Geschäftsbericht 2020 der HARTMANN GRUPPE
14 Geschäftsbericht 2020 der HARTMANN GRUPPE | Lagebericht | Wirtschaftsbericht Deutschland: Stärkster Konjunktureinbruch seit der Finanzkrise Nach einer zehnjährigen Wachstumsphase verzeichnet das Statisti- sche Bundesamt für 2020 einen pandemiebedingten Rückgang des preisbereinigten BIP um 5,0 %. Das Minus fällt damit geringer aus als erwartet. Dies wird auf die Widerstandsfähigkeit der deutschen Wirtschaft und die sehr umfangreichen Maßnahmenpakete der Bundesregierung zurückgeführt. Die Weltbank geht in ihrer aktuellen Prognose für 2020 von einem Einbruch des weltweiten BIP um rund 4 % aus. Die Wirt- schaftsleistung in der Eurozone ging um ca. 7,4 % zurück. Für die weltgrößte Volkswirtschaft USA wird mit einem Rückgang von rund 3,6 % gerechnet. China wird mit einem Plus von ca. 2,3 % als ein- zige große Wirtschaftsnation - trotz der Corona-Krise - ein Wachs- tum erzielen. Hohe Volatilität der Rohstoffpreise Die Entwicklung der für die HARTMANN GRUPPE bedeutenden Rohstoffpreise war 2020 deutlich von den aus der Pandemie resul- tierenden Schwankungen auf den Weltmärkten geprägt. Der Öl- preis fiel zu Beginn des zweiten Quartals auf ein historisches Tief von unter 20 USD/Barrel und erholte sich bis zum Jahresende auf mehr als 50 USD/Barrel. Auf Jahressicht ging der Ölpreis damit um rund 33 % zurück. Diese Entwicklung spiegelte sich auch in den Preisen der Polymere wider, die nach Rückgängen in der Jahres- mitte zum Jahresende ebenfalls stiegen. Der Fluff-Preis stieg im ers- ten Halbjahr kontinuierlich. Zu Beginn des dritten Quartals ging er leicht zurück und lag zum Jahresende um 60 USD über dem Kurs vom Januar (1.105 USD/mt). Durchschnittlich reduzierte sich der Preis um rund 4 % gegenüber dem Vorjahr. Der für die Baumwolle relevante China Cotton Index brach im April ein, erholte sich jedoch in der zweiten Jahreshälfte auf 14.963 CNY/mt. Der gegenüber dem Vorjahr schwächere USD unterstützte den für die HARTMANN GRUPPE insgesamt positiven Effekt zusätzlich. Markt für Medizinprodukte unter Pandemie-Druck Der Bundesverband Medizintechnik (BVMed) geht für 2020 welt- weit von einem durchschnittlichen Umsatzrückgang des Medizin- produktemarktes um 4,7 % aus. Zu den Medizinprodukten zählen neben Implantaten, Infusionstherapie und Homecare-Dienstleis- tungen auch OP-Materialien, Verband- und Hilfsmittel. Für Deutschland liegt der Rückgang bei 2,1 %. Knapp zwei Drittel der deutschen BVMed-Unternehmen gehen zudem von einer Ver- schlechterung der Gewinnsituation für das Berichtsjahr aus. Die Corona-Pandemie hatte im Jahr 2020 drastische Auswir- kungen auf den Medizinproduktemarkt. Die größten Umsatzhürden waren dabei für einen Großteil (70 %) der vom BVMed befragten Medizintechnikunternehmen die Patientenzurückhaltung bei (elektiven) Eingriffen. Als weitere Belas- tungen werden kein oder wenig Kontakt zum Kunden sowie ein Rückgang der Arztbesuche und Verordnungen genannt. Eine Ein- zelauswertung des BVMed nach Produktbereichen in Deutschland zeigt, dass insbesondere OP-Produkte und OP-Sets mit einem Mi- nus von 6,7 % von den Covid-19-Folgen betroffen waren. Verband- mittel verzeichneten im Durchschnitt einen Umsatzrückgang um 3,2 %, Hilfsmittel um 2,6 %. Die Corona-Pandemie und die hohen Todeszahlen insbeson- dere älterer Menschen haben den Pflegemarkt 2020 stark in den Vordergrund gerückt: Infektionsvermeidungsmaßnahmen bei den mehr als 4 Mio. pflegebedürftigen Menschen stellten die mehr als 14.000 Pflegeheime in Deutschland, die fast ebenso vielen ambu- lanten Pflegedienste und die große Anzahl an pflegenden Angehö- rigen vor große Herausforderungen. Der Mangel an Pflegepersonal in der Altenpflege und im Kran- kenhausbereich wurde 2020 im Zusammenhang mit der Pandemie noch sichtbarer als in den Vorjahren: Das ohnehin knappe Personal musste zahlreiche zusätzliche Pflegestunden leisten und war einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt. Mehr denn je fehlte die Mög- lichkeit, die Pflege fakultativ zu gestalten. Als Folge der ständigen Überlastung denkt ein Drittel des Klinikpersonals darüber nach, den Pflegeberuf zu verlassen (Deloitte-Studie). Innovationen, die Pflege- bedürftigen und Patienten mehr Selbständigkeit und Sicherheit er- möglichen und gleichzeitig die Pflegekraft entlasten, sind gefragter denn je. Parallel zu diesen Entwicklungen hat die Pandemie im Berichts- jahr den Infektionsschutz und die Digitalisierung vorangetrieben. Medizintechnik-Unternehmen investierten unter anderem in die Entwicklung digitaler Prozesse und Produkte. WIRTSCHAFTLICHE RAHMENBEDINGUNGEN Die Corona-Pandemie hat die Marktentwick- lung bei Medizinprodukten im Jahr 2020 auf unterschiedliche Weise geprägt: Das Bestre- ben, Infektionen zu vermeiden, sorgt einer- seits für ein starkes positives Wachstum. Andererseits setzen der Rückgang an Operationen und Verordnungen sowie der zunehmende Kosten- und Budgetdruck die Marktteilnehmer der Gesundheitssysteme verstärkt unter Druck.
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