DESINFACTS | Ausgabe 1/2026

DESINFACTS AUSGABE 01/2026 15 Jahre HARTMANN SCIENCE CENTER

EDITORIAL 03 FORUM HARTMANN SCIENCE CENTER Symposium 2026 08 15 Jahre HARTMANN SCIENCE CENTER 10 Gemeinsam aktiv zum Welthändehygienetag am 5.5. 14 HARTMANN auf dem DKOU 2025 16 WISSEN Qualitätssicherungsverfahren „Diagnostik und Therapie der Sepsis“ 05 Achtung, Keimverschleppung! 17 Grundlegende Überarbeitung der TRBA 250 18 Aktuelle Herausforderungen und Entwicklungen Infektionsprävention in der Dialyse 19 Flächendesinfektion bei C. auris 21 PRAXIS Infektionsprävention neu gedacht: Das M: IP® §21-Analysis-Modul 05 Flächendesinfektionstücher: Neue Varianten mit nachhaltigem Tuchmaterial 06 ECHA-Empfehlung zu Ethanol 15 Sterillium® pure nach BPR zugelassen 20 Wenn mehr gefragt ist als Basishygiene 22 STUDIEN Händehygiene in Funktionsbereichen von Kliniken 04 VERANSTALTUNGEN 24 Inhalt 2

Editorial DESINFACTS 1|2026 Dr. Heide Niesalla Liebe Leserinnen, liebe Leser, Seit 15 Jahren ist das HARTMANN SCIENCE CENTER Ihr verlässlicher Partner für Desinfektion und Infektionsschutz – stets mit dem Anspruch, wissenschaftliche Erkenntnisse so aufzubereiten, dass diese Ihnen im beruflichen Alltag nicht nur Orientierung, sondern auch Handlungssicherheit geben. In dieser Ausgabe der DESINFACTS blicken wir daher zum einen hinter die Kulissen von 15 Jahren SCIENCE CENTER, und greifen zum anderen wie gewohnt aktuelle Fragestellungen und Themen auf, die Ihnen zeigen, wie sich Anforderungen und Erkenntnisse im Infektionsschutz und der Hygienepraxis weiterentwickeln. Freuen Sie sich z. B. auf eine neue Studie zur Händehygiene-Compliance in Funktionsbereichen: Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Berufsgruppen mit vergleichbaren Tätigkeiten und enger Zusammenarbeit ähnliche Verbrauchsmuster bei Hände-Desinfektionsmitteln aufweisen. Mit dem Beitrag zur aktuellen Empfehlung der ECHA vom Februar 2026, Ethanol weiterhin uneingeschränkt in Hände- und Flächen-Desinfektionsmittel einzusetzen, widmen wir uns darüber hinaus der verantwortungsvollen Weiterentwicklung des Infektionsschutzes. Unter anderem ebenfalls im Fokus: Berufskleidung und Nagellack als potenzielle Hygienerisiken. Auch hier hilft der Blick in die Daten, Risiken differenziert zu bewerten. Die Evidenz spricht beispielsweise klar für kurzärmelige Berufskleidung. Passend dazu erhalten Sie mit dieser Ausgabe unser neues Poster über die Vorteile kurzärmeliger Kleidung („bare below the elbow“) zum Download – als Unterstützung für Ihre Schulungen, Diskussionen und Reminder für die Umsetzung in der Praxis. Viel Spaß beim Lesen! Ihre Dr. Heide Niesalla, Head of HARTMANN SCIENCE CENTER 3

STUDIEN Datenerhebung von der Endoskopie bis zur Notaufnahme Die HH-Daten stammen aus fünf Funktionsbereichen: Endoskopie/Sonographie (Innere Medizin), Endoskopie (Urologie), Kreißsaal, OP und Notaufnahme/Chirurgische Ambulanz. Zur Differenzierung von ärztlichem und Pflegepersonal, Hebammen und Funktionsbereichen wurden Transponder genutzt. Analysiert wurden sowohl Pandemie-Effekte als auch der Einfluss von Feedback-Interventionen auf die Hände-Desinfektionsmittel-Volumina [2]. Berufsgruppen und Funktionseinheiten: Wie die Volumina variierten Insgesamt variierten die Hände-Desinfektionsmittel-Volumina zwischen den Berufsgruppen und Funktionsbereichen. Das ärztliche Personal der urologischen Endoskopie verwendete die größte Menge Hände-Desinfektionsmittel pro Händedesinfektion, während in der Bildgebung der Inneren Medizin am wenigsten verbraucht wurde [2]. COVID-19-Pandemie beeinflusste Volumina stärker als Interventionen Die COVID-19-Wellen prägten die Hände-DesinfektionsmittelVolumina deutlich: Zu Pandemiebeginn stiegen die Medianwerte pro Händedesinfektion bei sinkender Variabilität. Nach einem Rückgang erhöhten sie sich erst mit der Herbstwelle 2021 wieder – und blieben postpandemisch über dem Ausgangsniveau. Von 147 stationsbezogenen Feedback-Interventionen zeigten hingegen nur vier signifikante Effekte auf das HH-Verhalten in den Funktionsbereichen [2]. Teamschulungen als potenzieller Erfolgsfaktor In der Studie fiel zudem auf, dass Gesundheitsfachkräfte mit ähnlichen Aufgaben bzw. enger Zusammenarbeit ähnliche Hände-Desinfektionsmittel-Verbrauchsmuster entwickelten. Dies legt nahe, dass Beschäftigte von teambasierten HH-Schulungen profitieren könnten [2]. Zahlreiche Studien untersuchen den Zusammenhang zwischen Händehygiene (HH) und nosokomialen Infektionen, fokussieren sich jedoch meist auf die Einhaltung der „5 Momente“ [1] und die aufsummierte Anzahl der Händedesinfektionen (HD) auf einer Station. Die HH-Qualität und Compliance in Funktionsbereichen – wo invasive Eingriffe mit besonders hohem Infektionsrisiko stattfinden – werden dagegen oft vernachlässigt. Dabei ist nicht nur die Häufigkeit, sondern auch die Wirksamkeit der Händedesinfektion entscheidend. Eine aktuelle Studie nutzte das elektronische Monitoringsystem NosoEx®, um über fast vier Jahre – inklusive der COVID-19-Pandemie – HH-Daten aus Funktionsbereichen eines deutschen Krankenhauses zu erfassen. Als Indikator für die HH-Qualität diente das Hände-Desinfektionsmittel-Volumen pro HD [2]. Händehygiene in Funktionsbereichen von Kliniken Qualität vs. Quantität: (Nicht nur) die Menge macht’s Quellen 1. WHO (2009). WHO Guidelines on Hand Hygiene in Health Care. https://www.who.int/publications/i/item/9789241597906 (abgerufen am 17.02.2026) 2. Senges C et al. (2026) J Hosp Infect 167: 170-180. https://doi.org/10.1016/j.jhin.2025.10.017 Abbildung in Anlehnung an [2]. Mediane HDM-Mengen pro HD in Funktionseinheiten nach Berufsgruppen. Box-Whisker-Plots: Whisker für Minimum/Maximum des 95%-Konfidenzintervalls, Boxen für 1./3. Quartil, Linien in Boxen für Median, Punkte für Ausreißer. HD = Händedesinfektion; HDM = Hände-Desinfektionsmittel. Kreißsaal 1 2 3 4 5 Volumen pro Desinfektion [mL] Endoskopie Urologie 1 2 3 4 5 Volumen pro Desinfektion [mL] Endoskopie/Sonographie Innere Medizin 1 2 3 4 5 Volumen pro Desinfektion [mL] OP 1 2 3 4 5 Volumen pro Desinfektion [mL] Ambulante chirurgische Klinik 1 2 3 4 5 Volumen pro Desinfektion [mL] Pflegekräfte Ärzte Hebammen 1,62 1,96 2,02 2,18 2,63 2,66 2,71 3,41 2,44 2,56 2,92 2,,96 4

