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Strategien für ein sicheres Exsudatmanagement

Die Anforderungen an ein sicheres Exsudatmanagement, das die Wundheilung fördert und Lebensqualität Betroffener verbessert, sind hoch. Wichtig sind deshalb fundiertes Basiswissen und praktisches Know-how, aber auch gute Kenntnisse der Materialien zum Exsudatmanagement. Mit der Zetuvit Plus-Familie und den hydroaktiven Wundauflagen von HARTMANN stehen hierzu wertvolle Therapieoptionen zur Verfügung.

von der HARTMANN Online-Redaktion 19.11.2019
Deckblatt Konsensdokument Wundexsudat

„Exsudat spielt eine wichtige Rolle in der Wundheilung. Es kann aber die Heilung verzögern, wenn es in der falschen Menge, am falschen Ort oder in der falschen Zusammensetzung auftritt. Eine effektive Beurteilung und Behandlung von Exsudat ist deshalb entscheidend für eine zeitnahe Wundheilung ohne Komplikationen“, stellt Keith Harding [1] als Vorsitzender der Expertenarbeitsgruppe in seinem Vorwort zum Konsensdokument „Wundexsudat – effiziente Beurteilung und Behandlung“ fest.

Seit die World Union of Wound Healing Societies (WUWHS) zuletzt 2007 Leitlinien für das Exsudatmanagement veröffentlichte, hat sich das Wissen über Exsudat und Heilung weiterentwickelt. So begann eine internationale Expertengruppe im Juni 2018 mit der Entwicklung eines Konsensdokuments, gefolgt von einer umfassenden Überprüfung durch eine internationale Kernarbeitsgruppe und einem Überprüfungsausschuss.

Ergebnis ist das jetzt veröffentlichte Konsensdokument. Es bietet eine klare und praktische Anleitung, die Mitarbeitern in allen medizinischen und pflegerischen Bereichen bei der Beurteilung und Behandlung von Exsudat zur Vermeidung exsudatbezogener Komplikationen und damit bei der Verbesserung der Lebensqualität von Patienten helfen wird. In diesen Beitrag sind wesentlich Aspekte des Konsensdokuments eingeflossen, dessen Erstellung von HARTMANN unterstützt wurde. Zudem enthält er praxisorientierte Anleitungen und Tipps, mit welchen Wundauflagen, Saugkompressen oder sonstigen Systemen bei den verschiedenen Wundzuständen mit ihren unterschiedlichen Exsudatmengen ein sicheres Exsudatmanagement durchgeführt werden kann.

Definition von Wundexsudat

Zu den umgangssprachlicheren Bezeichnungen für Wundexsudat gehören „Wundwasser“ und „Wundflüssigkeit“ (WUWHS, 2007). Mit Bezugnahme auf dieses Konsensdokument wird Exsudat am besten wie folgt definiert: „Abgesonderte Materie, insbesondere das aus Serum, Fibrin und weißen Blutkörperchen bestehende Material, welches in eine oberflächliche Läsion oder entzündliche Zone abgegeben wird“ [2].

Exsudatbildung und -zusammensetzung

Portrait Marco Romanelli rund
„Das Verkleben von Auflagen mit Wunden bei geringer Exsudatproduktion kann zu Schäden am Wundbett und Schmerzen führen. Feuchtigkeitsspendende Wundauflagen helfen, den Feuchtigkeitsmangel auszugleichen und Schmerzen zu verhindern.“
Prof. Marco Romanelli, Italien

Als Exsudation (von lat. [ex] sudare = [aus] schwitzen) bezeichnet man in der Medizin den durch Entzündungen bedingten Austritt von Blutbestandteilen aus den Kapillaren in das umliegende Gewebe bzw. auf eine innere oder äußere Oberfläche. Die Exsudation setzt im Moment der Verletzung ein, weshalb die erste Phase der Wundheilung – kurz Reinigungsphase – auch als inflammatorische / exsudative Phase bezeichnet [3] wird.

