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World Antibiotic Awareness Week (WAAW)

Globaler Einsatz ist gefordert

Die alljährliche World Antibiotic Awareness Week, kurz WAAW, steht vor der Tür. Vom 18. bis 24. November 2019 macht die Weltgesundheitsorganisation WHO die Öffentlichkeit wieder darauf aufmerksam, was uns alle auf diesem Planeten zunehmend bedroht: immer mehr Bakterien werden resistent gegen Antibiotika. Die Weltantibiotikawoche präsentiert die Gründe dafür und zeigt auf, wie wir die Entstehung und Ausbreitung weiterer Resistenzen verhindern können.

„Handle with care“ steht auf allem, womit vorsichtig umgegangen werden muss. Auch die weltweite Aktionswoche hat sich das auf ihre Fahnen geschrieben: „Vorsichtiger Umgang mit Antibiotika“, so lautet ihr Plädoyer.
Jedes Jahr hat die WAAW auch ein eigenes Motto. 2019 ist es: „Think twice. Seek advice“. Ins Deutsche übersetzt heißt das: „Überlege gut. Suche Rat“. Treffender geht es kaum. Denn eine der Hauptursachen für die rasante Zunahme von Resistenzen gegen Antibiotika ist, dass diese Wirkstoffe so häufig unnötig – etwa bei Erkrankungen durch Viren – und ohne viel Nachzudenken eingesetzt werden.

„Größte und dringendste globale Gefahr …“

Klinik-Patient hält Hände mit Pflegekraft Krankenschwester oder Arzt

Als solche wertet die WHO die Resistenzproblematik inzwischen. Vollkommen zu Recht. Denn wenn die Entwicklung der letzten Jahre nicht gestoppt wird, drohen wir in eine prä-antibiotische Ära zurückzufallen – in die Zeit ohne Antibiotika. Nicht weil es diese nicht mehr gibt, sondern weil sie schlichtweg nicht mehr wirksam sind.
Dass wir leider bereits die ersten Etappen auf diesem so gefährlichen Weg gegangen sind, zeigen Zahlen aus den USA. Hier infizieren sich jedes Jahr mindestens zwei Millionen Menschen mit antibiotikaresistenten Bakterien [1]. An den direkten Folgen davon versterben jährlich 23.000 [1], etwa 100.000 erliegen den Komplikationen im Zuge der Infektionen [2].

Aktuellen Untersuchungen zufolge ist die Situation in Europa keineswegs besser. So sterben europaweit jedes Jahr 33.100 Menschen an den direkten Folgen einer Infektion mit antibiotika-resistenten Bakterien [3]. Besonders betroffen davon sind vor allem Kleinkinder unter einem Jahr und Ältere über 65. Das Ausmaß der Todesfälle und der sogenannten Krankheitslast durch multiresistente Erreger (MRE) ist mittlerweile so hoch wie durch Virusgrippe, Tuberkulose und AIDS zusammengenommen [3].
Diese Zahlen werden weiter steigen. Denn MRE-Infektionen nehmen kontinuierlich zu. So erhöhten sich die Infektionen mit dem Darmbakterium Klebsiella pneumoniae von 2007 bis 2015 um das Sechsfache und die Zahl der Todesfälle durch resistente Escherichia coli-Bakterien um das Vierfache [3]. Besonders besorgniserregend ist die Situation in Kliniken und Pflegeeinrichtungen. Hier kommt es besonders häufig zu Infektionen mit multiresistenten Erregern: Laut aktuellen Erhebungen sind es europaweit jährlich 8,9 Millionen Fälle [4].


