FORUM Das Wissen aus dem HARTMANN SCIENCE CENTER fließt aber nicht nur in eine Richtung: Die Fachleute des Kompetenzzentrums – ein Team aus Biologinnen und Biologen, die sich auf die Arbeitsbereiche Angewandte Wissenschaft (Applied Science), Kommunikation, Schulung und Expertenberatung verteilen – haben auch immer ein Ohr für vermeintlich „kleine“ Probleme: „Seit der COVID-19-Pandemie sind der erhöhte Handschuhverbrauch und die nicht indizierte Nutzung von Handschuhen in vielen Häusern ein großes Thema“, so Dr. Heide Niesalla, Leiterin des HARTMANN SCIENCE CENTER. „Wir haben den Internationalen Tag der Händehygiene am 5.5.2025 deshalb dazu genutzt, das Thema hervorzuheben und Info-Unterlagen bereitzustellen.“ Ziel sei es, Fachkräfte im Gesundheitssektor dafür zu sensibilisieren, die Handschuhe zum richtigen Zeitpunkt zu nutzen. „Das zeigt beispielhaft unser Vorgehen: Wir haben ein Problem erkannt, Evidenz gesammelt und uns dann überlegt, mit welchen Materialien wir unterstützen können.“ Aus der Praxis für die Praxis: so arbeitet das HARTMANN SCIENCE CENTER Wenn sich ein bislang ungelöstes Hygieneproblem zeigt, übernimmt das Applied Science Team die fachliche Recherche. Diese erfolgt häufig in enger Zusammenarbeit mit weiteren Abteilungen der zur HARTMANN GRUPPE gehörenden BODE Chemie GmbH, insbesondere mit Experten aus der Mikrobiologie und Produktentwicklung. Grundlage bilden publizierte Studien, Normen und Leitlinien sowie die enge Zusammenarbeit mit externen Fachexpertinnen und -experten aus dem Gesundheitswesen. Im nächsten Schritt werden die Ergebnisse so aufbereitet, dass sie die potenziellen Nutzer bestmöglich erreichen, beispielsweise als Veröffentlichung in einem Fachjournal, als Konferenzbeitrag, als Whitepaper, Infografik oder als „Knowledge Nugget“, ein kurzer, graphisch animierter Inhalt, der komplexe Themen einfach darstellt und sich so vor allem über Social Media an seine Zielgruppe wendet. Begleitet werden diese Wissensformate durch Berichte auf den unterschiedlichen Kommunikationskanälen des HARTMANN SCIENCE CENTER: die Website, den Newsletter, das Magazin „DESINFACTS“, Konferenzbeiträge, Vorträge, Workshops, Schulungen oder auch via YouTube. Impulsgeber: 15 Sekunden für Händedesinfektion? Ein Beispiel für die Wirkung dieser Arbeit ist die Diskussion zur Einreibezeit der hygienischen Händedesinfektion: „Die Zulassung von Hände-Desinfektionsmitteln für die hygienische Händedesinfektion beruht auf der Norm EN 1500. Diese verlangt, die Wirksamkeit in 30 Sekunden zu prüfen. In der Praxis werden die Hände allerdings deutlich kürzer eingerieben“, sagt HARTMANN SCIENCE CENTER-Leiterin Heide Niesalla. „Wir konnten zeigen, dass sowohl ein ethanolisches als auch ein propanolisches Präparat die Anforderungen der Norm bereits in 15 Sekunden erfüllen können – und haben damit eine Diskussion im gesamten Markt angestoßen.“ Die Ergebnisse wurden veröffentlicht und breit diskutiert. In der Folge initiierte der Verbund für Angewandte Hygiene (VAH) einen Ringversuch. Die Schlussfolgerung war, dass eine Prüfung nach EN 1500 auch mit 15 Sekunden methodisch möglich ist! Die HARTMANN SCIENCE CENTER-Studie liefert die wissenschaftliche Grundlage für eine mögliche Anpassung der Norm. Auch beim Thema Nachhaltigkeit werden fachliche Impulse gesetzt. Ein Beispiel war die Markteinführung des Flächendesinfektionstuchs Bacillol® Zero Tissues, das ein nachhaltiges Tuch auf Cellulose-Basis, 15 Jahre HARTMANN