Durch die Entzündungsprozesse im betroffenen Wundgebiet kommt es zur verstärkten Bildung von Wundexsudat, das aus dem Blut in das Interstitium (Raum zwischen Geweben und Zellen) abgeschieden wird. Es enthält die verschiedensten Bestandteile, die für den Prozess der Wundheilung essenziell sind, wie beispielsweise Wasser, Fibrin, Glucose, Immunzellen (z. B. Lymphozyten, Makrophagen, Thrombozyten), Proteine (z. B. Albumin, Fibrinogen, Globuline), Wachstumsfaktoren und Proteasen (proteinabbauende Enzyme), aber auch metabolische Abfallprodukte, Mikroorganismen und Wunddebris / abgestorbene Zellen [4,5,6,7,8].

Bedeutung von Wundexsudat für die Heilung

Bei Wunden, die natürlich die Stadien der Wundheilung durchlaufen, unterstützt Exsudat den Heilungsprozess durch folgende Mechanismen:

  • Gewährleistung eines feuchten Wundmilieus
  • Ermöglicht die Diffusion von Immunmediatoren und Wachstumsfaktoren über das Wundbett
  • Funktion als Medium für die Migration gewebereparierender Zellen über das Wundbett
  • Bereitstellung essenzieller Nährstoffe für den Zellstoffwechsel
  • Förderung der Separation toten oder geschädigten Gewebes (Autolyse) [9,10]

Auch eine ausreichende Menge Wundexsudat spielt bei der Wundheilung eine große Rolle. Denn: Wunden mit feuchtem Wundmilieu heilen schneller als Wunden, die austrocknen und verkrusten [11]. Es wurde festgestellt: Feuchte Wunden heilen nachweislich zwei- bis dreimal schneller als trockene [12].

Einflussfaktoren auf die Exsudatproduktion

Die Bildung von Wundexsudat ist ein komplexer Prozess, der von folgenden Faktoren abhängig ist:

Wundätiologie

Manche Wundtypen neigen eher dazu, zu viel bzw. zu wenig Exsudat zu produzieren. Zu große Exsudatmengen treten auf bei chronisch venösen Unterschenkelgeschwüren, dehiszierten chirurgischen Wunden, bösartig wuchernden Wunden, Verbrennungen, entzündlichen Geschwüren, z. B. rheumatoide Geschwüre, Pyoderma gangraenosum oder Hauttransplantatstellen. Geringe Exsudatmengen zeigen eher ischämische / arterielle Wunden und neuropathische diabetische Fußgeschwüre [13,14,15,16].

Wundheilungsphase

Heilt die Wunde komplikationslos, reduziert sich die Exsudatmenge entsprechend der Wundheilungsphasen. Sie ist am größten in der exsudativen Phase (Reinigungsphase) und geht normalerweise mit fortschreitender Heilung zurück [17].

Wundgröße, -tiefe und -position

Größere und tiefere Wunden können mehr Exsudat produzieren, ebenso Wunden an Auflagestellen, beispielsweise am Unterschenkel [18].

Begleiterkrankungen, Komplikationen und andere Faktoren

Es gibt viele weitere Gründe für eine vermehrte oder verringerte Exsudatproduktion (siehe Tabelle). So hängt beispielsweise eine vermehrte Exsudatproduktion oft mit Faktoren zusammen, die zu Entzündungen führen (z. B. Infektion) oder zu einem generalisierten / lokalisierten Ödem (z. B. Veneninsuffizienz, lymphatische Erkrankungen).

