Skyline Berlin

LINK for Wound Healing Kongress 2025 – Internationale Impulse für die Wundversorgung

Teilnehmer im Gespräch

Vom 23. bis 24. November 2025 fand in Berlin zum fünften Mal der internationale LINK for Wound Healing Kongress in Kooperation mit dem wissenschaftlichen Partner Wounds International statt.

Der Kongress stand unter dem Motto der frühzeitigen und zielgerichteten Intervention bei der Therapie von chronischen Wunden und dem von internationalen Expertinnen und Experten entwickelten Konzept des Wund-Balance-Kontinuums. Dessen Ziel ist es, die Mikroumgebung der Wunde zu optimieren, um eine bessere Heilung zu ermöglichen und die Ergebnisse für Patienten und behandelnde Fachkräfte zu verbessern.

Über 300 Fachteilnehmende aus 17 Ländern nutzten die Gelegenheit, sich mit führenden Meinungsbildnern und Experten aus Medizin und Pflege über aktuelle Entwicklungen, Herausforderungen und Innovationen in der Wundversorgung auszutauschen. Es ergab sich für die Teilnehmer eine einmalige Chance, an den Fortschritten in diesem Bereich teilzuhaben und sich zu vernetzen.

Der Kongress hat sich in den vergangenen Jahren als zentrale Plattform für interdisziplinären und internationalen Dialog etabliert. Auch 2025 wurde ein reichhaltiges und abwechslungsreiches Programm mit hochkarätigen Vorträgen, Workshops, Posterpräsentationen, Podcasts und einer Podiumsdiskussion geboten.

Kongressteilnehmer hören Referenten zu

Im Eröffnungsvortrag stellte Prof. Dr. Harikrishna KR Nair, Präsident der World Union of Wound Healing Societies (WUWHS), das internationale Konsenspapier zur Umsetzung des Konzepts der Wound Balance vor. Angesichts des prognostizierten Anstiegs chronischer und schwerheilender Wunden betonte er die Notwendigkeit frühzeitiger Interventionen, einer optimierten Ressourcennutzung und einer ganzheitlichen, patientenzentrierten Versorgung.

Das Konzept des „Wundgleichgewichts” befasst sich mit diesen Bedürfnissen und zielt darauf ab, ein ganzheitliches Bild des Patienten und seiner Wunde zu erstellen, damit Ärzte und Pflegefachpersonen ein Gleichgewicht zwischen den vielen Facetten der Wundversorgungsplanung und den erreichbaren Zielen herstellen können.

Auf der Grundlage der Erkenntnisse eines globalen Netzwerks von Wundversorgern, die die Wund-Balance in ihren klinischen Einrichtungen für eine Vielzahl von Wundursachen eingeführt haben, zielt das WUWHS-Konsensdokument darauf ab, praktische Tipps und umsetzbare Erkenntnisse für Wundversorger auf der ganzen Welt bei der Implementierung und Erreichung von Wound-Balance-Ergebnissen für ihre Patienten zu liefern. Die Empfehlungen der WUWHS gelten gleichermaßen für alle Wundversorger in allen klinischen Einrichtungen, einschließlich Podologen, Gefäßspezialisten, Allgemeinmedizinern und Akutversorgern.

Weitere hochkarätige Referentinnen und Referenten befassten sich mit

  • der rechtzeitigen Erkennung von Wundheilungsstörungen wie unausgeglichenen Biomarkern und schwerheilenden Wunden, um eine frühzeitige Therapie einleiten zu können,
  • der Infektionsprävention,
  • der Bedeutung und dem klinischen Nutzen von SAP-Wundauflagen,
  • der Prävention von Dekubitalulzera,
  • den positiven Auswirkungen durch den Einsatz eines SAP-Silikonverbandes auf die proinflamatorischen Zytokine für den Wundheilungsverlauf,
  • der Bedeutung des Exsudatmanagements
  • und vielem anderen mehr.

Menschenmenge vor einem HARTMANN-Tisch mit Produkten zur Wundversorgung im Gespräch

Erster Kongresstag

Preview Poster

Am ersten Kongresstag wurden Parallelvorträge zum Therapieansatz der Unterdruck-Wund-Therapie (NPWT) bei unterschiedlichen Indikationsstellungen angeboten, z. B. Vermeidung von postoperativen Wundinfektionen und nekrotisierende Fasziitis.