Mit eigenen Erfahrungen anderen helfen

Das ist es, was Vanessa Carter seit mehreren Jahren macht. Die Südafrikanerin hatte 2004 einen schweren Autounfall in Johannisburg [5]. Sie erlitt dabei zahlreiche Verletzungen, vor allem auch im Gesicht, und musste mehrfach operiert werden. Bei diesen vielen stationären Therapien infizierte sie sich mit MRSA (Methicillin-restistenter Staphylococcus aureus). Nachdem Vanessa wieder gesund war, entschied sie, dass andere MRE-Patienten von ihren Erfahrungen profitieren sollen. Deshalb gründete sie 2013 die Internet-Plattform Healthcare Social Media South Africa [6]. Hier bietet sie Kurse für Patienten an, um sich im Internet qualifiziert zu informieren und so zu einer guten Behandlung finden zu können.

Im Fokus von Vanessas Engagement steht der Einsatz für andere MRE-Patienten. Sie macht sich stark für deren bessere Aufklärung und auch dafür, dass sie intensiver in die Behandlung ihrer Erkrankung mit einbezogen werden. Inzwischen ist Vanessa eine gefragte Expertin auch in wissenschaftlichen Kreisen. Erst kürzlich im September hielt sie auf dem diesjährigen International Conference on Prevention & Infection Control (ICPIC) in Genf Vorträge zum Thema MRE [7, 8].


MRE-Patienten empowern

Besucher im Krankenhaus

Patienten durch Aufklärung und Information stark zu machen – zu empowern – hat sich auch HARTMANN zum Ziel gesetzt. Das Unternehmen setzt sich dafür ein, dass Patienten laienverständlich darüber informiert werden, wie eine Übertragung von Krankheitserregern gezielt zu verhindern ist. Das ist vor allem auch deshalb so wichtig, weil viele Menschen unerkannte Überträger sind: sie tragen MRE auf ihrem Körper, ohne jedoch selbst infiziert zu sein und entsprechende Krankheitssymptome zu zeigen.

Der effizienteste Schutz gegen MRE besteht in gründlicher Hygiene. Schließlich werden MRE wie auch andere Krankheitserreger in den meisten Fällen über die Hände übertragen. Das macht verständlich, weshalb eine konsequent durchgeführte Händehygiene die wirksamste Waffe ist, um die Übertragung von MRE zu verhindern. Denn Desinfektionsmittel sind auch wirksam gegenüber Bakterien, die resistent gegenüber Antibiotika geworden sind.

Jeder, der über diese bedeutsamen Zusammenhänge weiß, ist verständlicherweise motivierter, sich auch selbst für eine gute Händehygiene bei sich einzusetzen. Ein wichtiger Schritt im Empowerment der Patienten und ein wichtiger Schritt im Kampf gegen die Resistenzen.
Nehmen Sie deshalb wie HARTMANN an der Weltantibiotikawoche teil. Informationen dazu unter https://antibioticawareness.ca/ sowie unter http://apps.who.int/world-antibiotic-awareness-week/activities/en


Literatur

[1] https://www.cdc.gov/antibiotic-use/week/get-involved.html (Abruf am 5.11.2019)
[2] https://www.shea-online.org/index.php/journal-news/press-room/press-release-archives/684-research-on-antibiotic-use-desperately-needed-as-resistance-crisis-looms (Abruf am 5.11.2019)
[3] Cassini A. et al. Attributable deaths and disability-adjusted life-years caused by infections with antibiotic-resistant bacteria in the EU and the European Economic Area in 2015: a population-level modelling analysis. Lancet Infect Dis 2019; 19: 56 – 66.
[4] Suetens C. et al. Prevalence of healthcare-associated infections, estimated incidence and composite antimicrobial resistance index in acute care hospitals and long-term care facilities: results from two European point prevalence surveys, 2016 to 2017. Eurosurvelliance 2018.
[5] http://vanessacarter.co.za/ (Abruf am 25.10.2019)
[6] https://healthcaresocialmedia.co.za/about-us/ (Abruf am 25.10.2019)
[7] Patient Participation Platform, 11.9.2019
[8] Empowering patients to participate as equal partners in IPC, 12.9.2019