Einflussfaktoren auf die Exsudatproduktion [nach 10,17,20,22]

Faktortyp
Beispiele für erhöhte ExsudatproduktionBeispiele für verringerte Exsudatproduktion
 Wundheilungsstadium
  •  Entzündliches Stadium normaler Wundheilung
  • Gegen Ende des Heilungsprozesses 
 Lokale Faktoren
  • Wundinfektion / Biofilm, Entzündung oder Trauma z.B. chirurgisches Debridement)
  • Fremdkörper im Wundbett
  • Ödem in der Nähe der Wunde – z.B. durch Veneninsuffizienz, Obstruktion der Vena cava, lymphatische Dysfunktion / Lymphödem
  • Wundtasche
  • Wundbettfistel* – z.B. Harnwege, enterisch, lymphatisch oder Gelenkhöhle
    Tumor
  • Wunden mit trockenem Schorf
  • Ischämie an der Wundstelle
Systemische Faktoren
  • Stauungsinsuffizienz des Herzens, der Nieren oder der Leber
  • Infektion / Entzündung
  • Endokrine Erkrankung
  • Systemische Medikation – z.B. Calciumkanalblocker, nicht­steroidale Antirheumatika (NSAR), Steroide, Glitazone
  • Adipositas
  • Flüssigkeitsüberschuss bei intravenöser Therapie
  • Mangelernährung
  • Steigendes Alter
  • Niedrige Serumalbuminwerte
  • Erhöhtes C-reaktives Protein (CRP)
  • Flüssigkeitsmangel (Dehydratation)
  • Hypovolämischer Schock
    Mikroangiopathie
 Praktische Faktoren
  • Position der Wunde – z. B. an einer Auflageposition, beispielsweise an den Beinen oder am Kreuzbein
  • Hitze
  • Begrenzte Bereitschaft oder Fähigkeit des Patienten zur Kooperation in der pharmakologischen oder nicht-pharmakologischen Behandlung
  • Unangemessener Verband / falsche Hilfsmittel / Intervention**
  • Unangemessener Gebrauch von Verbandmaterial / Hilfsmittel oder Interventionen**

* Flüssigkeit aus einer Fistel im Wundbett ist kein Wundexsudat. Aus praktischen Gründen werden aber Exsudat und Fistelfeuchtigkeit oft zusammen behandelt. ** Eine offenbare Steigerung oder Reduktion der Exsudatproduktion im Zusammenhang mit unangemessenem Verband/falscher Hilfsmittel/Intervention spiegelt eventuell nicht das wider, was tatsächlich in der Wunde vor sich geht.

Beurteilung des Exsudats

Folgende Kriterien sollten beurteilt werden:

  • Wirksamkeit des aktuellen Exsudatmanagements / der Wundauflage / Vorrichtung
  • Art, Farbe und Konsistenz
  • Umfang / Menge
  • Geruch

Eine Untersuchung des Verbandes oder der Vorrichtung vor dem Entfernen von der Wunde und dann noch einmal nach dem Entfernen liefert wertvolle Informationen über die Beschaffenheit und die Leistung des Verbandes / der Vorrichtung [10].

Vor dem Entfernen
  • Hinweise auf ein Leck / Durchnässen in die Kleidung des Patienten, in die Bettwäsche, den Kompressionsverband, in die Schuhe, sekundäres / primäres Verbandmaterial
  • Modifikationen durch den Patienten, z. B. Gebrauch von Kunststoffbeuteln oder zusätzlichem saugfähigem Material
  • Vorliegen von üblem Geruch
  • Komfort und Anpassungsfähigkeit der Wundauflage / Vorrichtung
  • Fixation der Wundauflage z. B. Typ, Sicherheit und Zuverlässigkeit der Fixationsversiegelung, Hinweise auf Hautschäden durch die Fixation
Nach dem Entfernen [10]
  • Farbe, Konsistenz und Geruch des Exsudats am / im Verband / in der Vorrichtung
  • Exsudatvolumen, falls eine Sammelvorrichtung verwendet wurde
  • Feuchtigkeit / Sättigung der Wundauflage

Der Typ, die Farbe und Konsistenz (Viskosität) können nützliche Indikatoren für das Stadium der Heilung und mögliche Probleme sein (siehe nebenstehende Tabelle).

