gefaltene Hände von Senioren vor der Körpermitte

Inkontinenz-assoziierte Dermatitis (IAD)

25.06.2025

IAD versus Dekubitus: Erscheinung, Ursachen, Therapie

Bildvergleich Dekubitus und IAD am Gesäß
Dekubitus (li) und IAD (re)
Bei der ersten Inkontinenzversorgung einer neuen Bewohnerin fällt auf, dass das Gesäß großflächig und diffus gerötet ist. Ein anderer Bewohner* hat seit einigen Tagen Durchfall, seine Haut zeigt eine vergleichbare Rötung, an einer Stelle ist eine kleine Läsion zu erkennen. In diesen Situationen stellte sich die Frage: Warum ist die Haut irritiert? Zeigt sich ein Dekubitus, eine Infektion –etwa ein Hautpilz – oder ist es eine Inkontinenz-assoziierte Dermatitis, kurz IAD?

Vor allem einen Dekubitus von einer Inkontinenz-assoziierten Dermatitis unterscheiden zu können ist wichtig, denn die Ursachen sind verschieden – die Therapie ist eine andere. Wer planvoll und konsequent handelt, erspart Pflegebedürftigten viel Leid und Schmerz – und pflegerische sowie medizinische Ressourcen .

Was ist eine Inkontinenz-assoziierte Dermatitis (IAD)?

Bei einer IAD kann es zu schmerzhaften Entzündungen in der Haut kommen. Zu den Risikogruppen gehören etwa Menschen mit Stuhl- oder Harninkontinenz, schuppiger und trockener Haut oder Menschen in einem allgemein schlechten Gesundheitszustand.
IAD Abbildung am Gesäß

So erkennen Sie Inkontinenz-assoziierte Dermatitis (IAD)

Die Herausforderung ist, eine IAD von einem beginnenden Dekubitus oder etwa einer Infektion mit einem Pilz oder einer Intertrigo zu unterscheiden. Charakteristische Zeichen einer IAD sind:

  • Bei heller Haut zeigt sich ein rosafarbenes bis rotes Erythem (Rötung), bei dunkler Haut erscheint dies Erythem blasser, dunkler, lila, dunkelrot oder gelb.
  • Die Rötung tritt an Hautarealen auf, die mit Stuhl oder Urin in Kontakt kommen.
  • Die Ränder der Rötung sind nicht gut abgegrenzt. Sie verfließen, sind als Flecken zu erkennen und oft großflächig.
  • Bei einer fortgeschrittenen IAD zeigen sich oft Bläschen, Blasen, Papeln oder Pusteln.
  • Typische Beschwerden sind Brennen, Jucken, Kribbeln, Schmerzen.

Abgrenzung IAD gegen Intertrigo und Hautpilz:


IAD Intertrigo Pilzinfektion der Hautfalten
Lokalisation Haut, die mit Stuhl und/oder Urin hat Hautfalten, zum Beispiel unter der Brust, in den Leisten Feuchte Hautstellen, ähnlich wie Intertrigo
Risikofaktoren Urin- und/oder Stuhlinkontinenz Übergewicht, starkes Schwitzen Geschwächtes Immunsystem, etwa bei Diabetes, Antibiotika- oder Kortisontherapie
Tiefe der Läsion

oberflächlich oberflächlich oberflächlich
Erscheinung Unregelmäßige, diffuse Ränder Oft lineare Verletzung (zum Beispiel Hauteinriss entlang der Brustfalte), ist auf beiden Auflageseiten gleich geformt, oft süßlicher Geruch, roter, oft fleckig-runder Ausschlag, eher scharf abgegrenzt, randbetont, das heißt, die Ränder sind auffälliger verändert, Schuppen- oder Pustelbildung an den Rändern möglich, Haut kann einreißen
Umgebung der Wunde/Hauterscheinung Oft mazeriert Immer mazeriert Kann mazeriert erscheinen, wenn sich die Pilzinfektion als Sekundärinfektion auf IAD oder Intertrigo aufsetzt

Weiterführende Informationen

Die IAD-Risiko-Checkliste unterstützt Sie dabei, zu erkennen, ob ein Pflegebedürftiger anfällig für eine IAD ist, und ob ein Hautdefekt einer IAD oder einem Dekubitus entspricht. Auch die GLOBIAD-Richtlinie ist dabei eine wichtige Hilfestellung, denn sie kategorisiert den Schweregrad der IAD auf Grundlage einer visuellen Inspektion der betroffenen Hautstellen.

