E-Learning „Kompressionstherapie“

Die Wirksamkeit des Kompressionsverbands hängt entscheidend von den physikalischen Eigenschaften des eingesetzten Bindenmaterials ab. Je nach dem klinischen Bild ist Bindenmaterial mit unterschiedlichem Kraft-Dehnungsverhalten erforderlich. Dieses Verhalten wird durch die beiden Werte Arbeitsdruck und Ruhedruck definiert.
Mit Arbeitsdruck wird der Widerstand bezeichnet, den der Verband der Muskulatur bei Bewegung entgegensetzen kann. Je unnachgiebiger die Binde, umso höher der Arbeitsdruck. Der Arbeitsdruck wird immer an der bewegten Muskulatur gemessen.
Unter Ruhedruck ist der Druck zu verstehen, den der Verband auch dann noch auf das Hautgewebe ausübt, wenn die Muskulatur nicht bewegt wird. Je elastischer eine Binde ist, umso höher wird der Ruhedruck sein, weil hochelastisches Material das Bestreben hat, sich bei Entlastung im Ruhezustand zusammenzuziehen. Der Ruhedruck wird am unbewegten Bein gemessen.
Für ihre Auswahl der richtigen Materialien eines Kompressionsverbandes gibt es verschiedene Kriterien wie zum Beispiel:
Neben medizinischen Kompressionsstrümpfen, die aber vor allem in der Erhaltungstherapie eingesetzt werden, stehen drei Typen im Fokus: Zinkleimverbände, Kurzzugbinden und Mehrkomponenten-Kompressionssysteme.
Zinkleimbinden ergeben im angelegten Zustand halbstarre, unnachgiebige Verbände. Durch das Fehlen jeglicher Elastizität können sie der tätigen Muskulatur von allen Verbandmaterialien den größten Widerstand entgegensetzen und entfalten so einen intensiven Arbeitsdruck.
Varolast® Plus sind feuchte, gebrauchsfertige Zinkleimbinden von HARTMANN. Sie sind in Längsrichtung dehnbar und ermöglichen so eine exakte Bindenführung. Die gestrickte Binde aus 71 % Viskose und 29 % Polyamid sorgt mit ihrer feinen und strukturierten Maschung für eine gute Haftung des Zinkleims an der Binde und verhindert ein Ausfransen. Dank der feinen Struktur und der Formbarkeit der Zinkpaste kann jede Windung mit konstanter Spannung angelegt werden, um eine angemessene Kompression zu erreichen und einen bequemen Verband zu bieten.


Kurzzugbinden bewirken durch ihre relativ geringe Dehnbarkeit eine straffe Kompression mit hohem Arbeitsdruck und niedrigem Ruhedruck. Der hohe Arbeitsdruck reicht noch aus, um auch die tiefen Venenbereiche therapeutisch zu beeinflussen, wenngleich sie nicht die hohe Effizienz von Zinkleimverbänden erbringen. Ihr besonderer Vorteil liegt jedoch darin, dass sie sich Veränderungen des Beinumfanges besser anpassen und im Falle täglich notwendiger Wundbehandlung leichter zu wechseln sind.
Kurzzugbinden stehen in unterschiedlicher textiltechnologischer Ausführung zur Verfügung. Die Art der verwendeten Garne und die ausgewählte Konstruktion bestimmen die Gebrauchseigenschaften. Das Pütter-Sortiment von HARTMANN bietet zahlreiche Optionen für einen Kompressionsverband mit Kurzzugbinden.
Mit Pütter® Pro 2 Vintens® definiert HARTMANN die Kompressionstherapie neu. Das neue, innovative System vereint das bewährte Mehrkomponenten-Kompressionssystem Pütter® Pro 2 mit einem batterielosen Sensor zur Messung des Auflagendrucks sowie der Vintens® Compression App zur Auswertung und Verlaufskontrolle der Therapie – inklusive kostenloser Patientenapp.
Die einzigartige Kombination aus klassischer Bandage und digitalem Monitoring ermöglicht eine sichere, moderne und zukunftsweisende Versorgung venöser Ulzera. So wird Kompression erstmals sichtbar, nachvollziehbar und interaktiv.

Die Durchführung einer Kompressionstherapie ist ohne die Kenntnis der Durchblutungssituation in den arteriellen Unterschenkelgefäßen nicht zu verantworten. Die Ermittlung des Knöchel-Arm-Index KADI – oder engl. ankle-brachial-pressure-index = ABPI oder kurz ABI – ist deshalb unverzichtbar.
Liegt der KADI unter 0,5 oder der Knöchelarteriendruck unter 60 mmHg oder der Zehendruck unter 30 mmHg oder der TcPO2 unter 30 mmHg am Fußrücken, ist von einer fortgeschrittene PAVK auszugehen. Auch bei einer dekompensierten Herzinsuffizienz darf keine Kompression angewendet werden. Das gilt für die Stadien III und IV der NYHA-Klassifikation. Hinzu kommen Krankheitsbilder mit besonderen Risiken, bei denen eine sorgfältige Abwägung von Nutzen und Risiko erfolgen und das am besten geeignete Verfahren zur Kompression ausgewählt werden sollte, wie z. B. ausgeprägte nässende Dermatosen, eine Unverträglichkeit auf Kompressionsmaterial, eine fortgeschrittene periphere Neuropathie, schwere Sensibilitätsstörungen der Extremität oder eine primär chronische Polyarthritis.
