Digitales Wundmagazin
Bei chronischen Wunden ist solange davon auszugehen, dass sie schmerzhaft sind, bis der Patient das Gegenteil sagt
Bei Patienten mit chronischen Wunden ist zumeist auch der Schmerz chronisch geworden, was bedeutet, dass komplexe Wechselwirkungen zwischen biologischen, psychischen und sozialen Faktoren angenommen werden müssen (biopsychosoziales Schmerzkonzept). Hierzu zählen beispielsweise der durch die Gewebs- und Nervenschädigung verursachte ursprüngliche Wundschmerz und zusätzliche Schmerzen durch typische Altersbeschwerden wie beispielsweise Durchblutungsstörungen, Rheuma, Arthritis oder Osteoporose. Kritisch sind auch die oftmals als äußerst schmerzhaft empfundenen (unsachgemäßen) Verbandwechsel, die zudem zu großen Ängsten bei den Betroffenen führen können. Zu beachten sind aber auch emotionale Belastungen durch den Anblick und den Geruch der Wunde und die vielfältigen Einschränkungen im täglichen Leben, die nicht selten einen sozialen Rückzug zur Folge haben. Hinzu kommt, dass Pflegefachkräfte bzw. Wundpflegepersonal oft nicht ausreichend über die Schmerzmechanismen sowie die Komplexität des Schmerzgeschehens und -erlebens bei Patienten mit chronischen Wunden informiert sind, sodass eine zielgerichtete Schmerztherapie – insbesondere beim Verbandwechsel – nicht erfolgt.
Die Qualität einer Schmerztherapie hängt davon ab, wie exakt Ursache, Form und Intensität der Schmerzen abgeklärt werden können. Da Schmerz aber eine subjektive Empfindung ist, ist es für Außenstehende grundsätzlich schwierig, die Schmerzintensität bei anderen Menschen zu erfassen und zu bewerten. Besonders schwierig wird dies aus vielfältigen Gründen bei älteren Menschen. So zum Beispiel, weil sie glauben, Schmerzen ertragen zu müssen, Konsequenzen wie etwa Krankenhauseinweisungen fürchten oder keinem zur Last fallen möchten.Eine weitere Gruppe, die oft kein angemessenes Schmerzassessment und damit keine ausreichende Schmerzbehandlung erhält, sind Menschen mit Demenz. Der zunehmende Verlust der kognitiven Fähigkeiten, einhergehend mit schweren Kommunikationsstörungen, macht es ihnen nach und nach unmöglich, ihre Schmerzen zu beschreiben und im Verlauf der Erkrankung wahrscheinlich auch wahrzunehmen. Dies bedeutet aber nicht, dass demenzkranke Menschen keinen Schmerz verspüren. Vielmehr benötigen sie für eine adäquate Schmerztherapie besondere Aufmerksamkeit bei der Schmerzerfassung.


Die ausführliche Originalarbeit zur „Schmerztherapie bei Patienten mit chronischen Wunden“ von A. Körber, J. Dissemond, Universitätsklinikum Essen, finden Sie im HARTMANN WUNDFORUM, Heft 3/2012.