INTERWIEW Erfahrungen mit dem Software-Modul „Observe“ Hat sich denn in den Bereichen, in denen sich die Händehygiene-Compliance verbessert hat, das geänderte Verhalten auch in einer sinkenden Anzahl an Infektionen niedergeschlagen? Alexandra Hombeuel: Das können wir so genau gar nicht sagen. Bei unserer Infektionserfassung ist nichts negativ aufgefallen. Die Händehygiene ist letztlich aber auch nur eine Komponente der gesamten Hygiene. Könnten Sie, Herr Hohl, denn einen Zusammenhang zwischen der verbesserten Händehygiene-Compliance und einer sinkenden Anzahl an Infektionen feststellen? Stefan Hohl: Nein, das ist effektiv sehr schwierig zu sagen. Ob die Infektionen steigen oder sinken hängt von sehr vielen unterschiedlichen Faktoren ab: Von den Mitarbeitenden, der Fluktuation der Mitarbeitenden, der Zahl der temporären Mitarbeitenden. Oder ganz allgemein auch von der Hygiene im OP, die, aber weniger als auf den Abteilungen, auch mit der Händehygiene zusammenhängt. Man kann die verschiedenen Faktoren schwer voneinander trennen, letztlich spielt alles zusammen. Wie nutzen Sie die erhobenen Daten konkret? Haben Sie daraus Interventionen für Ihr Haus abgeleitet? Stefan Hohl: Wir nehmen die Daten zu Anfang eines Jahres aus dem System und werten dann das vergangene Jahr aus. Daraus erstellen wir einen Jahresbericht. Die Ergebnisse teilen wir dann den Stationen, den jeweiligen Leitungen und der ärztlichen Leitung mit. Alle Pflegestationen, die eine Adhärenz von unter 75 % haben, werden dann spezifisch geschult bezüglich der Händehygiene. Es finden auch Ärzte-Schulungen statt. Wir hatten beispielsweise 2023 eine nicht ganz so gute Händehygiene-Compliance festgestellt. Deswegen haben wir im Jahr darauf Hörsaalveranstaltungen gemacht. Das waren Pflichtveranstaltungen, an denen möglichst alle Pflegenden und auch die Ärzte teilnehmen mussten. Im 2022 haben wir zum Beispiel auch Schulungen durchgeführt. Damals aber direkt auf den Pflegestationen. Denn wir hatten im Jahr zuvor gesehen, dass die Händehygiene vor allem vor dem Patientenkontakt und vor invasiven Tätigkeiten schlecht umgesetzt wurde. Wir versuchen die vorhandenen Daten so gut es geht zu nutzen, um auf den Stationen oder bei den Ärzten Einfluss zu nehmen, wenn das notwendig ist. Alexandra Hombeuel: Wir machen Nachbesprechungen und vereinbaren dann auch weitere Maßnahmen. Aber das verläuft leider oft im Sande. Wir von der Hygiene haben nun mal keine Weisungsbefugnis. Das heißt: man kann zwar etwas vereinbaren, aber wir haben nicht die Möglichkeit, das auch einzufordern. Das heißt, Sie können zwar leichter als früher Probleme bei der Händehygiene-Compliance erfassen und die Ergebnisse schnell grafisch ansprechend darstellen, tun sich aber schwer damit, nachhaltige Änderungen zu bewirken. Wie bewerten Sie denn den praktischen Einsatz des „Observe“-Moduls? Sind Sie zufrieden damit? Alexandra Hombeuel: Grundsätzlich finde ich die Anwendung, so wie sie ist, klasse. Sie hat alles was man für eine ComplianceBeobachtung braucht. Der große Vorteil ist, dass die Anwendung aufgrund der digitalen Erfassung die Glaubwürdigkeit der erhobenen Daten erhöht. Und das ist ja nicht alles. Die SOPs gehören ja auch noch dazu. Das ist schön. Was manchmal ein bisschen schwierig ist, das ist das Erstellen eigener SOPs. Das ist schon eine ziemlich zähe Geschichte. In dem Punkt könnte die Anwendung etwas anwenderfreundlicher sein. Stefan Hohl: Wir sind sehr zufrieden mit Observe. Und auch mit der gesamten Hygiene-Plattform von HARTMANN, die wir seit zwei Jahren nutzen. Mit der Hygiene-Plattform funktioniert das System noch besser und noch stabiler. Zuvor konnte es vorkommen, dass bei der Erfassung das System abgestürzt ist oder Daten nicht ganz korrekt erfasst wurden. Es ist nun auch vom Optischen her ansprechender und die Daten-Erfassung ist relativ selbsterklärend. Dadurch können wir das System auch neuen Nutzern, die es zum ersten Mal verwenden, schnell und gut erklären. Es ist optimal, dass man die Statistik sofort generieren und die Ergebnisse mithilfe bildlicher Darstellungen, ohne viele Worte, veranschaulichen kann Alexandra Hombeuel 10
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