Jährlich erkranken in Deutschland bis zu 600.000 Menschen an nosokomialen Infektionen (NI) – mit teils schweren Folgen: Bis zu 15.000 Todesfälle und langwierige Komplikationen belasten sowohl die Betroffenen als auch die Kliniken erheblich [1, 2]. Auch die wirtschaftlichen Auswirkungen sind enorm: Rund 2 Milliarden Euro Zusatzkosten entstehen dem Gesundheitssystem durch NI jährlich [3]. Prävention ist daher nicht nur medizinisch, sondern auch ökonomisch entscheidend. Das Programm Mission: Infection Prevention (M: IP®) von HARTMANN unterstützt Krankenhäuser dabei, ihr Infektionsgeschehen systematisch zu analysieren und Hygienemaßnahmen zielgerichtet zu optimieren. Mit Hilfe einer von BinDoc und HARTMANN gemeinschaftlich entwickelten Softwarelösung – dem M: IP® §21- AnalysisModul* – können Gesundheitseinrichtungen nun Fallzahlen und Kosten ihrer NI einsehen, Prozesse optimieren und Opportunitätskosten gezielt steuern. Die digitale Plattform liefert detaillierte Einblicke, von abteilungsspezifischen Daten bis hin zu ökonomischen Kennzahlen und Einsparpotenzialen. Gleichzeitig zeigt sie auf, wie NI die Verweildauer von Patienten beeinflussen. So schafft das Tool Transparenz, trägt zur Reduktion der Krankheitslast von NI bei und entlastet Budgets – für mehr Sicherheit und Effizienz im Klinikalltag. Erste Kliniken in Deutschland nutzen bereits Analysen aus dem Infektionspräventionstool. WISSEN Das neue Qualitätssicherungsverfahren „Diagnostik und Therapie der Sepsis“ (QS Sepsis) ist am 1. Januar 2026 in den bundesweiten Regelbetrieb gestartet und betrifft alle nach § 108 SGB V zugelassenen Krankenhäuser [1]. Ziel ist es, Sterblichkeit und Folgeerkrankungen bei Sepsis-Betroffenen zu reduzieren, die Sepsis-Früherkennung zu verbessern sowie Schulungen und SOPs einzuführen [2]. Für die Erstellung und Veröffentlichung der Spezifikationen für die QS-Filter- und Dokumentationssoftware ist das Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG) verantwortlich [3, 4]. Qualitätssicherungsverfahren „Diagnostik und Therapie der Sepsis“ Verpflichtende Teilnahme für Krankenhäuser Quellen 1. https://iqtig.org/aktuelles/news/qs-sepsis-neues-verfahren-startet-am-1-januar-2026-in-denregelbetrieb/ (abgerufen am 18.02.2026) 2. https://iqtig.org/qs-verfahren/qs-sepsis/ (abgerufen am 18.02.2026) 3. https://www.g-ba.de/downloads/39-261-7613/2025-12-18_DeQS-RL_Spezifikation-EJ-2026_QSSepsis.pdf (abgerufen am 18.02.2026) 4. https://www.g-ba.de/richtlinien/105/ (abgerufen am 18.02.2026) Infektionsprävention neu gedacht: Das M: IP® §21-Analysis-Modul * §21 Krankenhausentgeltgesetz Quellen 1. https://www.barmer.de/resource/blob/1031882/ff2b0b22a57702364f9e208ced270f86/barmer-krankenhausreport-2021-band-30-bifg-data.pdf (abgerufen am 24.02.2026). 2. European Centre for Disease Prevention and Control. Point prevalence survey of healthcare-associated infections and antimicrobial use in European acute care hospitals. Stockholm: ECDC; 2024. https://www.ecdc.europa.eu/sites/default/files/documents/healthcare-associated-point-prevalence-survey-acute-care-hospitals-2022-2023.pdf (abgerufen am 24.02.2026). 3. Nachtigall I, Bonsignore M (2018) Krankenhaushygiene up2date 13: 419–431. https://doi.org/10.1055/a-0749-6933 PRAXIS Die Datenerhebung für QS Sepsis setzt sich aus einem einrichtungsbezogenen (Sepsis-E) sowie einem fall- und sozialdatenbasierten Abschnitt (SEPSIS-FS) zusammen [2]. Um gezielte Verbesserungsmaßnahmen schnell umsetzen zu können, erhalten die Krankenhäuser quartalsweise Rückmeldungen. Im ersten Erhebungsjahr (2026) entfällt die Verpflichtung, die einrichtungsbezogenen Ergebnisse zu veröffentlichen, und es sind zunächst keine Sanktionen vorgesehen. Für die Krankenhäuser bedeutet das neue Verfahren anfangs in erster Linie einen erhöhten organisatorischen und technischen Aufwand: Einrichtungen sollten sich also darauf einstellen, mehr Ressourcen für Schulungen, IT-Infrastruktur und Qualitätsmanagement bereitzustellen. Nosokomiale Infektionen (NI) Zahlreiche Todesfälle als Folge von NI [1,2] Hohe Kosten für das Gesundheitssystem 5

PRAXIS Flächendesinfektionstücher Neue Varianten mit nachhaltigem Tuchmaterial Der Umstieg auf Cellulose-basierte, vorgetränkte Desinfektionstücher bietet zahlreiche Vorteile: Vorgetränkte Desinfektionstücher in Flowpack-Verpackungen sind gebrauchsfertig und sparen dadurch im Klinikalltag wertvolle Zeit. Vor allem aber kommt der Einsatz Cellulose-basierter Fasermaterialien der Umwelt zugute. Er spart nicht nur enorme Mengen Kunststoff ein und verringert so das Aufkommen an Plastikmüll und Mikroplastik, er senkt auch noch den CO2-Fußabdruck der im Pflege- und Klinikalltag oft notwendigen Desinfektions- und Hygienemaßnahmen: Im Jahr 2022 – als Desinfektionstücher in medizinischen Einrichtungen noch fast ausschließlich auf Kunststoff-Tuchfasern basierten – fielen allein dadurch in deutschen Krankenhäusern ca. 1.800 Tonnen Abfall an. Gute Ideen breiten sich aus: Die bekannten Bacillol® 30 Sensitive Tissues im bei vielen Anwendern beliebten 24er Flowpack gibt es jetzt auch auf Cellulose-Basis als Green Tissues. HARTMANN erweitert damit abermals sein Angebot für nachhaltige Flächendesinfektion im professionellen Bereich. Auch die Sterillium® home Flächendesinfektionstücher für die häusliche Pflege basieren nun auf nachwachsenden Fasern. Cellulose-basierte Desinfektionstücher bieten in diesem Zusammenhang einen klaren Umweltvorteil: Mikroplastik aus Kunststofftüchern verbleibt in Umwelt und sogar Organismen. Mikropartikel aus Cellulosefasern reichern sich hingegen nicht an. Auch bei der Verbrennung schneiden sie besser ab, denn Cellulose verursacht deutlich weniger toxische Emissionen als erdölbasierte Kunststoffe. Damit leisten Cellulose-basierte Tücher einen spürbaren Beitrag, die Umweltbelastung durch Schadstoffe zu reduzieren. Vorteilhafte Materialeigenschaften Die Produkteigenschaften der neuen Fasern bieten auch praktische Vorteile: Denn in Cellulose-basierten Fasern ist die Tränkung, d. h. die Verteilung der Desinfektionsmittel-Flüssigkeit in den Tuchstapeln der Flowpacks gleichmäßiger: die Flächenwirksamkeit ist damit vom ersten (obersten) bis zum letzten (untersten) Tuch vergleichbar. Ein weiterer Pluspunkt ist die Reißfestigkeit, die hochwertige Fasern auf Cellulose-Basis erreichen können: die Lyocell-Fasern, die HARTMANN verwendet, sind ähnlich reißfest wie PET-Fasern. Auf rauen oder strukturierten Oberflächen wie beispielsweise Patientenliegen können sie daher genutzt werden ohne auszufransen und kleine Faserrückstände zurückzulassen. 1.800 Tonnen Abfall durch KunststoffTuchfasern 2022: 6

