Anlegen einer Wundauflage am Unterschenkel
Wundbehandlung

Wundauflagen richtig applizieren – Tipps für die Praxis

Bis bei sekundär heilenden Wunden der Hautdefekt geschlossen ist, übernimmt der Wundverband wesentliche Aufgaben der intakten Haut. Er bietet dabei Schutz vor mechanischen Einflüssen, Verschmutzung und chemischen Irritationen, Sekundärinfektionen, Austrocknung und dem Verlust von Körperflüssigkeiten sowie Wärmeverlusten.

Zugleich werden mit einer modernen, feuchten Wundbehandlung die physikalische Reinigung und das autolytische Débridement der Wunde gefördert, die Bildung von Granulationsgewebe unterstützt und die Mitose und Migration von Epithelzellen auf der feuchten Granulationsfläche erleichtert.

Aber: Jede Wundauflage kann nur dann ihre Aufgaben erfüllen, wenn sie direkten Kontakt zur Wundoberfläche hat. Die richtige Applikation ist also entscheidend für den Heilungsverlauf.

Wichtiges zur Applikation von Wundauflagen

Auch wenn es für die spezifischen Aufgabenstellungen zahlreiche verschiedene Wundauflagen im breiten HARTMANN Sortiment gibt, so gelten doch einige grundsätzliche Tipps für alle von ihnen.

Passgenau applizieren

Bei flächigen Wunden werden flächige Wundauflagen (Kompressen) möglichst „passgenau“, der Größe der Wundoberfläche entsprechend appliziert.

Nicht überlappen

Sind zwei Kompressen zur Versorgung der Wundfläche erforderlich, diese nicht überlappend, sondern schlüssig nebeneinander auflegen.

Aufgedunsene Wundränder

Bei ödematös aufgedunsenen Wundrändern sollte die Wundauflage diese nicht überlappen, weil damit der Kontakt zur oft tiefer liegenden Wundfläche nicht gegeben ist. Die Wundränder sind getrennt mit einem adäquatem Hautschutz zu versorgen.

Erhöhte Wundränder

Bei (sehr) stark erhöhten Wundrändern ist die Wunde ggf. mit geeignetem Material locker auszutamponieren, um den notwendigen Wundkontakt herzustellen.

Tiefe Wunden

Tiefe und / oder zerklüftete Wunden oder Wundtaschen werden zur Sicherstellung des Exsudatabflusses aus der Tiefe mit geeigneten Materialien ebenfalls locker austamponiert.

Vorsicht beim Tamponieren

Es ist äußerst wichtig, dass nicht zu fest austamponiert wird. Durch den Druck zu fester Tamponaden wird die Mikro­zirkulation der Wundfläche und speziell des Granulationsgewebes beeinträchtigt. Die Folge davon: weißliche, schmierige Beläge und erneut Nekrosen.

Nur atraumatische Wundauflagen

Grundsätzlich sollten nur atraumatische, d. h. nicht mit der Wundfläche verklebende Wundauflagen und Tamponaden eingesetzt werden. Nur dann lassen sich Wundauflagen ohne wundheilungsstörendes Zellstripping und größere Schmerzen entfernen.

Zellstripping vermeiden

Kommen „saugende, verklebende“ (Mull-)Verbandstoffe zum Einsatz, ist die Wundfläche mit nicht verklebenden Salbenkompressen oder Wunddistanzgittern zu schützen, um ein Zellstripping und Schmerzen zu vermeiden.

Keine „Burger“ bauen

Unterbleiben soll des Weiteren, mehrere Wundauflagen mit gleichem oder ähnlichem Wirkprinzip übereinander aufzulegen. Solche „Wund-Burger“ haben keinerlei therapeutischen Nutzen, sondern sind lediglich Materialverschwendung.

