Pfegerin reicht Senior ein Glas Wasser

Cool bleiben trotz Hitze:
Wie Sie Ihre Pflegeeinrichtung hitzefest machen

Bewohner und Mitarbeiter im Sommer optimal unterstützen.
Seit 1950 steigt die Zahl der heißen Tage mit Temperaturen von 30 Grad und höher und jährlich fordern die hohen Temperaturen Hitzeopfer – oft aus Unwissen über die Auswirkungen von Hitze auf den Körper. Vor allem ältere Menschen sind der Gefahr ausgesetzt. Alten- sowie Pflegeheime sollten und können beim Thema Hitzeschutz aktiv vorsorgen, sowohl bei den Bewohnern als auch den Pflegenden selbst. Wir klären darüber auf und geben Ihnen Tipps an die Hand, wie Sie sich und Ihr Personal optimal auf die kommende Hitzewelle vorbereiten.

Hilfreiche Downloads für den Hitzeschutz in Pflege- und Altenheim

Mit steigenden Temperaturen steigt auch das Risiko für Hitzeerkrankungen – besonders in Pflegeeinrichtungen. Laden Sie unsere kompakte Übersicht zu Symptomen und Maßnahmen bei Hitzeerkrankungen sowie die praktische Checkliste für wirksamen Hitzeschutz im Pflegealltag herunter.

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Pflegekräfte: Wenn Hitze zur Gefahr wird

Pflegerin im Gang eines Seniorenheims hält sich erschöpft die Hand an die Stirn
Eine Umfrage unter Pflegenden zeigt: An warmen Tagen führt die körperlich herausfordernde Arbeit in aufgeheizten Innenräumen unter anderem zu Erschöpfung (knapp 97 %), Müdigkeit (ca. 90 %) und Kopfschmerzen (71 %). Was viele nicht wissen: Der Übergang von diesen vermeintlich harmlosen Hitze-Symptomen bis hin zu gefährlichen Erscheinungen wie Verwirrtheit, Bewusstlosigkeit oder Krampfanfällen ist schleichend und meist unvorhersehbar. Im schlimmsten Fall kann es zu einem lebensgefährlichen Hitzschlag kommen. Pflegekräfte müssen daher besonders geschult werden und sich aktiv schützen.

So schützen sich Pflegende

Temperatur im Auge behalten
Verschaffen Sie sich zu Schichtbeginn einen Überblick über die Temperaturentwicklung und verschieben Sie besonders anstrengende Aufgaben, wenn möglich, in die kühlere Tageszeit.
Regelmäßige Pausen
Achten Sie darauf, Ihre Pausen einzuhalten und währenddessen ausreichend zu trinken. Erholen Sie sich am besten im Schatten oder in kühlen, ruhigen Räumen. Legen Sie die Beine hoch.
Luftige Kleidung
Wählen Sie locker sitzende Arbeitskleidung aus dünnem Stoff. Falls dies der Betrieb bisher nicht anbietet, sollte über die Anschaffung und evt. auch über die Reinigung von Sommerkleidung gesprochen werden.
Abkühlung
Kühlen Sie sich im Laufe Ihrer Schicht immer wieder ab – zum Beispiel mit kalten Umschlägen oder einem kühlen Armbad.
Richtig lüften
Lüften Sie die Arbeitszimmer am besten nur abends, früh morgens oder nachts, wenn es kühler ist. Während der Hitze tagsüber halten Sie die Fenster am besten geschlossen und mit Rollläden und Vorhängen die Sonneneinstrahlung niedrig halten.
Aufeinander achten
Denken Sie an Ihre Teammitglieder und teilen Sie sich die Arbeit in besonders warmen Räumen oder Bereichen idealerweise im Wechsel auf.

So schützen Sie Bewohner*

Den Pflegealltag an die besonderen Gegebenheiten anpassen

Heiße Tage erfordern mitunter Anpassungen der Pflegeabläufe.

  • Führen Sie die Wundkontrolle bei Hitze zum Beispiel engmaschiger durch, da vermehrtes Schwitzen den Heilungsprozess beeinträchtigen kann.
  • Verbände und Pflaster können leichter verrutschen. Kontrollieren Sie auch häufiger die Vitalwerte, da sich die Wärme sich unter anderem auf den Blutdruck auswirken kann.
  • Trinkprotokolle helfen, um die Flüssigkeitsversorgung der Bewohner sicherzustellen.
Passende Materialen schützen vor Hitzestau und Sonne.
  • Achten Sie auf helle, atmungsaktive und lockere Kleidung, damit die Luft zirkulieren kann. Ideal sind Materialien wie Baumwolle oder Leinen.
  • Eine Sonnenbrille und eine leichte Kopfbedeckung schützen vor Sonneneinstrahlung.
Dosierung und Lagerung überprüfen und anpassen
  • Einige Wirkstoffe beeinflussen die Wärmeregulation, das Durstempfinden oder den Blutdruck. Dazu zählen Herz-Medikamente, Blutdrucksenker, Schilddrüsen-Hormonpräparate, bestimmte Antidepressiva sowie Antihistaminika. Patienten* sollten diesbezüglich speziell überwacht werden, eventuell müssen Dosierungen nach Rücksprache mit dem ärztlichen Personal angepasst werden.
  • Einige Antibiotika, Antirheumatika, Herz-Medikamente und Johanniskraut-Präparate vertragen sich zudem nicht mit Sonnenlicht.
  • Die Lagerung von Tabletten, Salben & Co. spielt bei Hitze eine wichtige Rolle. Kontrollieren Sie die Temperatur im Medikamentenschrank und sortieren Sie Präparate, die bei Zimmertemperatur gelagert werden müssen, gegebenenfalls um. Sind die Patientenzimmer aufgrund der Hitze deutlich wärmer als normal, überprüfen Sie auch die dort gelagerten Medikamente und passen den Lagerort eventuell an.

