Digitales Wundmagazin
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Wundexsudat („Sekret“ oder „Wundflüssigkeit“)1 entsteht im Rahmen des Heilungsprozesses ganz natürlich.2
In der falschen Menge oder Zusammensetzung oder am falschen Ort kann es jedoch klinisch problematisch werden.4,6,10,11
Das neueste WUWHS-Konsens-Dokument nennt speziell drei wichtige Aspekte für das effektive Management von Wundexsudat:3

Zur Produktion von Wundexsudat im Übermaß oder in der falschen Zusammensetzung kommt es insbesondere bei nicht heilenden Wunden. Dies kann zu einem erhöhten Gehalt an entzündungsfördernden Zytokinen, MMP2 und MMP9 sowie einem geringeren Gehalt an Wachstumsfaktoren führen.6,7,13,14
Hierdurch wird der Heilungsprozess gestört, da Zellproliferation und -migration behindert werden.
Erfahren Sie mehr über die Unterschiede bei der Zusammensetzung von Wundexsudat:
| Exsudatbestandteil/- merkmal | Konzentration in nicht heilenden Wunden (im Vergleich zu heilenden/akuten Wunden) | Anmerkungen |
| Entzündungsauslösende Zytokine | Höher | Zellsignalmoleküle (Zytokine), die den Entzündungsprozess stimulieren, können die MMP-Konzentration in Relation zur Konzentration von Proteinen, die die MMP-Aktivität hemmen, erhöhen, was letztendlich die MMP-Aktivität steigert |
| Matrix- Metalloproteases*: MMP-2 und MMP-9 | 10-25 x mehr | Hohe MMP-Werte können zu einem Abbau der Wachstumsfaktoren führen, und wenn die extrazelluläre Matrix (EZM) genauso schnell abgebaut wie aufgebaut wird, oder sogar noch schneller, wird die Heilung verlangsamt bzw. angehalten |
| Wachstumsfaktoren | Geringer | Wachstumsfaktoren stimulieren die Proliferation und Migration von Zellen, die an der Neubildung von Blutgefäßen, an der Epithelialisierung und Wundkontraktion sowie an der Bildung extrazellulärer Matrix beteiligt sind. In nicht heilenden Wunden ist die Konzentration an Wachstumsfaktoren geringer als in heilenden Wunden, was wahrscheinlich am Abbau proteolytischer Enzyme liegt |
| Mitogene Aktivität** | Geringer | Die Proliferation von Fibroblasten (Mitose), ein entscheidender Aspekt der Wundheilung, wird durch die Flüssigkeit aus nicht heilenden Wunden deutlich weniger stark stimuliert als durch die aus heilenden Wunden |
Tabelle 2: Beispiele für Unterschiede in der Zusammensetzung von Wundexsudat zwischen nicht heilenden und heilenden Wunden
(Yager et al., 1996; Trengove et al., 1999; Trengove et al., 2000; Barrientos et al., 2008; Schultz et al., 2011; Stacey, 2018)
*Matrix-Metalloproteasen (MMP) werden von Makrophagen, Endothelzellen und Epidermiszellen freigesetzt. Sie bauen Proteine ab, auch die der extrazellulären Matrix.
**Fähigkeit von Wundexsudat zur Stimulation der Fibroblastenproliferation.
Zu starke Exsudatproduktion:
• Führt häufig zu austretender Flüssigkeit, Verschmutzung und Geruchsentwicklung.
• Kann zu Beschädigung der wundumgebenden Haut und einer Vergrößerung der Wunde beitragen.
• Kann das gesellschaftliche Leben durch Ängste und Schamgefühl sowie aufgrund häufiger Verbandswechsel beeinträchtigen.
Die Optimierung des Feuchtigkeitsgehalts des Wundbetts beginnt mit der Beurteilung der Exsudatmenge. Das Konsens-Dokument der WUWHS von 2019 (Link zum 2019WUWHS-Konsens-Dokument) bevorzugt den Wundexsudat-Score nach Falanga. Er umfasst drei einfache Einstufungen9:
Wundauflagen spielen für das Management des Feuchtigkeitsgehalts des Wundbetts eine zentrale Rolle.3 Erstmals nennt das neueste WUWHS-Konsens-Dokument superabsorbierende Polymer-Wundauflagen (SAP-Wundauflagen) als für sowohl Stufe 2 als auch 3 des Wundexsudat-Scores nach Falanga geeignet.
