Perioperatives Wärmemanagement

Eine Maßnahme, die sehr unterschiedlich gewichtet wird

Warum die perioperative Körperwärmung eine Rolle in der Prävention von postoperativen Wundinfektionen spielt

"... die Aufrechterhaltung der Normothermie hat einen signifikanten Nutzen für die Verringerung des Risikos von postoperativen Wundinfektionen im Vergleich zur Standardversorgung ohne Körperwärmung.”1

In diesem Zusammenhang nennt die WHO auch relevante Vorteile von Wärmestrategien, wie einen möglichen Rückgang von myokardialen Ereignissen, Blutverlust und Transfusionsbedarf.1

Darüber hinaus wird berichtet, dass Studien einen Zusammenhang zwischen unbeabsichtigter perioperativer Hypothermie und beeinträchtigter Wundheilung, unerwünschten kardialen Ereignissen, einem verändertem Arzneimittelstoffwechsel und Koagulopathien gezeigt haben.1

Leitlinien

Leitlinien
LeitlinienEmpfehlungKategorie (falls genannt)
CDC2„Eine perioperative Normothermie ist aufrechtzuerhalten.“Kategorie IA; starke Empfehlung; hohe bis moderate Evidenzqualität
„… Um die Sauerstoffversorgung des Gewebes zu optimieren, sollten eine perioperative Normothermie und eine angemessene Volumensubstitution gewährleistet werden.“Kategorie IA; starke Empfehlung; moderate Evidenzqualität
WHO1„Das Gremium empfiehlt die Verwendung von Wärmevorrichtungen im Operationssaal und während des Eingriffs zur Patientenwärmung mit dem Ziel, postoperative Wundinfektionen zu reduzieren.“Eingeschränkte Empfehlung; moderate Evidenzqualität
NICE3,4“Die Körpertemperatur des Patienten sollte gemäß der NICE-Leitlinie zur Prävention und zum Umgang mit Hypothermie bei Erwachsenen, die operiert werden, aufrechterhalten werden.”3-
“Die Körpertemperatur des Patienten sollte vor Einleiten der Anästhesie und anschließend alle 30 Minuten bis zum Ende der Operation gemessen und dokumentiert werden.”4-
“Patienten, die mit einer Körpertemperatur von unter 36,0 °C im Operationssaal ankommen, sollten ggf. als kritisches Vorkommnis gemeldet werden.4-
Die Narkose sollte erst eingeleitet werden, wenn die Körpertemperatur des Patienten mindestens 36,0°C beträgt (es sei denn, die Operation muss aufgrund klinischer Dringlichkeit schnell durchgeführt werden, z.B. bei Blutungen oder kritischer Ischämie der Gliedmaßen).”4-

Im Operationssaal:

  • sollte die Umgebungstemperatur mindestens 21 °C betragen, solange der Patient exponiert ist.
  • Sobald die aktive Erwärmung etabliert ist, kann die Umgebungstemperatur gesenkt werden, um bessere Arbeitsbedingungen zu schaffen.
  • Die Verwendung von Geräten zur Kühlung des OP-Teams sollte ebenfalls in Betracht gezogen werden..”4
-
Der Patient sollte in der gesamten intraoperativen Phase angemessen zugedeckt sein, um ihn warm zu halten, und nur während der chirurgischen Vorbereitung exponiert werden.”4-
Infusionslösungen (ab 500ml) und Blutprodukte sollten mit einem Infusionswärmer auf 37°C erwärmt werden.4-

“Patienten in folgenden Fällen ab der Einleitung der Narkose intraoperativ mit einem Warmluftgebläse wärmen:

  • Die Narkose dauert länger als 30 Minuten.
  • Die Narkose dauert weniger als 30 Minuten, aber es besteht ein erhöhtes Risiko einer unbeabsichtigten perioperativen Hypothermie.

Wenn ein Warmluftgebläse ungeeignet ist, ggf. eine Wärmematte oder Wärmedecke verwenden.”4

-
“Die Temperatureinstellung an Warmluftgebläsen sollte auf das Maximum eingestellt und anschließend so angepasst werden, dass die Körpertemperatur des Patienten mindestens 36,5 °C beträgt.”4-
“Alle intraoperativ verwendeten Spülflüssigkeiten sollten in einem temperaturgeregelten Schrank auf 38 °C bis 40 °C erwärmt werden.4-
KRINKO5Mit Ausnahme therapeutisch oder protektiv erwünschter Hypothermie ist eine akzidentelle Hypothermie insbesondere bei kolorektalen Operationen zu vermeiden.-

HARTMANN:

Portrait von Denise Leistenschneider, Senior Clinical Consultant
Denise Leistenschneider, Senior Clinical Consultant
„Das perioperative Wärmen des Patienten hat nicht nur einen Wohlfühlaspekt, sondern trägt natürlich auch zur Prävention von postoperativen Wundinfektionen bei.“

Einige Empfehlungen

Temperatur

  • Halten Sie die Körpertemperatur des Patienten im Bereich der Normothermie und vermeiden Sie eine Hypothermie.2–5

  • Leiten Sie die Narkose erst ein, wenn die Körpertemperatur des Patienten mindestens 36,0 °C beträgt.4

  • Messen und dokumentieren Sie die Körpertemperatur des Patienten vor und während (alle 30 Minuten) der Narkose/Operation.4

Flüssigkeiten erwärmen

  • Erwärmen Sie Infusionslösungen (ab 500°ml) und Blutprodukte auf 37 °C.4

  • Erwärmen Sie perioperativ verwendete Spüllösungen auf 38 °C bis 40 °C.4

Wärmevorrichtungen

  • Wärmen Sie den Körper des Patienten mit geeigneten Wärmevorrichtungen.4

Einflussfaktoren auf die Kerntemperatur des Patienten

Patientenbezogen und externe Faktoren wie:

  • Medikamente

  • Komorbiditäten

  • Trauma

  • Umgebungstemperatur

  • Art der Narkose

  • Ausmaß und Dauer der Operation

Bedeutung der Kerntemperatur des Patienten

Eine perioperative Hypothermie hat negative Auswirkungen auf u.a.:

  • Blutgerinnung

  • Blutverlust

  • Transfusionsbedarf

  • Verstoffwechselung von Medikamenten

  • Entlassung aus dem Aufwachraum

  • postoperative Wundinfektionen

Literatur
  1. WHO (2016) Global guidelines for the prevention of surgical site infection. World Health Organization 2016.
  2. Berríos-Torres SI, et al. (2017) Centers for Disease Control and Prevention Guideline for the Prevention of Surgical Site Infection, 2017. JAMA Surg; 152(8): 784–791.
  3. NICE (2020) Surgical site infections: prevention and treatment. NICE guidelines. Veröffenlicht: 11 April 2019. Zuletzt aktualisiert:19 August 2020. www.nice.org.uk/guidance/ng125.
  4. NICE (2016) Hypothermia: prevention and management in adults having surgery. NICE guideline. Veröffenlicht: 23 April 2008. Zuletzt aktualisiert: 14 Dezember 2016. https://www.nice.org.uk/guidance/cg65/resources/hypothermia-prevention-and-management-in-adults-having-surgery-pdf-975569636293.
  5. KRINKO (2018) Prävention postoperativer Wundinfektionen. Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut. Bundesgesundheitsbl 61: 448–473.
  6. Rauch S, et al. (2021) Perioperative Hypothermia – A Narrative Review. Int J Environ Res Public Health 18: 8749.

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