SCIENCE CENTER Wissenschaftlich fundiert. Praktisch nutzbar. Wie viel Desinfektionsmittelkonzentrat braucht man, um drei Liter einer 0,75%-igen Gebrauchslösung herzustellen? Der „KonzentratRechner“ auf der Webseite des HARTMANN SCIENCE CENTER liefert die Antwort in Sekunden: In diesem Fall sind es 22,5 ml! Das Beispiel zeigt die Arbeitsweise des HARTMANN SCIENCE CENTERs: Hygienewissen soll praktisch, verständlich und im Alltag nutzbar sein, um Patienten und Mitarbeitende im Gesundheitswesen wirksam vor Infektionserregern zu schützen und Ressourcen sinnvoll einzusetzen. Handschuhe an! Wann medizinische Einmalhandschuhe erforderlich sind Zum Schutz vor potenziell pathogenen Krankheitserregern Bitte beachten: Wann? Warum? Direkter Patientenkontakt Indirekter Patientenkontakt Blutentnahme Umgang mit nicht-intakter Haut Kontakt mit Sekreten Anwesenheit hoch infektiöser Pathogene Ausscheidungen/ Körperflüssigkeiten Handschuhe sind nötig, wenn das Risiko einer hohen Exposition mit Blut, Körperflüssigkeiten, Sekreten, Ausscheidungen oder kontaminierter Umgebung besteht. Bei Keimverschleppung durch Perforation und/oder Kontamination der Handschuhe ist ein Wechsel der Handschuhe indiziert. Handschuhtragen ersetzt nicht die Händedesinfektion. Handschuhkontakt mit dem eigenen Gesicht/Haar vermeiden. 1 2 3 Umgang mit endokavitären Sonden Reinigung/Desinfektion kontaminierter Oberflächen* Umgang mit infektiösem Material/Chemikalien* Umgang mit med. Abfall* Unnötiges Handschuhtragen ... Weitere Tätigkeiten: Blutzuckermessung, Platzieren nicht-invasiver Beatmungsgeräte und der Sauerstoffkanüle, Patienten baden, ankleiden, waschen*, eincremen*, kämmen, rasieren, Patientenpositionierung, Pflege von Augen/Ohren (ohne Sekrete), Gefäßmanipulationen (ohne Blutfluss), Verteilen/Einsammeln von Essenstabletts, orale Medikamentengabe, Bettwäschewechsel/Bettenrichten u.a. *ausgenommen Anogenitalregion sowie antimikrobielle Waschungen Quellen: 1. RKI, Epid Bull 2024;10:6-9. 2. WHO (2009) Glove Use Information Leaflet. 3. Fuller et al. (2011) ICHE, 32(12):1194-9. Handschuhe aus! Wann medizinische Einmalhandschuhe nicht erforderlich sind Wann nicht? Handschuhe sind nicht zwingend nötig, wenn kein Risiko einer hohen Exposition mit Blut, Körperflüssigkeiten, Sekreten, Ausscheidungen oder kontaminierter Umgebung besteht. Warum nicht? Direkter Patientenkontakt Otoskopie Verabreichung i.d., s.c. und i.m. Injektionen (z. B. Impfen) Patientenwaschung* Auskultation Messung von Blutdruck, Temperatur, Puls ... verschlechtert die Händehygiene Compliance und trägt so zur Verbreitung nosokomialer Infektionen bei. ... verschlechtert die zwischenmenschliche Beziehung. 1 2 ... führt zu Hautschäden durch feuchte Kammern. 3 ... reduziert das Aufkommen von überflüssigem Abfall. 4 Weitere Tätigkeiten: Epidemie oder Notfallsituation, PVK-Anlage und -Entfernung, Absaugen nicht-geschlossener Endotrachealschlauch-Systeme u.a. *Chemikalienbeständigkeit getestet nach EN ISO 374-1 und -2, EN ISO 374-4 und -5, EN 16523-1, ausgewiesen als Personal Protective Equipment nach PPE Regulation (EU) 216/425 und EN ISO 21420. Quellen: 1. RKI, Epid Bull 2024;10:6-9. 2. WHO (2009) Glove Use Information Leaflet. Indirekter Patientenkontakt Anreichen von Essen/ Getränken Dokumentations- aufgaben Bewegen von Patientenbetten Bedienung elektronischer Geräte Rollstuhl schieben Hinweis: PPE-Verordnung beachten. 12
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