Geschäftsbericht 2021 der HARTMANN GRUPPE

Geschäftsbericht 2021 | Lagebericht | Wirtschaftsbericht 23 Unabhängig von der Nachfrageentwicklung standen Wundversorgungsprodukte 2021 erneut unter spürbarem Preisdruck: In Europa stiegen nationale Gesundheitsbehörden vermehrt auf günstigere Verbandstoffalternativen um. Der Preisdruck in den klassischen Ausschreibungsmärkten nimmt kontinuierlich zu und bei neuen Ausschreibungen liegt der Fokus vermehrt auf der Erfüllung von Mindestanforderungen. Selbstzahlermarkt für Inkontinenzprodukte gewinnt an Bedeutung Die Bettenbelegung in Krankenhäusern und Pflegeheimen lag pandemiebedingt erneut auf einem niedrigen Niveau. Nach eigener Einschätzung reichte die leichte Erholung im zweiten Halbjahr nicht aus, um die Einbußen der Hersteller von Inkontinenzprodukten beim Umsatz mit Großkunden auszugleichen. Online-Apotheken verzeichneten ein hohes Umsatzwachstum. Der Anteil der Online-Umsätze in Deutschland wuchs laut Marktforschungsunternehmen IQVIA bis Juni 2021 um 9 % auf 12 % des Apothekengesamtumsatzes. In Frankreich stieg der Online-Umsatz im selben Zeitraum um 57 % und erreichte damit einen Marktanteil von 2 %. Den höchsten Online-Anteil verzeichnet die Tschechische Republik mit einem Wachstum von 41 % auf einen Marktanteil von 14 %. Die Unternehmensberatung Price Hanna Consultants sieht Deutschland innerhalb Europas nach wie vor als größten Absatzmarkt für absorbierende Inkontinenzprodukte. Danach folgen Frankreich und Italien. Insgesamt wächst im Inkontinenzmarkt das Potential für Selbstzahler, während die Erstattungsmodelle zunehmend unprofitabler werden. In Deutschland beispielsweise hat die Bundesregierung im Juni 2021 die Erstattungssätze gesenkt und damit das Zuzahlungs- und Selbstzahlpotenzial für Inkontinenzprodukte weiter erhöht. Im französischen Apothekenmarkt für absorbierende Inkontinenzprodukte sind mit 98 % bereits die meisten Verbraucher Selbstzahler. Pandemie rückt Infektionsmanagement in den Blickpunkt Bei Desinfektions- und Barriere-Produkten zum Schutz vor Infektionen bestand gegenüber den Jahren vor der Pandemie ein grundsätzlich verbreiterter Markt. Nach der sehr hohen Nachfrage im Vorjahr hat die Corona-Pandemie auch 2021 weltweit dafür gesorgt, dass Fachkräfte, Patienten und Endkonsumenten Hygiene- und Infektionsrisiken besonders im Blick hatten. Die Verbrauchsanalyse VuMA beziffert den Anteil der Deutschen ab 14 Jahre, die 2021 täglich Desinfektionsmittel verwendeten, auf rund 6,9 Mio. Personen. Dies entspricht einem Anstieg von mehr als 300 % gegenüber dem Vorjahr. Im institutionellen Markt erwiesen sich vor allem Flächendesinfektionsmittel im Bereich der Desinfektion und Untersuchungshandschuhe im Bereich der Schutzmaterialien als positive Treiber. Zwar ist der Verbrauch von Produkten aus diesen Bereichen weiter gestiegen, die Nachfragespitzen von 2020 wurden aufgrund hoher Bevorratungsstände jedoch nicht mehr erreicht. Die bedeutendsten europäischen Märkte waren im Jahr 2021 Deutschland, Spanien und Frankreich. Eine Herausforderung für die Gesundheitssysteme stellte auch im Jahr 2021 die nach wie vor hohe Zahl an nosokomialen Infektionen dar. Laut BARMER-Krankenhausreport infizieren sich jährlich bis zu 600.000 Patienten in deutschen Krankenhäusern damit. Bis zu 15.000 Betroffene sterben daran. Das Risiko, sich während eines Krankenhausaufenthalts eine nosokomiale Infektion zuzuziehen, hat während der Corona-Pandemie sogar noch zugenommen. Gründe dafür sind u. a. die Zunahme an Patienten, die neben einer Grunderkrankung weitere Erkrankungen aufweisen, längere Krankenhausaufenthalte aber auch eine geringere Einhaltung von Maßnahmen zur Infektionsprävention, die oft mit einer höheren Arbeitsbelastung des Personals zusammenhängen. Akquisitionen bewegen den Markt Die Unternehmensberatung PwC weist darauf hin, dass 2021 ein Rekordjahr für Firmenübernahmen in der Gesundheitsbranche war. Gründe sind niedrige Zinsen und die für 2022 erwartete Verbesserung des globalen Wirtschaftswachstums. Zusätzlich müssen Unternehmen große Skaleneffekte realisieren, um dem steigenden Kostendruck in den Gesundheitssystemen entgegenzuwirken. Diese Rahmenbedingungen sorgten für eine steigende Zahl an Akquisitionen und damit für Bewegungen bei den Marktteilnehmern. Die Unternehmenskäufe und -beteiligungen dienen als Wachstumstreiber bzw. für einen schnellen Einstieg in neue Technologien. Die Akquisitionen müssen jedoch aktuell mit historisch hohen Preisen bezahlt werden. HARTMANN führender Anbieter im Bereich Medizin und Pflege Der Global Industry Classification Standard (GICS) ist eine international angewandte Taxonomie von Industriesegmenten, die Unternehmen nach Umsatz listet. Im Jahr 2021 konnte HARTMANN unter den 885 im Segment „Ausstattungen und Produkte für das Gesundheitswesen“ gelisteten Unternehmen unverändert seine führende Rolle behaupten.

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