Geschäftsbericht 2021 der HARTMANN GRUPPE

Geschäftsbericht 2021 | Lagebericht | Chancen-, Risiko- und Prognosebericht 35 entwickelt. Um Qualitätsrisiken rechtzeitig erkennen und angemessen reagieren zu können, überwacht die Gesellschaft Kundenreklamationen, regulatorische Entwicklungen und laufende Zulassungsverfahren äußerst genau. Verbleibende Restrisiken bewegen sich im niedrigen einstelligen Millionen-Euro-Bereich. Chancen und Risiken der Absatzmärkte Der Konzern ist in allen Segmenten einem durch die CoronaPandemie zusätzlich intensivierten Kosten- und Wettbewerbsdruck sowie verschärften gesetzlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen ausgesetzt. Durch die fortgesetzte Pandemiesituation besteht zudem das wesentliche Risiko einer reduzierten Nachfrage von Desinfektions- und Schutzprodukten aufgrund bereits hoher Lagerbestände bei Kunden sowie ein Rückgang des Absatzes von Wund- und sterilen OP-Produkten in Anbetracht abgesagter oder verschobener Operationen. Die zahlreichen Herausforderungen, die sich auf den Absatzmärkten in Folge der Pandemie ergeben, sieht das Unternehmen auch als Chance. Diese möchte HARTMANN durch die Optimierung und Senkung von Kosten, mit Hilfe von Marketing- und Vertriebsmaßnahmen sowie dem Ausbau digitaler Services nutzen. Die Kosten für medizinische Behandlungen mit Hilfe von HARTMANN Produkten werden in vielen Fällen von Krankenkassen, Versicherungen oder staatlichen Gesundheitsprogrammen erstattet. Hier besteht infolge der Corona-Pandemie das Risiko von Änderungen der Gesundheits- und Erstattungspolitik im In- oder Ausland. Sie könnten zur Ablehnung oder Reduzierung von Erstattungsleistungen führen und die Nachfrage dämpfen. Ein Rückgang der Kostenerstattung bedeutet auch die stärkere finanzielle Selbstbeteiligung der Patienten. Dies greift HARTMANN in seinem Transformationsprogramms u. a. mit Konzepten zur Stärkung des digitalen Endkundengeschäfts auf. Darüber hinaus besteht grundsätzlich das Risiko, dass die zu beobachtende Bildung von regionalen und überregionalen Beschaffungsgemeinschaften über eine steigende Einkaufsmacht der Kunden zu sinkenden Absatzpreisen führt. Gleichzeitig sieht HARTMANN durch die Alterung der Gesellschaft, die zunehmenden Anforderungen an Therapie und Pflege sowie den insgesamt wachsenden Bedarf an Gesundheitsleistungen grundsätzlich wesentliche Marktchancen. Das bestehende Wettbewerbsrisiko kann durch den Markteintritt neuer Wettbewerber weiter steigen. Auch der Zusammenschluss von Wettbewerbern untereinander oder im Rahmen von Zukäufen durch Finanzinvestoren kann die Wettbewerbslandschaft verändern. In der Folge besteht das Risiko sinkender Absatzpreise, eines steigenden Margendrucks oder des Verlusts von Marktanteilen. HARTMANN führt in den Segmenten kontinuierliche Wettbewerbs- und Marktbeobachtungen durch, um hier frühzeitig handeln zu können. In Summe können markt- und wettbewerbsbezogene Risiken eine negative Auswirkung auf das Ergebnis des Konzerns im niedrigen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich haben. Umfeldrisiken Die geopolitische Lage, große Naturereignisse, die gesamtwirtschaftliche Entwicklung, Epidemien und Pandemien sowie das Marktgeschehen in einzelnen Regionen können sich in vielfältiger Weise direkt oder indirekt auf die Erfolgschancen des Konzerns auswirken. In einigen für HARTMANN wesentlichen Märkten ist eine zunehmend protektionistische Wirtschaftspolitik zu beobachten. Dies könnte beispielsweise zu einer Verschärfung nationaler Registrierungsanforderungen für Produkte führen. Die politischen Differenzen zwischen Polen und der EU können sich im Falle eines EU-Austritts negativ auf den neuen polnischen Produktionsstandort von HARTMANN auswirken. Die Auswirkungen des Russland-Ukraine-Konflikts auf das HARTMANN-Geschäft lassen sich aktuell nicht konkret abschätzen. Der Konflikt könnte wesentliche Auswirkungen auf das operative Geschäft der osteuropäischen Konzerngesellschaften haben. Für den Gesamtkonzern könnten sich beispielsweise Risiken durch global steigende Beschaffungspreise ergeben. Eskalierende Spannungen zwischen China und den USA sowie Instabilitäten in Schwellenländern können globale Kettenreaktionen nach sich ziehen und die ökonomischen Rahmenbedingungen der Gesundheitssysteme negativ beeinflussen. Durch ihr etabliertes Risikofrüherkennungssystem kann die HARTMANN GRUPPE solche Risiken frühzeitig erkennen und, wo möglich, entsprechend gegensteuern. Ihre lokalen Vertriebsorganisationen ermöglichen der Unternehmensgruppe schnelle und flexible Reaktionen auf Veränderungen nationaler Gesundheitssysteme. Durch seine globalen Aktivitäten ist der Konzern unabhängiger von regionalen Krisen. Die stark diversifizierte Produkt- und Kundenstruktur begrenzt Risikohäufungen zusätzlich. Nach gegenwärtiger Einschätzung geht HARTMANN insbesondere vor dem Hintergrund der anhaltenden Pandemie von einem höheren einstelligen Millionen-EuroRisiko durch sich verschlechternde Umfeldbedingungen aus. Gesamtaussagen zur Risikosituation Bei der Erstellung des Berichts waren keine Risiken erkennbar, die den Fortbestand des Unternehmens gefährden könnten. Für die Gesamtbewertung ergeben sich im Vergleich zum Vorjahr Unterschiede, da sich die Weltwirtschaft zunehmend an die anhaltende Corona-Pandemie anpasst und es parallel in allen Bereichen zu erheblichen globalen Störungen der Versorgungsketten kommt. Dies führt insgesamt zu einer angespannteren Risikosituation. Der Vorstand sieht auch vor diesem Hintergrund weiterhin eine solide Grundlage für die künftige Entwicklung des Konzerns.

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