Senior sitzt am Tisch und stochert lustlos im Essen herum

Malnutrition – Störfaktor für die Wundheilung

Im Alter verläuft die Kausalkette, die zur Wundheilungsstörung führt, fast immer gleichförmig: Alter in Kombination mit Krankheit verursacht Katabolismus, Katabolismus führt zur Malnutrition, Katabolismus in Kombination mit Mangelernährung vermindert oder verhindert die Wundheilung.
Pflegerin lagert Seniorin im Bett um
Eine gestörte Wundheilung (engl.: impaired wound healing) liegt dann vor, wenn Wunden nicht oder sehr schlecht heilen. Solche Wunden werden chronische Ulzera genannt. Zu den häufigsten Wunden mit schlechter Heilungstendenz gehören die Hautulzera der älteren Menschen. Unter den vier typisch chronischen Ulzera – dem Dekubitalulkus sowie dem Ulcus cruris venosum, arteriosum und diabeticum –dürfte das Dekubitalulkus am weitesten verbreitet sein. Entsprechend der Häufigkeit chronischer Ulzera im Alter ist die gestörte Wundheilung und die Suche nach den Störfaktoren ein hoch aktuelles Thema der Geriatrie.

Fakten zum Stoffwechsel

Der Stoffwechsel oder Metabolismus steht für die Aufnahme, den Transport und die chemische Umwandlung von Stoffen in einem Organismus sowie die Abgabe von Stoffwechselendprodukten an die Umgebung. Die biochemischen Vorgänge dienen dem Aufbau und Erhalt der Körpersubstanz sowie der Energiegewinnung zur Aufrechterhaltung der Körperfunktionen.

  • Anabolismus ist der Aufbau körpereigener Bestandteile unter Verbrauch von Energie. Eine anabole Stoffwechsellage liegt beispielsweise beim Wachstum vor.
  • Katabolismus ist der Abbau körpereigener Bestandteile zum Zweck des Stoffumbaus oder der Energiegewinnung. Er ist die Reaktion des Körpers auf Belastung und immer mit einer gewissen Zerstörung von Körpersubstanz verbunden.

Beide Prozesse laufen während der Lebenszeit eines Organismus fortwährend ab, aber nie gleichzeitig in einer Zelle.

Abbildung Grafik Katabolismus

Störfaktor Katabolismus

Darstellung eines durchleuchteten Rumpfes mit sichtbarem Magen und Darm

Als Katabolismus wird der Abbaustoffwechsel zur bedarfsgerechten Energiegewinnung bezeichnet. In einer katabolen Phase werden chemisch komplexe Stoffe wie Proteine mithilfe verschiedenster Zytokine in einfachere Stoffe wie Aminosäuren abgebaut. Zytokine sind sog. Botenstoffe zur Signalübertragung zwischen den Zellen und zur Steuerung biologischer Prozesse.

Ein Beispiel dazu: Bei geringer Energieaufnahme durch die Nahrung wechselt der Körper in eine katabole Phase mit dem Ziel, durch Zerstörung/Abbau der Muskelzellen die für den Körper (lebens)notwendige Energie bereitzustellen.

Ein kataboler Stoffwechsel ist bei alten Menschen häufig anzutreffen, weil die Kombination Alter und Krankheit schneller zum Katabolismus führt als bei jüngeren Patienten. Katabolismus im Alter aber verursacht immer Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust, das Risiko der Mangelernährung (Malnutrition) erhöht sich oder die Ernährungssituation verschlechtert sich weiter, wenn bereits eine Mangelernährung besteht. Im Zustand des katabolen Stoffwechsels und der Malnutrition ist dann der Aufbau von Eiweiß (Proteinsynthese) für die Produktion von Hormonen, Enzymen und Wachstumsfaktoren sowie der Aufbau von Gewebszellen (Zellproliferation) in allen Stufen stark vermindert, sodass eine normale Wundheilung kaum stattfinden kann.
ältere Frau sitzt am Tisch und schaut aus dem Fenster

Alter: ein hohes Risiko für Katabolismus

älterer Mann sitzt am Tisch und hält eine große Tasse in der Hand

Das Alter per se gilt als häufigster Risikofaktor für Wundheilungsstörungen. Denn prinzipiell kann jede Krankheit im Alter Katabolismus auslösen und so zur Malnutrition führen. Krankheit, Katabolismus und Malnutrition sind einer Therapie zugänglich, das Alter nicht.

