Pflegefachkraft beugt sich über Seniorin, die im Bett liegt

IAD, Dekubitus und Co. Sicher erkennen. Sicher vermeiden.

21.10.2026
Eine Rötung am Gesäß des Bewohners oder Patienten: Ist das jetzt ein Dekubitus, eine inkontinenz-assoziierte Dermatitis oder etwas ganz anderes? Alle Krankheitsbilder haben unterschiedliche Ursachen und erfordern jeweils eine differenzierte Behandlung. Wer planvoll und konsequent handelt, erspart Pflegebedürftigen viel Leid und Schmerz.

Was ist eine inkontinenz-assoziierte Dermatitis (IAD)?

Bei einer IAD kann es zu schmerzhaften Entzündungen in der Haut kommen. Zu den Risikogruppen gehören etwa Menschen mit Stuhl- oder Harninkontinenz, schuppiger und trockener Haut oder Menschen in einem allgemein schlechten Gesundheitszustand.
Eine IAD lässt sich an diesen Merkmalen erkennen:

  • Bei heller Haut zeigt sich ein rosafarbenes bis rotes Erythem (Rötung), bei dunkler Haut erscheint dies Erythem blasser, dunkler, lila, dunkelrot oder gelb.
  • Die Rötung tritt an Hautarealen auf, die mit Stuhl oder Urin in Kontakt kommen.
  • Die Ränder der Rötung sind nicht gut abgegrenzt. Sie verfließen, sind als Flecken zu erkennen und oft großflächig.
  • Bei einer fortgeschrittenen IAD zeigen sich oft Bläschen, Blasen, Papeln oder Pusteln.
  • Typische Beschwerden sind Brennen, Jucken, Kribbeln, Schmerzen.

IAD Abbildung am Gesäß

Die Ursachen einer IAD

Gesunde Haut ist wehrhaft – sie ist feucht, elastisch und besitzt einen leicht sauren pH-Wert. Alternde Haut verliert diese Widerstandskraft. Sie wird trockener, spröder, der pH-Wert steigt. Insbesondere alternde Haut ist anfälliger für Infektionen, Irritationen und Verletzungen. Bei Inkontinenz kann der Kontakt der Haut mit Urin und Stuhl zu einem feuchten Milieu führen.
  1. aufeinandergelegte Handinnenflächen zeigen nach oben in s/waufeinandergelegte Handinnenflächen zeigen nach oben in s/waufeinandergelegte Handinnenflächen zeigen nach oben in s/waufeinandergelegte Handinnenflächen zeigen nach oben in s/w
    Ständige Feuchtigkeit

    Die ständige Feuchtigkeit weicht die Haut auf, was als Mazeration bezeichnet wird. Aufgequollene Haut ist empfindlicher für Verletzungen, etwa durch Reibung, Mikroorganismen wie Bakterien und Pilze kommen leichter in die Haut und lösen Infektionen aus. Auch ein luftdichter Verschluss der Haut nach außen durch nicht atmungsaktive Inkontinenzhilfsmittel oder Matratzen fördern ein feuchtes Klima.

  2. Badewanne: es sind Arme sichtbar, die mit einem Schwamm gewaschen werdenBadewanne: es sind Arme sichtbar, die mit einem Schwamm gewaschen werdenBadewanne: es sind Arme sichtbar, die mit einem Schwamm gewaschen werdenBadewanne: es sind Arme sichtbar, die mit einem Schwamm gewaschen werden
    Waschen mit Wasser

    Auch allzu häufiges Waschen mit Wasser schädigt den individuellen Hautschutzmantel. Die Reibung, zum Beispiel mit einem Lappen, zerstört die Barrierefunktion der Haut zusätzlich.

  3. Illustration defekter Hautaufbau bei UrinIllustration defekter Hautaufbau bei UrinIllustration defekter Hautaufbau bei UrinIllustration defekter Hautaufbau bei Urin
    pH-Wert der Haut

    Urin enthält Ammoniak – und das verändert den pH-Wert der Haut. Er steigt von einem gesunden, leicht sauren Wert von 4,5 bis 5,5 auf Werte im leicht alkalischen Bereich von 6,5 bis 8,5. Damit wird der Säureschutzmantel der Haut angegriffen und das senkt die Abwehrfähigkeit der Haut.