SAP-Wundauflagen sind hocheffektiv: Sie können Flüssigkeit auch unter Kompression sicher einschließen und bieten eine hohe Moisture Vapor Transmission Rate (MVTR). Ärzte schätzen SAP-Wundauflagen zunehmend, da sie ihnen bei der Behandlung chronischer und akuter Wunden viel Flexibilität bieten.3

| Methode | Einzelheiten | |||
Wundexsudat-Score (Falanga, 2000)* | Wundexsudat- Score | Grad der Kontrolle | Exsudatmenge | Verbandbedarf |
| 1 | Komplett | Keins/minimal | Keine saugfähigen Wundauflagen erforderlich. Falls klinisch machbar, sollte der Verband bis zu eine Woche verbleiben | |
| 2 | Partiell | Mäßige Mengen | Verbandwechsel alle 2-3 Tage erforderlich | |
| 3 | Unkontrolliert | Stark exsudierende Wunde | Mindestens einmal täglich Wechsel der saugfähigen Wundauflage | |
Element Exsudatmenge des Bates-Jensen Wound Assessment Tool (Bates-Jensen, 2001) | Exsudatmenge | Indikatoren | ||
| Keins | Wundgewebe trocken | |||
| Kaum | Wundgewebe feucht, kein messbares Exsudat | |||
| Klein | Wundgewebe nass, Feuchtigkeit gleichmäßig über die Wunde verteilt, Sättigung der Wundauflage ≤25 % | |||
| Mäßig | Wundgewebe durchnässt, Feuchtigkeit vielleicht gleichmäßig über die Wunde verteilt, vielleicht auch nicht, Sättigung der Wundauflage > 25 % bis ≤ 75 % | |||
| Groß | Wundgewebe schwimmt in Flüssigkeit, Wundflüssigkeit wird frei abgesondert, Feuchtigkeit vielleicht gleichmäßig über die Wunde verteilt, vielleicht auch nicht, Sättigung der Wundauflage > 75 % | |||
Wechselwirkung Wundauflage/ Exsudat (WUWHS, 2007) | Status | Indikatoren | ||
| Trocken | Wundbett ist trocken, keine sichtbare Feuchtigkeit und die primäre Wundauflage ist fleckenlos, Wundauflage könnte an der Wunde kleben | |||
| Feucht | Kleine Flüssigkeitsmengen sind beim Entfernen der Wundauflage sichtbar, die primäre Wundauflage könnte leicht befleckt sein, Häufigkeit der Verbandwechsel je nach Wundauflagentyp | |||
| Nass | Kleine Flüssigkeitsmengen sind beim Entfernen der Wundauflage sichtbar, die primäre Wundauflage ist stark befleckt, aber nicht durchnässt, Häufigkeit der Verbandwechsel je nach Wundauflagentyp | |||
| Gesättigt | Die primäre Wundauflage ist nass und durchnässt, Verbandwechsel häufiger erforderlich als für den Wundauflagentyp vorgesehen, Wundumgebungshaut kann mazeriert sein | |||
| Undicht | Das Verbandmaterial ist gesättigt und Exsudat dringt durch die primäre und sekundäre Wundauflage in die Kleidung und andere Textilien ein, Verbandwechsel sehr viel häufiger erforderlich als für den Wundauflagentyp vorgesehen | |||
Wundauflagen spielen für das Management des Feuchtigkeitsgehalts des Wundbetts eine zentrale Rolle.3
Erstmals nennt das neueste WUWHS-Konsens-Dokument superabsorbierende Polymer-Wundauflagen (SAP-Wundauflagen) sowohl Stufe 2 als auch 3 des Wundexsudat-Scores nach Falanga geeignet.