Sekundärverband nicht vergessen

Sogenannte Sekundärverbände, beispielsweise mit Mull- oder Saugkompressen, sind hingegen erforderlich zum Aufnehmen von Wund­exsudat bei Salbenkompressen, da diese selbst nicht saugen, oder bei stark nässenden Wunden, um ein suffizientes Exsudat­management sicherzustellen.

Tipps zum Applizieren

Zu einigen HARTMANN Wundauflagen, die aus der Wundbehandlung nach aktuellen Standards nicht mehr wegzudenken sind, sollen nachfolgende Tipps zum Handling als Ideengeber bei der praktischen Durchführung der Wundbehandlung dienen.

HydroClean® / HydroClean® Cavity

Hydroclean 10 cm x 10 cm Produktabbildung

HydroClean ist eine mehrschichtige, kissenförmige Wundauflage, die als zentralen Bestandteil ihres Saug-Spülkörpers superabsorbierendes Polyacrylat enthält. Das Wundkissen gibt bis zu drei Tage Ringerlösung an die Wunde ab. HydroClean ist mit Silikonstreifen auf der Wundseite ausgestattet, während HydroClean Cavity zwei identische Seiten ohne Silikon hat – zum sanften Abdecken der Wundfläche und insbesondere zum Eintamponieren in tiefe Wunden. Beide Varianten sind in verschiedenen Größen und Formaten erhältlich.

HydroTac®

HydroTac ist ein Schaumstoffverband mit einer wundseitigen netzförmigen Hydrogel-Schicht und einer wasserdampfdurchlässigen, flüssigkeits- und keimdichten Polyurethan-Deckfolie. Die Wundauflage ist in verschiedenen Varianten und praktischen Zuschnitten erhältlich, z. B. für die Behandlung eines Dekubitus an der Ferse oder im Sakralbereich.
Hydrotac Produktabbildung
Hydrofilm als Fixierung
Durch die netzartige Hydrogelbeschichtung haftet HydroTac leicht auf der Wunde, sodass mit dieser Vorfixierung eine einfache Anbringung möglich ist. Je nach Lokalisation der Wunde kann die zusätzliche Fixierung mit dem elastischen Fixiervlies Omnifix® elastic oder der Fixierbinde Peha-haft® erfolgen. Auch eine Fixerung mit dem transparenten Folienverband Hydrofilm® kann sinnvoll sein, weil damit geduscht werden kann bzw. die Körperpflege erleichtert wird
Anwendung von Hydrotac Sacral
Für Wunden im Sakralbereich, an Fersen, Ellbogen und Knie stehen mit HydroTac sacral und HydroTac concave Produktvarianten in optimal passenden Formen zur Verfügung. Diese lassen sich optimal mit Fixierverbänden wie Omnifix Elastic oder Peha-haft fixieren. Bei der Applikation von Hydro­Tac am Unterschenkel kann ggf. eine Vorfixierung mit einem Fixierpflaster hilfreich sein, um ein Rutschen zu verhindern. Danach wird zusätzlich mit Omnifix Elastic oder Peha-haft fixiert.
Hydrotac Concave an der Ferse
HydroTac kann zur individuellen Anpassung an schwierig zu versorgenden Lokalisationen zugeschnitten werden. Hinweis: Zum Zuschneiden sterile Scheren und Pinzetten verwenden.
Hydrotac am Knöchel
Zur sicheren, keimfreien Fixierung ist HydroTac comfort mit einem umlaufenden, hypoallergenem Kleberand ausgestattet. Beim Anlegen ist auch auf die aufgedruckte Reihenfolge beim Ablösen der Trägerfolien zu achten. Um ein Verkleben zu vermeiden, sollten nie alle Trägerfolien zugleich abgelöst werden.

