Wundinfektionen vermeiden: Hygieneregeln beim Verbandwechsel

Eine offene Wunde ist eine ideale Eintrittspforte für krankmachende (pathogene) Bakterien. Deshalb stellt jeder Verbandwechsel ein hohes Infektionsrisiko dar, das nur durch die strikte Einhaltung grundlegender Hygieneregeln minimiert werden kann.
von der HARTMANN Online-Redaktion

Die Infektion der Wunde ist die folgenschwerste Störung der Wundheilung. Sie wird durch die verschiedensten Mikroorganismen verursacht, die in die Wunde eindringen, sich dort vermehren und dabei schädigende Giftstoffe erzeugen. Das Infektionsgeschehen ist zumeist örtlich begrenzt und führt durch Gewebszerstörungen mit Nekrosenbildung zu unterschiedlich schweren Wundheilungsstörungen. Jede lokal begrenzte Infektion kann sich aber auch über die Blut- und Lymphbahnen bis hin zu einer akut lebensbedrohlichen Sepsis (Blutvergiftung) ausweiten.


Ein Verbandwechsel hat deshalb ausschließlich unter keimfreien Bedingungen zu erfolgen und zwar in allen medizinischen und pflegerischen Bereichen, auch in der häuslichen Kranken- und Altenpflege. In der geriatrischen Pflege ist zudem zu beachten, dass gerade der ältere Wundpatient durch die häufig vorliegende Multimorbidität und den schlechten Immunstatus mit Abwehrschwäche besonders infektionsgefährdet ist.


Des Weiteren spielt die Wundursache im Hinblick auf die Infektionsgefährdung eine große Rolle. So tragen beispielsweise Patienten mit arteriellen und diabetischen Ulzera sowie Dekubitus ein extrem hohes Infektionsrisiko. Unheil droht Wundpatienten aber auch durch das verstärkte Auftreten antibiotikaresistenter Keime, die bei offenen Wunden zu lebensgefährlichen Infektionen führen können. Dabei ist das Infektionsrisiko keineswegs nur auf den Krankenhausbereich begrenzt. Auch in deutschen Alten- und Pflegeheimen nimmt die Zahl der Bewohner, die mit MRSA-Keimen besiedelt sind, zu.


Diese kurze Darstellung der Infektionsrisiken beim Verbandwechsel macht deutlich, wie wichtig das hygienische, aseptische Arbeiten beim Verbandwechsel ist. Dabei ist es weder schwierig noch zeitintensiv, die grundlegenden Hygieneregeln einzuhalten. Es erfordert lediglich, sich bewusst zu machen, welchen Risiken der Wundpatient beim Verbandwechsel ausgesetzt ist. Dann dürfte es auch nicht so schwer sein, die notwendige Disziplin aufzubringen, um grundlegende Hygieneregeln korrekt zu befolgen.

Regel Nr. 1: Niemals die Wunde mit bloßen Händen berühren

  • Da die meisten Wundinfektionen durch Handkontakt übertragen werden, ist beim Verbandwechsel immer die sog. No- bzw. Non-Touch-Technik anzuwenden. Das heißt, Wunde oder Verband dürfen niemals mit bloßen Händen berührt werden.
  • Alle Behandlungsmaßnahmen an der Wunde werden ausschließlich mit sterilen Pinzetten und/oder sterilen Instrumenten durchgeführt. Zum Selbstschutz (Arbeitsschutz), und um Keimverbreitung zu vermeiden, sind jedoch auch bei der Verwendung steriler Pinzetten/Instrumente unbedingt Einmalhandschuhe zu tragen. Diese können unsteril sein, Wunde oder Verband dürfen aber damit nicht berührt werden.
Verbandwechsel einer offenen Wunde an der Fusssohle

  • Kommt man mit sterilen Pinzetten in der Handhabung nicht zurecht, weil beispielsweise die Wundverhältnisse so schwierig sind, müssen sterile Einmalhandschuhe angezogen werden. Damit dürfen dann die erforderlichen Maßnahmen an der Wunde direkt mit den Händen durchgeführt werden.
  • Wie viele sterile Pinzetten benötigt werden bzw. wie oft die sterilen/unsterilen Einmalhandschuhe gewechselt werden müssen, ist abhängig von der Wundsituation und den erforderlichen Wundpflegemaßnahmen. Ein Handschuhwechsel kann beispielsweise infolge einer Kontamination während der Reinigung (Nekrosenabtragung, Spülung, Desinfektion usw.) erforderlich werden.
  • Um Keimverbreitung zu vermeiden, müssen die Handschuhe „richtig“ ausgezogen und sofort entsorgt werden. Im Anschluss daran erfolgt eine Händedesinfektion.

Hände die Handschuhe ausziehen

Regel Nr. 2: Hygienische Händedesinfektion durchführen

  • Eine korrekt durchgeführte Händedesinfektion vor und nach dem Verbandwechsel ist eine der wichtigsten Maßnahmen zur Vermeidung von Infektionen. Sie ist auch erforderlich, wenn Einmalhandschuhe getragen werden.
  • Entsprechend professioneller Hygienerichtlinien hat eine hygienische Händedesinfektion bereits vor der Materialvorbereitung zu erfolgen. Ringe und Uhren sind vorher abzunehmen, um eine sichere Desinfektion zu gewährleisten.
  • Werden im Anschluss an eine Händedesinfektion Einmalhandschuhe angezogen, ist das vollständige Trocknen der Hände abzuwarten.
  • Nach dem Ausziehen der Einmalhandschuhe erfolgt eine abschließende Händedesinfektion (siehe oben). Damit sollen u. a. durch Handschuhperforationen eingedrungene Keime eliminiert werden.

Regel Nr. 3: Hygienisches Umfeld schaffen

Schwester mit Mund- und Kopfschutz zieht blaue Handschuhe an

  • Zur Vermeidung von Lufturbulenzen und Staubaufwirbelungen mit der damit verbundenen Keimverwirbelung sind Türen und Fenster geschlossen zu halten. Die Zahl der beim Verbandwechsel anwesenden Personen ist auf das Notwendigste zu beschränken, ebenso auch das Sprechen oder Umhergehen im Zimmer.
  • Unbedingt zu vermeiden ist das Sprechen über offenen Wunden oder Verbänden. Die Mundhöhle ist stark mit Keimen besiedelt, die beim Sprechen direkt in die Wunde gelangen.
  • Eine Mund- und Nasenmaske ist erforderlich, wenn sehr großflächige Wunden zu versorgen sind oder der Durchführende an einer Erkältung leidet. Eine Abdeckung der Haare durch eine Vlies-Haube ist bei der Versorgung großflächiger, stark infektionsgefährdeter oder bereits infizierter Wunden angebracht. Die hygienische Sicherheit wird erhöht, wenn über Bereichskleidung oder normaler Kleidung im häuslichen Bereich eine frische (Einmal-)Schürze angelegt wird.
  • Bei einem Verbandwechsel im häuslichen Bereich ist darauf zu achten, dass sich keine Haustiere – z. B. Hunde oder Katzen – im Zimmer mit dem Wundpatienten befinden. Der Grund dafür: Gefährliche, gegen Antibiotika resistente Erreger (MRSA-Erreger) können in beide Richtungen übertragen werden: von Mensch zu Tier und von Tier zu Mensch.
  • Schnittblumen oder sonstige offensichtliche Keimreservoire sind ebenfalls aus dem Verbandwechselbereich zu entfernen.