Geschäftsbericht 2021 der HARTMANN GRUPPE

HARTMANN GRUPPE | Lagebericht | Wirtschaftsbericht 22 Deutschland: Corona-Pandemie bremst Wirtschaft weiterhin Die deutsche Wirtschaft ist gemäß der amtlichen Schätzung des Statistischen Bundesamts im Jahr 2021 um 2,8 % gewachsen. Die Corona-Pandemie, Lieferengpässe und gestiegene Energie- und Rohstoffpreise waren die größten Belastungsfaktoren. Für Europa rechnet die EU-Kommission 2021 mit einemAnstieg der Wirtschaftsleistung um 5 %. Die US-Notenbank erwartet für die USA ein Wachstum von 5,5 %. Der IWF geht von einem Wachstum der Weltwirtschaft von 5,9 % aus. Rohstoffpreise mit historischem Preisanstieg Rohstoffe haben sich im Jahr 2021 massiv verteuert. Der Rohölpreis der Sorte Brent stieg im Jahresverlauf um über 50 % an. Laut Statistischem Bundesamt lag der Index der Erzeugerpreise gewerblicher Produkte in Deutschland im November 2021 um 19,2 % über dem Vorjahreswert. Das ist der höchste Anstieg gegenüber dem Vorjahresmonat seit November 1951. Die Corona-Pandemie und Unterbrechungen der globalen Lieferketten sorgten bei den für HARTMANN wichtigen Rohstoffen für erhebliche Steigerungen der Weltmarktpreise: Der Preis für Flusen Zellstoff stieg um 40 %. Polymere wie Polyethylen und Polypropylen verzeichneten einen Anstieg zwischen 60 und 75 %. Der Baumwollpreis legte auf Jahressicht um 52 % zu. Markt für Medizinprodukte attraktiv, aber unter Druck Die demographische Entwicklung vieler westlicher Staaten führt zu einer höheren Anzahl älterer und gleichzeitig an mehreren Krankheiten leidenden Menschen. Dadurch steigt der Bedarf an Gesundheitsleistungen. Nach Angaben des Marktdatenanbieters Global Data wuchs der Weltmarkt für Medizinprodukte im Jahr 2021 mit 8,1 % erneut deutlich und erzielte ein Volumen von 519 Mrd. USD. Dies unterstreicht die grundsätzliche Attraktivität der Branche. Die Wachstumsschwerpunkte standen jedoch wie bereits im Vorjahr auch 2021 stark unter dem Einfluss der Corona-Pandemie. Die meisten europäischen Länder erlebten 2021 mindestens zwei Pandemiewellen. Bei einigen Produktkategorien wie Desinfektionsmitteln und Schutzprodukten kam es nach den Nachfragespitzen im Vorjahr zu negativen Wachstumsraten. Andere Kategorien erzielten aufgrund der nach wie vor geringen Bettenbelegung in medizinischen Einrichtungen bestenfalls stabile Wachstumsraten. Die Wundversorgung wiederum profitierte von einem schrittweisen Anstieg an Operationen. Parallel zu der Erholung der Operationszahlen zeigen Analysen des Instituts für das Entgeltsystem im Krankenhaus, dass sich der Trend der Verschiebung von stationären hin zu ambulanten Behandlungen 2021 fortgesetzt hat. Die Branchenkonjunktur wurde zusätzlich gehemmt durch den stetig zunehmenden Zulassungs- und Bürokratieaufwand in Zusammenhang mit der EU-Medizinprodukteverordnung (MDR). Laut Spectaris, dem Deutschen Industrieverband für Medizintechnik, bringt er viele Unternehmen an ihre Belastungsgrenzen und schadet der Innovationskraft der Branche massiv. Personalmangel verstärkt Digitalisierungsbedarf Die sich fortsetzende Pandemie hat den Mangel an Pflegepersonal in Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern 2021 weiter in den Fokus gerückt: Das ohnehin knappe Personal musste zahlreiche Zusatzstunden leisten und die Möglichkeit, die Pflege nach eigenem Ermessen zu gestalten, entfiel. CoronaInfektionen und Isolationen verschärften die Situation zudem. Gerade vor diesem Hintergrund besteht ein großer Bedarf an innovativen digitalen Ansätzen, die Pflegebedürftigen und Patienten mehr Selbstständigkeit und Sicherheit ermöglichen und gleichzeitig die Pflegekräfte entlasten. Parallel dazu haben die Auswirkungen der Corona-Pandemie die Digitalisierung vorangetrieben und dafür gesorgt, dass Medizintechnik-Unternehmen verstärkt in die Entwicklung digitaler Prozesse und Produkte investieren. Erholung bei Wundversorgungsprodukten Das Marktanalyse-Unternehmen SmartTRAK verzeichnete 2021 aufgrund der schrittweise gestiegenen Operationszahlen eine Erholung auf dem Markt für Wundversorgungsprodukte. Das globale Marktvolumen stieg 2021 um 10,6 %, nachdem es im Vorjahr um 3,2 % gesunken war. Die Umsätze mit modernen Wundversorgungsprodukten erhöhten sich um 12,7 % auf knapp 7,3 Mrd. EUR. Die Menge der verordneten Wundversorgungsprodukte stieg im Vergleich zum Vorjahr auch im ambulanten Bereich. Allein in Deutschland sind nach Angaben des Bundesverbandes Medizintechnik (BVMed) mehr als 2,7 Mio. Menschen auf eine Versorgung mit erstattungsfähigen Verbandmitteln angewiesen. Beispielsweise ist bei chronischen Wunden der Einsatz von hochmodernen Verbandmitteln erforderlich. WIRTSCHAFTLICHE RAHMENBEDINGUNGEN

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