Patienten-Empowerment

Ein häufig vernachlässigter Aspekt in der Prävention von postoperativen Wundinfektionen

Warum das aktive Einbinden des Patienten (Patienten-Empowerment) wichtig für die Prävention von postoperativen Wundinfektionen ist

„Menschen haben das Recht, in Gespräche einbezogen zu werden und fundierte Entscheidungen über ihre Versorgung zu treffen.“1

Der Aspekt der Patientenbeteiligung gewinnt im Gesundheitswesen an Bedeutung. Patienten sollten weniger als „Empfänger“, sondern vielmehr als „Teilnehmer“ an den Prozessen der Gesundheitsversorgung verstanden werden.2

Internationale Studien haben bereits gezeigt, dass sich die Information, Aufklärung und Einbindung von Patienten in ihre Versorgung positiv auf die Prävention und Kontrolle von Infektionen auswirken kann.2

Wir haben hier Empfehlungen zusammengestellt, die die Information und Aufklärung von Patienten beinhalten.

Leitlinien

Letlinien
Leitlinie Empfehlung Kategorie (falls genannt)
CDC3„Patienten und Angehörige über die richtige Versorgung von Inzisionen, die Symptome von postoperativen Wundinfektionen und die Notwendigkeit der Meldung solcher Symptome aufklären.“ Kategorie II
WHO4--
NICE1„Patienten und Pflegepersonen klare, konsistente Informationen und Ratschläge in allen Phasen ihrer Behandlung geben. Dazu gehört auch die Aufklärung über die Risiken von postoperativen Wundinfektionen, Präventionsmaßnahmen und Behandlungsmöglichkeiten. Weitere Hinweise zur Information von Erwachsenen und zur Erörterung ihrer Präferenzen sind der NICE-Leitlinie zu Patientenerfahrungen in NHS-Diensten für Erwachsene zu entnehmen.“ -
„Patienten und Pflegepersonen Informationen und Ratschläge zur Wundversorgung nach der Entlassung geben.“ -
„Patienten und Pflegepersonen Informationen und Ratschläge dazu geben, wie sie postoperative Wundinfektionen erkennen können und an wen sie sich im Zweifelsfall wenden können. Bei Krankenhausinfektionen einen integrierten Versorgungspfad nutzen, um diese Informationen sowohl den Patienten als auch den nach der Entlassung zuständigen Pflegepersonen zu vermitteln.“ -
„Patienten nach einer Operation grundsätzlich darüber informieren, ob sie Antibiotika erhalten haben.“ -
KRINKO5Die Kommission empfiehlt, dem Patienten zusätzlich zur erforderlichen Aufklärung über die mit der OP verbundenen Risiken Basisinformationen über die Möglichkeiten zu vermitteln, durch hygienebewusstes Handeln und rechtzeitige Information über einen abweichenden Heilungsverlauf einer SSI vorzubeugen. Kategorie II

HARTMANN:

Portrait von Denise Leistenschneider, Senior Clinical Consultant
„Infektionsprävention ist eine komplexe Aufgabe, die in erster Linie den Patienten betrifft. Er sollte daher unmittelbar mit einbezogen werden.“
Denise Leistenschneider, Senior Clinical Consultant

Empfohlene Vorgehensweise

Patienten und Pflegepersonen/Angehörige sollten verständlich und konsequent über folgende Aspekte informiert/aufgeklärt werden:

Die Risiken einer Operation5 und postoperative Wundinfektionen1

Die Maßnahmen, die zur Reduzierung von postoperativen Wundinfektionen ergriffen werden1

Die Möglichkeiten für das Management von postoperativen Wundinfektionen1

Die Möglichkeiten, durch hygienebewusstes Handeln postoperative Wundinfektionen zu vermeiden5

Versorgung der Wunde nach der Entlassung1,3

Erkennungszeichen und Symptome einer postoperativen Wundinfektion1,3

Notwendigkeit der Meldung von abweichenden Heilungsverläufen und Ansprechpersonen1,3,5

Patienten-Empowerment aus Sicht des Patienten6

Zustimmung hinsichtlich der Bedeutung der Patientenbeteiligung zur Prävention von postoperativen Wundinfektionen2

Beteiligungsstrategien, die als besonders wirksam eingeschätzt werden2

Die angegebenen Prozentsätze beziehen sich auf die Informationen, die von Patienten bzw. Fachkräften bereitgestellt wurden.

Mündliche Aufklärung (47,2 % bzw. 75 %)

Videos (40,7 % bzw. 58,7 %)

Broschüren (30,9 % bzw. 58,7 %)

Alle aufgeführten Inhalte und Empfehlungen sind als Auszüge aus der Originalliteratur zu betrachten und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Literatur
  1. NICE (2020) Surgical site infections: prevention and treatment. NICE guidelines. Veröffentlicht: 11. April 2019. Zuletzt aktualisiert: 19. August 2020. www.nice.org.uk/guidance/ng125.
  2. Oliveira MC, et al. (2023) Patient participation in surgical site infection prevention: perceptions of nurses, physicians and patients. Rev Esc Enferm USP 57: e20220459.
  3. CDC (1999) Guideline for Prevention of Surgical Site Infection. Infect Control Hosp Epidemiol. 20(4): 247–278.
  4. WHO (2018) Global guidelines for the prevention of surgical site infection. World Health Organization 2018.
  5. KRINKO (2018) Prävention postoperativer Wundinfektionen. Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut. Bundesgesundheitsbl 61: 448–473.
  6. Seale H, et al. (2015) Ask, speak up, and be proactive: Empowering patient infection control to prevent health care-acquired infections. Am J Infect Control 43(5): 447–453.

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