Gut zu wissen: Besonders hitzeempfindlich sind Zäpfchen, Insulin, Wirkstoffpflaster, Gelatinekapseln, Sprays sowie Salben und Gele.

Zu aktuellen Themen und Verordnungen informiert bleiben!

Effizienzdruck und Komplexität machen auch in Pflegeeinrichtungen nicht Halt. Unterstützen Sie Team und Kollegschaft mit Know-how zu verschiedenen Themen: Wir helfen Ihnen dabei, auf dem neuesten Stand zu bleiben. Monatlich und kostenlos.

Verhaltensbezogene Maßnahmen

Setzen Sie auf leicht verdauliche, vitamin- und wasserreiche Kost

Damit die Ernährung den Körper bei Hitze nicht zusätzlich belastet, sollte sie im Sommer leicht sein.

  • Gut geeignet sind Gemüse, frischer Salat, zuckerarmes und wasserreiches Obst wie etwa Melonen oder Erdbeeren, gedünsteter Fisch und mageres Fleisch wie Geflügel.
  • Eine leichte Brühe versorgt den Körper mit notwendigen Salzen (Elektrolytzufuhr).
  • Extra-Tipp: Arbeiten Sie mit der Küche einen Sommerspeiseplan aus.
1,5-2 Liter Flüssigkeit pro Tag sollten es mindestens sein

Im Alter lässt das Durstgefühl nach. Achten Sie an warmen Tagen besonders darauf, dass die Bewohner* ausreichend trinken.

  • Machen Sie es ihnen leicht: Gehen Sie auf individuelle Vorlieben wie etwa bestimmte Fruchtsäfte ein, die Sie als Schorle zubereiten.
  • Die Trinkmenge von 1,5-2 l sollte möglichst gleichmäßig über den gesamten Tag verteilt werden.
  • Wichtig: Verabreichen Sie keine eiskalten Getränke. Der Organismus müsste sie erst auf Körpertemperatur bringen und erwärmt sich dabei umso mehr.
Bewegung und Anstrengung weitestgehend vermeiden
Passen Sie bei Ihren Bewohnern* körperliche Aktivitäten wie Spazierengehen, Sport oder Physiotherapie den Temperaturen an. Ein kleiner Spaziergang ist höchstens in den Morgen- oder Abendstunden ratsam.
Ein ruhiger Platz im Schatten ist die beste Wahl

In den Sonnenstunden ist die Gefahr für hitzebedingte gesundheitliche Komplikationen am größten.

  • Bewohner* sollten zwischen 11 und 18 Uhr viel ruhen und sich im Schatten oder in kühleren Innenräumen aufhalten.
  • Autofahrten sind möglichst zu vermeiden.
  • Sonnenschutz (SPF 50+) am besten gleich nach dem Aufstehen auftragen, tagsüber mehrmals auffrischen.

Wohnraumbezogene Maßnahmen

Überwachen Sie die Innentemperaturen
Um die Temperatur jederzeit im Blick zu haben, bringen Sie am besten in jedem Zimmer ein Thermometer an. Die Raumtemperatur liegt im Idealfall unter 26 Grad.
Halten Sie die Hitze draußen
Um die Zimmer vor Sonneneinstrahlung und Überhitzung zu schützen, eignen sich zur äußeren Verschattung Rollläden, Jalousien oder Sonnensegel. Etwas weniger effektiv sind Vorhänge und Sonnenschutzrollos im Innenbereich.
Halten Sie die Räume so kühl wie möglich
Lüften Sie am besten früh am Morgen oder spät am Abend. Tagsüber bleiben die Fenster hingegen geschlossen, damit die warme Luft nicht in die Zimmer gelangt. Ventilatoren und das Aufhängen feuchter Baumwolltücher sorgen für Abkühlung.
Schalten Sie Wärmeerzeuger so oft es geht aus
Sowohl Lampen als auch Fernseher, Computer & Co. erzeugen Wärme – und übrigens teils auch „Elektrosmog“.
Treffen Sie Entscheidungen gemeinsam
Sprechen Sie jede mögliche Anpassung und Veränderung im Wohnraum mit den Bewohnenden ab. Sie sollten sich weiterhin wohlfühlen und das Gefühl der Mitsprachemöglichkeit haben.

Maßnahmen für Angehörige und Ehrenamtliche

Gefahren (er)kennen und richtig handeln
Angehörige und Ehrenamtliche verbringen oft viel Zeit mit den Bewohnern*. Beziehen Sie sie daher aktiv mit in den Hitzeschutz ein, indem Sie etwa Informationsmaterial austeilen und auf Risiken und Gefahren hinweisen.
Angehörige können die Umsetzung einfacher Maßnahmen übernehmen
Besucher* können aktiv unterstützen, indem sie ihren Liebsten zum Beispiel Getränke anbieten, Trinkprotokolle ausfüllen, Obst bereitstellen, kalte Waschlappen auflegen und sie zum Aufenthalt in kühlen Räumen motivieren.

Machen Sie Hitzeschutz zur Teamsache!

Praktisch. Partnerschaftlich. Präventiv. Hitzeschutz muss übergreifend gedacht werden. Wenn Sie Fragen haben, wie Sie dies in Ihrer Pflegeeinrichtung am besten umsetzen können, treten Sie gern in Kontakt mit uns. Wir unterstützen Sie dabei.

Infomaterial für die Küche

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* Disclaimer Geschlechtsangaben

Soweit im Text nur die männliche Form verwendet wird, geschieht dies lediglich zur sprachlichen Vereinfachung. Die Angaben beziehen sich gleichermaßen auf alle Geschlechter und Geschlechtsidentitäten.