Versorgungssicherheit im Wundmanagement
Der Deutsche Pflegetag, Deutschlands führender Pflegekongress, fand in diesem Jahr am 5. und 6. November im hub27 in Berlin statt. Unter dem Motto „Pflege bleibt“ stand die Veranstaltung ganz im Zeichen der Frage, wie die Profession auf aktuelle und zukünftige Herausforderungen reagieren kann. Das Motto sollte dabei keineswegs ein „Weiter so“ signalisieren, sondern vielmehr zum Handeln und Nachdenken anregen.
Eines wurde deutlich: Pflege bleibt – laut, verlässlich, unverzichtbar, stark und selbstbewusst. In unseren zwei spannenden Symposien diskutierten Daniela Piossek und Steffi Nawrath mit ihren Expertinnen und Experten aktuelle Entwicklungen rund um das neue Gesetz zur Stärkung der Pflegekompetenz (BEEP – Gesetz zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege). Dieses Gesetz markiert einen ersten Meilenstein für die Professionalisierung der Pflege, indem es den Pflegefachpersonen endlich amtlich heilkundliche Kompetenzen, Verantwortungen und Handlungsspielräume eröffnet.
Vom 12. bis 13. November 2026 findet wieder der Deutsche Pflegetag in Berlin statt. Die Programmsäulen finden Sie direkt auf der Website des Veranstalters.
Symposium 1: Wundversorgung neu gedacht mit Steffi Nawrath
Mehr Verantwortung, mehr Kompetenz, mehr Gestaltungsspielraum? Das „BEEP“ stärkt die Rolle der Pflege in der Wundversorgung. Im Symposium „Wundversorgung neu gedacht“ diskutierten Expertinnen und Experten, welche Chancen und Herausforderungen sich daraus ergeben.
Sandra Postel, Präsidentin der Pflegekammer NRW, betonte die zentrale Rolle der Kammern: Sie müssten künftig maßgeblich dazu beitragen, rechtliche Fragen zu klären und bundeseinheitliche Qualifikationsstandards aktiv mitzugestalten.
André Lantin, Geschäftsführender Gesellschafter der Metacare Holding GmbH, und Christian Westermann, Geschäftsführer der Engel von der Ruhr Ambulante Pflege GmbH und 1. Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft spezialisierter Leistungserbringer Wunde, unterstrichen die Bedeutung gezielter Fort- und Weiterbildungen in der Wundversorgung. Investitionen in die Qualifizierung ihrer Mitarbeiter sehen sie als entscheidend für eine hohe Versorgungsqualität an – auch wenn diese mit erheblichem Personalaufwand und Kosten verbunden sind.
Entsprechend qualifizierte Pflegefachpersonen übernehmen schon heute bei spezialisierten Leistungserbringern eine Schlüsselrolle in der Versorgung chronischer und schwer heilender Wunden. Diese Rolle wird durch die Übertragung eigenverantwortlicher heilkundlicher Tätigkeiten noch weiter ausgebaut. Damit die neuen Befugnisse ihr volles Potenzial entfalten können, braucht es klare rechtliche Rahmenbedingungen, die Qualifikationsmöglichkeiten, eine adäquate Vergütung sowie eine enge interprofessionelle Zusammenarbeit.


Symposium 2: Die neue Macht der Pflege mit Daniela Piossek
Pflege neu denken – auch in der Hilfs- und Pflegehilfsmittel-Versorgung: Das zweite Symposium fokussierte die Empfehlungskompetenz (anstatt ärztlicher Verordnung) von Hilfs- und Pflegehilfsmitteln. Die Diskussion zeigte, dass Pflegefachpersonen in diesem Bereich mehr Verantwortung übernehmen möchten, um damit endlich ihre Kompetenz in den Versorgungsprozess einzubringen. Die Pflege rückt so stärker in die Rolle einer gestaltenden, entscheidenden Profession.
Nina Benz, Vorstandsmitglied der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz und Inhaberin des Pflegedienstes Benz, berichtete aus der ambulanten Praxis, wie sich diese Befugnis positiv auf ihren Versorgungsalltag auswirkt. Viele Abläufe lassen sich dadurch vereinfachen. Eine enge Zusammenarbeit und Abstimmung mit Ärztinnen, Ärzten und Krankenkassen bleibt weiterhin wichtig. Die Umsetzung muss jedoch gut vorbereitet werden. Es sind gezielte Schulungen und Fortbildungen der Mitarbeiter notwendig, um diese optimal auf ihre erweiterten Aufgaben vorzubereiten und die Qualität der Versorgung langfristig zu sichern.
Daniela Piossek, Head of Health Politics & Market Access bei der PAUL HARTMANN AG, erläuterte die zentralen Punkte und Besonderheiten des neuen Gesetzes. Sie wies darauf hin, dass Fragen zu Vergütung, Haftung, Wirtschaftlichkeit und Compliance bislang weitgehend ungeklärt sind – diese müssten künftig in den entsprechenden Richtlinien präzise geregelt werden, um Rechtssicherheit und eine verlässliche Umsetzung in der Praxis zu gewährleisten.
Die Diskussion zeigte: Mit der geplanten Befugniserweiterung wächst nicht nur die Verantwortung der Pflege, sondern auch ihr Einfluss auf Qualität, Sicherheit und Effizienz in der Versorgung.
Beide Symposien verdeutlichten, dass das Gesetz einen Wendepunkt in der Weiterentwicklung des Berufsbilds „Pflege“ markieren kann. Es eröffnet Pflegefachpersonen neue Möglichkeiten, ihr Fachwissen gezielt einzusetzen, Verantwortung zu übernehmen und die Versorgung aktiv mitzugestalten. Es zeigte sich aber auch, dass zu dieser gesetzlichen Änderung noch viel Unwissenheit innerhalb der Pflegeprofession vorherrscht.
HARTMANN als verlässlicher Partner der Pflege wird sie weiterhin mit Fachwissen, praxisnahen Konzepten und innovativen Lösungen bei diesem Wandel unterstützen. Unser Ziel ist es, Sie in Ihrer Kompetenz zu stärken, bei der Umsetzung zu begleiten und damit gemeinsam die Zukunft des Gesundheitswesens nachhaltig mitzugestalten.