Ausbruchsmanagement

Für den Ausbruchsfall planvoll vorbereitet sein

Ob Corona-, Noro- oder Influenza-Viren – Ausbrüche in Alten- und Pflegeheimen sind immer eine ernste Bedrohung für Gesundheit und Leben von Bewohnern und Personal. Umso wichtiger ist eine planvolle Vorbereitung.

HARTMANN unterstützt Alten- und Pflegeheime dabei mit geeigneten Produkten, Schulungs- und Informationsmaterial sowie einer kompetenten persönlichen Beratung.

Gefahr für Bewohner und Personal

Hand hält eine Stoppuhr
Oft kann es sehr schnell gehen. Wurde ein Virus in die Einrichtung eingeschleppt, kann innerhalb kürzester Zeit ein hoher Prozentsatz an Bewohnern und Personal erkranken. Dann bleibt kaum mehr Zeit, die „Virenabwehr“ zu organisieren und die notwendigen Materialien für die erforderlichen Schutz- und Hygienemaßnahmen bereitzustellen.

Alle Mitarbeiter sollten daher zum einen schon vorab gründlich zum notwendigen Hygienemanagement geschult sein. Im Ausbruchsfall hilft ein vorbereiteter Hygieneplan bei der Infektionsprävention.

Zum anderen muss für ein perfekt organisiertes und effizientes Ausbruchsmanagement in der Einrichtung immer adäquates Schutz- und Hygienematerial bereit liegen, um nach den Richtlinien und Empfehlungen der KRINKO beim RKI arbeiten und den Ausbruch eindämmen zu können.

Teilnehmer einer Schulung

Schutz- und Hygienematerialien

farbige Stapelkisten im Regal. Rechts unten eine Abbildung der Downloadelemente

Die Bevorratung und Lagerung der Schutz- und Hygienematerialien sollte möglichst planvoll erfolgen und die Menge der Anzahl der Mitarbeiter entsprechen. Besonders praktisch ist ein Infektionsset mit Schutzkleidung, Desinfektionsmaterial und allen notwendigen Informationen und weiteren Hilfsmitteln.

Was genau in solch ein Set gehört, zeigt die praktische Checkliste zum Download.

Wichtige Prozesse

Gang eines Pflegeheims mit Pflegekräften und Bewohnern
Information und Unterweisung 
Da wäre zunächst die Information und Unterweisung von Bewohnern, Besuchern und anderen Kontaktpersonen. Sie sollten in das Hygiene­management mit einbezogen werden und beispielsweise in korrekter Händehygiene mit einem wirksamen Mittel unterwiesen und über die Infektionsrisiken informiert werden
leeres Zimmer im Seniorenwohnheim
Patientenisolation

Um einer fäkal-oralen Übertragung von Viren vorzubeugen, ist die Isolation von erkrankten Patienten angeraten – und das auch bereits bei begründetem Verdacht. Wenn möglich sollten die Erkrankten ein eigenes WC verwenden – oder ggf. eine ganze sogenannte Kohorte von Erkrankten isoliert werden.

Sind Kolleginnen und Kollegen erkrankt, werden diese freigestellt – auch bei geringen gastrointestinalen Beschwerden. Sie sollten ihre Arbeit erst frühestens zwei Tage nach Ende der klinischen Symptomatik unter sorgfältiger Beachtung der Händehygiene wieder aufnehmen.

Mit zur Isolation der Patienten gehört es, Pflegeutensilien nur personenbezogen zu verwenden und gründlich zu desinfizieren. Und die Bewegung von Bewohnern und Personal zwischen verschiedenen Bereichen der Einrichtung sollte auf ein Mindestmaß reduziert werden.

Die Persönliche Schutzausrüstung (PSA)

Die Persönliche Schutzausrüstung, kurz als PSA bezeichnet, dient besonders in der symptomatischen Phase zum Schutz vor kontaminierten Flüssigkeiten und sollte bei der Pflege von erkrankten Patienten angelegt werden. Die persönliche Schutzausrüstung muss der TRBA 250 zufolge in „ausreichender“ Stückzahl vorgehalten werden. Dabei bezieht sich „ausreichend“ sowohl auf die Zahl der Beschäftigten als auch auf die Vorhaltung von Schutzkleidung bei speziellen Infektionsgefahren, beispielsweise eben bei Noroviren-Ausbrüchen. Die Pflegenden sind verpflichtet, die für ihre Tätigkeit vorgesehene Schutzausrüstung zu tragen.