PRAXIS Noch mehr: Nachhaltige Tücher von HARTMANN Die nun erhältlichen neuen Flächendesinfektionstücher erweitern das seit Jahren wachsende Angebot von HARTMANN im Bereich der nachhaltigen Desinfektionsprodukte: Bereits in 2023 brachte HARTMANN mit den Bacillol® Zero Tissues Desinfektionstücher auf den Markt, deren Tuchfasern aus nachhaltiger Cellulose bestehen. Für zuhause: Sterillium® home Flächendesinfektionstücher Sterillium® home Flächendesinfektionstücher sind für den Einsatz in den eigenen vier Wänden gedacht. Die gebrauchsfertigen Reinigungs- und Desinfektionstücher im wiederverschließbaren Flowpack sind dank ihrer speziellen Formulierung optimal geeignet zur Schnelldesinfektion empfindlicher Oberflächen außerhalb des medizinischen Umfeldes, beispielsweise Smartphone-Displays, Monitore oder Acrylglas. Sie entfernen 99,99 % aller Keime, inkl. Noro- und Grippeviren, und unterbinden so wirksam auch im unmittelbaren häuslichen Umfeld die Verbreitung von Krankheitserregern. Kompakt für Profis: Bacillol® 30 Sensitive Green Tissues Bacillol® 30 Sensitive Green Tissues sind vor allem gedacht zur reinigenden Desinfektion von Oberflächen nicht invasiver Medizinprodukte. Ebenso ist der Einsatz in Großküchen und Lebensmittelbereichen möglich – oder das Desinfizieren empfindlicher Oberflächen aus Polycarbonat (PC), Acrylglas (PMMA), Polysulfon oder Kunstleder. Mit dem 24 Tücher umfassenden neuen „Small Pack“ sind Bacillol® 30 Sensitive Green Tissues nun in vier Varianten erhältlich: als Normalpackung (mit 120 Tüchern), im „Small Pack“, im „Big Pack“ (160 Tücher) sowie als extragroße XL-Tücher für größere Flächen (80 Tücher/Packung). Nachhaltigkeit auf einen Blick: Neuer Bericht in Anlehnung an ESRS Nachhaltigkeitskriterien gewinnen bei der Auswahl von Partnern und Produkten in der Gesundheitsversorgung zunehmend an Bedeutung. Die HARTMANN GRUPPE hat daher ihren Nachhaltigkeitsbericht 2025 veröffentlicht, erstmals in Anlehnung an die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) und den dazugehörigen European Sustainability Reporting Standards (ESRS). Er zeigt, wie Verantwortung für Umwelt, Gesellschaft und Unternehmensführung aktiv gelebt wird und welche Fortschritte in diesen Bereichen erzielt wurden. Die Highlights auf einen Blick: • Reduktion der CO₂ Emissionen (Scope 1 und 2): 11 % weniger im Vergleich zum Vorjahr • Produktinnovationen: Einsatz biologisch abbaubarer Materialien und CO₂ reduzierter Verpackungslösungen • Gestärkte Sicherheitskultur: Weiterentwicklung der Gesundheits- und Sicherheitsstandards für ein gesundes und sicheres Arbeitsumfeld Lesen Sie hier den ganzen Bericht 7

FORUM HARTMANN SCIENCE CENTER Symposium 2026 „Mit Fortschritt und Verantwortung Hygiene bewegen“ Der bekannte Virologe Prof. Dr. Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (Hamburg) war einer von insgesamt 12 Expertinnen und Experten, die das HARTMANNN SCIENCE CENTER zu seinem Online Jubiläums-Symposium Ende Mai eingeladen hatte. Sie präsentierten den Teilnehmenden praxisorientiertes, wissenschaftlich fundiertes Wissen zu aktuellen Fragen bei Hygiene und Infektionsschutz. Von auris bis Zika - vom Ausbruch zur Lösung Im ersten der drei Themenblöcke des Symposiums ging es um das Management von Erreger-Ausbrüchen. Dr. Erta Kalanxhi vom One Health Trust in Abidjan (Elfenbeinküste) lenkte den Blick bspw. zunächst auf globale Themen: Sie sprach über den Einfluss des Klimawandels auf die Entwicklung antimikrobieller Resistenzen (AMR). Tropenexperte Schmidt-Chanasit sprach über die potenzielle Gefahr, die von Arboviren auch in unseren Regionen ausgehen kann („Arboviren in Europa: Klimawandel, Modellierung sowie Infektionsprävention und -kontrolle“). Der Vortrag von Franz Gnandt (Gesundheitszentrum Dielsdorf) gab praxisnahe Einblicke in das Management von Norovirus‑Ausbrüchen in Langzeitpflegeeinrichtungen. Anhand konkreter Strategien und Erfahrungen konnte gezeigt werden, wie sich Infektionsgeschehen wirksam eindämmen und Abläufe im Pflegealltag sichern lassen. Den Abschluss der Session bildete Dr. Marco Krewing (HARTMANN SCIENCE CENTER) mit seinem Vortrag „Clostridioides difficile – der Endgegner in der Krankenhaushygiene?“. Welchen Einfluss hat der Klimawandel auf die Ausbreitung antimikrobieller Resistenzen? Wie lassen sich Epidemien verhindern? Und welche Rolle spielen dann Hygienemaßnahmen? Antworten auf diese und viele weitere Fragen gaben die Referenten des diesjährigen HARTMANN SCIENCE CENTER Symposiums in Hamburg. Die Referenten: Celine Bagban Dr. Erta Kalanxhi Prof. Dr. Johannes Knobloch Dr. Konstantin Altrichter Dr. Viktoria Kolbe Franz Gnandt 8

