Anlegen von Pütter Flex

Kompressionstherapie: Material und Methoden

Bei venösen Beinleiden ist ein sachgerechter Kompressionsverband in vielen Fällen Therapie der Wahl. Neben der Kompetenz beim Anlegen ist für den Erfolg aber auch die richtige Materialauswahl entscheidend.
Der Kompressionsverband ist die beste Maßnahme, um eine der wesentlichsten Ursachen von Venen- und Ulkusleiden zu beseitigen: nämlich den Blutrückstau in den Venen. Damit er aber wirksam ist, sind einige Dinge entscheidend. Neben einer exakten Indikationsstellung und guter Erfahrung bei der Anlage des Verbands sind dies auch gute Kenntnisse über Materialien und Methoden.

Arbeitsdruck und Ruhedruck

Diagramm des Drucks bei einer Kompression
Aktive Muskeltätigkeit: K1 ist der Anlegedruck der Binde am unbewegten Bein, also der Ruhedruck, K2 die Kraft, die der Verband der Ausdehnung der Muskulatur bei der Muskelkontraktion entgegensetzt, also der Arbeitsdruck.

Die Wirksamkeit des Kompressionsverbands hängt entscheidend von den physikalischen Eigenschaften des eingesetzten Bindenmaterials ab. Je nach dem klinischen Bild ist Bindenmaterial mit unterschiedlichem Kraft-Dehnungsverhalten erforderlich. Dieses Verhalten wird durch die beiden Werte Arbeitsdruck und Ruhedruck definiert.

Mit Arbeitsdruck wird der Widerstand bezeichnet, den der Verband der Muskulatur bei Bewegung entgegensetzen kann. Je unnachgiebiger die Binde, umso höher der Arbeitsdruck. Der Arbeitsdruck wird immer an der bewegten Muskulatur gemessen.

Unter Ruhedruck ist der Druck zu verstehen, den der Verband auch dann noch auf das Hautgewebe ausübt, wenn die Muskulatur nicht bewegt wird. Je elastischer eine Binde ist, umso höher wird der Ruhedruck sein, weil hochelastisches Material das Bestreben hat, sich bei Entlastung im Ruhezustand zusammenzuziehen. Der Ruhedruck wird am unbewegten Bein gemessen.

Das richtige Material auswählen

Für ihre Auswahl der richtigen Materialien eines Kompressionsverbandes gibt es verschiedene Kriterien wie zum Beispiel:

  • Welcher Druck wird benötigt? Ist ein starker Druck erwünscht oder darf nur eine leichte Kompression angewendet werden?
  • Welche Ziele werden angestrebt? Soll akut entstaut werden, die erzielte Verbesserung aufrechterhalten oder nur vorgebeugt werden?
  • Wie sieht die Situation des Patienten aus? Ist er mobil und kann sich bewegen? Wie sieht seine Adhärenz aus?
  • Und wer führt die Kompression durch? Stehen dafür regelmäßig Fachkräfte wie z. B. ein mobiler Pflegedienst bereit? Und wenn ja, wie gut sind diese beim Thema Kompression geschult? Können pflegende Angehörige ggf. das Anlegen des Kompressionsverbandes übernehmen?

Neben medizinischen Kompressionsstrümpfen, die aber vor allem in der Erhaltungstherapie eingesetzt werden, stehen drei Typen im Fokus: Zinkleimverbände, Kurzzugbinden und Mehrkomponenten-Kompressionssysteme.

Zinkleimbinde Varolast® Plus

Zinkleimbinden ergeben im angelegten Zustand halbstarre, unnachgiebige Verbände. Durch das Fehlen jeglicher Elastizität können sie der tätigen Muskulatur von allen Verbandmaterialien den größten Widerstand entgegensetzen und entfalten so einen intensiven Arbeitsdruck.

