DESINFACTS | Ausgabe 1/2026

FORUM Verbesserungspotenzial in der Hygiene Die Themen der nachfolgenden Session drehten sich unter anderem um die Optimierung der Händehygiene sowie um innovative Ansätze für die Hände- und Flächenhygiene. Dr. Christoph Senges (HARTMANN SCIENCE CENTER) zeigte in seinem Vortrag, wie postoperative Wundinfektionen mithilfe eines intelligenten Algorithmus automatisch aus Routinedaten erkannt werden können und damit die Infektionsüberwachung im Krankenhaus effizienter wird. Peter Möri, Fachexperte Infektionsprävention und Spitalhygiene am Stadtspital Zürich, nahm den Faden auf und referierte danach über „Medizinische Einmalhandschuhe im klinischen Alltag – zwischen Schutz, Routine und Verantwortung in der Praxis“. In dem nachfolgenden Vortrag stellte Dr. Viktoria Kolbe (HARTMANN SCIENCE CENTER) die Ergebnisse einer Simulationsstudie von NOTIS e.V. vor, in der die Belastbarkeit desinfizierter medizinischer Untersuchungshandschuhe nach BLS‑ und ACLS‑Simulationen untersucht wurde. Celine Bagban (Bogdol Gebäudemanagement GmbH, Hamburg) stellte in „Unsichtbar war gestern – Social-Media-StrategiPraktisch: JETZT alles anschauen und nachhören! Das HARTMANN SCIENCE CENTER Symposium richtet sich an Spezialisten für Infektionsprävention (IPC), IPC-Krankenschwestern, Mitarbeiter der Qualitätssicherung, Pflegedienst- und OP-Manager sowie an alle, die sich für Hygiene, Desinfektion und Maßnahmen zur Infektionsprävention interessieren. Eine kostenlose Teilnahme war digital per Live-Stream möglich – in Deutsch und auch auf Englisch. Wer keine Gelegenheit hatte, die diesjährige Veranstaltung mit dem Titel „Mit Fortschritt und Verantwortung Hygiene bewegen“ live zu verfolgen, kann alle Vorträge jederzeit nochmal erleben: https://www.hartmann-science-center.com/de-de/ news-und-themen/events/hsc-symposium-2026 Handschuhe an! Wann medizinische Einmalhandschuhe erforderlich sind Zum Schutz vor potenziell pathogenen Krankheitserregern Bitte beachten: Wann? Warum? Direkter Patientenkontakt Indirekter Patientenkontakt Blutentnahme Umgang mit nicht-intakter Haut Kontakt mit Sekreten Anwesenheit hoch infektiöser Pathogene Ausscheidungen/ Körperflüssigkeiten Handschuhe sind nötig, wenn das Risiko einer hohen Exposition mit Blut, Körperflüssigkeiten, Sekreten, Ausscheidungen oder kontaminierter Umgebung besteht. Bei Keimverschleppung durch Perforation und/oder Kontamination der Handschuhe ist ein Wechsel der Handschuhe indiziert. Handschuhtragen ersetzt nicht die Händedesinfektion. Handschuhkontakt mit dem eigenen Gesicht/Haar vermeiden. 1 2 3 Umgang mit endokavitären Sonden Reinigung/Desinfektion kontaminierter Oberflächen* Umgang mit infektiösem Material/Chemikalien* Umgang mit med. Abfall* Unnötiges Handschuhtragen ... Weitere Tätigkeiten: Blutzuckermessung, Platzieren nicht-invasiver Beatmungsgeräte und der Sauerstoffkanüle, Patienten baden, ankleiden, waschen*, eincremen*, kämmen, rasieren, Patientenpositionierung, Pflege von Augen/Ohren (ohne Sekrete), Gefäßmanipulationen (ohne Blutfluss), Verteilen/Einsammeln von Essenstabletts, orale Medikamentengabe, Bettwäschewechsel/Bettenrichten u.a. *ausgenommen Anogenitalregion sowie antimikrobielle Waschungen Quellen: 1. RKI, Epid Bull 2024;10:6-9. 2. WHO (2009) Glove Use Information Leaflet. 3. Fuller et al. (2011) ICHE, 32(12):1194-9. Handschuhe aus! Wann medizinische Einmalhandschuhe nicht erforderlich sind Wann nicht? Handschuhe sind nicht zwingend nötig, wenn kein Risiko einer hohen Exposition mit Blut, Körperflüssigkeiten, Sekreten, Ausscheidungen oder kontaminierter Umgebung besteht. Warum nicht? Direkter Patientenkontakt Otoskopie Verabreichung i.d., s.c. und i.m. Injektionen (z. B. Impfen) Patientenwaschung* Auskultation Messung von Blutdruck, Temperatur, Puls ... verschlechtert die Händehygiene Compliance und trägt so zur Verbreitung nosokomialer Infektionen bei. ... verschlechtert die zwischenmenschliche Beziehung. 1 2 ... führt zu Hautschäden durch feuchte Kammern. 3 ... erhöht das Aufkommen von überflüssigem Abfall. 4 Weitere Tätigkeiten: Epidemie oder Notfallsituation, PVK-Anlage und -Entfernung, Absaugen nicht-geschlossener Endotrachealschlauch-Systeme u.a. *Chemikalienbeständigkeit getestet nach EN ISO 374-1 und -2, EN ISO 374-4 und -5, EN 16523-1, ausgewiesen als Personal Protective Equipment nach PPE Regulation (EU) 216/425 und EN ISO 21420. Quellen: 1. RKI, Epid Bull 2024;10:6-9. 2. WHO (2009) Glove Use Information Leaflet. Indirekter Patientenkontakt Anreichen von Essen/ Getränken Dokumentations- aufgaben Bewegen von Patientenbetten Bedienung elektronischer Geräte Rollstuhl schieben Hinweis: PPE-Verordnung beachten. Nachträglich dabei sein en zur Stärkung von Reinigungskräften“ vor, wie die Arbeit und das Image von Reinigungskräften mithilfe sozialer Medien unterstützt werden können. Neue Ansätze für die Infektionsprävention Hygieneexperte Lucas Thummer vom Bezirkskrankenhaus St. Johann in Tirol demonstrierte im letzten Teil der Veranstaltung das Potenzial der Künstlichen Intelligenz für die Infektionsprävention im klinischen Setting („Von Händehygiene zu zeitnaher Surveillance-Unterstützung: KI-gestützte HAI-Analyse im Krankenhaus – on-premise, DSGVO-konform, praxisnah“). Dr. Viktoria Kolbe (HARTMANN SCIENCE CENTER) stellte die „Anforderungen an moderne alkoholische Hände-Desinfektionsmittel“ vor. Prof. Dr. Johannes Knobloch, Universitätsklinikum Eppendorf, Hamburg, gab einen praxisnahen Einblick, wie mit dem Phase 3 Testverfahren für die Oberflächendesinfektion eine Annäherung an reale Anwendungsbedingungen erreicht werden kann. Der Gründer und Mediziner Dr. Konstantin Altrichter vom Medizinprodukte-Hersteller „daisygrip GmbH“ aus Kavelstorf beleuchtete im Anschluss die hygienischen Herausforderungen bei der Aufbereitung von Blutdruckmanschetten. Dr. Christoph Senges Prof. Dr. Jonas Schmidt-Chanasit Lucas Thummer Dr. Marco Krewing Peter Möri 9

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