Die beste Behandlung: Prävention

Vier Möglichkeiten, Inkontinenz-assoziierter Dermatitis (IAD) entgegenzuwirken

Pflegerin hilft Seniorin beim Aufstehen
Kontinenz fördern
Selbstverständlich ist es nicht bei allen Menschen mit Inkontinenz möglich, durch Toilettentraining die Kontinenz zu verbessern. Gleichzeitig lässt sich sagen: Jeder Gang zur Toilette schützt die Haut.
Anziehen von MoliCare Premium Pants
Hautfreundliche Inkontinenzhilfsmittel einsetzen
Sie schützen den Säureschutzmantel der Haut und beugen darüber Irritationen vor. Ihre Eigenschaften sind: Sie speichern gut Flüssigkeiten, sie sind atmungsaktiv, halten so die Haut trocken.
Schaum wird in Hand gespritzt
Haut schützen
Die Reinigung mit feuchten Pflegetüchern oder Schaum bietet Vorteile gegenüber dem Waschen mit Wasser. Die Pflegemittel stützen die natürliche Hautbarriere. Wenn Wasser zur Reinigung notwendig sein sollte, möglichst eine lauwarme Temperatur wählen (heißes Wasser entzieht der Haut Fett). Anschließend die Haut nicht trockenrubbeln (setzt Reibung und Scherkräfte), sondern vorsichtig abtrocknen oder tupfen.
Molicare Skin wird von einer Hand gehalten
Vorbeugende Hautpflege
Für die Hautpflege empfehlen sich gut verträgliche Cremes. Sie legen sich wie ein schützender Film auf die Haut und schützen sie vor den aggressiven Substanzen aus Stuhl und/oder Urin.

Gemeinsamkeiten und Unterschiede von IAD und Dekubitus

Einige Risiken haben IAD und Dekubitus gemeinsam:

  • Hohes Lebensalter
  • Oft feuchtes Hautmilieu
  • Eingeschränkte Mobilität
  • Grunderkrankungen, z. B. Diabetes mellitus
  • Bereits vorliegende Entzündungen und Hautdefekte

Was eine Inkontinenz Assoziierte Dermatitis von einem Dekubitus unterscheidet, sehen Sie in der Tabelle auf einen Blick.

Dekubitus IAD
Ausgelöst durch Druck oder Scherkräfte
Ausgelöst durch Harn- und/oder Stuhlinkontinenz und ein ständig feuchtes Milieu auf der Haut
Symptome: Schmerzen
Symptome: Schmerzen, Brennen, Jucken, Kribbeln
Lokalisation: Meist über einem knöchernen Vorsprung (z. B. Steiß) oder ausgelöst durch medizinische Eingriffe (z. B. Gipsverband, Orthesen, Hörgerät)
Lokalisation: Perineum, Gesäß, Gesäßfalte, teilweise übergreifend auf Oberschenkel, unterer Rücken, kann sich über einen Knochenvorsprung ausweiten
Es liegt eine Läsion vor
Die Ränder der Irritation sind diffus, die Läsionen oberflächlich, weiten sich über (knöchernen) Vorsprung aus
Tiefe: Oberflächlich bis tief
Tiefe: Oberflächlich
Ränder: Scharf begrenzt
Ränder: Diffuse und/oder ungleichmäßige Ränder
Erytheme nicht wegdrückbar
Erytheme wegdrückbar

Einwirkende Kräfte und ihre Folgen

Ein Dekubitus entsteht aus der Kombination aus (Auflage-)Druck, Reibung und Scherkräften, die auf die Haut einwirken. Dekubiti verursachen viel Leid und Schmerzen bei Pflegebedürftigen. Sie bergen zudem das Risiko für Infektionen. Diese können lokal auftreten, lokal in umliegenden Weichteilen oder generalisierend, was zu einer Sepsis führen kann. Große Dekubiti benötigen darüber hinaus Monate bis Jahre um abzuheilen.
Rüssel und Füße eines Elefanten