Varolast® Plus sind feuchte, gebrauchsfertige Zinkleimbinden von HARTMANN. Sie sind in Längsrichtung dehnbar und ermöglichen so eine exakte Bindenführung. Die gestrickte Binde aus 71 % Viskose und 29 % Polyamid sorgt mit ihrer feinen und strukturierten Maschung für eine gute Haftung des Zinkleims an der Binde und verhindert ein Ausfransen. Dank der feinen Struktur und der Formbarkeit der Zinkpaste kann jede Windung mit konstanter Spannung angelegt werden, um eine angemessene Kompression zu erreichen und einen bequemen Verband zu bieten.

Packshot Varolast Plus mit Produktabbildung davor

Die Anwendung von Varolast® Plus

Varolast® Plus ist leicht modellierbar und passt sich gut an konische Körperteile an. Falls erforderlich wird die Haut des Beines mit einem Unterzug, wie z. B. dem Schlauchverband Coverflex fast, geschützt. Der Zinkleimverband kann aber auch direkt auf der Haut angelegt werden. Er weist dann einen kühlenden Effekt auf und neigt weniger zum Verrutschen.

Anlegen des Varolast® Plus Zinkleimverbandes in Pütter-Technik

Kurzzugbinden der Pütter-Familie

Seniorin wirft eine Kegelkugel. Im Hintergrund sitzen andere Senioren am Tisch

Kurzzugbinden bewirken durch ihre relativ geringe Dehnbarkeit eine straffe Kompression mit hohem Arbeitsdruck und niedrigem Ruhedruck. Der hohe Arbeitsdruck reicht noch aus, um auch die tiefen Venenbereiche therapeutisch zu beeinflussen, wenngleich sie nicht die hohe Effizienz von Zinkleimverbänden erbringen. Ihr besonderer Vorteil liegt jedoch darin, dass sie sich Veränderungen des Beinumfanges besser anpassen und im Falle täglich notwendiger Wundbehandlung leichter zu wechseln sind.

Kurzzugbinden stehen in unterschiedlicher textiltechnologischer Ausführung zur Verfügung. Die Art der verwendeten Garne und die ausgewählte Konstruktion bestimmen die Gebrauchseigenschaften. Das Pütter-Sortiment von HARTMANN bietet zahlreiche Optionen für einen Kompressionsverband mit Kurzzugbinden.

Die Anlegetechnik nach Pütter

Für Kurzzugbinden gibt es je nach Indikation unterschiedliche Verbandtechniken, z. B. mit 50 % Überlappung, nach Schneider, Fischer oder Sigg. Der „Klassiker“ schlechthin ist aber die modifizierte Technik nach Pütter, mit der alle Verbände angelegt werden können.

Modifizierte Pütter-Technik – Anlegen eines Kompressionsverbandes

Mehrkomponenten-Kompressionssysteme

Zwei-Komponentenkompressionssysteme bestehen aus einer Polsterbinde und eine Kompressionsbinde, die übereinander angelegt werden. Dabei ist keine komplizierte Verbandtechnik möglich, denn dank visueller Indikatoren ist das Anlegen einfach. Durch die Kombination kann das System bis zu sieben Tage angelegt bleiben und bietet dabei optimalen Tragekomfort für den Patienten.

Die Bestandteile des Systems

Produktabbildung Pütter Pro 2 Lite mit Indikator
Polsterbinde ...
Die einseitig kohäsiv beschichtete Polsterbinde mit den Eigenschaften einer Kurzzugbinde und einer Dehnbarkeit von 80 % sorgt für die Steifigkeit des Verbandes und das feste Widerlager für die Muskulatur bei Bewegung des Patienten. Daraus ergibt sich ein guter Arbeitsdruck mit niedrigem Ruhedruck.
Produktabbildung Pütter Pro 2 mit Indikator
... Kompressionsbinde
Die beidseitig kohäsiv beschichtete Kompressionsbinde mit langem Zug und einer Dehnbarkeit von 150 % hat als definierte Langzugbinde die Aufgabe, die aktiv wirksamen Druckverhältnisse der Polsterbinde über längere Zeit aufrechtzuerhalten.

