Geschäftsbericht 2020 der HARTMANN GRUPPE

Geschäftsbericht 2020 der HARTMANN GRUPPE | Lagebericht | Wirtschaftsbericht 15 Insgesamt ist die Digitalisierung im Gesundheitsbereich europa- weit noch nicht flächendeckend angekommen. Dies zeigt eine im Berichtsjahr durchgeführte Studie, in der die Unternehmensbera- tung Deloitte 1.800 Klinik-Ärzte und -Pflegekräfte in sieben euro- päischen Ländern befragt hat. Herausforderungen sehen die Be- fragten in der Bürokratie (57,2 %), den Technologiekosten (50,3 %) und dem Finden der passenden Technologie (49 %). Dabei gaben 65 % der Befragten an, dass sich durch die Corona-Pandemie die Akzeptanz digitaler Technologien in ihrer Institution erhöht hat. Auch in Deutschlands Krankenhäusern hat die Covid-19-Krise die ohnehin angespannte Situation 2020 weiter verschärft. Wegen ihrer durch den Rückgang der Operationen reduzierten Auslastung rechnen laut der Roland-Berger-Krankenhausstudie 2020 57 % der deutschen Kliniken für das Berichtsjahr mit einem Defizit. Eine Mo- dellrechnungsstudie des British Journal of Surgery mit Daten von 359 Kliniken aus 71 Ländern kommt auf weltweit rund 28 Millionen verschobener chirurgischer Eingriffe aufgrund der ersten Covid-19- Welle im Frühjahr 2020. Die stark gestiegenen regulatorischen Anforderungen (Anpas- sungen an die EU-Medizinprodukteverordnung) sowie die Imple- mentierung neuer Prozesse waren für deutsche Unternehmen auch im Berichtsjahr ein wesentlicher Kostentreiber. Zusätzlich wirkten sich der Preisdruck durch Einkaufsgemeinschaften, die zurückhal- tende Sicht von Krankenkassen sowie die Absenkung sachkostenin- tensiver DRG-Fallpauschalen negativ aus. Insgesamt hat sich in einem von steigendem Kostendruck ge- prägten Gesundheitsmarkt der Trend von stationär nach ambulant auch 2020 fortgesetzt. Die Versorgung zu Hause stellt nach wie vor eine kostengünstige Alternative zu teuren Krankenhaus- und Pflege- heimaufenthalten dar. Besonders im Fokus steht in diesem Zusam- menhang der Pflegemarkt: Mehr als 77 % der Pflegebedürftigen werden zu Hause versorgt. Weniger Umsatz bei Wundversorgungsprodukten Das Marktvolumen der Produktkategorien Moderne & Traditionelle Wundversorgung liegt nach Berechnungen von Global Data im Jahr 2020 weltweit bei rund 12,1 Mrd. EUR. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem Umsatzrückgang um knapp 2 %. Nach Schätzungen des Marktanalyse-Unternehmens Smart- TRAK ist das Umsatzvolumen im Markt für Moderne Wundversor- gung im Jahr 2020 in Europa gegenüber dem Vorjahr um 3,7 % zurückgegangen. Diese Entwicklung betraf insbesondere Deutsch- land, gefolgt von Frankreich, Italien, Spanien und UK. Ein Grund hierfür ist die Corona-bedingt rückläufige Anzahl der Operationen und damit ein reduzierter Bedarf an Wundprodukten für OP-Wunden. Zusätzlich hat die Zurückhaltung der Patienten bei Arztbesuchen auch einen Rückgang der Verordnung von Wundbe- handlungsprodukten zur Folge. Allein in Deutschland sind mehr als 2,7 Millionen Menschen auf eine Versorgung mit erstattungsfähi- gen Verbandmitteln angewiesen. 