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Das Hygieneförderprogramm der Bundesregierung vom Juli 2013, das Ende 2019 ausläuft, sollte über das Jahr 2020 hinaus fortgeführt werden, so Dr. Susanne Huggett von Medilys. Zwar gebe es gute Erfolge bei den Hygienefachkräften, aber immer noch Defizite bei Hygieneärzten. Prof. Dr. Konrad Reinhart von der Sepsis-Stiftung machte auf die Dramatik des Themas Blutvergiftung aufmerksam und forderte einen Nationalen Sepsisplan. Nach Fachveröffentlichungen seien in Deutschland bis zu 20.000 Todesfälle vermeidbar. Prof. Dr. Christine Geffers von der Charité forderte eine konsequente Umsetzung der Maßnahmen zur Prävention postoperativer Wundinfektionen. Als einen Baustein stellte Dr. Christoph Justinger vom Klinikum Karlsruhe antiseptisches Nahtmaterial vor. Dr. Malte Petersen stellte die Initiative "Gemeinsam für Infektionsprävention" des Bundeskanzleramts vor. Die Hygiene-Fachärztin Dr. Doris Weitzel-Kage präsentierte die Initiative "Kampf dem Keim" des Krankenhauses Bethel Berlin, die mit kurzen und unterhaltsamen Videos aufklärt. Joachim Rösel, Sprecher des BVMed-Fachbereichs Krankenhausinfektionen, verwies auf die unterstützenden Infografiken und Informationen des BVMed zum Thema "nosokomiale Infektionen" auf der Webseite www.krankenhausinfektionen.info. Das Fazit von Moderator Raimund Koch: "Wir wissen viel, aber wir müssen es konsequenter umsetzen. Wir haben kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsproblem."


Prof. Dr. Christine Geffers vom Nationalen Referenzzentrum für Surveillance von nosokomialen Infektionen des Instituts für Hygiene und Umweltmedizin der Charité-Universitätsmedizin beleuchtete die einschlägigen Empfehlungen zur Prävention postoperativer Wundinfektionen. Die Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) am Robert Koch‐Institut (RKI) und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) würden dabei bei ihren Empfehlungen weitestgehend übereinstimmen.
Die KRINKO-Empfehlungen, die in diesem Jahr veröffentlicht wurden, sprechen sich dafür aus, Infektionen vor dem operativen Eingriff festzustellen und vor der OP ausheilen zu lassen. Denn Infektionen an anderer Stelle erhöhen aus Sicht der KRINKO das Risiko für postoperative Wundoperationen. Die WHO-Empfehlung enthält diese Maßnahme dagegen nicht – der hohe Evidenzgrad der Empfehlung sei erstaunlich, "wenn es auch eine gute Idee sein mag" so Geffers. Zudem empfiehlt die KRINKO, die präoperative Verweildauer so kurz wie möglich zu halten. Es stelle sich die Frage nach der Evidenz, "aber schlecht ist die Idee natürlich nicht", so die Hygieneexpertin.
Übereinstimmend empfehlen KRINKO und WHO die präoperative Hautreinigung. Die Patienten sollten vor der OP baden oder duschen. Wichtig sei zudem, dass Patienten mit MRSA, aber auch nur mit dem S. aureus-Träger vor dem Eingriff "saniert" werden sollten. Patienten sollten deshalb nicht nur auf MRSA, sondern auch auf S. aureus untersucht werden. Selbstverständlich seien eine adäquate Händehygiene des Personals und die Verwendung von sterilen Handschuhen. Haare im OP-Gebiet sollten nicht rasiert, sondern nur gekürzt werden. Die Hautdesinfektion sollte mit alkoholbasiertem Remanenzwirkstoff durchgeführt werden. Einig sind sich die Empfehlungen bei der notwendigen sterilen Abdeckung um das OP-Gebiet und dem Verzicht auf Folien.