Neben Diabetes mellitus, Rauchen und Arteriosklerose, wo zusätzlich eine Vaskulopathie (Gefäßerkrankung) die Heilung verzögert oder verhindert, stellt somit die katabole Stoffwechsellage die weitaus häufigere, aber behandelbare Ursache der Wundheilungsstörungen dar.

Auch die natürlichen Alterungsprozesse der Haut wie beispielsweise eine reduzierte Immunantwort sowie Zell- und Kollagenbildung wirken sich auf den Verlauf der Wundheilung aus, sodass mit einer verzögerten und qualitativ verschlechterten Reparationsleistung zu rechnen ist. Die eigentlichen schweren Wundheilungsstörungen entstehen aber wiederum im Zusammenhang mit Krankheit, Katabolismus und Malnutrition.

Bei entsprechenden Grunderkrankungen und individuellen Gegebenheiten beim Patienten können aber auch jüngere Menschen in den Teufelskreis kataboler Stoffwechsel und Mangelernährung geraten. Die Folgen sind wiederum Wundheilungsstörungen, die zur Chronizität der Wunde führen oder bei bereits bestehenden chronischen Wundverhältnissen diese verstärken.

Was ist eigentlich Mangelernährung?

Mangelernährung oder auch Malnutrition bedeutet eine Unterversorgung mit einem oder mehreren der definierten biochemischen Ernährungsgruppen: Kohlenhydrate (Energie), Proteine (Albumin, Transferrin etc.), essenzielle Fettsäuren (Cholesterin, Triglyzeride etc.), Vitamine und Mineralstoffe.

Quantitative Mangelernährung

Ergibt sich ein Nährstoffdefizit, weil insgesamt zu wenig gegessen wird, spricht man von einer quantitativen Mangelernährung oder auch Unterernährung. Diese ist zumeist mit einer deutlichen Gewichtsabnahme verbunden und deshalb in der Regel schnell zu erkennen. Bei einem Body Mass Index (BMI) von weniger als 18,5 wird von einer Unterernährung ausgegangen, die diagnostisch abzuklären ist.

Qualitative Mangelernährung

Schwieriger ist es, eine qualitative Mangelernährung zu erkennen, die auch als Fehlernährung bezeichnet wird. Sie besteht in einem Mangel irgendeines Nährstoffes und ist demzufolge viel weniger offensichtlich als ein Gewichtsverlust. Der Betroffene kann dabei nämlich durchaus normalgewichtig sein.

Mangelernährung ist ein weitverbreitetes Problem, das oft nicht genügend beachtet wird. Gesicherte Daten zur Häufigkeit von Mangelernährung in Deutschland liegen nicht vor. Aber die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat festgestellt, dass in deutschen Kliniken bis zu 30 % der Patienten und in Pflegeheimen bis zu 25 % der Bewohner mangelernährt sind.

Laut statistischem Bundesamt sind 25 % der über 11 Millionen Krankenhauspatienten mangelernährt oder haben ein hohes Risiko für Mangelernährung, was einer Betroffenenzahl von rund 2,8 Millionen entspricht. Dies sind alarmierende Zahlen, die dringend Handlungsbedarf erfordern.

Abbildung von verschiedenen Gemüsesorten im Korb

Was sind die Ursachen?

