Die Geschichte der Hygiene von der Antike bis heute
Lassen Sie uns eine Zeitreise in die Mitte des 19. Jahrhunderts unternehmen. Zu dieser Zeit steckte die Erforschung von Keimen und Bakterien noch in den Kinderschuhen. Zwar war den Wissenschaftler der damaligen Zeit die Existenz von Mikroorganismen bewusst, doch der Zusammenhang zwischen diesen „kleinen Lebewesen“ und Infektionskrankheiten war noch unbekannt. [1]
Die Wende brachte erst Ignaz Semmelweis, der 1847 während seiner Tätigkeit an der Wiener Allgemeinen Krankenanstalt eine bedeutsame Entdeckung machte: Das Krankenhaus, in dem er arbeitete, verfügte über zwei separate Entbindungsstationen – eine, an der ausschließlich Ärzte und eine andere, an der ausschließlich Hebammen tätig waren. Aus unerklärlichen Gründen war die Sterblichkeitsrate unter den Frauen, die in der Abteilung mit den Ärzten entbunden haben, etwa doppelt so hoch wie in der Abteilung, in der nur Hebammen arbeiteten. [2]



Um sicherzustellen, dass alle Keime wirksam inaktiviert werden, ist das Verfahren für die chirurgische Händedesinfektion genau vorgeschrieben. Chirurgen, Ärzte und Assistenzpersonal müssen die folgenden Schritte einhalten.


Schritt 2 und 3 der obigen Anweisungen sind erst in den letzten Jahren zur gängigen Praxis geworden und spiegeln den Übergang von „Abschrubben“ zu „Einreiben“ wider. Früher wurde keine Desinfektionsmittel zur Vorbereitung auf eine Operation verwendet, sondern man wusch sich die Hände mit Wasser und antimikrobieller Seife, die hauptsächlich die Wirkstoffe Chlorhexidin oder Jod enthielt (chirurgisches Abschrubben). Zu diesem Zweck wurden spezielle Schwämme verwendet, mit denen sich die Chirurgen und ihr Team mehrere Minuten lang unter fließendem Wasser die Hände abschrubbten. [6]
Der Nachteil dieser Technik bestand darin, dass häufiges Waschen mit Wasser und Seife in Kombination mit intensivem Schrubben über mehrere Minuten zu Hautreizungen und sogar Entzündungen führen kann. Darüber hinaus werden die Hände durch häufiges Waschen mit Wasser und Seife spröde und rissig, wodurch Viren und Bakterien schwerer abzutöten sind. In den letzten Jahrzehnten haben immer mehr Krankenhäuser alkoholbasierte Händedesinfektionsmittel („Verwendung durch Einreiben“) eingeführt, die die Haut weniger reizen. Die rückfettenden Substanzen in Produkten wie Sterillium®* [7] helfen der Haut, ihren natürlichen Schutzmantel zu erhalten oder sogar wieder aufzubauen. [8]
Doch nicht nur die bessere Hautverträglichkeit spricht für „Einreiben“ statt „Abschrubben“: In verschiedenen Studien wurde außerdem nachgewiesen, dass alkoholbasierte Händedesinfektionsmittel die auf der Haut befindlichen Viren und Bakterien wirksamer inaktivieren als herkömmliche antimikrobielle Seife. Insbesondere bei der langfristigen Reduzierung von Krankheitserregern auf der Haut zeigen Desinfektionsmittel eine größere Wirkung. [9,10] Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass die moderne „Einreib“-Technik erheblich weniger Zeit in Anspruch nimmt als das minutenlange Waschen der Hände mit Wasser und Seife.
Doch warum überhaupt desinfizieren, wenn die Chirurgen und das OP-Personal ohnehin Handschuhe tragen? Die Frage ist berechtigt, da moderne OP-Handschuhe die Übertragung potenziell gefährlicher Krankheitserreger sehr wirksam verhindern. Sie bieten daher einen guten Schutz vor postoperativen Infektionen.
Doch verschiedene Studien haben gezeigt, dass OP-Handschuhe bei bis zu 40 % der Eingriffe perforieren. In der Folge können Krankheitserreger über die Wunde in den Körper des Patienten gelangen. [11] Daher ist auch bei Verwendung von Handschuhen eine gründliche chirurgische Händedesinfektion im Rahmen der OP-Vorbereitung unerlässlich.