Atrauman®

Atrauman ist eine wirkstofffreie Salbenkompresse aus hydrophobem, engmaschigem Polyestertüll mit glatter Oberflächenstruktur, imprägniert mit einer neutralen Salbenmasse, deren natürlichen Fettsäuren aktiv den Lipidstoffwechsel unterstützen und damit den Heilungsprozess fördern. Sowohl der hydrophobe Polyestertüll als auch die Salbenimprägnierung wirken einer Verklebung entgegen, sodass mit Atrauman ein atraumatischer Verbandwechsel möglich ist. Durch den Salbenauftrag hält Atrauman zudem Wundflächen und -ränder geschmeidig, schützt die Wunde vor dem Austrocknen und beugt Narbenkontrakturen vor.
Anwendung Atrauman am Knie eines Kindes
Durch den Salbenauftrag ist Atrauman selbst nicht saugfähig. Zur Aufnahme von Exsudat ist deshalb über Atrauman eine Saugkompresse zu applizieren (Sekundärverband). Atrauman kann mit jeder Art von Saugkompressen kombiniert werden. Bei stark exsudierenden Wunden empfiehlt sich jedoch die besonders saugstarke Saugkompresse Zetuvit® Plus.
Atrauman Produkt wird mit einer Pinzette gehalten
Die einzelnen Salbenkompressen liegen zwischen zwei Schutzfolien. Zur Applikation wird zuerst die wundseitige Folie entfernt und dann die obere. Bleibt die obere Folie liegen, kann kein Exsudat in den Sekundärverband aufgenommen werden. Atrauman kann individuell zugeschnitten werden.

Sorbalgon® Classic

Sorbalgon Produktabbildung
Sorbalgon Classic ist eine tamponierbare, wirkstofffreie Kompresse aus Calciumalginat-Fasern, die sich im Austausch mit den Natriumsalzen von Blut und Exsudat in ein feuchtes, saugfähiges und nicht verklebendes Gel umwandeln und die Wunde ausfüllen. Dadurch ergibt sich ein enger Wundkontakt und ein für die Heilung günstiges Mikroklima. Keime werden während der Umwandlung in der Gelstruktur eingeschlossen. Durch die ausgezeichnete Tamponierbarkeit ist Sorbalgon Classic ideal zur Reinigung und Konditionierung tiefer und zerklüfteter, Wunden sowie nach einem chirurgischen Débridement. Sorbalgon Classic steht in drei rechteckigen Kompressengrößen sowie als Tamponadestreifen Sorbalgon Classic T in zwei Breiten zur Verfügung.
Bahandlung einer Wunde am Fuss mit Sorbalgon
Sorbalgon Classic wird aufgelockert (z. B. vorher mit steriler Pinzette auseinanderziehen) und ohne Druck in die Wunde eingelegt. Das lockere Einbringen vermeidet, dass das sich bildende Gel Druck auf den Wundgrund ausübt.
Behandlung einer Wunde mit Sorbalgon
Sorbalgon Classic nicht über den Wundrand hinaus, sondern vollständig in die Wundhöhle einbringen. Das Gel ist nach Sättigung gelblich verfärbt, was nicht mit Eiter verwechselt werden darf. Bei zerklüfteten Wunden mit wenig Exsudatbildung ist Sorbalgon Classic zweckmäßigerweise mit Ringerlösung zu befeuchten. Eventuell in der Wunde verbliebene Fasern mit Ringerlösung ausspülen. Sorbalgon Classic kann mit Mullkompressen abgedeckt werden, bei starker Exsudation ist Zetuvit® Plus ideal. Für die Fixierung empfiehlt sich Omnifix® elastic.

Tipps zur Fixierung

Fixierung von Wundauflage am Arm mit einer Fixierbinde
Ein vollständiger Wundverband besteht in der Regel nicht nur aus der Wundauflage, sondern auch einer adäquaten Fixierung zu deren sicheren Befestigung. Moderne Fixierhilfen sorgen dafür, dass auch weniger Geübte einen tadellos sitzenden Wundverband anlegen können. Viele praktische Tipps gibt unser Beitrag zur klebenden und nicht-klebenden Fixierung mit den Produkten aus dem HARTMANN Sortiment.