Ein zentraler Bestandteil des Kongresses waren die Posterpräsentationen, die innovative Forschungsansätze und Therapieformen anschaulich darstellten. Zwei Beiträge aus Deutschland wurden angenommen, darunter das Poster von Britta Steenfatt (Wundzentrum Hamburg e.V.) mit dem Titel:

„Wound Balance concept: A Partnership-based therapy of chronic wounds, with the patient Gemeinsames Vorgehen in der Wundversorgung mit Patientinnen/Patienten“

Ein klares Ziel und definierte Maßnahmen sind eine gute Basis, um das Patienten-Versorger-Team und somit die Wunde nicht aus der Balance kommen zu lassen. Treten Störfaktoren und Stolpersteine aber auf, werden sie schnell erkannt und durch geeignete Maßnahmen ausgeglichen. Das Poster zeigt einen klaren und strukturierten Weg auf, die Therapieziele gemeinsam mit dem Patienten effektiv und somit nachhaltig zu erreichen.

Der zweite Posterbeitrag kam von Sebastian Kruschwitz, Zentrum für Beatmung und Intensivpflege GmbH, „Categorization of the tracheostoma and its wound enviroment according to Kruschwitz“.

Ebenso fanden praxisorientierte Workshops zur Kompressionstherapie und Produktanwendungen großes Interesse und boten einen offenen Austausch.
Innovative Formate wie die Virtual-Reality-Demonstrationen boten eine einzigartige Lernerfahrung: Teilnehmende konnten interaktiv die passende Wundauflage für verschiedene Wundsituationen auswählen und die Versorgung simulieren.

Ein gemeinsames Dinner am Abend des ersten Kongresstages bot Raum für vertiefte Gespräche und eine internationale Vernetzung. Der LINK-Kongress 2025 hat eindrucksvoll gezeigt, wie wichtig der interdisziplinäre Austausch und die gemeinsame Weiterentwicklung von Standards in der Wundversorgung sind.

Vorträge und Podiumsdiskussionen

Ein diesjähriges Highlight waren die deutschsprachigen Vorträge und Podiumsdiskussion.

Wund-Balance – der Weg zu einer ganzheitlichen Versorgung

Prof. Dr. Ewa Stürmer hat an Praxisbeispielen die Umsetzung des Wund-Balance-Konzeptes in ihrem klinischen Alltag anschaulich aufgezeigt. Oberstes Ziel ist für sie die Verbesserung der Versorgungsqualität. Dazu gehört die patientenzentrierte Wundversorgung unter Einbeziehung der Lebensbedingungen, der individuellen Patientenziele, der Adhärenz der Betroffenen, des Umfelds und der pflegenden Angehörigen. Dazu gehört auch die Patientenedukation mit Beraten, Schulen und Anleiten.

Um die Balance in der Wunde zu erreichen, stehen zahlreiche therapeutische Interventionen zur Verfügung. Zum einen das Débridement, in seinen unterschiedlichen Ausprägungen, das T.I.M.E.R.S. Konzept und die Lokaltherapie inkl. geeigneter Wundauflagen. Eine besondere Bedeutung hat der Einsatz von SAP-Wundauflagen mit vier Wirkungsweisen.

  1. Absorption: Aufnahme von Wundinhibitoren, Mikroorganismen
  2. Sequestrierung: Hemmfaktoren der Wundheilung (z. B. Proteasen), Mikroorganismen werden ferngehalten
  3. Retention: Hemmfaktoren der Wundheilung (z. B. Proteasen), Mikroorganismen werden immobilisiert
  4. Entfernung: Hemmfaktoren der Wundheilung, Mikroorganismen werden mit dem Verband entfernt

Die Wundbalance kann ggf. durch die Modulation von Biomarkern, z. B. Matrix-Metalloproteinase (MMP), ebenfalls verbessert werden.

