DESINFACTS | Ausgabe 1/2026

Wenn mehr gefragt ist als Basishygiene Flächendesinfektion für alle Fälle – das 90:10-Flächenkonzept Basishygiene bei 90 % der Erreger ausreichend Aktuelle Daten des European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) zeigen: Ein Großteil der nosokomialen Infektionen in medizinischen Einrichtungen geht auf vegetative Bakterien zurück. So werden rund 90 % der nosokomialen Infektionen durch Erreger wie Staphylococcus aureus, Escherichia coli und Klebsiella pneumoniae verursacht [1, 3]. Sie können durch Flächen-Desinfektionsmittel mit einem Basiswirkspektrum effektiv bekämpft werden. Für die tägliche Routinedesinfektion ist daher ein Wirkspektrum, das bakterizid, levurozid und begrenzt viruzid abdeckt, in den meisten Fällen ausreichend. 10 % der Erreger erfordern gezielte Wirkspektren Etwa 10 % der nosokomialen Infektionen gehen auf besonders widerstandsfähige Erreger zurück. Dazu zählen insbesondere das sporenbildende Bakterium Clostridioides difficile mit ca. 8 % und zu einem wesentlich geringeren Teil Pilze und unbehüllte Viren [1, 3]. Diese Erreger können durch Desinfektionsmittel mit dem Basis-Wirkspektrum nicht inaktiviert werden [4]. Die effektive Prävention einer Übertragung erfordert den gezielten Einsatz sporizid, fungizid und/oder viruzid wirksamer Desinfektionsmittel. Besonders relevant: Prävention und Bekämpfung von C. difficile Im klinischen Alltag von hoher Relevanz sind Infektionen mit C. difficile, die seit 2003 weltweit zunehmen [5]. Eine C.-difficile-Infektion (CDI) – oft nach einer vorausgegangenen Antibiotikatherapie – äußert sich als schwere Diarrhö mit Bauchschmerzen und Fieber und kann ggf. zu einer Darmperforation oder Sepsis führen [5]. Die Übertragung erfolgt durch direkten Kontakt, z. B. über die Hände, oder indirekten Kontakt, z. B. über kontaminierte Flächen [6]. Da die Sporen von C. difficile monatelang auf Oberflächen überleben können, spielt die Patientenumgebung bei der Übertragung eine größere Rolle als bei anderen Erregern [6]. Neben einer angepassten Händehygiene, dem Tragen von Persönlicher Schutzausrüstung und weiteren Maßnahmen wie der Kontaktisolation empfiehlt die Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut bei CDI eine tägliche Wischdesinfektion patientennaher Flächen mit nachgewiesener Wirksamkeit gegen C. difficile, bevorzugt unter Anwendung von Oxidantien [7]. In der EU infizieren sich jährlich etwa 4,3 Millionen Patienten während eines stationären Krankenhausaufenthalts mit mindestens einer nosokomialen Infektion [1]. Der Prävention nosokomialer Infektionen kommt daher ein hoher Stellenwert zu. Eine wesentliche Rolle spielt dabei neben der Händehygiene auch die Flächendesinfektion [2]. Unterschieden wird zwischen der täglichen Routinedesinfektion und der gezielten Desinfektion [2]. Das 90:10-Flächenkonzept kann helfen, Sicherheit und Ressourcenschonung miteinander in Einklang zu bringen, und bietet damit einen praxisnahen Lösungsansatz. PRAXIS Clostridioides difficile Staphylococcus aureus Escherichia coli Klebsiella pneumoniae 22

RkJQdWJsaXNoZXIy NDU5MjM=