WISSEN Komplexe Inhalte mit praktischem Nutzen Europäische Normen im Bereich Desinfektionsmittel Technisch, umfangreich und detailliert: Normen sind für die meisten Menschen nicht gerade leicht verständlich. Dennoch müssen sich zahlreiche Berufsgruppen im Gesundheitsbereich zumindest mit den Grundlagen verschiedener Normen auskennen. Europäische Normen sind unerlässlich, um im Desinfektionsmittelbereich europaweit für einheitliche Standards zu sorgen. Sie dienen Herstellern, Prüfstellen sowie Anwenderinnen und Anwendern als verbindliche Grundlage. Ohne einheitliche Vorgaben würden unterschiedliche nationale Anforderungen gelten, was den Vergleich von Produkten erschweren und den Handel behindern würde. Europäische Normen sorgen somit für Transparenz und schaffen ein gleiches Qualitätsniveau, das den Gesundheitsschutz und die Sicherheit gewährleistet. Wirksamkeitsprüfung unter realistischen Bedingungen Nur wenn die Wirksamkeit eines Desinfektionsmittels nach klar definierten Verfahren getestet wird, lässt sich sicherstellen, dass es die angegebenen Mikroorganismen unter realistischen Bedingungen zuverlässig inaktiviert. Desinfektionsmittel sollten daher unter möglichst praxisnahen Bedingungen und gegen eine Vielzahl relevanter Erreger getestet werden. Dafür kommt üblicherweise ein zweistufiges Prüfverfahren zur Anwendung. Quantitative Suspensionstests bilden die Grundlage der Stufe-1-Prüfungen, bei denen die Wirksamkeit gegen verschiedene Mikroorganismen unter Proteinbelastung bestimmt wird. Stufe-2-Prüfungen orientieren sich an realen Bedingungen und erfolgen daher auf der entsprechenden Oberfläche. Da dies bei Hände-Desinfektionsmitteln die Hände sind, kommen hier ausschließlich nicht-pathogene Organismen zum Einsatz, um die Gesundheit von Testpersonen nicht zu gefährden. 2024 erschienen gleich zwei neue Normen der Stufe 2 - die EN 17430 für die virzude hygienischen Händedesinfektion und die EN 17846 für die sporizide Flächendesinfektion. EN 17430: Viruzide hygienische Händedesinfektion Für den Nachweis der bakteriziden hygienischen Händedesinfektion gibt es bereits seit mehreren Jahren ein zweistufiges Verfahren gemäß EN 13727 (Stufe 1) und EN 1500 (Stufe 2). Im Gegensatz dazu gab es für die Prüfung der viruziden Wirksamkeit von Hände-Desinfektionsmitteln bis vor kurzem nur Prüfungen der Stufe 1. Erst im Mai 2024 wurde mit der EN 17430 [2] eine Prüfung der Stufe 2 für die Viruzidie herausgegeben. Die Prüfung erfolgt mit dem für den Menschen ungefährlichen murinen Norovirus (MNV). MNV ist ein unbehülltes Virus, weshalb mit der EN 17430 die Wirkspektren begrenzt viruzid PLUS und viruzid nachgewiesen werden können. Für die Auslobung der Wirksamkeit gegen behüllte Viren (begrenzt viruzid) genügt die Prüfung gemäß EN 14476 (Stufe 1). Die Prüfung nach EN 17430 erfolgt mit 18–22 Testpersonen, die sich vor der Testung die Hände waschen. Anschließend wird Abbildung 1: Ablauf der Testung der viruziden hygienischen Händedesinfektion gemäß EN 17430. 1 2 4 5 3 2x 2x 3 mL 30 s Fingerspitzen werden erneut beprobt (Nachwert). Die Effektivität der Virusinaktivierung wird zwischen Referenz und Produkt verglichen. Desinfektion für 2x 30 s mit 2x 3 mL 70 % Ethanol mit standardisiertem Einreibeverfahren. Desinfektion mit X mL für mindestens 30 s mit standardisiertem Einreibeverfahren. 3 X mL 30 s Referenz Prüfprodukt Die Hände werden mit dem Textvirus murines Noroviruskontaminiert Nach dem Trocknen werden die Fingerspitzen beprobt (Vorwert). 14
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