hygienemaßnahmen Von A wie Acinetobacter bis Z wie Zikavirus Neue Übersicht über relevante Erreger im Gesundheitswesen und die zugehörigen Hygienemaßnahmen Welches Wirkspektrum benötige ich beim Umgang mit Hepatitis-A-Viren? Und welche Isolierungsmaßnahmen müssen bei einem Patienten mit einem 4-MRGN-Erreger eingehalten werden? Diese und weitere Fragen beantwortet ein neues Übersichtsposter des HARTMANN SCIENCE CENTERS. Neben Wirkspektren und Übertragungswegen fokussiert sich das Infoposter vor allem auf die erforderlichen Hygienemaßnahmen inkl. der benötigten persönlichen Schutzausrüstung. Hier können Sie das gesamte Poster herunterladen: https://hartmannsciencecenter.com/rNTCx7 13

WISSEN Komplexe Inhalte mit praktischem Nutzen Europäische Normen im Bereich Desinfektionsmittel Technisch, umfangreich und detailliert: Normen sind für die meisten Menschen nicht gerade leicht verständlich. Dennoch müssen sich zahlreiche Berufsgruppen im Gesundheitsbereich zumindest mit den Grundlagen verschiedener Normen auskennen. Europäische Normen sind unerlässlich, um im Desinfektionsmittelbereich europaweit für einheitliche Standards zu sorgen. Sie dienen Herstellern, Prüfstellen sowie Anwenderinnen und Anwendern als verbindliche Grundlage. Ohne einheitliche Vorgaben würden unterschiedliche nationale Anforderungen gelten, was den Vergleich von Produkten erschweren und den Handel behindern würde. Europäische Normen sorgen somit für Transparenz und schaffen ein gleiches Qualitätsniveau, das den Gesundheitsschutz und die Sicherheit gewährleistet. Wirksamkeitsprüfung unter realistischen Bedingungen Nur wenn die Wirksamkeit eines Desinfektionsmittels nach klar definierten Verfahren getestet wird, lässt sich sicherstellen, dass es die angegebenen Mikroorganismen unter realistischen Bedingungen zuverlässig inaktiviert. Desinfektionsmittel sollten daher unter möglichst praxisnahen Bedingungen und gegen eine Vielzahl relevanter Erreger getestet werden. Dafür kommt üblicherweise ein zweistufiges Prüfverfahren zur Anwendung. Quantitative Suspensionstests bilden die Grundlage der Stufe-1-Prüfungen, bei denen die Wirksamkeit gegen verschiedene Mikroorganismen unter Proteinbelastung bestimmt wird. Stufe-2-Prüfungen orientieren sich an realen Bedingungen und erfolgen daher auf der entsprechenden Oberfläche. Da dies bei Hände-Desinfektionsmitteln die Hände sind, kommen hier ausschließlich nicht-pathogene Organismen zum Einsatz, um die Gesundheit von Testpersonen nicht zu gefährden. 2024 erschienen gleich zwei neue Normen der Stufe 2 - die EN 17430 für die virzude hygienischen Händedesinfektion und die EN 17846 für die sporizide Flächendesinfektion. EN 17430: Viruzide hygienische Händedesinfektion Für den Nachweis der bakteriziden hygienischen Händedesinfektion gibt es bereits seit mehreren Jahren ein zweistufiges Verfahren gemäß EN 13727 (Stufe 1) und EN 1500 (Stufe 2). Im Gegensatz dazu gab es für die Prüfung der viruziden Wirksamkeit von Hände-Desinfektionsmitteln bis vor kurzem nur Prüfungen der Stufe 1. Erst im Mai 2024 wurde mit der EN 17430 [2] eine Prüfung der Stufe 2 für die Viruzidie herausgegeben. Die Prüfung erfolgt mit dem für den Menschen ungefährlichen murinen Norovirus (MNV). MNV ist ein unbehülltes Virus, weshalb mit der EN 17430 die Wirkspektren begrenzt viruzid PLUS und viruzid nachgewiesen werden können. Für die Auslobung der Wirksamkeit gegen behüllte Viren (begrenzt viruzid) genügt die Prüfung gemäß EN 14476 (Stufe 1). Die Prüfung nach EN 17430 erfolgt mit 18–22 Testpersonen, die sich vor der Testung die Hände waschen. Anschließend wird Abbildung 1: Ablauf der Testung der viruziden hygienischen Händedesinfektion gemäß EN 17430. 