DESINFACTS | Ausgabe 1/2026

WISSEN Achtung, Keimverschleppung! Berufskleidung und Nagellack als Hygienerisiko Das Tragen von medizinischer Berufskleidung und der Verzicht auf Nagellack oder künstliche Fingernägel zählen zu den etablierten Hygienemaßnahmen [1-3]. Wie sieht die aktuelle Evidenz dazu aus? Berufskleidung: Unterarme frei Bis zu 30 % der medizinischen und pflegerischen Kleidungsstücke sind mit pathogenen Bakterien belastet [4]. Je nach Tätigkeitsbereich fallen die Kontaminationsraten noch höher aus. In einer Studie wiesen 63 % der untersuchten Textilien potenziell pathogene Erreger auf. Stellen, die oft mit den Händen in Berührung kamen, wie Ärmel oder Kitteltaschen, offenbarten sich dabei als besonders keimbelastet [5]. Eine aktuelle Untersuchung zeigt zudem, dass bei konsequenter Umsetzung des “bare below the elbow”- Konzepts die Ärmel signifikant seltener kontaminiert waren. Die Daten liefern damit eine direkte mikrobiologische Evidenz dafür, dass das Freihalten der Unterarme die Keimlast auf der Berufkleidung reduziert [6]. Um die Kittelnutzung sicherer zu gestalten und eine wirksame hygienische Händedesinfektion zu ermöglichen, empfiehlt sich daher kurzärmelige Kleidung. Nagellack auf dem Prüfstand Neben dem Verzicht auf Uhren und Schmuck umfasst das Konzept „bare below the elbow“ auch den Verzicht auf Nagellack und künstliche Fingernägel, da diese z. B. durch Mikrorisse im Lack die Wirksamkeit der Händehygiene beeinträchtigen könnten [1]. Neuere Studien zeichnen jedoch ein differenzierteres Bild. Eine aktuelle Untersuchung zeigt, dass intakter UV-Nagellack (Gel-/Shellac-Maniküre) gegenüber unlackierten Nägeln nicht mit einer höheren Bakterienlast verbunden ist [7]. Frühere Studien kamen bereits zu ähnlichen Ergebnissen [8-10]. Nachteilig wirkt sich jedoch die Nagellänge aus: Längere Nägel > 2 mm waren mit einer erhöhten Bakterienlast assoziiert [8]. Zudem war die Händehygiene bei längeren Nägeln häufiger nicht ausreichend wirksam; dieser Effekt wurde durch eine Gel-Maniküre verstärkt [11]. Quellen 1. KRINKO (2016) Händehygiene in Einrichtungen des Gesundheitswesens. Bundesgesundheitsbl 59:1189–1220. 2. KRINKO (2015) Infektionsprävention im Rahmen der Pflege und Behandlung von Patienten mit übertragbaren Krankheiten. Bundesgesundheitsbl 58: 1151– 1170. 3. WHO (2009) WHO Guidelines on Hand Hygiene in Health Care. ISBN 978 92 4 159790 6 4. Thom KA et al. (2018) Am J Infect Control 46(5): 503–506. 5. Wiener-Well Y et al. (2021) Am J Infect Control 39(7): 4555–559. 6. Damonti et al. (2025) Antimicrob Steward Healthc Epidemiol. 5, e336, 1–3. 7. Arreba P et al. (2025) J Hosp Infect 157: 40–44. 8. Hardy J et al. (2017) Vet Surg 46(7): 952–961. 9. Hewlett A et al. (2018) Am J Infect Control 46(12): 1356–1359. 10. Nolan B et al. (2022) J Obstet Gynaecol 42(7): 2758–2763. 11. Wałaszek MZ et al. (2018) J Hosp Infect 100(2): 207–210. 17

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