Dekolonisierung bei Staphylococcus aureus -Trägertum

Eine viel diskutierte Maßnahme mit eingeschränkten Empfehlungen

Warum spielt die Dekolonisation der Nase eine Rolle in der Prävention von postoperativen Wundinfektionen?

Die Leitlinien geben klare Antworten auf diese Frage:
“S. aureus ist der weltweit am häufigsten in Krankenhäusern auftretende Krankheitserreger. Infektionen mit diesem Erreger sind durch eine erhebliche Morbidität und Mortalität gekennzeichnet und dieser Trend nimmt aufgrund der weiten Verbreitung von MRSA zu. [...] Das nasale Trägertum von S. aureus gilt heute als ein gut definierter Risikofaktor für nachfolgende Infektionen bei verschiedenen Patientengruppen.“ (WHO)1
Ein großer Anteil der durch S. aureus verursachten postoperativen Wundinfektionen ist darauf zurückzuführen, dass die Patienten selbst Träger dieses Krankheitserregers sind. (KRINKO)2 2

Leitlinien

Leitlinie

Empfehlung

Kategorie
(falls genannt)

CDC3

„Keine Empfehlung zur präoperativen Anwendung von Mupirocin in den Nasenlöchern zur Prävention von postoperativen Wundinfektionen.“Ungelöstes Problem

WHO1

„Das Gremium empfiehlt für herzchirurgische und orthopädische Patienten mit bekannter S. aureus-Kolonisation die perioperative intranasale Anwendung von Mupirocin-Salbe 2 % mit oder ohne Kombination mit einer Chlorhexidin-Körperwaschung.“

Starke Empfehlung, moderate Evidenzqualität


„Das Gremium schlägt vor, auch bei Patienten mit bekannter S. aureus-Kolonisation und anderen OP-Arten die Dekolonisation mit perioperativer intranasaler Anwendung von Mupirocin-Salbe 2 % mit oder ohne Kombination mit Chlorhexidin-Körperwaschungen zu erwägen.“Eingeschränkte Empfehlung; moderate Evidenzqualität

NICE4

„Vor Eingriffen, bei denen Staphylococcus aureus eine wahrscheinliche Ursache für eine postoperative Wundinfektion ist, ist eine nasale Dekolonisation mit Mupirocin in Kombination mit einer Chlorhexidin-Körperwaschung zu erwägen. Folgende Faktoren sollten lokal ermittelt und berücksichtigt werden:

  • Art des Eingriffs
  • individuelle patientenbezogene Risikofaktoren
  • das erhöhte Risiko von Nebenwirkungen bei Frühgeborenen
  • die potenziellen Auswirkungen einer Infektion“

-

„Die Antibiotikaresistenz im Zusammenhang mit der Anwendung von Mupirocin überwachen.“

KRINKO2

Bei kardiochirurgischen und orthopädischen Operationen bei Patienten mit nasaler Kolonisation mit S. aureus eine präoperative Dekolonisation der Nase mit Mupirocin-Nasensalbe 2 % allein oder in Kombination mit einer Körperwaschung mit Chlorhexidingluconat durchführen.

Kategorie IB

Alternativ kann der Einsatz von Antiseptika für die Nase und die Haut bei diesen Patienten sinnvoll sein. Kategorie II
Diese Behandlung sollte auch bei anderen Operationsarten mit einem hohen Anteil von S. aureus als Erreger von Wundinfektionen für S. aureus-Carrier vorgenommen werden.Kategorie II

Empfohlene Vorgehensweise

Führen Sie eine routinemäßige Dekolonisation mit Mupirocin-Nasensalbe mit oder ohne Chlorhexidin-Körperwaschung durch
bei kardiochirurgischen und orthopädischen Operationen bei Patienten mit nasaler Kolonisation mit S. aureus1,2

Ergänzung
Das kürzlich aktualisierte SHEA-Kompendium ist in diesem Punkt weiter gefasst und hat aus einem „zusätzlichen Ansatz“ eine „wesentliche Praxis“ gemacht. Die SHEA empfiehlt die Dekolonisation mit einem Mittel gegen Staphylokokken für alle orthopädischen und kardiothorakalen Eingriffe und zusätzlich für Eingriffe mit einem hohen Risiko für postoperative Wundinfektionen durch Staphylokokken.5

Achtung
Bei der allgemeinen Dekolonisation besteht jedoch ein höheres Risiko, eine Resistenz gegen Mupirocin und Chlorhexidin zu entwickeln.2

Erwägen Sie eine routinemäßige Dekolonisation mit Mupirocin-Nasensalbe mit oder ohne Chlorhexidin-Körperwaschung

  • bei Patienten mit bekannter nasaler S. aureus-Kolonisation, bei denen andere Arten von Eingriffen vorgenommen werden1

  • bei anderen Arten von Eingriffen, bei denen S. aureus eine wahrscheinliche Ursache für postoperative Wundinfektionen ist2,4

Berücksichtigen Sie bei der Entscheidung folgende Punkte:4

  • Art des Eingriffs

  • individuelle patientenbezogene Risikofaktoren

  • das erhöhte Risiko von Nebenwirkungen bei Frühgeborenen

Alternativ2

können Antiseptika für die Nase und die Haut angewendet werden2


Risiko für postoperative Wundinfektionen bei Patienten mit S. aureus-Kolonisation im Vergleich zu Patienten ohne Kolonisation

Für orthopädische Operationen ist bekannt, dass Patienten mit S. aureus-Kolonisation ein ca. fünfmal höheres Risiko für eine postoperative Wundinfektion haben als nicht kolonisierte Patienten.2

Mögliche Folgen von Staphylokokkeninfektionen bei hospitalisierten Patienten 1

Ergebnisse einer Untersuchung von über 7 Millionen Krankenhauseinweisungen in den USA hinsichtlich der möglichen Folgen von Staphylokokkeninfektionen bei hospitalisierten Patienten:
  1. WHO (2016) Global guidelines for the prevention of surgical site infection. World Health Organization 2016.
  2. KRINKO (2018) Prävention postoperativer Wundinfektionen. Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention
    (KRINKO) beim Robert Koch-Institut. Bundesgesundheitsbl 61: 448–473.
  3. CDC (1999) Guideline for Prevention of Surgical Site Infection. Infect Control Hosp Epidemiol. 20(4): 247–278.
  4. NICE (2020) Surgical site infections: prevention and treatment. NICE guidelines. Veröffentlicht: 11. April 2019.
    Zuletzt aktualisiert: 19. August 2020.
    www.nice.org.uk/guidance/ng125.
  5. Calderwood MS, et al. (2023) Strategies to prevent surgical site infection in acute-care hospitals: 2022 Update. Infect Control Hosp Epidemiol 44: 695–720.

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