1 2 4 5 3 2x 2x 3 mL 30 s Fingerspitzen werden erneut beprobt (Nachwert). Die Effektivität der Virusinaktivierung wird zwischen Referenz und Produkt verglichen. Desinfektion für 2x 30 s mit 2x 3 mL 70 % Ethanol mit standardisiertem Einreibeverfahren. Desinfektion mit X mL für mindestens 30 s mit standardisiertem Einreibeverfahren. 3 X mL 30 s Referenz Prüfprodukt Die Hände werden mit dem Textvirus murines Noroviruskontaminiert Nach dem Trocknen werden die Fingerspitzen beprobt (Vorwert). 14

die Testung wie in Abbildung 1 beschrieben durchgeführt. Dafür werden die Hände mit MNV künstlich kontaminiert (Schritt 1) und nach dem Trocknen in einer Petrischale mit Wachstumsmedium zur Bestimmung des Vorwerts (Erregerzahl VOR Desinfektion) ausgeknetet (Schritt 2). In Schritt 3 werden die Hände mit 2 x 3 mL 70 % v/v Ethanol als Referenz für 2 x 30 Sekunden mittels standardisierter Einreibemethode desinfiziert. Nach der Desinfektion werden die Hände erneut in Wachstumsmedium ausgeknetet. Nun kann bestimmt werden, wie viele Erreger nach der Desinfektion noch auf den Händen sind (Schritt 4; Nachwert). Anschließend wird die logarithmische Reduktion aus der Differenz zwischen Vorwert und Nachwert berechnet (Schritt 5). Zur Testung des Prüfprodukts beginnt die Testung wieder von vorne, wobei diesmal in Schritt 3 die Hände mit dem Prüfprodukt anstelle der Referenz desinfiziert werden. Dafür wird eine vom Hersteller angegebene Menge an Desinfektionsmittel für 30 bis 60 Sekunden gemäß standardisierter Einreibemethode eingerieben. Um die EN 17430 zu bestehen, muss das Prüfprodukt mindestens so wirksam sein wie die Referenz. WISSEN EN 17846: Sporizide Wirksamkeit von Flächen-Desinfektions- mitteln gegen C. difficile Auch die EN 17846 [3] beschreibt ein Prüfverfahren der Stufe 2. Hier geht es jedoch um den Nachweis der Wirksamkeit von Flächen-Desinfektionsmitteln – in diesem Fall gegen das sporenbildende Bakterium C. difficile, das häufig nosokomiale Durchfallerkrankungen auslöst und dessen Sporen bis zu 5 Monate auf Flächen überdauern können [4]. Der Ablauf der Testung wird in Abbildung 2 gezeigt: Auf einer Prüffläche werden vier aufeinanderfolgende Prüffelder à 5 x 5 cm gekennzeichnet. Das erste Prüffeld wird mit dem Testerreger und einer organischen Belastung (Eiweiß und ggf. Blut) kontaminiert (Schritt 1). Danach werden die vier Prüffelder mit dem Prüfprodukt, beschwert durch ein Standardgewicht und bei Prüffeld 1 beginnend, desinfiziert (Schritt 2). Nach der Einwirkzeit, die in der Norm definiert ist und für patientennahe bzw. -ferne Flächen zwischen 1–30 bzw. 1–60 Minuten beträgt, werden die einzelnen Prüffelder mit feuchten Wattetupfern beprobt, um die verbliebenen Erreger zurückzugewinnen (Schritt 3). Abschließend wird die Anzahl der Erreger auf jedem Prüffeld gezählt und mit der anfänglichen Erregerzahl verglichen (Schritt 4). Ein sporizid gegen C. difficile wirksames Desinfektionsmittel muss die Erregerzahl auf dem ersten Prüffeld um 4 logarithmische Stufen