Die Ursachen für Mangelernährung sind vielfältiger Natur, zum Beispiel

  • Appetitmangel durch ein vermindertes Geschmacksempfinden,
  • nachlassendes Hungergefühl, nicht selten bedingt durch die Einnahme von Medikamenten,
  • Störungen der Kaufunktion durch Probleme mit schlecht sitzenden Gebissprothesen,
  • Schluckbeschwerden,
  • Verdauungsprobleme, die die Ausnutzung der Nährstoffe aus den Lebensmitteln verschlechtern.

Aber auch psychische Probleme können Ursache sein. Heimbewohner, die beispielsweise aufgrund von Schluckbeschwerden Schwierigkeiten bei der Nahrungsaufnahme haben, können das Essen in der Gemeinschaft als unangenehm und beschämend empfinden.

Bei zu Hause lebenden Senioren spielt eine eingeschränkte Mobilität, die sowohl die Beschaffung von Lebensmitteln als auch die Zubereitung der Mahlzeiten erschwert, eine große Rolle. Hinzu kommen oft Einsamkeit und das Gefühl, dass es sich gar nicht mehr lohnt, für sich alleine zu kochen.

Und nicht zuletzt kann ein geringes Einkommen dazu führen, dass am Essen gespart werden muss. Wie jüngst durch die Presse ging, haben insbesondere die gestiegenen Lebensmittelpreise offenbar Folgen für die Ernährung der Deutschen. Laut einer Umfrage (Daten der europäischen Statistikbehörde Eurostat) kann es sich jeder Neunte nicht leisten, alle zwei Tage Fleisch, Fisch oder eine vegetarische Alternative zu essen.

Zusammengefasst: Die soziale, finanzielle und psychische Situation verschlechtert sich in der Regel mit zunehmendem Alter. Und dieser Umstand stellt wahrscheinlich den Hauptrisikofaktor für Krankheit, Katabolismus und Malnutrition im Alter dar.

Wichtiges zur Mangelernährung

Kreislauf Mangelernährung Darstellung

Wie erkennt man sie?

Sieben Schlüsselfragen zur einfachen, aber wirkungsvollen Erkennung:

  1. Ist ein ungewollter Gewichtsverlust festzustellen?
  2. Wird das Essen oft nicht aufgegessen?
  3. Wird weniger als 1,5 Liter Flüssigkeit am Tag getrunken?
  4. Kommt es häufig zu Durchfall (mehr als 3 x pro Woche)?
  5. Liegen Wundheilungsstörungen oder ein Dekubitus vor?
  6. Fallen Kauen und Schlucken schwer?
  7. Liegt der Body Mass Index unter 20?

Steigert das Risiko für:

  • Depression
  • Pseudo­demenz
  • Delirium
  • Pneumonie
  • Stürze
  • Frakturen
  • Kontrakturen
  • Dekubitus
  • Unselbst­ständigkeit
  • Verwahr­losung
  • Krankenhauseinweisung

Nährstoffspezifische Effekte auf die Wundheilung

Um zu verstehen, warum Mangelernährung die Wundheilung schwerwiegend stören kann, sind die spezifischen Effekte der einzelnen Nährstoffe auf die Wundheilung zu betrachten. Denn jeder Nährstoff übt allein oder in Kombination einen mehr oder weniger starken Einfluss auf die Proteinsynthese und damit auf Gewebewachstum und -vermehrung (Zellproliferation) aus. Alle Nährstoffe arbeiten dabei synergetisch zusammen, weshalb es für die Wundheilung so wichtig ist, dass auch alle vorhanden sind.

Proteine als Bausteine für die Zellen

Ohne genügend Proteine und ihre Bestandteile, die Aminosäuren, sistieren der Aufbau von Binde- und Granulationsgewebe sowie die Zellproliferation. Darüber hinaus werden Aminosäuren zur Produktion von Enzymen, Immunglobulinen und Antikörpern benötigt. Ein Proteinmangel beeinträchtigt daher ausnahmslos alle Vorgänge der Wundheilung.

Da der Körper einige Aminosäuren nicht selber herstellen kann, ist er auf die Zufuhr dieser essenziellen Nährstoffe angewiesen. Eine ausreichende Proteinversorgung gelingt aber nur bei anaboler Stoffwechsellage ohne Infektionen / konsumierende Krankheiten.

