DESINFACTS | Ausgabe 1/2026

Jährlich erkranken in Deutschland bis zu 600.000 Menschen an nosokomialen Infektionen (NI) – mit teils schweren Folgen: Bis zu 15.000 Todesfälle und langwierige Komplikationen belasten sowohl die Betroffenen als auch die Kliniken erheblich [1, 2]. Auch die wirtschaftlichen Auswirkungen sind enorm: Rund 2 Milliarden Euro Zusatzkosten entstehen dem Gesundheitssystem durch NI jährlich [3]. Prävention ist daher nicht nur medizinisch, sondern auch ökonomisch entscheidend. Das Programm Mission: Infection Prevention (M: IP®) von HARTMANN unterstützt Krankenhäuser dabei, ihr Infektionsgeschehen systematisch zu analysieren und Hygienemaßnahmen zielgerichtet zu optimieren. Mit Hilfe einer von BinDoc und HARTMANN gemeinschaftlich entwickelten Softwarelösung – dem M: IP® §21- AnalysisModul* – können Gesundheitseinrichtungen nun Fallzahlen und Kosten ihrer NI einsehen, Prozesse optimieren und Opportunitätskosten gezielt steuern. Die digitale Plattform liefert detaillierte Einblicke, von abteilungsspezifischen Daten bis hin zu ökonomischen Kennzahlen und Einsparpotenzialen. Gleichzeitig zeigt sie auf, wie NI die Verweildauer von Patienten beeinflussen. So schafft das Tool Transparenz, trägt zur Reduktion der Krankheitslast von NI bei und entlastet Budgets – für mehr Sicherheit und Effizienz im Klinikalltag. Erste Kliniken in Deutschland nutzen bereits Analysen aus dem Infektionspräventionstool. WISSEN Das neue Qualitätssicherungsverfahren „Diagnostik und Therapie der Sepsis“ (QS Sepsis) ist am 1. Januar 2026 in den bundesweiten Regelbetrieb gestartet und betrifft alle nach § 108 SGB V zugelassenen Krankenhäuser [1]. Ziel ist es, Sterblichkeit und Folgeerkrankungen bei Sepsis-Betroffenen zu reduzieren, die Sepsis-Früherkennung zu verbessern sowie Schulungen und SOPs einzuführen [2]. Für die Erstellung und Veröffentlichung der Spezifikationen für die QS-Filter- und Dokumentationssoftware ist das Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG) verantwortlich [3, 4]. Qualitätssicherungsverfahren „Diagnostik und Therapie der Sepsis“ Verpflichtende Teilnahme für Krankenhäuser Quellen 1. https://iqtig.org/aktuelles/news/qs-sepsis-neues-verfahren-startet-am-1-januar-2026-in-denregelbetrieb/ (abgerufen am 18.02.2026) 2. https://iqtig.org/qs-verfahren/qs-sepsis/ (abgerufen am 18.02.2026) 3. https://www.g-ba.de/downloads/39-261-7613/2025-12-18_DeQS-RL_Spezifikation-EJ-2026_QSSepsis.pdf (abgerufen am 18.02.2026) 4. https://www.g-ba.de/richtlinien/105/ (abgerufen am 18.02.2026) Infektionsprävention neu gedacht: Das M: IP® §21-Analysis-Modul * §21 Krankenhausentgeltgesetz Quellen 1. https://www.barmer.de/resource/blob/1031882/ff2b0b22a57702364f9e208ced270f86/barmer-krankenhausreport-2021-band-30-bifg-data.pdf (abgerufen am 24.02.2026). 2. European Centre for Disease Prevention and Control. Point prevalence survey of healthcare-associated infections and antimicrobial use in European acute care hospitals. Stockholm: ECDC; 2024. https://www.ecdc.europa.eu/sites/default/files/documents/healthcare-associated-point-prevalence-survey-acute-care-hospitals-2022-2023.pdf (abgerufen am 24.02.2026). 3. Nachtigall I, Bonsignore M (2018) Krankenhaushygiene up2date 13: 419–431. https://doi.org/10.1055/a-0749-6933 PRAXIS Die Datenerhebung für QS Sepsis setzt sich aus einem einrichtungsbezogenen (Sepsis-E) sowie einem fall- und sozialdatenbasierten Abschnitt (SEPSIS-FS) zusammen [2]. Um gezielte Verbesserungsmaßnahmen schnell umsetzen zu können, erhalten die Krankenhäuser quartalsweise Rückmeldungen. Im ersten Erhebungsjahr (2026) entfällt die Verpflichtung, die einrichtungsbezogenen Ergebnisse zu veröffentlichen, und es sind zunächst keine Sanktionen vorgesehen. Für die Krankenhäuser bedeutet das neue Verfahren anfangs in erster Linie einen erhöhten organisatorischen und technischen Aufwand: Einrichtungen sollten sich also darauf einstellen, mehr Ressourcen für Schulungen, IT-Infrastruktur und Qualitätsmanagement bereitzustellen. Nosokomiale Infektionen (NI) Zahlreiche Todesfälle als Folge von NI [1,2] Hohe Kosten für das Gesundheitssystem 5

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