reduzieren, während die Erregerzahl auf den Prüffeldern 2 bis 4 nicht mehr als 50 koloniebildende Einheiten betragen darf. Abbildung 2: Ablauf der Testung auf sporizide Wirksamkeit von Flächen-Desinfektionsmitteln gemäß EN 17846. Fortsetzung #1 #2 #3 #1 #2 #3 #4 #1 #2 #3 #4 4-Felder-Test Phase 2 / Stufe 2: bakterizid/levurozid, mit Mechanik Spezielle Testerreger werden zusammen mit einer organischen Belastung auf dem ersten Feld ausgebracht. Ein mit Desinfektionsmittel getränktes Tuch wird an der Unterseite eines Einheitsgewichts befestigt. Anschließend wird mit dem Gewicht über die Prüf- felder gewischt. Die Kolonien werden gezählt. Ein wirksames Desinfektionsmittel sollte eine bestimmte Anzahl an Erregern inaktiviert haben. 15

WISSEN Auf einen Blick: Wichtige europäische Normen für Desinfektionsmittel im humanmedizinischen Bereich Quellen 1. Bolten A et al. (2022) GMS Hyg Infect Control 17: Doc14. https://doi.org/10.3205/dgkh000417. 2. DIN EN 17430:2024-05. Chemische Desinfektionsmittel und Antiseptika - Viruzide hygienische Händedesinfektion - Prüfverfahren und Anforderungen (Phase 2/Stufe 2); Deutsche Fassung EN 17430:2024. 3. DIN EN 17846:2024-01. Chemische Desinfektionsmittel und Antiseptika - Quantitatives Prüfverfahren zur Bestimmung der sporiziden Wirkung gegen Clostridioides difficile auf nicht-porösen Oberflächen mit mechanischer Einwirkung mit Hilfe von Tüchern im humanmedizinischen Bereich (4-Felder-Test) - Prüfverfahren und Anforderungen (Phase 2/Stufe 2); Deutsche Fassung EN 17846:2023. 4. https://www.hartmann-science-center.com/-/media/country/hsc/top-issues/factsheet-clostridioides-difficile_de.pdf?rev=4ebad2529c1a43649dd611795a4108de&sc_ lang=de-de (abgerufen am 28.08.2025) Teststufe Wirkspektrum Hände Fläche (mit Mechanik) Instrumente Hygienische Händedesinfektion Chirurgische Händedesinfektion Phase 2 Stufe 1 Quantitativer Suspensionsversuch Bakterizid EN 13727 EN 13727 EN 13727 EN 13727 Levurozid EN 13624 EN 13624 EN 13624 EN 13624 Fungizid x x EN 13624 EN 13624 Mykobakterizid/ Tuberkulozid EN 14348 x EN 14348 EN 14348 Viruzid EN 14476 x EN 14476 x Sporizid x x EN 17126 EN 17126 Phase 2 Stufe 2 Quantitativer Keimträgertest Bakterizid EN 1500 EN 12791 EN 16615 EN 14561 Levurozid x x EN 16615 EN 14562 Fungizid x x x EN 14562 Mykobakterizid/ Tuberkulozid x x x EN 14563 Viruzid EN 17430 x x EN 17111 Sporizid x x EN 17846 x 16

PRINCESS-Programm Bessere Händehygiene in spanischen Seniorenheimen Was ist PRINCESS? Das „Programa para la prevención de infecciones en centros residenciales dirigidos a personas mayores de servicios sociales” – kurz: PRINCESS – ist ein vom spanischen Gesundheitsministerium initiiertes Programm zur Infektionsprävention in Seniorenheimen [1]. Zu den kürzlich veröffentlichten Empfehlungen trugen renommierte Hygienikerinnen und Hygieniker bei. Pflegeheime müssen nun ihre Hygienekonzepte anpassen und die routinemäßige Händedesinfektion in vier definierten Momenten, adaptiert von den „5 Momenten“ der Weltgesundheitsorganisation, kurz WHO [2], implementieren. Nosokomiale Infektionen verursachen in Spanien jährlich mehr als 7.000 Todesfälle und direkte Kosten von ca. 2 Milliarden Euro [1]. Dreiviertel der spanischen Seniorinnen und Senioren in Pflegeeinrichtungen sind über 80 Jahre alt [1] und somit besonders gefährdet. Da die meisten dauerhaft