900.000 Menschen leiden an chronischen Wunden, die den Einsatz hochmoderner Verbandmit- tel erfordern. Im Markt für Moderne Wundbehandlung dominieren Schaum- verbände mit rund 42 % nach wie vor den europäischen Markt. Sie sind im Berichtsjahr um 2,6 % gewachsen. Mit einem Marktanteil von rund 68 % sind die silikonbeschichteten Schaumverbände der wesentliche Treiber innerhalb dieser Produktkategorie. Der Preisdruck auf Wundbehandlungsprodukte war auch 2020 präsent. In UK drängt der National Health Service NHS auf einen Umstieg auf billigere Verbandstoff-Alternativen. In Spanien und an- deren Ausschreibungsmärkten fokussieren sich neue Ausschreibun- gen auf Wundauflagen, die lediglich Mindestanforderungen erfüllen. Wachstumspotenzial für absorbierende Inkontinenz- produkte bei Selbstzahlern Aufgrund der divergenten regulatorischen Bestimmungen wachsen die Inkontinenzmärkte innerhalb Europas unterschiedlich. Der fran- zösische Apothekenmarkt für absorbierende Inkontinenzprodukte ist in 2020 gegenüber dem Vorjahr um rund 5 % auf mehr als 97 Mio. EUR gewachsen. Der weitaus überwiegende Anteil (ca. 98 %) entfällt dabei auf den Selbstzahler-Markt. Auch in Deutschland bekommen Betroffene ihre Wunschver- sorgung mit qualitativ höherwertigen Inkontinenzprodukten nur zum Teil erstattet. Nach einer Kundenbefragung der deutschen Vertriebsorganisation von HARTMANN entscheiden sich rund 50 % der Heimlieferkunden für eine Versorgung mit Mehrkosten außer- halb der Krankenkassenerstattung. Price Hanna gibt innerhalb Europas Deutschland nach wie vor als größten Absatzmarkt für absorbierende Inkontinenzprodukte an. Danach folgen Frankreich und Italien. Der BVMed schätzt, dass in Deutschland zwischen 5 und 9 Mil- lionen Menschen von Inkontinenz betroffen sind, von denen 70 % zu Hause versorgt werden. Mit dem Lebensalter steigt die Zahl der Betroffenen. Bei den Hochbetagten (80+) sind 40 % der Personen von Inkontinenz betroffen. Corona-Pandemie schärft Blick für Infektionsmanagement Die Sicherheit der Bevölkerung hat während der Corona-Pandemie weltweit an Bedeutung gewonnen. Dabei sind insbesondere Hygiene- und Infektionsrisiken für Patienten und Personal in den Blickpunkt gerückt. Dies hat maßgeblich zu einer steigenden Nach- frage nach Einwegmasken, Schutzkleidung, Einmalhandschuhen und Desinfektionsprodukten beigetragen. Nach eigenen Schätzungen des Unternehmens ist der europäi- sche Markt für Hand-Desinfektionsprodukte im Berichtsjahr um etwa 300 % auf rund 1,1 Mrd. EUR gewachsen. Neben der Corona-Pandemie stellt nach wie vor die hohe Zahl an nosokomialen Infektionen eine Herausforderung für die Ge- sundheitssysteme dar. Weniger steil zeigte sich im Berichtsjahr die Wachstumskurve des Markts für OP-Einmalprodukte. Nach Angaben von Global Data erreichte er in den umsatzstärksten europäischen Ländern Deutsch- land, Frankreich, Spanien, Italien und UK ein Volumen von rund 1,7 Mrd. EUR. Dies entspricht einem Wachstum gegenüber dem Vorjahr um knapp 5 %. Zum Markt zählen die Produktkategorien OP-Abdecktücher, OP-Schutzkleidung und OP-Einmalhandschuhe. Mit einer Wachstumsrate von knapp 6 % erwiesen sich die OP- Handschuhe erneut als wachstumsstärkste Produktkategorie. Die bedeutendsten europäischen Märkte waren in 2020 Deutschland, Frankreich und Italien.

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