In Deutschland leiden etwa 1,5 Millionen Menschen unter einer chronischen Wunde. Deren Behandlung ist meistens langwierig und erfordert eine komplexe interdisziplinäre Therapie, die nicht flächendeckend in Deutschland angeboten wird. „Mehrere Studien haben ergeben, dass die Versorgung von Patienten mit chronischen Wunden dringend verbessert werden muss, weil sie zum Teil leider hinter wissenschaftlichen Erkenntnissen und Forderungen der Fachgesellschaften zurückbleibt", so Wundversorgungsexpertin Piossek.
Oft fehle es bei dem Thema an ausreichendem medizinischen Know-how, weil es bereits in der Ausbildung vernachlässigt werde. „Damit die Therapie einer chronischen Wunde erfolgreich sein kann, muss sie genau auf die jeweilige Phase der Wundheilung abgestimmt werden. Dies gilt auch für die Verwendung der heute dazu verfügbaren speziellen Verbandmittel. Die Wirksamkeit und Überlegenheit dieser hydroaktiven Wundauflagen im Vergleich zu konventionellen Verbänden ist seit Jahren klar in Studien belegt. Sie können Behandlungen positiv beeinflussen und entscheidend zur Heilung beitragen", sagte Piossek weiter. Moderne hydroaktive, also feuchte Wundauflagen werden bei chronischen Wunden je nach Heilungsphase angewendet. Sie sorgen dafür, dass Verbände seltener gewechselt werden müssen, die Wunden schneller heilen und Patienten dadurch weniger Schmerzen erleiden. „Dies verbessert die Lebensqualität der Betroffenen deutlich und senkt laut Studien zusätzlich die Kosten", so Piossek.
Das kürzlich in Kraft getretene Heil- und Hilfsmittelversorgungsgesetz (HHVG) stelle ausdrücklich klar, dass Patienten mit chronischen Wunden eine angemessene Versorgung mit den medizinisch notwendigen Verbandmitteln zustehe. Die richtige Versorgung von Patienten mit chronischen Wunden benötige darüber hinaus insgesamt noch einen intensiveren Austausch von Ärzten, Kliniken, Pflegekräften, Homecare-Unternehmen, Krankenkassen und den Herstellern von Wundversorgungsprodukten, so Piossek vom BVMed.