PRAXIS Wenn Basishygiene nicht genügt Erreger mit besonderen Hygieneansprüchen Hartnäckige Erreger: Routinedesinfektion unwirksam bei rund 10 % nosokomialer Infektionen Basierend auf den Daten der europäischen Punktprävalenzerhebungen, die in regelmäßigen Abständen vom European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) erhoben werden, lässt sich der Hauptanteil aller nosokomialen Infektionen (etwa 90 %) auf vegetative Bakterien wie S. aureus (inkl. MRSA), E. coli oder K. pneumoniae zurückführen [2,3]. Diese Erreger können z. B. leicht mit niedrig-alkoholischen Flächen-Desinfektionsmitteln aus der Routinedesinfektion inaktiviert werden. Darüber hinaus werden jedoch schätzungsweise 10 % der nosokomialen Infektionen In der Flächenhygiene wird zwischen der täglichen Routinedesinfektion im Rahmen der Basishygiene und der gezielten Desinfektion unterschieden. Während Routinedesinfektion die tägliche Wischdesinfektion patientennaher Flächen mit bakterizidem, levurozidem und begrenzt viruzidem Wirkspektrum (Basishygiene) beinhaltet, umfassen gezielte Desinfektionsmaßnahmen die Schlussdesinfektion, die Desinfektion bei Kontaminationen und Situationen, in denen ein besonderes Wirkspektrum erforderlich ist, z. B. in Isolierzimmern [1]. Quellen 1. Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut (RKI) (2022). Bundesgesundheitsbl 65:1074-1115. https://doi. org/10.1007/s00103-022-03576-1 2. European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) (2023). Point prevalence survey of healthcare-associated infections and antimicrobial use in European acute care hospitals, 2016-2017. Stockholm. 3. European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) (2024) Point prevalence survey of healthcare-associated infections and antimicrobial use in European acute care hospitals, 2022-2023. Stockholm.* 4. Liu C et al. (2023) Antibiotics (Basel) 12: 1141. https://doi.org/10.3390/antibiotics12071141 10 % der nosokomialen Infektionen erfordern ein Wirkspektrum außerhalb der Basishygiene. 90 % der nosokomialen Infektionen können mit den Wirkspektren bakterizid, levurozid und begrenzt viruzid bekämpft werden. durch Erreger verursacht, die sich nicht so einfach bekämpfen lassen [2,3]. Besondere Relevanz für Gesundheitseinrichtungen hat dabei das Bakterium Clostridioides difficile, das hartnäckige Sporen bildet und sich als gegen viele herkömmliche Desinfektionsmittel und Reinigungsverfahren resistent erweist [4]. Besondere Bedeutung kommt der konsequenten Händehygiene zu, sowohl beim Personal als auch bei den Patienten. Zudem müssen patientennahe Flächen und Nasszellen täglich mit einem sporiziden Desinfektionsmittel – z. B. auf Basis von Wasserstoffperoxid – gereinigt werden. Vegetative Bakterien: 85 % Hefen (z. B. Candida sp.): 5 % Behüllte Viren: < 1 % Basishygiene 90 % Bakterielle Sporen 8 % Pilze: 1 % Unbehüllte Viren: < 1 % Gezieltes 10 % Wirkspektrum Schätzungen basierend auf Daten der letzten beiden europäischen Punktprävalenzerhebungen [2,3]. Relative Häufigkeiten von C. difficile wurden ggf. überschätzt, da diese per Definition ein positives mikrobiologisches Ergebnis erfordern. Nosokomiale Infektionen mit SARSCoV-2 wurden hier nicht berücksichtigt. 19
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