Pflegekraft zieht Schutzkittel an
Schutzkittel
Da wäre zunächst ein Schutzkittel, vorzugsweise flüssigkeitsdicht und zum Einmalgebrauch. Er hilft, einer Kontamination der Bereichskleidung bei der Pflege vorzubeugen. Der Einmal-Schutzkittel sollte möglichst nach jedem Gebrauch gewechselt und im Bewohnerzimmer entsorgt werden, denn dadurch kann eine Keimverbreitung am wirkungsvollsten unterbunden werden.
Pflegekraft zieht Einmalhandschuhe an
Einmalhandschuhe
Für jede Tätigkeit bei und direkt an infizierten Patienten sind Einmalhandschuhe zu tragen, am besten latexfrei, um die Gefahren einer Latexallergie auszuschließen. Auch die Einmalhandschuhe werden nach Gebrauch sofort in einem geeigneten Abwurfbehälter entsorgt. Und ganz wichtig: Das Tragen von Handschuhen ersetzt nicht die Händedesinfektion!
Pflegekraft zieht Schutzmaske an
Schutzmaske
Das nächste Teil ist eine Schutzmaske, wenn mit dem Verspritzen oder Versprühen infektiöser oder potenziell infektiöser Flüssigkeit zu rechnen ist.
Pflegekraft zieht Schutzbrille über
Schutzbrille
Wird eine extreme Aerosolbildung erwartet, beispielsweise durch Erbrechen, kommt zusätzlich noch eine Schutzbrille zum Einsatz.

Das richtige Anziehen der PSA

Wichtig in diesem Zusammenhang ist das richtige Anziehen und auch das korrekte Ausziehen, was oft vergessen wird. Wie läuft es richtig ab?

Frau zieht Schutzkittel an
1. Schutzkittel anziehen
Einen flüssigkeitsdichten und keimundurchlässigen Schutzkittel anlegen. Darauf achten, dass der Körper vom Nacken bis zu den Knien sowie bis zu den Handgelenken vollständig bedeckt ist.
Frau legt Mundschutz an
2. Mund-Nasen-Schutz (MNS) anlegen
Ein MNS sollte angelegt werden, wenn mit einer Kontamination mit Blut, Körperflüssigkeiten, Sekreten und Exkreten zu rechnen ist.
Frau zieht Schutzbrille an
3. Schutzbrille anziehen
Bei Tätigkeiten am Patienten, bei denen erregerhaltige Tröpfchen oder Aerosole auftreten können, ist eine Schutzbrille zu tragen, z. B. bei zu erwartendem Erbrechen von Patienten mit Norovirus- Infektion.
Anziehen von Schutzhandschuhen
4. Medizinische Einmalhandschuhe anziehen
Medizinische Einmalhandschuhe sind u. a. zu tragen, wenn Kontakt mit erregerhaltigen Materialien, Gegenständen oder Flächen zu erwarten ist. Wichtig: Die Einmalhandschuhe über die Ärmelbündchen ziehen.

Das richtige Ausziehen der PSA

Auch beim Ausziehen der PSA ist die Reihenfolge entscheidend.

Grundsätzlich gilt: Nach dem Kontakt mit potenziell infektiösem Material sind die Hände gründlich zu desinfizieren. Falls zwischen den einzelnen Schritten die Gefahr einer Händekontamination bestanden hat, sollten zusätzliche Händedesinfektionen durchgeführt werden.

Ausziehen von Einmalhandschuhen
1. Handschuhe ausziehen

Die Außenseiten der Handschuhe sind potenziell kontaminiert. Beim Ablegen der Handschuhe ist daher der Hautkontakt mit der Handschuh-Außenseite zu vermeiden. Nach dem Ablegen Handschuhe umgehend im geschlossenen Behälter entsorgen.

Frau zieht sich den Schutzmantel aus
2. Schutzkittel ablegen
Zuerst die Arme aus dem Kittel ziehen. Anschließend den Einmalschutzkittel mit der kontaminierten Seite nach innen falten bzw. zusammenrollen und dem Abfall zuführen.
Frau zieht sich Schutzbrille vom Gesicht
3. Schutzbrille/ Haube absetzen
Die Brille an beiden Bügeln anfassen und nach vorne wegziehen. Danach die Schutzbrille in einem Kunststoffbehälter ablegen und aufbereiten.
Frau zieht sich den Mundschutz vom Gesicht
4. Mund-Nasen-Schutz ablegen
Den MNS abnehmen und im geschlossenen Abfallbehälter entsorgen.

Bedeutung der Händedesinfektion

Frau mit Mundschutz verreibt die Händedesinfektion

Die Bedeutung der hygienische Händedesinfektion für die Unterbrechung von Infektionsketten kann nicht oft genug betont werden. Denn Krankheitserreger werden eben am häufigsten durch die Hände übertragen. Die hygienische Händedesinfektion schützt dabei eben nicht nur den Bewohner oder Patienten, sondern eben die Pflegekraft.