FORUM Verbesserungspotenzial in der Hygiene Die Themen der nachfolgenden Session drehten sich unter anderem um die Optimierung der Händehygiene sowie um innovative Ansätze für die Hände- und Flächenhygiene. Dr. Christoph Senges (HARTMANN SCIENCE CENTER) zeigte in seinem Vortrag, wie postoperative Wundinfektionen mithilfe eines intelligenten Algorithmus automatisch aus Routinedaten erkannt werden können und damit die Infektionsüberwachung im Krankenhaus effizienter wird. Peter Möri, Fachexperte Infektionsprävention und Spitalhygiene am Stadtspital Zürich, nahm den Faden auf und referierte danach über „Medizinische Einmalhandschuhe im klinischen Alltag – zwischen Schutz, Routine und Verantwortung in der Praxis“. In dem nachfolgenden Vortrag stellte Dr. Viktoria Kolbe (HARTMANN SCIENCE CENTER) die Ergebnisse einer Simulationsstudie von NOTIS e.V. vor, in der die Belastbarkeit desinfizierter medizinischer Untersuchungshandschuhe nach BLS‑ und ACLS‑Simulationen untersucht wurde. Celine Bagban (Bogdol Gebäudemanagement GmbH, Hamburg) stellte in „Unsichtbar war gestern – Social-Media-StrategiPraktisch: JETZT alles anschauen und nachhören! Das HARTMANN SCIENCE CENTER Symposium richtet sich an Spezialisten für Infektionsprävention (IPC), IPC-Krankenschwestern, Mitarbeiter der Qualitätssicherung, Pflegedienst- und OP-Manager sowie an alle, die sich für Hygiene, Desinfektion und Maßnahmen zur Infektionsprävention interessieren. Eine kostenlose Teilnahme war digital per Live-Stream möglich – in Deutsch und auch auf Englisch. Wer keine Gelegenheit hatte, die diesjährige Veranstaltung mit dem Titel „Mit Fortschritt und Verantwortung Hygiene bewegen“ live zu verfolgen, kann alle Vorträge jederzeit nochmal erleben: https://www.hartmann-science-center.com/de-de/ news-und-themen/events/hsc-symposium-2026 Handschuhe an! Wann medizinische Einmalhandschuhe erforderlich sind Zum Schutz vor potenziell pathogenen Krankheitserregern Bitte beachten: Wann? Warum? Direkter Patientenkontakt Indirekter Patientenkontakt Blutentnahme Umgang mit nicht-intakter Haut Kontakt mit Sekreten Anwesenheit hoch infektiöser Pathogene Ausscheidungen/ Körperflüssigkeiten Handschuhe sind nötig, wenn das Risiko einer hohen Exposition mit Blut, Körperflüssigkeiten, Sekreten, Ausscheidungen oder kontaminierter Umgebung besteht. Bei Keimverschleppung durch Perforation und/oder Kontamination der Handschuhe ist ein Wechsel der Handschuhe indiziert. Handschuhtragen ersetzt nicht die Händedesinfektion. Handschuhkontakt mit dem eigenen Gesicht/Haar vermeiden. 1 2 3 Umgang mit endokavitären Sonden Reinigung/Desinfektion kontaminierter Oberflächen* Umgang mit infektiösem Material/Chemikalien* Umgang mit med. Abfall* Unnötiges Handschuhtragen ... Weitere Tätigkeiten: Blutzuckermessung, Platzieren nicht-invasiver Beatmungsgeräte und der Sauerstoffkanüle, Patienten baden, ankleiden, waschen*, eincremen*, kämmen, rasieren, Patientenpositionierung, Pflege von Augen/Ohren (ohne Sekrete), Gefäßmanipulationen (ohne Blutfluss), Verteilen/Einsammeln von Essenstabletts, orale Medikamentengabe, Bettwäschewechsel/Bettenrichten u.a. *ausgenommen Anogenitalregion sowie antimikrobielle Waschungen Quellen: 1. RKI, Epid Bull 2024;10:6-9. 2. WHO (2009) Glove Use Information Leaflet. 3. Fuller et al. (2011) ICHE, 32(12):1194-9. Handschuhe aus! Wann medizinische Einmalhandschuhe nicht erforderlich sind Wann nicht? Handschuhe sind nicht zwingend nötig, wenn kein Risiko einer hohen Exposition mit Blut, Körperflüssigkeiten, Sekreten, Ausscheidungen oder kontaminierter Umgebung besteht. Warum nicht? Direkter Patientenkontakt Otoskopie Verabreichung i.d., s.c. und i.m. Injektionen (z. B. Impfen) Patientenwaschung* Auskultation Messung von Blutdruck, Temperatur, Puls ... verschlechtert die Händehygiene Compliance und trägt so zur Verbreitung nosokomialer Infektionen bei. ... verschlechtert die zwischenmenschliche Beziehung. 1 2 ... führt zu Hautschäden durch feuchte Kammern. 3 ... erhöht das Aufkommen von überflüssigem Abfall. 4 Weitere Tätigkeiten: Epidemie oder Notfallsituation, PVK-Anlage und -Entfernung, Absaugen nicht-geschlossener Endotrachealschlauch-Systeme u.a. *Chemikalienbeständigkeit getestet nach EN ISO 374-1 und -2, EN ISO 374-4 und -5, EN 16523-1, ausgewiesen als Personal Protective Equipment nach PPE Regulation (EU) 216/425 und EN ISO 21420. Quellen: 1. RKI, Epid Bull 2024;10:6-9. 2. WHO (2009) Glove Use Information Leaflet. Indirekter Patientenkontakt Anreichen von Essen/ Getränken Dokumentations- aufgaben Bewegen von Patientenbetten Bedienung elektronischer Geräte Rollstuhl schieben Hinweis: PPE-Verordnung beachten. Nachträglich dabei sein en zur Stärkung von Reinigungskräften“ vor, wie die Arbeit und das Image von Reinigungskräften mithilfe sozialer Medien unterstützt werden können. Neue Ansätze für die Infektionsprävention Hygieneexperte Lucas Thummer vom Bezirkskrankenhaus St. Johann in Tirol demonstrierte im letzten Teil der Veranstaltung das Potenzial der Künstlichen Intelligenz für die Infektionsprävention im klinischen Setting („Von Händehygiene zu zeitnaher Surveillance-Unterstützung: KI-gestützte HAI-Analyse im Krankenhaus – on-premise, DSGVO-konform, praxisnah“). Dr. Viktoria Kolbe (HARTMANN SCIENCE CENTER) stellte die „Anforderungen an moderne alkoholische Hände-Desinfektionsmittel“ vor. Prof. Dr. Johannes Knobloch, Universitätsklinikum Eppendorf, Hamburg, gab einen praxisnahen Einblick, wie mit dem Phase 3 Testverfahren für die Oberflächendesinfektion eine Annäherung an reale Anwendungsbedingungen erreicht werden kann. Der Gründer und Mediziner Dr. Konstantin Altrichter vom Medizinprodukte-Hersteller „daisygrip GmbH“ aus Kavelstorf beleuchtete im Anschluss die hygienischen Herausforderungen bei der Aufbereitung von Blutdruckmanschetten. Dr. Christoph Senges Prof. Dr. Jonas Schmidt-Chanasit Lucas Thummer Dr. Marco Krewing Peter Möri 9

Heute hat sich das HARTMANN SCIENCE CENTER als eine der führenden Anlaufstellen für Hygieneverantwortliche im Gesundheitswesen etabliert und unterstützt Gesundheitsfachkräfte in Krankenhäusern, ambulanten Einrichtungen und öffentlichen Institutionen, indem es komplexe wissenschaftliche Erkenntnisse in praxisnahes, anwendbares Wissen für den (klinischen) Alltag übersetzt. Wissenschaft und Praxis wirksam verbinden Das HARTMANN SCIENCE CENTER versteht sich als zentrale Schnittstelle zwischen Forschung, Produktentwicklung und Praxis. Zu den inhaltlichen Schwerpunkten zählen unter anderem die Händedesinfektion und Flächendesinfektion, Hautantiseptik, nosokomiale Infektionen, Compliance-Hürden sowie die Optimierung hygienerelevanter Arbeitsabläufe in Medizin und Pflege. Eine besondere Rolle spielt die Unterstützung in Ausnahmesituationen. Während der COVID-19-Pandemie zeigte sich, wie wichtig verlässliche fachliche Orientierung ist. Das HARTMANN SCIENCE CENTER stellte frühzeitig Informationen zur korrekten Anwendung von Desinfektionsmitteln bereit. Durch die Kombination aus angewandter Forschung und enger Zusammenarbeit mit internen und externen Expertennetzwerken stellt das HARTMANN SCIENCE CENTER sicher, dass Hygienewissen nicht nur wissenschaftlich fundiert, sondern auch unmittelbar im Alltag umsetzbar ist. Enge wissenschaftliche Kooperationen und eigene Studien Im Zentrum der Arbeit des HARTMANN SCIENCE CENTER stehen enge wissenschaftliche Kooperationen mit renommierten Forschungseinrichtungen, Fachgesellschaften sowie nationalen und internationalen Expertinnen und Experten für Krankenhaushygiene und Infektionsschutz. Darüber hinaus führt das HARTMANN SCIENCE CENTER eigene Studien, Erhebungen und Auswertungen durch und trägt damit aktiv zur Generierung neuer wissenschaftlicher Evidenz bei. Diese Erkenntnisse bilden die Grundlage für Empfehlungen, Standards und fachliche Diskurse innerhalb der Hygienefachwelt. „Dank unserer engen Zusammenarbeit mit Fachgesellschaften und renommierten Institutionen im Bereich der Klinikhygiene und Infektionsprävention sind wir fachlich immer auf der Höhe der Zeit. So können wir Standards und Impulse setzen und nachhaltig dazu beitragen, den Infektionsschutz zu verbessern.“ sagt Dr. Heide Niesalla, Leiterin des HARTMANN SCIENCE CENTER. Visuelle Wissensvermittlung: Videos, Poster, Infografiken Das HARTMANN SCIENCE CENTER setzt gezielt auf moderne, digitale Kommunikationsformate, um Hygienewissen zeitgemäß und niedrigschwellig zu vermitteln. Eine zentrale Rolle spielen dabei Videos, darunter kurze, kompakte Knowledge Nuggets, die komplexe Hygienethemen verständlich und visuell aufbereiten. Auf dem eigenen YouTube Kanal steht eine stetig wachsende Sammlung von Expertenvideos zur Verfügung – unter anderem zu Hände- und Flächenhygiene, Desinfektionsstandards und aktuellen Herausforderungen des Infektionsschutzes. Ergänzt wird dieses Angebot durch visuelle Wissensbeiträge wie Poster und Infografiken, die wissenschaftliche Inhalte und behördliche Vorgaben verständlich FORUM 15 Jahre HARTMANN SCIENCE CENTER Ein verlässlicher Wissenspartner für die Hygienepraxis Vor 15 Jahren in Hamburg gegründet, hat sich das HARTMANN SCIENCE CENTER als wissenschaftliches Kompetenzzentrum für Desinfektion, Hygiene und Infektionsprävention etabliert. Seine Mission ist dabei unverändert geblieben: den Patienten- und und Infektionsschutz auf Basis belastbarer wissenschaftlicher Evidenz systematisch zu verbessern. 90 Kongressbeiträge in Form von Postern, Vorträgen und Symposien > 40 Publikationen > 30 Filme und Knowledge Nuggets > 10

