DESINFACTS | Ausgabe 2/2025

WISSEN Nur unangenehm oder auch gesundheitsgefährdend? Geruchsbelästigung am Arbeitsplatz Ob ein Geruch gefällt, ist im Allgemeinen subjektiv, besonders bei leichten und natürlichen Gerüchen. Bei allem, was stark oder chemisch riecht, gehen die Meinungen weniger weit auseinander. Das mag auch daran liegen, dass die meisten Menschen wissen oder annehmen, dass das Einatmen von Chemikalien gesundheitsschädlich sein kann [1]. Tatsächlich lassen sich bestimmte Geruchsparameter objektiv messen, z. B. als sogenannten Dampfdruck [2]. Hier bedeutet ein hoher Wert, wie ihn beispielsweise Peressigsäure (PES) aufweist, dass eine Substanz bei niedrigen Temperaturen schnell in die Gasphase übergeht – und somit leicht eingeatmet werden kann. Haben solche Stoffe auch noch toxische Eigenschaften, kann es schnell gesundheitlich bedenklich werden. Nicht nur auf den Dampfdruck, auch auf den DNEL kommt es an Der sogenannte DNEL (Derived No-Effect Level = abgeleitete Expositionshöhe, unterhalb derer die menschliche Gesundheit nicht beeinträchtigt wird) gilt als toxikologischer Grenzwert für die Risikobeurteilung eines Stoffes [3]. Der DNEL ist eins von vielen Maßen für Grenzwerte und kann neben dem Arbeitsplatzgrenzwert (AGW) oder der maximalen Arbeitsplatzkonzentration (MAK) genutzt werden. Wird der Dampfdruck gegen den DNEL aufgetragen (s. Abb.), ist gleich zu erkennen: Isopropanol und Ethanol sind (für die Nase!) unbedenklich, während Personen beim Handling von Formaldehyd, Chlor und PES nicht zu tief einatmen bzw. sich ggf. schützen sollten. Die DNEL-Werte dienen auch als Basis für die Festlegung von Schutzmaßnahmen am Arbeitsplatz. Dies schützt z. B. die Gesundheit von Beschäftigten im Labor, gilt aber auch für Reinigungskräfte, die z. B. bei der Flächenreinigung oft flüchtigen, riechenden Substanzen ausgesetzt sind. Gut zu wissen: Die neuen Bacillol® Oxy Tissues zur Flächendesinfektion kommen ohne PES aus und enthalten lediglich Wasserstoffperoxid und Glykolsäure, die beide eher geruchlos sind. Auch „harmloser“ Gestank kann Beschwerden verursachen Für die Geruchswahrnehmungs- und -erkennungsschwelle gibt es im Gegensatz zum Dampfdruck und DNEL bislang keine objektiven, in der Praxis etablierten Messmethoden. Ebenso wenig lässt sich vorhersagen, ob eine Person mit Beschwerden wie Brechreiz oder Appetitlosigkeit auf einen „harmlosen“ Geruch wie Pferdemist reagiert [1,4]. Grundsätzlich muss natürlich zwischen reiner Belästigung und Gefährdung unterschieden werden. Dennoch kann auch eine „harmlose“ Geruchsbelästigung, die selbst nicht beeinflusst werden kann, der Gesundheit durch dauerhaften Stress schaden [1]. In Bezug auf den Arbeitsschutz und damit verbundene Arbeitsplatzgrenzwerte sind außerdem die Angaben im Abschnitt 8 eines Sicherheitsdatenblattes und die Technischen Regeln für Gefahrstoffe der Reihe 900 [5] von Interesse. Quellen 1. Brüning T, Sucker K (2022) Arbeitsmed Sozialmed Umweltmed 57: 448 –455. https://doi.org/10.17147/asu-1-204767 2. https://www.bgbau.de/themen/sicherheit-und-gesundheit/gefahrstoffe/sicherheitsdatenblatt/dampfdruck (abgerufen am 19.08.2025) 3. https://www.weka.de/arbeitsschutz-gefahrstoffe/dnel/ (abgerufen am 19.08.2025) 4. Van Thriel C et al. (2023) Geruchsintensive Stoffe: Grundlagen, Bewertung und Markierung. The MAK Collection for Occupational Health and Safety 8: Doc010. https:// doi.org/10.34865/mb0geruchdgt8_1or 5. Technische Regel für Gefahrstoffe. Ausgabe: Januar 2006. BArBl. Heft 1/2006 S. 41-55. Zuletzt geändert und ergänzt: GMBl 2025, S. 155 [Nr. 8] (vom 20.03.2025). Berichtigt: GMBL 2025 S. 234 [Nr. 10-11] (vom 06.05.2025). https://www.baua.de/DE/Angebote/Regelwerk/TRGS/pdf/TRGS-900.pdf?__blob=publicationFile&v=11 (abgerufen am 24.09.2025) Chlor Toxizität (basierend auf DNEL-Werten) Dampfdruck Wasser Isopropanol Peressigsäure Formaldehyd Essigsäure H2O2 Chlorbleiche Chloroform Ethanol Methanol R-Limonen (Orangenaroma) Diagramm in doppelt-logarithmischer Darstellung basierend auf den Daten in der Chemikalien-Datenbank der Europäischen Chemikalien Agentur (ECHA). DNEL = Derived No-Effect Level. 18

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