Dekubiti entstehen oft über knöchernen Vorsprüngen

Ein Beispiel in Zahlen: Wirken 30 mmHg Druck auf die Haut über einem knöchernen Vorsprung ein, hat sich dieser Druck in einer Tiefe von ca. einem Zentimeter verdrei- bis verfünffacht – auf 90-150 mmHg. Dann kann der Körper die Durchblutung im Gewebe nicht mehr sicherstellen (Ischämie).

Durch die Stoffwechselprozesse in diesem schlecht durchbluteten Gewebe wird es „sauer“, der pH-Wert sinkt. In der Folge weiten sich die kleinen Blutgefäße (Kapillaren) und die Gefäßwände werden durchlässig für die flüssigen Bestandteile des Bluts – Ödeme (Wassereinlagerungen) entstehen. Schließlich bilden sich Blasen und verschließen Gefäße (Thrombenbildung). In einem fortgeschrittenen Stadium bilden sich Nekrosen (abgestorbenes Gewebe).
Grafik häufigste Lokalisationen

A: Ohrmuschel 2 %, Ellenbogen 1 %

B: Kreuzbein / Gesäß 48 %, Hüfte / Trochanter m. 5 %

C: Fersen 25 %, Fußknöchel 5 %, Sonstige 14 %

Dekubitus

Dekubitusleitlinie 2015 der ICW – Mit freundlicher Genehmigung der Initiative Chronische Wunden
Illustration Dekubitus Kategorie 1
Kategorie I
Nicht wegdrückbare Rötung bei intakter Haut, gewöhnlich über einem knöchernen Vorsprung
Illustration Dekubitus Kategorie 2
Kategorie II
Teilverlust der Haut (bis in die Dermis / Lederhaut), sichtbar als flacher, offener Ulkus
Illustration Dekubitus Kategorie 3
Kategorie III
Verlust der Haut, Zerstörung aller Hautschichten und des Gewebes bis zu den Faszien, subkutanes Fett kann sichtbar sein, jedoch keine Knochen
Illustration Dekubitus Kategorie 4
Kategorie IV
Vollständigr Haut- oder Gewebeverlust mit freiliegenden Knochen, Sehnen, Muskeln
Illustration Dekubitus Klassifikation - vermutete tiefe Gewebeschädigung
Klassifikation – uneinstufbar / nicht klassifizierbar
Unbekannte Tiefe, tatsächliche Tiefe ist im Wundbett verdeckt
Illustration Dekubitus Kategorie 5
Klassifikation – vermutete tiefe Gewebeschädigung bei intakter Haut
Unbekannte Tiefe, Schmerzhaftigkeit des Gewebes kann vorausgehen

Dekubitus vermeiden: Risiken erkennen und konsequent handeln

Zu den Säulen der Behandlung eines Dekubitus zählen:

  • Initiales Screening zur Erkennung möglicher Risiken
  • Druckentlastende Maßnahmen. Dazu zählen etwa: Eigenbewegung fördern, medizinisch-therapeutische Hilfsmittel, Matratzen anpassen und – angepasst an den Bedarf – regelmäßige Positionswechsel bei immobilen Hausbewohnern
  • Nährstoffreiche Ernährung mit ausreichend Flüssigkeit

Wenn doch ein Dekubitus entstanden ist oder ein pflegebedürftiger Mensch mit einem bestehenden Druckgeschwür in die Einrichtung kommt, erfolgt die Wundbehandlung phasengerecht. Und: Denken Sie immer an eine ausreichende Schmerztherapie. Vor allem bei Menschen, die ihren Schmerz nicht mehr adäquat ausdrücken können.

*Disclaimer Geschlechtsangaben: Soweit im Text nur die männliche Form verwendet wird, geschieht dies lediglich zur sprachlichen Vereinfachung. Die Angaben beziehen sich gleichermaßen auf alle Geschlechter und Geschlechtsidentitäten.