Superabsorbierende Polymer-Wundauflagen (SAP-Wundauflagen) sind dank folgender Eigenschaften hilfreich:
Ärzte schätzen SAP-Wundauflagen zunehmend, da sie ihnen bei der Behandlung chronischer und akuter Wunden viel Flexibilität bieten.3
Bei stark sezernierenden Wunden sind die Absorptions- und Retentionskapazität der Wundauflage besonders wichtig. Werden diese überschritten, kann dies insbesondere für die Wundumgebung schwerwiegende Folgen haben. Zu starke Exsudatproduktion bei nicht heilenden Wunden:
Studien zeigen, dass erhöhte Protease-Spiegel dazu führen, dass die Wunde mit 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit nicht heilt.3
Ist die Haut diesen erhöhten Werten proteolytischer Enzyme länger ausgesetzt, kann es zu Mazeration und Hauterosion kommen. Mazeration ist ein Aufweichen der Haut durch längeren Kontakt mit Feuchtigkeit und proteolytischen Enzymen, was zu Hautschädigung führen kann.10
Bei geschädigter Haut sind Reizung und Entzündung wahrscheinlicher.16 Hierdurch kann sich die Wunde vergrößern, was für den Patienten Schmerzen und Unwohlsein bedeutet.10 Eine Studie ergab, dass 70 % der Patienten unter einer Beschädigung der wundumgebenden Haut litten, die als trockene Haut, Mazeration, Exkoriation oder Entzündung eingestuft wurde.17

Übermäßige Exsudatproduktion kann schwerwiegende psychosoziale Auswirkungen auf die Patienten haben und ihre Lebensqualität beeinträchtigen.11 Patienten sind hiervon körperlich, mental und sozial betroffen:
Patienten verlassen deswegen möglicherweise das Haus nicht mehr.1
68 % aller Patienten berichteten von negativen emotionalen Auswirkungen im Alltag mit Symptomen wie Wutgefühlen, Depression und sozialer Isolation.18
SAP-Wundauflagen können dazu beitragen, diese Probleme zu reduzieren:
Folglich können SAP-Wundauflagen dazu beitragen, den Stress und die soziale Isolation von Patienten mit mäßig bis stark sezernierenden Wunden zu reduzieren. So können Patienten das Selbstvertrauen erneut aufbauen, das sie für ein aktives soziales Leben benötigen.

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1. World Union of Wound Healing Societies (2007)Principles of best practice: wound exudate and the role of dressings. A consensus document. London: MEP Ltd. Verfügbar unter:www.woundsinternational.com
2. Lloyd Jones M (2014) Exudate: friend or foe?Br J Community Nurs(Suppl): S18–23
3. World Union of Wound Healing Societies (WUWHS) (2019) Consensus Document.Wound exudate: effective assessment and management.WoundsInternational.London: MEP Ltd. Verfügbar unter:www.woundsinternational.com
4. Trengove N, Langton SR, Stacey MC (1996)Biochemical analysis of wound fluid from nonhealing and healing chronic leg ulcers.Wound Rep Reg 4(2): 234–9
5. White R, Cutting KF (2006)Modern exudate management: a review of wound treatments.World Wide Wounds. Verfügbar unter:www.worldwidewounds.com/2006/september/White/Modern-Exudate-Mgt.html
6. Cutting KF (2003)Wound exudate: composition and functions.Br J Community Nurs 8(9 Suppl): suppl 4–9
7. Gibson D, Cullen B, Legerstee R et al (2009)MMPs Made Easy.Wounds International 2 1(1).Verfügbar unter:www.woundsinternational.com
8. Moore Z, Strapp H (2015)Managing the problem of excess exudate.Br J Nurs 24(15): S12–7
9. Falanga V (2000)Classifications for wound bed preparation and stimulation of chronic wounds. Wound Rep Reg 8(5): 347–52
10. Voegeli D (2012)Moisture-associated skin damage: aetiology, prevention and treatment.Br J Nurs 21 (9): 517–21
11. Benbow M, Stevens J (2010)Exudate, infection and patient quality of life.Br J Nurs 19(20): S30–6
12. Gethin G, Grocott P, Probst S, Clarke E (2014)Current practice in the management of wound odour: an international survey.Int J Nurs Studies 51: 865–74
13. Chamanga E. Effectively managing wound exudate.Br J Community Nurs. 2015 Sep;Suppl Wound Care:S8, S10. doi: 10.12968/bjcn.2015.20.Sup9.S8.
14. Caley M et al. Metalloproteinases and Wound Healing. Adv Wound Care (New Rochelle). 2015 Apr 1; 4(4): 225–234. doi: 10.1089/wound.2014.0581
15. Dowsett C (2012) Management of wound exudate. Independent Nurse. Verfügbar unter: www.independentnurse.co.uk/clinical-article/management-of-wound-exudate/63637/
16. Wounds UK (2013) Best Practice Statement. Effective exudate management. London: Wounds UK. Verfügbar unter:www.wounds-uk.com
17. World Union of Wound Healing Societies (2016) Advances in wound care: the triangle of wound assessment. London: Wounds International. Verfügbar unter:www.woundsinternational.com
18. Swezey L (2014) Moist wound healing. Wound Educators. Verfügbar unter:https://woundeducators.com/wound-moisture-balance/