bg-country-switch
29. Infektiologie- und Hygienekongress in Freiburg

Pflichtfortbildungen: Sind sie
wirklich die Lösung?

Mitte Oktober fand der 29. Infektiologie- und Hygienekongress statt, den die PAUL HARTMANN AG erneut als Goldsponsor unterstützte. HARTMANN lenkte in seinem Lunch-Symposium den Fokus auf das Thema „Motivation zur Fortbildung". Am HARTMANN-Stand konnten Kongressbesucher sich zudem ausführlich über ganzheitliche Konzepte und Lösungen im Bereich Hygiene und Infektionsprävention informieren.

von der HARTMANN Online-Redaktion 06.11.2019

„Wieso Pflichtfortbildung nichts mit Pflicht und Fortbildung zu tun hat – Motivation in Medizindidaktik & Infektionsprävention“, so lautete der Titel des Vortags, den der von HARTMANN eingeladene Dr. Stefan Bushuven vom Institut für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (IKIP) des Hegau-Bodensee-Klinikums Radolfzell während des Symposiums hielt. Der Krankenhaushygieniker thematisierte die psychologischen, medizindidaktischen und medizinethischen Grundlagen der Lernmotivation und ging auch auf die angewandte Didaktik ein. Die Botschaft, die er seinen mehr als 120 Zuhörern in einem bis auf den letzten Platz gefüllten Saal mit auf den Weg gab, war anschließend ein Grund für Diskussionen und Nachfragen: Pflichtschulungen sind ein schlecht geeignetes Mittel, um die Hygiene-Compliance zu steigern. Stattdessen müsse die Eigenmotivation getriggert werden, um einen dauerhaften Lerneffekt und eine Verhaltensänderung zu erreichen.

Alternativen zu Pflichtschulungen

Vortrag BZH vor Publikum

Zu den Schwierigkeiten, die auf dem Weg zu einer tatsächlichen Verhaltensänderung überwunden werden müssen, gehören Bushuven zufolge beispielsweise heuristische Effekte wie der „Overconfidence-Effekt“.

Ausgedrückt werde diese Selbstüberschätzung zum Beispiel durch unbewusste, jedem Menschen innewohnende Haltung „Ich kann es sehr gut, alle anderen nicht, warum sollte ich zu der Fortbildung gehen? Ich habe noch viele andere Sachen zu tun!“. Viele Schulungen scheitern laut Bushuven zudem an einer nicht zielorientierter Didaktik. Bessere Alternativen sind nach Ansicht des Experten regelmäßige interprofessionelle Trainings, beispielsweise Supervision, Fallbesprechungen, Simulationen oder auch e-Learnings. Sie ermöglichten, anders als Pflichtschulungen, ein dauerhaftes Lernen. Wenn Mitarbeiter dadurch in die Lage versetzt werden die eigene Rolle zu reflektieren, löse dies den gewünschten nachhaltigen Lerneffekt aus.

Kulturelle Änderungen als Chance

Dass im Bereich der Hygiene vor allem durch kulturelle Änderungen innerhalb einer Klinik noch große Fortschritte zu erzielen sind, wurde bei der Tagung in Freiburg auch bei anderen Vorträgen deutlich: Hans Härting von der AssekuRisk Safety Management GmbH in Wien thematisierte beispielsweise den „Fluch und Segen von Checklisten“. Der Flugkapitän und Experte für Mitarbeiter-Trainings identifizierte eine im Vergleich zur Luftfahrt fehlende Fehlerkultur, d. h. die Bereitschaft Fehler offen zu thematisieren und daraus zu lernen, als eines der größten Probleme in der Krankenhaushygiene.

Zunehmende Zahl von VRE-Infektionen

BZH Messestand

Wie dringend notwendig Fortbildungen und das permanente Streben nach Verbesserungen in der Krankenhaushygiene und der Infektionsprävention sind, unterstrichen während der drei Tage im Freiburger Konzerthaus zahlreiche Beiträge: Deutschlandweit werden beispielsweise immer noch zunehmende Fälle von Infektionen mit Vancomycinresistenten
Enterokokken (VRE) beobachtet. Teilweise könne man nicht mehr von einem lokal begrenzten Ausbruch sondern eher von einer endemischen Situation sprechen. Hierbei sei aber zwischen Kolonisationen und Infektionen zu unterscheiden, so Prof. Dr. Markus Dettenkofer (auch IKIP in Radolfzell/Gesundheitsverbund Landkreis Konstanz). Vorträge von Frau Prof. Dr. Hortense Slevogt (Universitätsklinikum Jena) sowie Prof. Dr. Wolfgang Witte (in Vertretung für Dr. Christiane Cuny, beide RKI) beleuchteten weitere Aspekte des Themas Resistenzentwicklung und der zusätzlichen Selektionsförderung (Stichworte: das Resistom, vertikale & horizontale Resistenzentwicklung als natürliche Mechanismen, Förderung der Selektion von Resistenzen durch übermäßige Antibiotika-Gabe [Gesundheitssystem & Veterinärbereich]).

Ausblick: Der 30. Infektiologie- und Hygienekongress ist für den 05. bis 07.Oktober 2020 geplant. Veranstaltungsort ist erneut das Konzerthaus Freiburg.