Die Typen von Pütter®Pro 2

Packshot Pütter Pro 2
Pütter® Pro 2
Pütter® Pro 2 sorgt für eine wirksame Kompressionstherapie bei einem KADI von 0,9 bis 1,3, z. B. bei chronisch-venöser Insuffizienz (CVI), Chronischen Ödemen, Thrombose / Thrombophlebitis, Krampfadern oder Lymphödemen.
Packshot Pütter Pro 2 Lite
Pütter® Pro 2 Lite
Eine leichtere und wirksame Kompressionstherapie wird bei einem KADI von 0,6 bis 0,8 mit Pütter® Pro 2 Lite erzielt. Die Einsatzgebiete umfassen Ulcera cruris venosum, Ödeme, Thrombose / Thrombophlebitis und auch Beinulzera gemischter Ätiologie (arteriell-venös).

Einfach in der Anwendung

Pütter®Pro 2 und Pütter®Pro 2 Lite sind ohne komplizierte Anlegetechnik einfach anzulegen. Die visuellen Anlegeindikatoren unterstützen einen wirksamen und adäquaten Anlegedruck. Die Indikatoren befinden sich in entsprechenden Abständen auf der Kompressionsbinde (bei Pütter® Pro 2) oder auf beiden Binden (bei Pütter® Pro 2 Lite). Bei korrekter Dehnung der Binden ergibt sich ein gleichschenkliges Hexagon. Der Mittelstrich beim Indikator hilft zudem, die gewünschte Überlappung von 50 % sicherzustellen.
Illustration Anlegen eines Kompressionsverbandes Schritt 1
Illustration Anlegen eines Kompressionsverbandes Schritt 2
Illustration Anlegen eines Kompressionsverbandes Schritt 3
Illustion Anlegen eines Kompressionsverbandes Schritt 4

Pütter®Pro 2 – Anwenden des 2-Komponenten-Kompressionssystems

Pütter®Pro 2 Lite – Anwenden des 2-Komponenten-Kompressionssystems

Der erste Verband, der sich verbindet.

Mit Pütter® Pro 2 Vintens® definiert HARTMANN die Kompressionstherapie neu. Das neue, innovative System vereint das bewährte Mehrkomponenten-Kompressionssystem Pütter® Pro 2 mit einem batterielosen Sensor zur Messung des Auflagendrucks sowie der Vintens® Compression App zur Auswertung und Verlaufskontrolle der Therapie – inklusive kostenloser Patientenapp.

Die einzigartige Kombination aus klassischer Bandage und digitalem Monitoring ermöglicht eine sichere, moderne und zukunftsweisende Versorgung venöser Ulzera. So wird Kompression erstmals sichtbar, nachvollziehbar und interaktiv.

Messung des Kompressionsdrucks mit Hilfe von Pütter Pro 2 Vintens

Vorsicht bei der Kompressionstherapie!

Die Durchführung einer Kompressionstherapie ist ohne die Kenntnis der Durchblutungssituation in den arteriellen Unterschenkelgefäßen nicht zu verantworten. Die Ermittlung des Knöchel-Arm-Index KADI – oder engl. ankle-brachial-pressure-index = ABPI oder kurz ABI – ist deshalb unverzichtbar.

Liegt der KADI unter 0,5 oder der Knöchelarteriendruck unter 60 mmHg oder der Zehendruck unter 30 mmHg oder der TcPO2 unter 30 mmHg am Fußrücken, ist von einer fortgeschrittene PAVK auszugehen. Auch bei einer dekompensierten Herzinsuffizienz darf keine Kompression angewendet werden. Das gilt für die Stadien III und IV der NYHA-Klassifikation. Hinzu kommen Krankheitsbilder mit besonderen Risiken, bei denen eine sorgfältige Abwägung von Nutzen und Risiko erfolgen und das am besten geeignete Verfahren zur Kompression ausgewählt werden sollte, wie z. B. ausgeprägte nässende Dermatosen, eine Unverträglichkeit auf Kompressionsmaterial, eine fortgeschrittene periphere Neuropathie, schwere Sensibilitätsstörungen der Extremität oder eine primär chronische Polyarthritis.

Messung des KADI Wertes am Knöchel