Der wichtigste erste Schritt in der Wundbehandlung besteht daher in der Umstellung des Stoffwechsels von katabol auf anabol, indem (möglichst) alle bestehenden Krankheiten und Zustände wie z. B. Infektionen, Stress, Fieber, Malnutrition usw. identifiziert und behandelt werden. Gleichzeitig wird die Proteinzufuhr auf 1,5 bis 2 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht und Tag angehoben.

Abbildung von verschiedenen Nahrungsmitteln wie Reis, Käse, Eier, Fleisch
Die Eiweißverdauung beginnt im Magen mithilfe eiweißspaltender Enzyme und wird im Dünndarm fortgesetzt, bis die Eiweiße in ihre einzelnen Amino­säuren zerlegt sind. Diese gelangen dann mit dem Blut in die Leber, wo sie zu den benötigten körpereigenen Proteinen zusammengesetzt werden.

Kohlenhydrate für die Energieversorgung

Für die chemischen Reaktionen während der Wundheilung wird sehr viel Energie benötigt. Diese Energie wird aus Kohlenhydraten (Glukose) über die Atmungskette ATP (Adenosintriphosphat) hergestellt. Stehen dem Organismus nun aufgrund von Malnutrition für die ATP-Produktion zu wenig Kohlenhydrate zur Verfügung, wird der Stoffwechsel auf katabol umgestellt.

Das bedeutet, dass jetzt hochwertige körpereigene Muskelproteine – vorrangig aus der Skelettmuskelmasse, dem wichtigsten Eiweißdepot des Körpers – über den Mechanismus der Gluconeogenese (Zuckerneubildung) zur lebenswichtigen Energiegewinnung abgebaut werden. Dies führt schon nach kurzzeitiger Bettruhe (1 bis 2 Wochen) zu hochgradigem Proteinmangel und Muskelschwund von bis zu 500 Gramm pro Tag.

Klinisch treten Symptome auf wie allgemeine Schwäche, oft als „Altersschwäche“ abgetan, Verminderung kognitiver Leistungen, Verlust des Steh- und Gehvermögens bis hin zu kompletter Immobilität, das Dekubitusrisiko wächst. Eine Mobilisation durch Physiotherapie ist bei diesen muskelgeschwächten Patienten in dieser Phase der Malnutrition kaum möglich.

Der tägliche Kalorienbedarf eines Gesunden liegt bei 30 kcal pro Kilogramm Körpergewicht. Bei Krankheit, z. B. Multimorbidität des geriatrischen Patienten, und bei gleichzeitig bestehenden Wunden (Ulzera, postoperative Phase, traumatische Läsionen) steigt der Energiebedarf auf 40 bis 50 kcal pro kg Körpergewicht an.

verschiedne Brötchen und Brotscheiben und Dinkel
Bei Krankheit und gleichzeitig bestehenden Wunden steigt der Energiebedarf auf ca. 40 bis 50 kcal pro Kilo Körpergewicht.

Fettsäuren zum Aufbau von Zellmembranen

Fette dienen ebenfalls der Energiebereitstellung. Ein Gramm Fett liefert 9 kcal. Eine weitere wichtige Funktion der Fettsäuren besteht in der Produktion von Bausteinen für die Zellmembranen der nun in großer Zahl neu zu bildenden Zellen. Die gesättigten und einfach ungesättigten Fettsäuren können vom Körper, zum Beispiel aus Kohlenhydraten, selber synthetisiert werden. Einige mehrfach ungesättigte Fettsäuren kann der Organismus jedoch nicht selber herstellen. Sie müssen deshalb via Nahrung zugeführt werden. Dazu gehören die essenziellen Fettsäuren wie Linolsäure, Linolensäure und Arachidonsäure.
Abbildung von verschiedenen Nahrungsmitteln wie Fisch, Schalentiere, Nüsse etc.