FORUM Coming Soon - HARTMANN SCIENCE CENTER Website 2.0 Schnelles Finden dank neuer Filter Geradewegs zum relevanten Wissen: Die Website des HARTMANN SCIENCE CENTER bekommt einen neuen Look, eine übersichtlichere Menüführung und optimierte Filtermöglichkeiten. Dank der neuen Struktur werden Sie schon bald noch schneller die Inhalte finden, die für Sie relevant sind: aktuelles Hygienewissen in Form von Artikeln oder Download-Materialien – übersichtlich sortiert nach Thema, Zielgruppe oder Format. Das zentrale Ziel unserer barrierefreien Website bleibt dabei unverändert: die fundierte Wissensvermittlung für Fachkräfte im Gesundheitswesen. Mit den kommenden Updates passt sich die Darstellung Ihrer Suchergebnisse dynamisch an Ihre Filtereinstellungen an – egal ob Artikel, wissenschaftliche Studien, Whitepaper oder Poster. Auch das Glossar, die Erregersuche sowie alle erregerspezifischen Informationen werden in Kürze in einem neuen, klar strukturierten Layout verfügbar sein. Auf einen Blick erhalten Sie dann Antworten auf zentrale Fragen: Welche Art von Erreger liegt vor? Wie erfolgt die Übertragung? Welche Hygienemaßnahmen und welche persönliche Schutzausrüstung sind erforderlich? Welches Wirkspektrum muss ein Desinfektionsmittel abdecken? Ergänzt wird dies durch direkte Verlinkungen zu weiterführenden Fachartikeln. Neugierig geworden? Dann schauen Sie bald wieder vorbei – die neuen Inhalte und Funktionen werden in Kürze verfügbar sein auf www. hartmann-science-center.de. 110.000 Kundenanfragen > 57 Ausgaben DESINFACTS seit 2004 DESINFACTS Mit umfassenden Wirksamkeitsnachweisen und einer wissenschaftsbasierten Forschung und Entwicklung, gewährleisten wir bei unseren Produkten zur Hygiene und Desinfektion einen bestmöglichen Qualitätsstandard. Wir forschen für den Infektionsschutz. Siegel inkl. Oktaderfreiraum (wie bei Hartmann) Siegel Wie Spender die Händehygiene optimieren AKTUELL: Das BODE SCIENCE CENTER Ausgabe 1/2011 Medizinhistorie: Tödliches Trinkwasser STUDIE: Händedesinfektion in öffentlichen Verwaltungen DESINFACTS AUSGABE 01/2026 15 Jahre HARTMANN SCIENCE CENTER DESINFACTS 1/2011 DESINFACTS 1/2026 für Schulungen und die Praxis aufbereiten. Viele dieser Materialien erscheinen als Beileger im Fachmagazin DESINFACTS und stehen zusätzlich als Download auf der eigenen Webseite oder für den Eigendruck zur Verfügung, darunter auch Erregerposter mit zentralen Informationen zu Übertragungswegen und Hygienemaßnahmen. Ein aktueller Schwerpunkt dieser Ausgabe ist das Poster „Bare Below the Elbow“, das evidenzbasierte Empfehlungen zur effektiven Händehygiene und Infektionsprävention im klinischen Umfeld beleuchtet. Das HARTMANN SCIENCE CENTER informiert über die eigene Website, Fachpublikationen, Newsletter, Symposien und Fachveranstaltungen. Darüber hinaus steht eine persönliche Fachberatung zur Verfügung. Sie unterstützt bei Fragen zur Anwendung und Materialverträglichkeit von Desinfektionsprodukten sowie zu Hygienemaßnahmen und weiteren allgemeinen Themen des Infektionsschutzes. Blick nach vorn Auch in Zukunft werden Hygiene und Infektionsschutz ein zentrales Thema bleiben. Und obwohl sich Technologien, Erreger und Kommunikationskanäle stetig weiterentwickeln, bleibt eine zentrale Herausforderung bestehen: der Bedarf an verlässlichem, evidenzbasiertem Hygienewissen. Für das HARTMANN SCIENCE CENTER bedeutet dies weiterhin eng mit der Versorgungspraxis zusammenzuarbeiten, wissenschaftliche Evidenz zu generieren und diese in verständliche, zugängliche Formate zu übersetzen – heute und in Zukunft. 11

