INTERWIEW Erfahrungen mit dem Software-Modul „Observe“ „Ein großer Vorteil ist, dass nun ein direktes Feedback gegeben werden Sehr geehrte Frau Hombeuel, seit wann erfassen Sie am Klinikum Memmingen die Händehygiene-Compliance mit Observe? Was hat sich durch die Nutzung für Sie verändert? Alexandra Hombeuel: Wir nutzen Observe seit 2020. Seitdem ist es viel einfacher, die Compliance zu erheben. Es ist tatsächlich leichter, das per Klick zu machen anstatt händisch. Und es ist komfortabel: Ich habe ein Gerät und kann alles, was für mich wichtig ist, dort hinterlegen. So habe ich immer alles präsent – natürlich auch für die Auswertung. Es ist optimal, dass man die Statistik sofort generieren und die Ergebnisse mithilfe bildlicher Darstellungen, ohne viele Worte, veranschaulichen kann. Und je nachdem, was man wissen will oder was man abbilden möchte, kann man auch unterschiedlichste Statistiken generieren. Das ist wirklich ganz toll. Und Sie Herr Hohl, seit wann messen Sie am Kantonsspital Aarau die Händehygiene-Compliance? Wie hat Observe die Arbeit in Ihrem Haus beeinflusst? Stefan Hohl: Die Händehygiene-Compliance wird hier im Spital effektiv seit 2006 erfasst. Mit Observe sind wir seit 2017 dabei. Die Erfassung wurde zu Beginn von Hand gemacht. Damals war die Digitalisierung noch nicht so weit. Man hat das auf Papier gemacht und die Daten dann übertragen in eine Excel-Tabelle. Das war sehr aufwändig, mühsam und auch fehleranfällig. Ich war damals noch nicht hier, aber ich kenne diese Art der Erfassung aus einer anderen Klinik. Dort haben wir damals auch noch so gearbeitet. Darum weiß ich, wie anstrengend es ist, weil man sich ziemlich konzentrieren muss, damit man die richtigen Zahlen dann am richtigen Ort einträgt. Heute ist das alles viel einfacher: Fehler werden minimiert und wir sparen auch Zeit, weil man die Daten eben nicht im Nachhinein nochmals erfassen muss. Und ich finde, ein großer Vorteil ist auch, dass nun ein direktes Feedback an die Beobachtenden gegeben werden kann: Wenn möglich führen wir im Anschluss an die Beobachtung immer außerhalb des Patientenzimmers ein direktes Feedback-Gespräch. Und dabei hilft es, wenn die Auswertung wie in der App visuell schön mit diesen Balkendiagrammen dargestellt wird. Hat sich mit Einführung des Observe-Moduls denn auch die Adhärenz bei der Händehygiene verbessert? Stefan Hohl: Mit Einführung von Observe ist natürlich auch die Zahl der Erfassungen gestiegen. Weil es einfacher wurde, aber vielleicht auch, weil wir mehr Personen im Team hatten, die dann mitgemacht haben. Seitdem haben wir rund 500 Erfassungen mehr pro Jahr. Insgesamt sind das seitdem immer über 2000 Erfassungen jährlich. Vorher lagen wir deutlich darunter. Die Adhärenz bei der Händehygiene hat sich im Laufe der Jahre verändert. Ob es an Observe lag, ist schwer zu sagen. Wir haben auch einen COVID-19-Effekt beobachtet: Während der Pandemie ab Anfang 2020 stieg die Compliance stark an - aufgrund vermehrter Präsenz auf den Stationen und eines erhöhten Bewusstseins für Hygiene. Wie war das in Memmingen, Frau Hombeuel, ist durch Observe auch bei Ihnen die Adhärenz bei der Händehygiene gestiegen? Alexandra Hombeuel: Ja, aber nur in ganz wenigen Bereichen unserer Klinik auch tatsächlich nachhaltig. Bei der praktischen Umsetzung von Hygieneregeln spielen mehrere Komponenten eine Rolle: In erster Linie ist es aber das Bewusstsein, das sich langfristig ändern muss. Unsere Daten zeigen, dass es nach wie vor, teils signifikante Schwankungen bei den Berufsgruppen gibt. Das ist die Realität. Es herrscht oft immer noch die Meinung vor, dass so eine einfache Maßnahme wie die Händedesinfektion nach den 5 Momenten, gar keine so große Bedeutung/infektionspräventive Wirkung haben kann. Es fehlt leider die Einsicht, dass tatsächlich jeder selbst einen Beitrag leisten kann und dass das Individuum gefragt ist. Seit 2015 unterstützt das Software-Modul „Observe“ der HARTMANN Hygiene-Plattform Krankenhäuser in acht Ländern dabei, die Händehygiene-Compliance gemäß den „5 Momenten der Händehygiene“ der WHO zu erfassen und zu analysieren. Im Gespräch mit DESINFACTS berichten Alexandra Hombeuel, Hygienefachkraft am Klinikum Memmingen (in Bayern), und Stefan Hohl, Fachexperte Infektionsprävention am Kantonsspital Aarau (Schweiz), welche Erfahrungen sie mit dem digitalen Assistenten für ein besseres Monitoring der Händehygiene-Compliance bisher gesammelt haben.* * Die Interviews wurden jeweils getrennt voneinander und ohne Kenntnis der Aussagen anderer Gesprächspartner geführt. 8
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