  4. Illustration defekter Hautaufbau bei Schädigung der BarrierefunktionIllustration defekter Hautaufbau bei Schädigung der BarrierefunktionIllustration defekter Hautaufbau bei Schädigung der BarrierefunktionIllustration defekter Hautaufbau bei Schädigung der Barrierefunktion
    Enzyme des Stuhls

    Enzyme aus dem Stuhl schädigen die Haut zusätzlich. Sie spalten zum Beispiel Eiweiße und Fette, die für den Schutz von Haut und Zellen verantwortlich sind. Zudem dringen Enzyme in die Haut ein, schädigen die Zellen und schränken deren Regeneration ein. Ist der Stuhl zusätzlich flüssig, etwa bei einem Infekt oder neuer Sondennahrung, steigt der Anteil der aggressiven Eiweiße durch die beschleunigte Darmpassage.

Was ist ein Dekubitus?

Abbildung eines leichten Dekubitus

Ein Dekubitus entsteht aus der Kombination aus (Auflage-)Druck, Reibung und Scherkräften, die auf die Haut einwirken. Dekubiti verursachen viel Leid und Schmerzen bei Pflegebedürftigen. Sie bergen zudem das Risiko für Infektionen. Diese können lokal auftreten, lokal in umliegenden Weichteilen oder generalisierend, was zu einer Sepsis führen kann.

Ein Beispiel in Zahlen: Wirken 30 mmHg Druck auf die Haut über einem knöchernen Vorsprung ein, hat sich dieser Druck in einer Tiefe von ca. einem Zentimeter verdrei- bis verfünffacht – auf 90-150 mmHg. Dann kann der Körper die Durchblutung im Gewebe nicht mehr sicherstellen (Ischämie).

Durch die Stoffwechselprozesse in diesem schlecht durchbluteten Gewebe wird es „sauer“, der pH-Wert sinkt. In der Folge weiten sich die kleinen Blutgefäße (Kapillaren) und die Gefäßwände werden durchlässig für die flüssigen Bestandteile des Bluts – Ödeme (Wassereinlagerungen) entstehen. Schließlich bilden sich Blasen und verschließen Gefäße (Thrombenbildung). In einem fortgeschrittenen Stadium bilden sich Nekrosen (abgestorbenes Gewebe).

Lokalisationen und Kategorien eines Dekubitus

Grundsätzlich gilt, dass sich ein Dekubitus an jeder Körperstelle entwickeln kann. Das größte Risiko aber ist gegeben, wenn folgende zwei Dinge zutreffen:

  • Der Auflagedruck des Körpers und der Gegendruck der Aufliegefläche wirken senkrecht auf ein Hautareal ein.
  • Das Hautareal liegt über konvexen Skelettbereichen, die nur wenig druckverteilendes und elastisches Muskelgewebe oder Unterhautfettgewebe haben.

Generell ist es so, dass sich 95 Prozent aller Dekubitalulzera an den klassischen Prädilektionsstellen entwickeln: Sacrum (A), Fersen (B), Trochanter (C), Knöchel (D) und Sitzbein (E). Möglich sind außerdem noch Druckschädigungen durch Medizinprodukte oder bestimmte Hilfsmittel wie zum Beispiel Hörgeräte.

Illustration der Druckpunkte bei Dekubitus

Das European Pressure Ulcer Advisory Panel, kurz EPUAP, definiert die Schweregrade in vier typischen sowie zwei weiteren Klassifikationen.

  1. Illustration Dekubitus Kategorie 1Illustration Dekubitus Kategorie 1Illustration Dekubitus Kategorie 1Illustration Dekubitus Kategorie 1
    Kategorie I

    Nicht wegdrückbare Rötung bei intakter Haut, gewöhnlich über einem knöchernen Vorsprung

  2. Illustration Dekubitus Kategorie 2Illustration Dekubitus Kategorie 2Illustration Dekubitus Kategorie 2Illustration Dekubitus Kategorie 2
    Kategorie II

    Teilverlust der Haut (bis in die Dermis / Lederhaut), sichtbar als flacher, offener Ulkus

  3. Illustration Dekubitus Kategorie 3Illustration Dekubitus Kategorie 3Illustration Dekubitus Kategorie 3Illustration Dekubitus Kategorie 3
    Kategorie III

    Verlust der Haut, Zerstörung aller Hautschichten und des Gewebes bis zu den Faszien, subkutanes Fett kann sichtbar sein, jedoch keine Knochen

  4. Illustration Dekubitus Kategorie 4Illustration Dekubitus Kategorie 4Illustration Dekubitus Kategorie 4Illustration Dekubitus Kategorie 4
    Kategorie IV

    Vollständiger Haut- oder Gewebeverlust mit freiliegenden Knochen, Sehnen, Muskeln

  5. Illustration Dekubitus Klassifikation - vermutete tiefe GewebeschädigungIllustration Dekubitus Klassifikation - vermutete tiefe GewebeschädigungIllustration Dekubitus Klassifikation - vermutete tiefe GewebeschädigungIllustration Dekubitus Klassifikation - vermutete tiefe Gewebeschädigung
    Klassifikation – uneinstufbar / nicht klassifizierbar