  • Eine konsequente Händedesinfektion (auch beim Betroffenen) sollte noch mindestens eine Woche nach Ende der klinischen Erscheinungen weitergeführt werden.

  • Beim Auftreten von Norovirus-Infektionen oder -Ausbrüchen sind gemäß RKI für die hygienische Händedesinfektion Produkte mit dem Wirkungsspektrum begrenzt viruzid PLUS oder viruzid zu verwenden.

Bedeutung der Flächendesinfektion

Auch die Flächendesinfektion ist eine wichtige Schutzmaßnahme, gerade weil das Noro-Virus auf unbelebten Flächen so lange überlebt. Damit können Mitarbeiter über einen langen Zeitraum Gefahr laufen, in Kontakt mit kontaminierten Flächen zu kommen, womit wiederum das Kolonisierungsrisiko steigt, insbesondere wenn in den entsprechenden Situationen keine Händedesinfektion durchgeführt wird.

behandschuhte Hand desinfiziert Griff mit einem Tuch

Tipps

Icon Türgriff
Patientennahe Flächen sowie Türgriffe sind täglich zu desinfizieren.
Icon erhobener Zeigefinger
Auch bei der Flächendesinfektion gilt es, das Wirkungsspektrum des verwendeten Desinfektionsmittels zu beachten.
Icon Hand mit Flächendesinfektionstuch
Kontaminierte Flächen (bspw. durch Stuhl oder Erbrochenes) sollten schnellstmöglich und nach Anlegen eines geeigneten Atemschutzes gezielt desinfizierend gereinigt werden.
Icon zwei zugebundene Säcke
Bett- und Leibwäsche als infektiöse Wäsche in einem geschlossenen Wäschesack transportieren und dann mit einem chemo-thermischen Waschverfahren mit über 60 °C reinigen.

Meldepflichten

Stempel mit Aufschrift "Gesundheitsamt"

Infektionen mit Noroviren unterliegen gemäß dem Infektionsschutzgesetz der Meldepflicht an das Gesundheitsamt. Das gilt für folgende Fälle:

  • Erkrankungsfälle einer akuten Gastroenteritis, wenn mindestens zwei zusammenhängende Erkrankungsfälle auftreten (also ein Ausbruch vorliegt) oder wenn die erkrankte Person Umgang mit Lebensmitteln hat oder in Gemeinschaftsverpflegungseinrichtungen wie z. B. Küchen tätig ist. Das gilt alles auch schon beim Verdachtsfall. Definiert ist dies in § 6 des Infektionsschutzgesetzes.

  • Außerdem ist dem Gesundheitsamt der Nachweis von Noroviren aus dem Stuhl oder anderem Untersuchungsmaterial zu melden. Dies sagt § 7 des Infektionsschutzgesetzes.

Die Regelungen für Altenpflegeeinrichtungen sind dabei nicht so strikt wie in Krankenhäusern und ambulanten OP-Zentren, aber dennoch trägt der Gesetzgeber dem relativ hohen Gefährdungspotenzial von Bewohnern und Pflegepersonal auch hier Rechnung.

PUSH® Hygiene

Hygiene- und Desinfektionspläne schnell und sicher erstellen

Der digitale Manager für maßgeschneiderte Hygiene- und Desinfektionspläne hilft Ihnen, im Ausbruchsfall entsprechend vorbereitet zu sein. Planen Sie die notwendigen Regelungen und Schritte im Vorfeld. Denn Infektionsketten können nur durch die strenge Beachtung von Hygienevorschriften und Richtlinien unterbrochen werden und dabei ist eine gute Vorbereitung für Bewohner/Patienten und Mitarbeitenden von entscheidender Bedeutung.

Checkliste Infektionsset

Mit der „Checkliste Infektionsset“ hat man jederzeit die Kontrolle über den Bestand und die Haltbarkeit aller Produkte, die für den Ausbruchsfall benötigt werden.

Checklisten Ausbruchsmanagement / PHI26_01_03

Fax- und E-Mail-Bestellblatt

Ausbruchsmanagement Bestellblatt PHI26_01_03
Alle für Ihr Infektionsset benötigten HARTMANN Produkte können Sie ganz einfach per Fax oder E-Mail bestellen. Nur Stückzahl und Kundendaten eintragen und an HARTMANN senden.

Poster „PSA richtig an- und ausziehen“

Wie man alle Bestandteile der persönlichen Schutzausrüstung (PSA) korrekt an- und wieder auszieht und wie man dabei die Hände desinfiziert, zeigt anschaulich das Poster des ­HARTMANN ­SCIENCE CENTER.
Desinfektion | An- und Auszeihen der Persönlichen Schutzausrüstung in richtiger Reihenfolge PHI25_01_36