Prof. Dr. Ewa Stürmer Portrait

Vortrag von Prof. Dr. Ewa Stürmer

Therapie von UCV, SAP Wundauflage und Kompression

Im Vortrag von Bianca Buck wurden anhand von Anwendungsbeispielen die Vorteile von Mehrlagen-Kompression-Systeme in Verbindung mit SAP-Wundauflagen dargestellt.

Vortrag von Bianca Buck

Podiumsdiskussion „Masterplan 2030 – Wundversorgung“

Unter der Leitung von Prof. Roger Jaeckel von HARTMANN haben unterschiedliche Professionen übergreifend über die Erfordernisse, Strukturen und nötige Veränderungen im Gesundheitswesen diskutiert. Teilnehmer waren ein Vertreter der Kostenträger, der Soziologie, der Leistungserbringer ambulante Pflege, der stationären Versorgung, der Forschung und Lehre sowie des Bundesverbands der Medizintechnologie.
Teilnehmer einer Podiumsdiskussion
Von links nach rechts Prof. Roger Jaeckel, Head of Governmental Affairs & Healthcare Management der PAUL HARTMANN AG /Markus Lehner, Bereich Arzneimittelversorgung, Fachbereich Arzneimittelmanagement der AOK Bayern / Prof. Dr. Daniel Buhr, Soziologe, Leiter des Steinbeis Transferzentrum Soziale und Technische Innovation, Tübingen / Toni Kollmeier, Geschäftsleitung, Ambulanter Pflegedienst Kollmeier GmbH, Bad Tölz / Prof. Dr. Ewa Stürmer, Chirurgische Leitung Comprehensive Wound Center, Leitung Translationale Wundforschung, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf / Miriam Rohloff, Referentin der Geschäftsführung, Bundesverband Medizintechnologie, BVMed

Die Leitfragen dabei waren:

  • Wie können wir gemeinsam den Herausforderungen in der Versorgung von Menschen mit chronischen Wunden begegnen?
  • Welcher strukturellen Veränderungen bedarf es in Zukunft, um eine qualitative Versorgung zu sichern?
  • Welche Ressourcen unter Berücksichtigung der Wirtschaftlichkeit werden dafür benötigt?

Diese Fragestellungen wurden offen, konstruktiv und kontrovers diskutiert. Es herrschte ein Konsens darüber, dass in Zukunft nur begrenzte Ressourcen zur Verfügung stehen. Dies bezog sich sowohl auf die Finanzierung, auf die fortschreitenden demographischen Veränderungen in unserer Gesellschaft und auf den sich verschärfenden Fachkräftemangel in den nächsten Jahren.

Mögliche Lösungsansätze sind eine stärkere Vernetzung der Sektoren, die Beschleunigung der Digitalisierung als flächendeckender Standard, eine nationale Wundstrategie und eine einheitliche, sektorübergreifende Versorgungslösung. Hierbei wird Expertenwissen, sowohl in der Versorgung bei den Leistungserbringern als auch organisatorisch eine weiter zunehmende Bedeutung haben.

Um eine qualitative hochwertige Wundversorgung auch in Zukunft zu gewährleisten, bedarf es im ersten Schritt eines offenen Austausches und der Kommunikation untereinander, um konstruktive Lösungen zu erarbeiten und dann in die Umsetzung zu bringen.

Die PAUL HARTMANN AG sieht diesen ersten positiven Austausch als Anlass, auch in Zukunft gemeinsam an zukunftsorientierten Versorgungslösungen und ganzheitlichen Behandlungskonzepten zu arbeiten.

LINK

LINK ist eine Plattform für den Erfahrungsaustausch und zur Vernetzung von internationalen Expertinnen und Experten in der Wundversorgung. Gemeinsam streben wir danach, die Versorgung von Wunden zum Wohle der Patientinnen, Patienten und der medizinischen Fachkräfte zu verbessern.

Die zahlreichen positiven Rückmeldungen der Teilnehmer bestätigen uns darin, dass wir mit dem LINK-Kongress 2025 dieses Ziel gemeinsam erreicht haben. Gemeinsam zusammen zu wachsen, ist uns eine Verpflichtung.

Weitere Informationen über den LINK-Kongress finden Sie auf der LINK-Website.