    Unbekannte Tiefe, tatsächliche Tiefe ist im Wundbett verdeckt

  6. Illustration Dekubitus Kategorie 5Illustration Dekubitus Kategorie 5Illustration Dekubitus Kategorie 5Illustration Dekubitus Kategorie 5
    Klassifikation – vermutete tiefe Gewebeschädigung bei intakter Haut

    Unbekannte Tiefe, Schmerzhaftigkeit des Gewebes kann vorausgehen

Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Beide Hautschäden haben gemeinsame Risikofaktoren: hohes Alter, feuchtes Hautmilieu, eingeschränkte Mobilität, Grunderkrankungen wie Diabetes mellitus sowie bestehende Entzündungen oder Hautdefekte. Häufig treten IAD und Dekubitus deshalb beim selben Menschen auf – und eine IAD erhöht das Dekubitusrisiko.

Praxistipp Fingertest:
Drücken Sie kurz mit dem Finger auf die Rötung. Bleibt die Stelle rot, besteht Verdacht auf einen Dekubitus der Kategorie I. Wird sie weiß, spricht das gegen einen Dekubitus.

Bildvergleich Dekubitus und IAD am Gesäß
Dekubitus (links) und IAD (rechts)
Merkmal Dekubitus IAD
Auslöser Druck und/oder Scherkräfte
Harn- und/oder Stuhlinkontinenz, dauerhaft feuchtes Hautmilieu
Lokalisation Meist über Knochenvorsprüngen (z. B. Steiß, Ferse) oder unter medizinischen Hilfsmitteln (Gips, Orthese, Hörgerät)
Perineum, Gesäß, Gesäßfalte; oft auf Oberschenkel und unteren Rücken übergreifend
Läsion Meist eine einzelne, scharf begrenzte Läsion
Flächig, Ränder diffus und unregelmäßig
Tiefe Oberflächlich bis tief
Oberflächlich
Rötung (Erythem) Nicht wegdrückbar
Wegdrückbar
Beschwerden Schmerzen
Brennen, Jucken, Kribbeln, Schmerzen

Richtig vorbeugen

Die richtige Prophylaxe ist entscheidend, um eine IAD und einen Dekubitus zu vermeiden.

Tipps zur Vermeidung eines Dekubitus

  • Risiko früh erkennen: Bei der Aufnahme ins Pflegeheim oder auf die Station ein initiales Screening durchführen und regelmäßig wiederholen.
  • Druck entlasten: Eigenbewegung fördern, passende Hilfsmittel und Matratzen nutzen, bei Bedarf regelmäßig umlagern.
  • Ernährung sichern: Nährstoffreich essen und ausreichend trinken.
  • Phasengerecht versorgen: Ist dennoch ein Dekubitus aufgetreten, Wunden stadiengerecht behandeln und Schmerzen konsequent lindern – besonders bei Menschen, die Schmerzen nicht mehr äußern können.

Tipps zur Vermeidung einer IAD

  • Kontinenz fördern: Jeder begleitete Toilettengang schont die Haut.
  • Hautfreundliche Inkontinenzprodukte wählen: saugstark und atmungsaktiv, damit die Haut trocken bleibt.
  • Schonend reinigen: Pflegetücher oder Reinigungsschaum statt Wasser. Wenn Wasser, dann lauwarm – und tupfen statt rubbeln.
  • Haut schützen: Gut verträgliche Hautschutzprodukte bilden einen Film gegen Urin und Stuhl.

Weitere Hautschäden

Neben der IAD gibt es noch weitere Hautschäden, die ähnliche Symptome zeigen.
  1. Intertrigo

    Die Intertrigo ist eine rote, nässende Entzündung der Haut. Sie tritt vor allem in Hautfalten, zum Beispiel unter der Brust oder in der Leiste, auf und vor allem bei Übergewicht und starkem Schwitzen.

    Es handelt sich oft um eine lineare Verletzung (zum Beispiel Hauteinriss entlang der Brustfalte), die auf beiden Auflageseiten gleich geformt ist und süßlich riecht. Die Wundumgebung ist immer mazeriert.

  2. Pilzinfektion

    Sie treten ebenfalls an feuchten Haustellen auf, besonders bei Patienten mit geschwächtem Immunsystem. Die Infektion zeigt sich als roter, oft fleckig-runder Ausschlag, der eher scharf abgegrenzt und randbetont ist, das heißt, die Ränder sind auffälliger verändert. Eine Schuppen- oder Pustelbildung an den Rändern ist möglich und die Haut kann einreißen.

Bilder Dekubitus-Klassifikation mit freundlicher Genehmigung der Initiative Chronische Wunden