Medikamente einnehmen, steigt das Risiko von Wechselwirkungen bei der Behandlung mit Antibiotika, und auch multiresistente Infektionen sind nicht selten [1]. Dringender Handlungsbedarf besteht zudem vor dem Hintergrund, dass die Händedesinfektion in spanischen Pflegeheimen bislang noch nicht flächendeckend routinemäßige praktiziert wird. Das PRINCESS-Programm soll dies nun ändern, um die Sicherheit der Pflegebedürftigen zu erhöhen und Infektionen zu senken [1]. Fünf Säulen zum Erfolg Das Programm basiert auf fünf Säulen. Um die Anforderungen an „Infrastruktur und Ressourcen“ zu erfüllen, müssen Einrichtungen fest installierte und mobile Spender – befüllt mit nachweisbar wirksamen alkoholischen Hände-Desinfektionsmitteln – bereitstellen. Aufstellorte, an denen Kontakt mit Körperflüssigkeiten besteht oder viele Menschen zusammenkommen, sollen besonders berücksichtigt werden. Außerdem müssen Gemeinschaftsräume und Badezimmer über Waschbecken mit Wasser, Seife und Papierhandtüchern verfügen [1]. Darüber hinaus gibt die Leitlinie klare Empfehlungen zu den Themen „Schulung und Training“ (z. B. zu Inhalten und Nachweisen), „Evaluierung“, „Strategische Erinnerungen zur Händehygiene“ (z. B. durch visuelle Hinweise) und „Förderung einer guten Sicherheitskultur“. Der bildreiche Anhang mit Postern zur Händehygiene und Handschuhnutzung erleichtert Einrichtungen die praktische Umsetzung des Programms. Quellen 1. PROGRAMA PRINCESS (2025). https://seguridaddelpaciente.sanidad.gob.es/informacion/publicaciones/2024/docs/PROGRAMA_PARA_LA_MEJORA_DE_HIGIENE_DE_ MANOS_EN_CENTROS_RESIDENCIALES_DIRIGIDOSA_PERSONAS_MAYORES.pdf (abgerufen am 01.08.2025) 2. WHO (2009). WHO Guidelines on Hand Hygiene in Health Care. https://www.who.int/publications/i/item/9789241597906 (abgerufen am 01.08.2025) Folienpraesentation.pdf WISSEN dos a yores encial d en e del Vor Bewohnerkontakt Nach Bewohnerkontakt _____ ______ P egenzentrum 4 1 Vor aseptischen Tätigkeiten 2 Nach Kontakt mit Körperflüssigkeiten 3 17

WISSEN Nur unangenehm oder auch gesundheitsgefährdend? Geruchsbelästigung am Arbeitsplatz Ob ein Geruch gefällt, ist im Allgemeinen subjektiv, besonders bei leichten und natürlichen Gerüchen. Bei allem, was stark oder chemisch riecht, gehen die Meinungen weniger weit auseinander. Das mag auch daran liegen, dass die meisten Menschen wissen oder annehmen, dass das Einatmen von Chemikalien gesundheitsschädlich sein kann [1]. Tatsächlich lassen sich bestimmte Geruchsparameter objektiv messen, z. B. als sogenannten Dampfdruck [2]. Hier bedeutet ein hoher Wert, wie ihn beispielsweise Peressigsäure (PES) aufweist, dass eine Substanz bei niedrigen Temperaturen schnell in die Gasphase übergeht – und somit leicht eingeatmet werden kann. Haben solche Stoffe auch noch toxische Eigenschaften, kann es schnell gesundheitlich bedenklich werden. Nicht nur auf den Dampfdruck, auch auf den DNEL kommt es an Der sogenannte DNEL (Derived No-Effect Level = abgeleitete Expositionshöhe, unterhalb derer die menschliche Gesundheit nicht beeinträchtigt wird) gilt als toxikologischer Grenzwert für die Risikobeurteilung eines Stoffes [3]. Der DNEL ist eins von vielen Maßen für Grenzwerte und kann neben dem Arbeitsplatzgrenzwert (AGW) oder der maximalen Arbeitsplatzkonzentration (MAK) genutzt werden. Wird der Dampfdruck gegen den DNEL aufgetragen (s. Abb.), ist gleich zu erkennen: Isopropanol und Ethanol sind (für die Nase!) unbedenklich, während Personen beim Handling von Formaldehyd, Chlor und PES nicht zu tief einatmen bzw. sich ggf. schützen sollten. Die DNEL-Werte dienen auch als Basis für die Festlegung von Schutzmaßnahmen am Arbeitsplatz. Dies schützt z. B. die Gesundheit von Beschäftigten im Labor, gilt aber auch für Reinigungskräfte, die z. B. bei der Flächenreinigung oft flüchtigen, riechenden Substanzen ausgesetzt sind. Gut zu wissen: Die neuen Bacillol® Oxy Tissues zur Flächendesinfektion kommen ohne PES aus und enthalten lediglich Wasserstoffperoxid und Glykolsäure, die beide eher geruchlos sind. Auch „harmloser“ Gestank kann Beschwerden verursachen Für die Geruchswahrnehmungs- und -erkennungsschwelle gibt es im Gegensatz zum Dampfdruck und DNEL bislang keine objektiven, in der Praxis etablierten Messmethoden. Ebenso wenig lässt sich vorhersagen, ob eine Person mit Beschwerden wie Brechreiz oder Appetitlosigkeit auf einen „harmlosen“ Geruch wie Pferdemist reagiert [1,4]. Grundsätzlich muss natürlich zwischen reiner Belästigung und Gefährdung unterschieden werden. Dennoch kann auch eine „harmlose“ Geruchsbelästigung, die selbst nicht beeinflusst werden kann, der Gesundheit durch dauerhaften Stress schaden [1]. In Bezug auf den Arbeitsschutz und damit verbundene Arbeitsplatzgrenzwerte sind außerdem die Angaben im Abschnitt 8 eines Sicherheitsdatenblattes und die Technischen Regeln für Gefahrstoffe der Reihe 900 [5] von Interesse. Quellen 1. Brüning T, Sucker K (2022) Arbeitsmed Sozialmed Umweltmed 57: 448 –455. https://doi.org/10.17147/asu-1-204767 2. https://www.bgbau.de/themen/sicherheit-und-gesundheit/gefahrstoffe/sicherheitsdatenblatt/dampfdruck (abgerufen am 19.08.2025) 3. https://www.weka.de/arbeitsschutz-gefahrstoffe/dnel/ (abgerufen am 19.08.2025) 4. Van Thriel C et al. (2023) Geruchsintensive Stoffe: Grundlagen, Bewertung und Markierung. The MAK Collection for Occupational Health and Safety 8: Doc010. https:// doi.org/10.34865/mb0geruchdgt8_1or 5. Technische Regel für Gefahrstoffe. Ausgabe: Januar 2006. BArBl. Heft 1/2006 S. 41-55. Zuletzt geändert und ergänzt: GMBl 2025, S. 155 [Nr. 8] (vom 20.03.2025). Berichtigt: GMBL 2025 S. 234 [Nr. 10-11] (vom 06.05.2025). https://www.baua.de/DE/Angebote/Regelwerk/TRGS/pdf/TRGS-900.pdf?__blob=publicationFile&v=11 (abgerufen am 24.09.2025) Chlor Toxizität (basierend auf DNEL-Werten) Dampfdruck Wasser Isopropanol Peressigsäure Formaldehyd Essigsäure H2O2 Chlorbleiche Chloroform Ethanol Methanol R-Limonen (Orangenaroma) Diagramm in doppelt-logarithmischer Darstellung basierend auf den Daten in der Chemikalien-Datenbank der Europäischen Chemikalien Agentur (ECHA). DNEL = Derived No-Effect Level. 18

PRAXIS Wenn Basishygiene nicht genügt Erreger mit besonderen Hygieneansprüchen Hartnäckige Erreger: Routinedesinfektion unwirksam bei rund 10 % nosokomialer Infektionen Basierend auf den Daten der europäischen Punktprävalenzerhebungen, die in regelmäßigen Abständen vom European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) erhoben werden, lässt sich der Hauptanteil aller nosokomialen Infektionen (etwa 90 %) auf vegetative Bakterien wie S. aureus (inkl. MRSA), E. coli oder K. pneumoniae zurückführen [2,3]. Diese Erreger können z. B. leicht mit niedrig-alkoholischen