FORUM Das Wissen aus dem HARTMANN SCIENCE CENTER fließt aber nicht nur in eine Richtung: Die Fachleute des Kompetenzzentrums – ein Team aus Biologinnen und Biologen, die sich auf die Arbeitsbereiche Angewandte Wissenschaft (Applied Science), Kommunikation, Schulung und Expertenberatung verteilen – haben auch immer ein Ohr für vermeintlich „kleine“ Probleme: „Seit der COVID-19-Pandemie sind der erhöhte Handschuhverbrauch und die nicht indizierte Nutzung von Handschuhen in vielen Häusern ein großes Thema“, so Dr. Heide Niesalla, Leiterin des HARTMANN SCIENCE CENTER. „Wir haben den Internationalen Tag der Händehygiene am 5.5.2025 deshalb dazu genutzt, das Thema hervorzuheben und Info-Unterlagen bereitzustellen.“ Ziel sei es, Fachkräfte im Gesundheitssektor dafür zu sensibilisieren, die Handschuhe zum richtigen Zeitpunkt zu nutzen. „Das zeigt beispielhaft unser Vorgehen: Wir haben ein Problem erkannt, Evidenz gesammelt und uns dann überlegt, mit welchen Materialien wir unterstützen können.“ Aus der Praxis für die Praxis: so arbeitet das HARTMANN SCIENCE CENTER Wenn sich ein bislang ungelöstes Hygieneproblem zeigt, übernimmt das Applied Science Team die fachliche Recherche. Diese erfolgt häufig in enger Zusammenarbeit mit weiteren Abteilungen der zur HARTMANN GRUPPE gehörenden BODE Chemie GmbH, insbesondere mit Experten aus der Mikrobiologie und Produktentwicklung. Grundlage bilden publizierte Studien, Normen und Leitlinien sowie die enge Zusammenarbeit mit externen Fachexpertinnen und -experten aus dem Gesundheitswesen. Im nächsten Schritt werden die Ergebnisse so aufbereitet, dass sie die potenziellen Nutzer bestmöglich erreichen, beispielsweise als Veröffentlichung in einem Fachjournal, als Konferenzbeitrag, als Whitepaper, Infografik oder als „Knowledge Nugget“, ein kurzer, graphisch animierter Inhalt, der komplexe Themen einfach darstellt und sich so vor allem über Social Media an seine Zielgruppe wendet. Begleitet werden diese Wissensformate durch Berichte auf den unterschiedlichen Kommunikationskanälen des HARTMANN SCIENCE CENTER: die Website, den Newsletter, das Magazin „DESINFACTS“, Konferenzbeiträge, Vorträge, Workshops, Schulungen oder auch via YouTube. Impulsgeber: 15 Sekunden für Händedesinfektion? Ein Beispiel für die Wirkung dieser Arbeit ist die Diskussion zur Einreibezeit der hygienischen Händedesinfektion: „Die Zulassung von Hände-Desinfektionsmitteln für die hygienische Händedesinfektion beruht auf der Norm EN 1500. Diese verlangt, die Wirksamkeit in 30 Sekunden zu prüfen. In der Praxis werden die Hände allerdings deutlich kürzer eingerieben“, sagt HARTMANN SCIENCE CENTER-Leiterin Heide Niesalla. „Wir konnten zeigen, dass sowohl ein ethanolisches als auch ein propanolisches Präparat die Anforderungen der Norm bereits in 15 Sekunden erfüllen können – und haben damit eine Diskussion im gesamten Markt angestoßen.“ Die Ergebnisse wurden veröffentlicht und breit diskutiert. In der Folge initiierte der Verbund für Angewandte Hygiene (VAH) einen Ringversuch. Die Schlussfolgerung war, dass eine Prüfung nach EN 1500 auch mit 15 Sekunden methodisch möglich ist! Die HARTMANN SCIENCE CENTER-Studie liefert die wissenschaftliche Grundlage für eine mögliche Anpassung der Norm. Auch beim Thema Nachhaltigkeit werden fachliche Impulse gesetzt. Ein Beispiel war die Markteinführung des Flächendesinfektionstuchs Bacillol® Zero Tissues, das ein nachhaltiges Tuch auf Cellulose-Basis, 15 Jahre HARTMANN SCIENCE CENTER Wissenschaftlich fundiert. Praktisch nutzbar. Wie viel Desinfektionsmittelkonzentrat braucht man, um drei Liter einer 0,75%-igen Gebrauchslösung herzustellen? Der „KonzentratRechner“ auf der Webseite des HARTMANN SCIENCE CENTER liefert die Antwort in Sekunden: In diesem Fall sind es 22,5 ml! Das Beispiel zeigt die Arbeitsweise des HARTMANN SCIENCE CENTERs: Hygienewissen soll praktisch, verständlich und im Alltag nutzbar sein, um Patienten und Mitarbeitende im Gesundheitswesen wirksam vor Infektionserregern zu schützen und Ressourcen sinnvoll einzusetzen. Handschuhe an! Wann medizinische Einmalhandschuhe erforderlich sind Zum Schutz vor potenziell pathogenen Krankheitserregern Bitte beachten: Wann? Warum? Direkter Patientenkontakt Indirekter Patientenkontakt Blutentnahme Umgang mit nicht-intakter Haut Kontakt mit Sekreten Anwesenheit hoch infektiöser Pathogene Ausscheidungen/ Körperflüssigkeiten Handschuhe sind nötig, wenn das Risiko einer hohen Exposition mit Blut, Körperflüssigkeiten, Sekreten, Ausscheidungen oder kontaminierter Umgebung besteht. Bei Keimverschleppung durch Perforation und/oder Kontamination der Handschuhe ist ein Wechsel der Handschuhe indiziert. Handschuhtragen ersetzt nicht die Händedesinfektion. Handschuhkontakt mit dem eigenen Gesicht/Haar vermeiden. 1 2 3 Umgang mit endokavitären Sonden Reinigung/Desinfektion kontaminierter Oberflächen* Umgang mit infektiösem Material/Chemikalien* Umgang mit med. Abfall* Unnötiges Handschuhtragen ... Weitere Tätigkeiten: Blutzuckermessung, Platzieren nicht-invasiver Beatmungsgeräte und der Sauerstoffkanüle, Patienten baden, ankleiden, waschen*, eincremen*, kämmen, rasieren, Patientenpositionierung, Pflege von Augen/Ohren (ohne Sekrete), Gefäßmanipulationen (ohne Blutfluss), Verteilen/Einsammeln von Essenstabletts, orale Medikamentengabe, Bettwäschewechsel/Bettenrichten u.a. *ausgenommen Anogenitalregion sowie antimikrobielle Waschungen Quellen: 1. RKI, Epid Bull 2024;10:6-9. 2. WHO (2009) Glove Use Information Leaflet. 3. Fuller et al. (2011) ICHE, 32(12):1194-9. Handschuhe aus! Wann medizinische Einmalhandschuhe nicht erforderlich sind Wann nicht? Handschuhe sind nicht zwingend nötig, wenn kein Risiko einer hohen Exposition mit Blut, Körperflüssigkeiten, Sekreten, Ausscheidungen oder kontaminierter Umgebung besteht. Warum nicht? Direkter Patientenkontakt Otoskopie Verabreichung i.d., s.c. und i.m. Injektionen (z. B. Impfen) Patientenwaschung* Auskultation Messung von Blutdruck, Temperatur, Puls ... verschlechtert die Händehygiene Compliance und trägt so zur Verbreitung nosokomialer Infektionen bei. ... verschlechtert die zwischenmenschliche Beziehung. 1 2 ... führt zu Hautschäden durch feuchte Kammern. 3 ... reduziert das Aufkommen von überflüssigem Abfall. 4 Weitere Tätigkeiten: Epidemie oder Notfallsituation, PVK-Anlage und -Entfernung, Absaugen nicht-geschlossener Endotrachealschlauch-Systeme u.a. *Chemikalienbeständigkeit getestet nach EN ISO 374-1 und -2, EN ISO 374-4 und -5, EN 16523-1, ausgewiesen als Personal Protective Equipment nach PPE Regulation (EU) 216/425 und EN ISO 21420. Quellen: 1. RKI, Epid Bull 2024;10:6-9. 2. WHO (2009) Glove Use Information Leaflet. Indirekter Patientenkontakt Anreichen von Essen/ Getränken Dokumentations- aufgaben Bewegen von Patientenbetten Bedienung elektronischer Geräte Rollstuhl schieben Hinweis: PPE-Verordnung beachten. 12

