MFA desinfiziert Wunde am Unterarm eines Mannes, während der Arzt diese abtupft

Wie Sie bei Hitzewellen cool bleiben und Wunden richtig behandeln

Neue Produkte für den Praxisalltag

Sommerhitze: Belastung für Wunde und Körper

Für Ärzte und MFA, die tagtäglich chronische Wunden versorgen, ist Hitze mehr als ein saisonales Phänomen. Sie verändert das Mikromilieu der Wunde und stellt höhere Anforderungen an Verbandstoffe sowie an die Organisation im Praxisalltag.
Bei hohen Außentemperaturen verändert sich die Wundheilung grundlegend. Die Haut verliert schneller Flüssigkeit, die Mikrozirkulation wird beeinträchtigt, das Immunsystem arbeitet unter Hitzestress weniger effizient – ein perfekter Nährboden für Infektionen. Studien zeigen: Die Rate an Wundinfektionen steigt im Sommer signifikant an – unter anderem durch Schweiß, vermehrtes Exsudat und mikrobielles Wachstum unter luftdichten Verbänden.¹

Praxiswissen für heiße Tage

Checkliste Wundversorgung bei hohen Temperaturen
Im Rahmen der Versorgung chronischer Wunden sollten bei hohen Temperaturen bestimmte Abläufe und Materialien optimiert werden. Unsere kostenlose Checkliste bündelt die wichtigsten Tipps zur Wundversorgung im Sommer.

Wer ist besonders gefährdet?
Risikogruppen im Fokus

Nicht jede chronische Wunde reagiert gleich auf Hitze – und nicht jeder Patient kommt mit hohen Temperaturen gleich gut zurecht. Die folgenden Gruppen sind besonders anfällig für Komplikationen in der warmen Jahreszeit:
Häufig bereits gestörte Mikrozirkulation, vermehrte Ödembildung durch Wärme
Gestörte Schweißregulation, periphere Neuropathien, reduzierte Wundwahrnehmung
Hitze kann Gefäßtonus negativ beeinflussen, die Wundheilung wird zusätzlich erschwert
Gefahr von Hitzestau unter Verbänden, erschwerte Selbstkontrolle, Risiko durch Druckstellen
Erhöhte Schweißbildung und Reibung begünstigen Hautschäden
Hitze verstärkt die Exsudation und erhöht die Gefahr von Mazeration und Infektion
Gefahr der Überhitzung ohne adäquate Warnzeichen
Fazit: Wer ohnehin mit einer eingeschränkten Wundheilung kämpft, braucht bei Hitze eine besonders intensive Betreuung.

News für Ihre Praxis!

Hitze stellt besondere Anforderungen an Ihr Wundmanagement. Auch bei vielen weiteren Themen wie dem der Malnutrition oder neuen Verordnungen heißt es: im Bilde bleiben. Unser Newsletter hält Sie zuverlässig auf dem Laufenden: mit News aus Wissenschaft und Politik sowie Produkt- und Anwendungstipps.

Strategien & Tipps für Ihre Wundversorgung

offene Wunde am Knie wird behandelt

1. Überprüfen Sie die Wechselintervalle

  • Wunden mit höheren Exsudatmengen benötigen unter Hitzestress häufigere Kontrollen.
  • Anzeichen von Geruchsbildung oder lockere Auflagen machen einen frühzeitigen Wechsel notwendig.
  • Beobachten Sie die Wundränder auf Mazeration, insbesondere bei immobilen Patienten.
MFA desinfiziert Wunde am Unterarm eines Mannes, während der Arzt diese abtupft

2. Passen Sie Abläufe der Situation an

  • Bestellen Sie Ihre Wundpatienten möglichst früh am Tag ein.
  • Lagern Sie Ihr Wundmaterial trocken und in dunklen Räumen bei Raumtemperatur. Bei hydroaktiven Auflagen achten Sie bitte auf eine hitzebeständige Lagerung.
  • Erweitern Sie Ihre Patientendokumentation hinsichtlich Hitzesymptomen, Exsudatverhalten und Hautstatus. So werden individuelle Muster sichtbar.
Arzt im Gespräch mit Patientin

3. Klären Sie Ihre Patienten gezielt auf

  • Trinkmenge: mindestens 1,5 bis 2 Liter täglich – bei Herz- oder Nierenproblemen individuell anpassen. Wasserbooster in der Ernährung: etwa Gurken, Melonen und Suppen.
  • Kleidung: locker, luftdurchlässig, möglichst aus Baumwolle.
  • Atmungsaktive, leichte Bettwäsche: Bei starker Hitze evtl. nur Laken und Handtuch als Kopfkissenabdeckung verwenden.
  • Sonneneinstrahlung weitestgehend vermeiden: UV-Strahlung kann Wundränder übrigens zusätzlich reizen.
  • Räume kühl halten und richtig lüften: am besten nachts. Tagsüber nur morgens und abends für wenige Minuten.
  • Warnsignale vermitteln: Rötung, Hitzegefühl, vermehrte Sekretion = ab in die Praxis!
Wunde am Unterschenkel wird mit Wundauflage abgedeckt

4. Wählen Sie das richtige Verbandmaterial

  • Ein effektives Wundmanagement bei Hitze beginnt mit dem richtigen Material. Ideal sind saugstarke, atmungsaktive und temperaturstabile Wundauflagen, die die Wundumgebung stabil halten.
  • Hier eignen sich Wundauflagen ohne Silikonhaftrand. Sie halten das Risiko gering, dass sich bei Hitze verstärkt Schweiß sammeln und die Wundheilung beeinträchtigen kann.
  • Übrigens: Patienten mit Kompressionsstrümpfen können für max. 30 Minuten baden. Betroffene Hautpartien werden zuvor, wie auch beim Duschen, mit einer Duschfolie abgedeckt.

Produkte zur Wundversorgung bei Hitze

1) Rausch T.K. et al., Wound Healing and Seasonal Climate Effects, Wound Repair Regen. 2019.
2) Rausch T.K. et al., Wound Healing and Seasonal Climate Effects, Wound Repair Regen. 2019.
3) Müller G. et al., Microbial Load in Chronic Wounds During Summer, Int Wound J. 2017.