Flächen-Desinfektionsmitteln aus der Routinedesinfektion inaktiviert werden. Darüber hinaus werden jedoch schätzungsweise 10 % der nosokomialen Infektionen In der Flächenhygiene wird zwischen der täglichen Routinedesinfektion im Rahmen der Basishygiene und der gezielten Desinfektion unterschieden. Während Routinedesinfektion die tägliche Wischdesinfektion patientennaher Flächen mit bakterizidem, levurozidem und begrenzt viruzidem Wirkspektrum (Basishygiene) beinhaltet, umfassen gezielte Desinfektionsmaßnahmen die Schlussdesinfektion, die Desinfektion bei Kontaminationen und Situationen, in denen ein besonderes Wirkspektrum erforderlich ist, z. B. in Isolierzimmern [1]. Quellen 1. Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut (RKI) (2022). Bundesgesundheitsbl 65:1074-1115. https://doi. org/10.1007/s00103-022-03576-1 2. European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) (2023). Point prevalence survey of healthcare-associated infections and antimicrobial use in European acute care hospitals, 2016-2017. Stockholm. 3. European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) (2024) Point prevalence survey of healthcare-associated infections and antimicrobial use in European acute care hospitals, 2022-2023. Stockholm.* 4. Liu C et al. (2023) Antibiotics (Basel) 12: 1141. https://doi.org/10.3390/antibiotics12071141 10 % der nosokomialen Infektionen erfordern ein Wirkspektrum außerhalb der Basishygiene. 90 % der nosokomialen Infektionen können mit den Wirkspektren bakterizid, levurozid und begrenzt viruzid bekämpft werden. durch Erreger verursacht, die sich nicht so einfach bekämpfen lassen [2,3]. Besondere Relevanz für Gesundheitseinrichtungen hat dabei das Bakterium Clostridioides difficile, das hartnäckige Sporen bildet und sich als gegen viele herkömmliche Desinfektionsmittel und Reinigungsverfahren resistent erweist [4]. Besondere Bedeutung kommt der konsequenten Händehygiene zu, sowohl beim Personal als auch bei den Patienten. Zudem müssen patientennahe Flächen und Nasszellen täglich mit einem sporiziden Desinfektionsmittel – z. B. auf Basis von Wasserstoffperoxid – gereinigt werden. Vegetative Bakterien: 85 % Hefen (z. B. Candida sp.): 5 % Behüllte Viren: < 1 % Basishygiene 90 % Bakterielle Sporen 8 % Pilze: 1 % Unbehüllte Viren: < 1 % Gezieltes 10 % Wirkspektrum Schätzungen basierend auf Daten der letzten beiden europäischen Punktprävalenzerhebungen [2,3]. Relative Häufigkeiten von C. difficile wurden ggf. überschätzt, da diese per Definition ein positives mikrobiologisches Ergebnis erfordern. Nosokomiale Infektionen mit SARSCoV-2 wurden hier nicht berücksichtigt. 19

WISSEN Internationale Woche der Infektionsprävention C. difficile – hartnäckige Herausforderung im Klinikalltag C. difficile gilt als besonders hartnäckiger Erreger: Seine Sporen erweisen sich als gegen viele herkömmliche Desinfektionsmittel und Reinigungsverfahren resistent [3, 4]. Die Übertragung von C. difficile erfolgt als fäkal-orale Schmierinfektion durch direkten oder indirekten Kontakt mit kontaminierten Personen oder Oberflächen. In den Industrieländern ist C. difficile der häufigste Erreger einer Antibiotika-assoziierten Diarrhoe nach vorangegangenen Antibiotikatherapien, in deren Folge sich C. difficile in der gestörten Darmflora ungehindert vermehren kann [3]. Alarmierender Anstieg