FORUM einen organischen Wirkstoffkomplex und eine recyclebare Monofolie als Verpackung kombiniert. „Die Herausforderung für uns war, den auf Carbonsäure basierenden neuen Wirkstoffkomplex und die Vorteile eines völlig neuartigen Produkts im Vergleich zu den etablierten Produkten im Markt aufzuzeigen“, sagt Heide Niesalla. Wie funktioniert der Wirkstoffkomplex? Welche Rolle spielt das Tuchmaterial für den CO2-Fußabdruck und welche Auswirkungen hat die Verpackung auf Umwelt und Abfallmanagement. Diese Fragen sind für den Anwender relevant und wurden systematisch untersucht und aufbereitet. Ergebnisse dieser Arbeit sind die Whitepaper „Nachhaltigkeit in der Flächendesinfektion“ und „Nachhaltige Tuchfasern“ sowie Beiträge auf nationalen und internationalen Konferenzen sowie eine Reihe von Knowledge Nuggets, die auch über LinkedIn geteilt wurden. Dr. Heide Niesalla: „Am Beispiel der neuartigen Bacillol® Zero Tissues und der seit letztem Jahr verfügbaren Bacillol® 30 Sensitive Green Tissues Produktfamilie zeigen wir auf, in welchen Bereichen der Flächendesinfektion noch Spielraum zur Einsparung von CO2Emissionen und Materialien besteht und welchen Einfluss Produkte auf die Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen haben.“ Bacillol® Zero Wirkmechanismus Wirkstoffe in Bacillol® Zero Was sind organische Säuren? Organische Säuren sind Kohlenstoffbasierte Moleküle. Die Unterkategorie der Carbonsäuren hat die chemischen Gruppe -COOH. Carbonsäuren senken den pH-Wert von Lösungen dadurch, dass Protonen (H+) abgespalten werden. Übrig bleibt das Anion der Säure: Säure Anion Benzoesäure › Benzoat + H+ Weinsäure › Tartrat + H+ O O OH OH OH HO O O Na - + O O OH OH OH HO O O Na - + O O OH OH OH HO O O Na - + O O OH OH OH HO O O Na - + Natriumbenzoat bekannt aus Cranberrys, Blaubeeren und Himbeeren bekannt aus Weintrauben Weinsäure Zellhülle Umgebung Zellinneres Benzoat - Benzoat - Benzoat - Tartrat - Weinsäure H Benzoesäure H Benzoesäure H 1 Benzoat ist geladen und kann die Zellhülle nicht passieren. 2 Weinsäure spaltet sich in H+ und Tartrat und senkt so den pH der Lösung. 3 Benzoat nimmt ein H+ auf und ist dann nicht mehr geladen. 5 In der Bakterienzelle ist die Konzentration an H+ niedrig. Daher spaltet sich H+ wieder ab und Benzoat bleibt zurück. 4 Als ungeladenes Molekül kann Benzoesäure durch die Zellhülle. 6 Das geladene Benzoat kann die Zelle nicht mehr verlassen. H + H + H + H + H + H + H + H + H + H + Perforation Poren bilden sich in der Zellhülle. Energieverlust (1) Die Zellen müssen die Schäden unter Verbrauch von Energie reparieren. (2) Die Erzeugung von Energie ist gestört. Zell-Innendruck steigt Durch Osmose strömt Wasser in die Zelle. Protein-Denaturierung Proteine verlieren ihre Struktur und aggregieren. Benzoat und H+ führen zusammen zur Inaktivierung des Bakterium. Desinfektionsmittel vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen. Bacillol® Zero Mehr Nachhaltigkeit auf allen Ebenen Sekundärverpackung • Vollständig recycelbar. Folienverpackung • Bei klassischen Verbundfolien sind mehrere verschiedene Kunststoffe untrennbar miteinander verbunden, sodass ein Recycling nicht möglich ist. Die neue Monofolie von Bacillol® Zero Tissues besteht aus einem einzigen Kunststoff und ist vollständig recycelbar. 1 CO2 Emissionen der Flüssigkeit in einem ready-to-use Flowpack mit 100 vorgetränkten Tüchern. 2 Verglichen mit einem niedrig-alkoholischen FlächenDesinfektionsmittel. 3 Sofern Arbeits- und Infektionsschutz dies zulassen. 4 Verglichen mit einem PET-Tuch eines niedrig-alkoholischen Flächen-Desinfektionsmittels. 5 Die Faser des Tuchs ohne Tränkung ist kompostierbar gemäß EN 13432. 6 PEFC-Lizenz: 06-33-92, 04-31-1610 und 04-31-2295. PEFC, Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes Desinfektionsmittel vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen. Tuchmaterial • In Bacillol® Zero Tissues wird ein plastikfreies, hochwertiges Vliestuchmaterial verwendet, das aus einer holzbasierten Regeneratfaser besteht. • Das Tuch setzt kein Mikroplastik frei. • Die Faser ist nicht nur vollständig biologisch abbaubar, sondern auch kompostierbar5. • PEFC-zertifiziert6: Die Faser stammt aus nachhaltiger Forstwirtschaft. Formulierung • Kein Inhaltsstoff ist als gefährlich eingestuft, somit trägt Bacillol® Zero keine Gefahrensymbole oder H- und P-Sätze. • Gemäß Biocidal Products Regulation (BPR) weniger toxisch als bisherige Flächen-Desinfektionsmittel. • Bacillol® Zero kann ohne Handschuhe verwendet werden3. Das spart Handschuhe und Zeit. weniger CO2 Emissionen4 95 % >98,5 % biobasiert nur 43 g CO2 Emission pro Flowpack1 92 % weniger CO2 Emissionen2 plastikfrei 100 % nachhaltige Forstwirtschaft 100 % Verbundfolie Monofolie complex organic acid 13

FORUM Gemeinsam aktiv zum Welthändehygienetag am 5.5. Sichere Hände in Klinik und ambulanter Versorgung „Action saves lives“ – so lautete der diesjährige Slogan der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zum Welthändehygienetag [1]. Unter dem Motto „Gemeinsam aktiv werden: Sichere Hände in Klinik und ambulanter Versorgung“ haben auch wir von HARTMANN den Aktionstag wie gewohnt unterstützt und in diesem Jahr darauf hingewiesen, dass die Händehygiene in allen Bereichen – ob in der Klinik oder ambulant – ein wichtiger Baustein der Infektionsprävention ist. Im Zuge der „Ambulantisierung“ verlagern sich sowohl international als auch in Deutschland zunehmend invasive Eingriffe – die per se ein erhöhtes Infektionsrisiko bergen – in den ambulanten Sektor [2]. Dass gezielte Maßnahmen auch hier wirksam sind, zeigt eine Studie in ambulanten Dialysezentren: Multimodale Interventionen steigerten die Händehygiene-Compliance (HHC) und senkten die Raten Dialyse-assoziierter Infektionen signifikant [3]. Regelmäßige Schulungen fördern gute Händehygiene Zahlreiche Studien belegen außerdem: Kontinuierliche Schulungen sind für eine hohe HHC entscheidend! Eine 5-Jahres-Studie zeigte, dass regelmäßiges Training mit Feedback die HHC nicht nur erhält, sondern in allen Berufsgruppen weiter steigert [4]. Auch eine Langzeitstudie über 7 Jahre bestätigte, dass systematisches Monitoring, Feedback und korrektive Maßnahmen die HHC langfristig verbessern [5]. Zentrale Erfolgsfaktoren für die HHC scheinen neben Schulungen auch persönliche Ziele wie Selbst- und Fremdschutz sowie Gewohnheitsbildung zu sein [6]. Um Ihr kontinuierliches Training zu unterstützen, bieten wir Ihnen auf der HARTMANN ACADEMY zahlreiche Schulungen zur richtigen Händehygiene sowie zu vielen weiteren Themen an. Auf dem HARTMANN SCIENCE CENTER YouTube-Kanal können Sie unsere Videoreihe „Hygiene kurz erklärt“ finden. Mit diesen Videos werden Begriffe und Fragestellungen aus der Hygiene einfach beantwortet. Im Bereich Hygieneschulungen stellt zudem die HARTMANN Academy ein strukturiertes und praxisorientiertes Weiterbildungsangebot für Fachkräfte im Gesundheitswesen bereit. Mehr Infos und Materialien zur Händehygiene und zum Welthändehygienetag finden Sie hier: Zur Kampagne der WHO: https://www.who.int/campaigns/world-hand-hygiene-day/2026 Zur HARTMANN Kampagne und unseren Download-Materialien: https://www.hartmann-science-center.com/de-de/news-und-themen/ internationale-aktionstage/world-hand-hygiene-day-2026 Zu den Webinaren, E-Learnings und Fortbildungen der HARTMANN Academy: https://www.hartmann.info/de-de/academy Zu dem HARTMANN SCIENCE CENTER YouTube-Kanal: https://www.youtube.com/@HARTMANNSCIENCECENTER Quellen 1. https://www.who.int/campaigns/world-hand-hygiene-day/world-hand-hygiene-day-2026 (abgerufen am 23.02.2026) 2. Kreutzberg A et al. (2024) Health Policy 140: 104968. https://doi.org/10.1016/j.healthpol.2023.104968 3. Weikert B et al. (2024) Clin Microbiol Infect 30: 1147-1153. https://doi.org/10.1016/j.cmi.2024.01.020 4. Hoffmann M et al. (2018) J Clin Nurs 28: 912-919. https://doi.org/10.1111/jocn.14703 5. Yue J & Pan H (2025) Front Public Health 13: 1588336. https://doi.org/10.3389/fpubh.2025.1588336 6. von Auer C et al. (2024) PLoS One 19: e0315456. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0315456pdf? (abgerufen am 28.08.2025) HARTMANN Produkte für Wirksamkeit und Schutz bei der Händehygiene Ob ambulant oder stationär: Das Sterillium® Produktsortiment einschließlich Sterillium® pure eignet sich für jeden Einsatzbereich. Sterillium® pure ist farbstoff- und parfümfrei und eignet sich damit auch für empfindliche Haut, sowie für Asthmatiker und Atopiker. Mit dem HARTMANN Händehygiene-System, das neben hautverträglichen Waschlotionen und Hände-Desinfektionsmitteln auch schützende Pflegelotionen und verträgliche OP-Handschuhe umfasst, adressieren wir außerdem den steigenden Bedarf an besonderem Hautschutz kombiniert mit hoher Wirksamkeit. 14