Vitamine als unentbehrliche Helfer

In ihrer Eigenschaft als Coenzyme beeinflussen alle Vitamine die Wundheilung positiv, und der Mangel nur eines einzigen Vitamins kann die Heilung bereits verzögern. Eine optimale Vitaminversorgung ist daher in der Wundheilung von großer Bedeutung.
  • Vitamine des B-Komplexes, insbesondere Vitamin B12, beteiligen sich beispielsweise an der Kollagensynthese und stimulieren Antikörperbildung und Infektabwehr.
  • Antioxidantien wie Vitamin E, Vitamin C und Spurenelemente wie Zink und Selen fangen die für Epithelzellen toxischen „freien Radikale“ ab.
  • Vitamin A entfaltet seine Wirkung bei der Kollagensynthese, bei der bei Epithelisation und in der Kolla­gen­faservernetzung.
  • Vitamin C ist ebenfalls von Wichtigkeit bei der Synthese von Kollagen, aber auch von Interzellulärsub­stanz, Gefäßbasalmembranen, Komplementfaktoren und Gammaglobulinen und damit zur Stärkung der Abwehrkräfte.

Bei Malnutrition stellt sich daher die Frage, ob einzelne Vitamine im Serum kontrolliert werden sollten. Welches Vorgehen dabei zu wählen ist, ist jeweils von der Situation – zu Hause, im Krankenhaus oder in der Arztpraxis – abhängig.

Abbildung einer aufgeschnittenen Orange
Vitamine werden in Dosen verabreicht, die höchstens das Zweifache der RDA (Recommended Daily ­Allowance) betragen.

Zink- und Eisenmangel vorbeugen

Zink ist ein zentraler Bestandteil von zahlreichen Metalloenzymen mit signifikanten biologischen Effekten im Organismus und spielt damit eine entscheidende Rolle bei der Wundheilung. Mit steigendem Alter, besonders bei kranken Menschen in Institutionen, werden jedoch häufig tiefe Plasmazinkwerte beobachtet.
Alle Patienten mit einem Dekubitus Grad II und IV leiden an Zink- und Albuminmangel, sodass eine normale Wundheilung nicht zu erwarten ist.

Eine präoperative, parenterale Zinksubstitution mit 30 mg pro Tag für drei Tage verhindert den üblichen postoperativen Zinkabfall im Plasma und verbessert so die Heilung von Operationswunden und Verbrennungsulzera.

Nutritiver Eisenmangel mit konsekutiver Anämie ist im Alter häufig. Eisenmangel verursacht eine Anämie und vermindert so den Sauerstofftransport ins Wundgebiet, wodurch lokal mehr oder weniger ausgeprägte hypoxische Zonen entstehen. Aus diesen Gebieten werden dann Substanzen freigesetzt, die fortlaufend die Produktion von katabol wirkenden Zytokinen stimulieren und so die Heilungstendenz verschlechtern.

Eine Korrektur der Anämie, die Verordnung von Antioxydantien und eine Optimierung des Ernährungsstatus des Patienten üben hier einen signifikant positiven Effekt auf die Wundheilung aus.

Abbildung Milchprodukte, Eier, Hähnchen
Wichtigste Zinklieferanten sind Fleisch, Fisch, Milchprodukte und Eier. Zur Ergänzung organische Zinkverbindungen nutzen.

Alte Menschen trinken zu wenig

Seniorin trinkt wasser

Ist von den Risiken einer Mangelernährung die Rede, muss auch auf das große Problem mangelnder Flüssigkeitsaufnahme älterer Menschen hingewiesen werden. Es ist fast die Regel, dass das Durstgefühl mit dem Alter nachlässt und dementsprechend wenig getrunken wird. Viele Ältere schränken ihre Trinkmenge auch aus Angst ein, eine bestehende Inkontinenz zu verstärken. Eine negative Flüssigkeitsbilanz aber führt wie ein Nährstoffdefizit unweigerlich zu gesundheitlichen Störungen.