der CDI-Fälle Seit 2003 wird weltweit ein kontinuierlicher Anstieg der Fälle der C. difficile-Infektionen (CDI) verzeichnet – mit mehr als 150.000 Fällen pro Jahr in Europa [5] und bis zu 500.000 Fällen jährlich in den USA [6, 7]. Der Vermeidung und Eindämmung von CDI in Gesundheitseinrichtungen kommt daher eine Schlüsselrolle zu. Vorsichtsmaßnahmen sowie strikte Händehygiene und konsequente Flächendesinfektion sind essenziell, da es aufgrund der Hartnäckigkeit der Sporen schnell zur Rekontamination und Initiierung neuer Übertragungsketten kommen kann [4, 8]. Präventionsmaßnahmen konsequent umsetzen Um das Infektionsrisiko zu reduzieren, betont die Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) die Bedeutung eines zurückhaltenden Einsatzes von Antibiotika. Patienten mit CDI sollten in Einzelzimmern mit eigener Nasszelle untergebracht werden. Bei Ausbrüchen sollte eine Kohortenisolierung erfolgen. Im Patientenzimmer sind Schutzkittel und Einmalhandschuhe zu tragen. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Händehygiene: Vor Betreten des Patientenzimmers Handschuhe anlegen, beim Ändern der Tätigkeit wechseln, vor Verlassen des Zimmers Hände desinfizieren und anschließend waschen. Auch Patienten sollten zur gründlichen Händehygiene angehalten werden. Zur Flächendesinfektion sollten alle patientennahen Bereiche und Nasszellen täglich mit einem sporizid wirkenden FlächenDesinfektionsmittel behandelt werden [3]. Infektionsprävention als gemeinsames Ziel Mit diesen Maßnahmen können auch hartnäckige Erreger wie C. difficile in Schach gehalten werden. Die International Infection Prevention Week (IIPW) erinnert daran, wie wichtig die Infektionsprävention für uns alle ist. Die seit 1986 jährlich veranstaltete International Infection Prevention Week (IIPW) machte vom 19. bis 25. Oktober 2025 erneut weltweit auf die zentrale Bedeutung der Infektionsprävention aufmerksam. Im Fokus stand dabei die Aufklärung über Hygienemaßnahmen bei Clostridioides difficile (C. difficile). Die sporenbildenden Bakterien stellen eine besondere Herausforderung für die Infektionsprävention dar [1, 2]. Quellen 1. Robert Koch Institut. Clostridioides (früher Clostridium) difficile. RKI-Ratgeber. Stand: 22.01.2025. https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/RKI-Ratgeber/ Ratgeber/Ratgeber_Clostridium.html?nn=16777040#doc16790860bodyText2 (abgerufen am 25.08.2025) 2. Yakout A et al. (2024) J Prim Care Community Health 15:21501319241249645 3. Hygienemaßnahmen bei Clostridioides difficile-Infektion (CDI). Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut (2019). Bundesgesundheitsbl 62: 906–923 4. Vance J, Turner N (2025) Infect Dis Clin North Am S0891-5520(25)00067-4. doi: 10.1016/j.idc.2025.07.004 5. European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC). Point prevalence survey of healthcare-associated infections and antimicrobial use in European acute care hospitals 2022–2023. https://www.ecdc.europa.eu/sites/default/files/documents/healthcare-associated-point-prevalence-survey-acute-care-hospitals-2022-2023.pdf 6. Guh A et al. (2020) N Engl J Med 382: 1320–30. DOI: 10.1056/NEJMoa1910215 7. Lessa F et al. (2015) N Engl J Med 372: 825–34. DOI: 10.1056/NEJMoa1408913 8. Krishna A, Chopra T (2021). Infect Dis Clin North Am 35(4): 995–1011 2003 2025 20

RkJQdWJsaXNoZXIy NDU5MjM=