PRAXIS Keine Einschränkungen bei Nutzung in Desinfektionsmitteln ECHA-Empfehlung zu Ethanol ECHA spricht sich für weiteren Gebrauch aus Das Biocidal Products Committee (BPC) der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) hat im Februar 2026 seine Empfehlung abgegeben: Ethanol soll weiterhin für Hände- und Flächen-Desinfektionsmittel zugelassen bleiben. Damit bleibt der regulatorische Status unverändert – ethanolhaltige Desinfektionsmittel der Produkttypen 1 (menschliche Hygiene), 2 (Flächendesinfektion ohne direkten Mensch-/Tierkontakt) und 4 (Lebensmittel- und Futtermittelbereich) können weiterhin uneingeschränkt in ihren zugelassenen Anwendungsbereichen eingesetzt werden. Äußerliche Anwendung von Ethanol ist bei korrekter Handhabung sicher Die gesundheitliche Risikobewertung von Ethanol muss je nach Aufnahmeweg unterschieden werden: Während der orale Konsum alkoholischer Getränke gesundheitsschädlich sein kann, birgt die äußerliche Anwendung von Desinfektionsmittel bei korrekter Handhabung kein relevantes Risiko. Bei oraler Aufnahme gelangt Ethanol direkt in den Blutkreislauf und wird in der Leber abgebaut. Dagegen wird Ethanol bei der dermalen Anwendung – etwa durch Hände-Desinfektionsmittel – nur in minimalen Mengen über die Haut aufgenommen [1–3]. Auch die inhalative Aufnahme durch Desinfektionsmitteldämpfe führt nur zu minimalen Ethanolkonzentrationen im Blut – deutlich unter kritischen Werten [1–3]. Laut Stellungnahme des Robert Koch-InstiEthanol ist seit Jahrzehnten ein unverzichtbarer Wirkstoff in alkoholischen Hände-Desinfektionsmitteln (HDM) und spielt eine zentrale Rolle bei der Prävention nosokomialer Infektionen. 2024 wurde im Rahmen der Biozidprodukteverordnung (BPR) eine Einstufung von Ethanol als CMR-Stoff (krebserzeugend, erbgutverändernd, reproduktionstoxischen) vorgeschlagen. Aufgrund der weitreichenden Konsequenzen für den Infektionsschutz sprachen sich zahlreiche Fachgesellschaften gegen die Einstufung aus und forderten eine evidenzbasierte Klärung, was zur Verlängerung der Frist führte. Auch HARTMANN hat sich für den weiteren Einsatz von Ethanol in Desinfektionsmitteln eingesetzt, um Patientensicherheit und Infektionsschutz zu gewährleisten. tuts ist die systemische Belastung bei der Nutzung alkoholischer Hände-Desinfektionsmittel geringer als beim Konsum eines halben Liters Apfelsaft [4]. EU-Entscheidung steht aus Die Empfehlung des BPC geht nun an die Europäische Kommission. Diese erarbeitet daraufhin einen Entscheidungsentwurf, der den EU-Mitgliedstaaten zur Abstimmung vorgelegt wird. Nach der finalen Entscheidung wird klar sein, unter welchen Bedingungen Ethanol künftig in Biozidprodukten verwendet werden darf. Bei einer positiven Genehmigung können ethanolhaltige Biozidprodukte weiterhin gemäß der BPR regulär zugelassen werden. Quellen 1. Kramer A et al. (2022) Antimicrob Resist Infect Control 11: 93. https://doi.org/10.1186/s13756-022-01134-7 2. Ahmed-Lecheheb D et al. (2012) J Hosp Infect 81: 31-35. https://doi.org/10.1016/j.jhin.2012.02.006 3. Below H et al. (2012) Am J Infect Control 40: 250-257. https://doi.org/10.1016/j.ajic.2011.03.009 4. Robert Koch-Institut (2016) Epidemiol Bull 17: 143-146. https://doi.org/10.17886/EpiBull-2016-029 15

FORUM Quellen 1. Gehrke T et al. (2024) Arch Orthop Trauma Surg 145(1) : 58. 2. Metsemakers W et al (2024) Lancet Infect Dis 24(6): e386–e393. 3. European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) (2024) Point prevalence survey of healthcare-associated infections and antimicrobial use in European acute care hospitals, 2022-2023. https://www.ecdc.europa.eu/en/publications-data/PPS-HAI-AMR-acute-care-europe-2022-2023 (abgerufen am 01.03.2026) 4. Calderwood M et al (2023) Infect Control Hosp Epidemiol 44(5): 695–720. 5. Dudek B et al. (2024) Int J Mol Sci 25: 12720. 6. Watson F et al (2024) GMS Hyg Infect Control 19: Doc73. Multimodale Strategie zur Reduktion von SSI HARTMANN auf dem DKOU 2025 Periprothetische Gelenkinfektionen (PJI) und frakturassoziierte Infektionen (FRI) gehören zu den schwerwiegendsten Komplikationen in der Orthopädie und Unfallchirurgie und stellen eine erhebliche Belastung für Patienten, Chirurgen, Kliniken und das Gesundheitssystem dar [1, 2]. Postoperative Wundinfektionen (surgical site infections, SSI) treten in der Primär-Endoprothetik in 1–4 % der Fälle auf, bei Revisionen steigt die Rate auf bis zu 25 % an [3]. Verlängerte Krankenhausaufenthalte, mehrfache Revisionsoperationen, hohen Kosten (65.000–100.000 € pro Fall) und eine deutlich erhöhte Mortalität sind die Folgen [3]. DAIR-Konzept als etablierte Behandlungsstrategie bei SSI Die Behandlung und Beseitigung von Biofilmen sowie dessen Prävention sind erforderlich, um eine effiziente und zeitnahe Wundheilung zu ermöglichen. Die intraoperative Wundspülung z. B. mit PREVENTIA® Surgical Irrigation mit antimikrobiellem Zusatz kann die chirurgische Praxis ergänzen [4]. PREVENTIA® entfaltet primär eine mechanische Wirkung durch die physikalische Kraft der Spülung. Unterstützt wird diese durch einen antimibrobiellen durch PHMB (Polihexanid) und einem Tensid (Poloxamer) bei gleichzeitig geringer Zytotoxizität [5, 6]. Durchgeführt werden sollte der Einsatz einer chriurgischen Spüllösung mit antimikrobiellem Zusatz im Rahmen eines umfangreichen DAIR-Konzepts (Debridement, Antibiotics, Implant Retention). Dies umfasst eine frühzeitige operative Intervention mit konseDer Deutsche Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) vom 28. bis 31. Oktober 2025 lockte unter dem Motto „Fortschritt gemeinsam gestalten“ über 11.000 Teilnehmende nach Berlin. Auch HARTMANN war mit einem Stand und einem Lunchsymposium zum Thema „Infektionsmanagement neu gedacht – multimodaler Ansatz bei PJI und FRI“ vertreten. Die hochkarätig besetzte Veranstaltung stieß auf reges Interesse. quentem, radikalem Debridement sowie dem möglichen Einsatz einer chirurgischen Spüllösung mit antimikrobiellem Zusatz, wie beispielsweise PREVENTIA® Surgical Irrigation, einschließlich des Wechsels aller modularen Prothesenteile. PREVENTIA® Surgical Irrigation – innovative Spüllösung in der Praxis Das antimikrobielle Debridement kommt ergänzend zum Einsatz, ersetzt aber nicht die Chirurgie – das mechanische Debridement ist entscheidend. In der Praxis ist bei komplexen Infektionen beispielsweise folgendes PREVENTIA®-Protokoll etabliert: Nach einer initialen Natriumchlorid (NaCl)-Spülung folgt die Applikation von 1 Liter PREVENTIA® mit einer Kontaktzeit von 2–3 Minuten und ggf. eine weitere NaCl-Spülung. Das Symposium von HARTMANN verdeutlichte: Die Infektionsprävention gehört weiterhin zu den größten Herausforderungen in Orthopädie und Unfallchirurgie. Ergänzend zum radikalen mechanischen Debridement kann die Spülung z. B. mit PREVENTIA® Surgical Irrigation mit dem antimikrobiellen Zusatz von 0,1% PHMB plus Poloxamer als wirkungsvolle und leicht zu integrierende Maßnahme einen wichtigen Beitrag zur Gesamtstrategie leisten. NACHHER PREVENTIA® 99.99% VORHER Testergebnisse mit PREVENTIA® zeigen eine Reduzierung von 99,99 % der Bakterien. 16

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