  • Motorische Unruhe und geistige Verwirrtheit bei vorher unauffälligen älteren Menschen können erste Anzeichen eines akuten oder chronischen Wassermangels sein.
  • Es besteht die Gefahr eines orthostatischen Kollaps, von Magen-, Darm- und Nierenstörungen.
  • Auch das Thromboserisiko ist erhöht, weil sich das Blut „eindickt“.
  • Ein harmloseres, wenn auch sehr häufiges und lästiges Problem ist außerdem die Verhärtung des Stuhls, die zur Verstopfung (Obstipation) führt.

Malnutrition frühzeitig erkennen

Malnutrition ist ein schleichender Prozess mit Symptomen, die oft als „Altersschwäche“ abgetan werden. Diese Sichtweise verhindert nicht selten die Früherkennung der Malnutrition, was für den Betroffenen – neben Wundheilungsstörungen – viele weitere riskante Folgen haben kann. Es gibt jedoch ein eindeutiges, frühes Alarmsignal, das auf den Beginn einer katabolen Stoffwechsellage hindeutet: Es ist das Kardinalsymptom „Appetitverlust“ mit einer neu aufgetretenen „Abneigung gegen Fleisch“.

Dieses Kardinalsymptom findet man bei genauer Beobachtung konstant und hochspezifisch bei Patienten mit Malnutrition. Wer im Alter über einen seit Wochen bestehenden schlechten Appetit und über eine Abneigung gegen Fleisch berichtet, stürzt in die Malnutrition ab.

Bei jedem Arztbesuch oder bei der täglichen Pflege­aktivität im Altenheim sollte deshalb routinemäßig nach dem Appetitverhalten gefragt und gefahndet werden. Nur so kann eine drohende Malnutrition rechtzeitig erkannt werden.

Betreuerin steht neben einer sitzenden Seniorin, die einen vollen Teller und ein Getränk vor sich stehen hat
Abbildung von Beinen und Füßen, die auf einer Wasge stehen
Als typisches Spätsymptom treten wenige Wochen nach Beginn von Appetitverlust und Fleischabneigung eine resistente, auch nach Schlaf und Erholung weiter bestehende Müdigkeit und eine allgemeine Schwäche auf. In diesem Stadium liegen die Albuminwerte bereits unterhalb von 30 g/l.

Dazu kommen eine Verschlechterung des Allgemeinzustandes, Apathie sowie eine Schwäche der Beinmuskulatur, aber erst nach Wochen eine merkliche Gewichtsabnahme. Ein Fehler wäre es, bei diesen unterernährten Patienten dann primär eine „Altersschwäche“ zu diagnostizieren.

Hilfreich beim Ernährungsscreening ist auch die Ermittlung des Body Mass Index (BMI). Gemäß DGE gilt eine Seniorin/ein Senior (ab 65 Jahre) ab einem BMI von unter 20 als mangelernährt.

Mini Nutritional Assessment

Ein weiteres Screening Instrument ist das „Mini Nutritional Assessment“, kurz MNA, das von französischen und amerikanischen Wissenschaftlern in Zusammenarbeit mit der Firma Nestlé entwickelt wurde. Es ist ein Anamnesebogen zur Bestimmung des Ernährungszustandes älterer Menschen, die das 65. Lebensjahr überschritten haben.

Das MNA identifiziert nicht Risikofaktoren für Mangelernährung, sondern ist ein Maß für die Wahrscheinlichkeit einer Unterernährung. Dazu ist das MNA in zwei Abschnitte – ein Screening als Vor-Anamnese und ein Assessment als eigentliche Anamnese – eingeteilt, sodass mit wenigen Fragen die Gefahr einer Malnutrition erkannt werden kann. Das MNA ist ein einfach und schnell durchzuführendes Testverfahren und damit auch eine kosteneffektive Methode, um gefährdete Bewohner sicher zu identifizieren.

Download unter http://www.mna-elderly.com/mna_forms.html

MNA Testbogen

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