Beurteilung Exsudatmenge

Portrait Paul Chadwick rund
„Das Wichtigste ist die Feuchtigkeitsbalance, wobei wir ein gesundes Mittelmaß finden müssen. Ist zu viel Exsudat vorhanden, führt das zu Mazeration und Exkoriation. Ohne Exsudat wird die Wunde zu trocken, was die Heilung behindert.“
Prof. Paul Chadwick, Großbritannien

Zu viel oder zu wenig Exsudat kann die Heilung verzögern. Deshalb muss das Fachpersonal in der Lage sein, festzustellen, ob die von einer Wunde produzierte Exsudatmenge normal ist, zu gering oder zu groß und vor allem, ob sich diese seit der letzten Beurteilung verändert hat. Allerdings gestaltet sich die Bestimmung und Klassifizierung der Exsudatmenge auf objektive und bedeutsame Weise schwierig, es sei denn, es wird eine Unterdruck-Wundtherapie (NPWT) mit Sammelbehälter angewendet oder ein Stoma / eine Fistelvorrichtung verwendet, um das Wundwasser zu sammeln.

Wegen der relativen Einfachheit  und klinischen Nützlichkeit der Dreierklassifizierung bevorzugte die Expertenarbeitsgruppe aus verschiedenen Klassifikationen den Wundexsudat-Score von Falanga [21]:

  • Wundexsudat-Score 1: Exsudat keins /minimal (Keine saugfähigen Wundauflagen erforderlich; falls klinisch machbar, sollte der Verband bis zu einer Woche verbleiben).
  • Wundexsudat-Score 2: Exsudat mäßig (Verbandwechsel alle 2-3 Tage erforderlich)
  • Wundexsudat-Score 3: stark exsudierende Wunde (mindestens einmal täglich Wechsel der saugfähigen Wundauflage).

Im Konsensdokument wird darauf explizit hingewiesen, dass die Angaben zu erforderlichen Verbandwechsel entsprechend der Anwendung innovativer Produkte mit verbesserter Saugkraft variieren können.

Arten von Wundexsudat
[nach 17,23,24,27]

Arten von Wundexsudaten Composing
Art
Farbe/Opazität
Konsistenz
Anmerkungen
Serös [A]Klar, bernsteinfarben oder strohfarben
Dünn, wässrig 
  • Normal während der entzündlichen (inflammatorischen) und proliferativen Heilungsphase
  • Vermehrtes seröses Exsudat kann ein Hinweis auf eine Infektion sein
  • Übermäßige Mengen können mit Stauungsinsuffizienz des Herzens, Venenerkrankungen, oder Mangelernährung zusammenhängen, oder von einer Harnwegs- oder Lymphfistel stammen 
Blutig-
serös
Klar, rosa bis hellrot
Dünn, etwas
dicker als Wasser
  • Kann während der entzündlichen und proliferativen Heilungsphase als normal angesehen werden
  • Rosa durch die enthaltenen roten Blutkörperchen
  • Kann auch postoperativ auftreten oder nach einer traumatischen Verbandentfernung
Blutig
Rot
Dünn, wässrig
  • Rötlich durch die enthaltenen roten Blutkörperchen
  • Kann auf das Wachstum neuer Blutgefäße oder auf eine Unterbrechung von Blutgefäßen hindeuten
  • Kann mit Hypergranulation einhergehen
Eitirg-
serös [B]
Trüb, cremig, gelb oder beige
Dünn
  • Seröses Exsudat mit Eiter
  • Kann auch durch sich verflüssigendes nekrotisches Gewebe entstehen
  • Kann auf eine bevorstehende Infektion hindeuten
Fibrinös Trüb
Dünn, wässrig
  • Getrübt durch enthaltene Fibrinstränge
  • Kann auf eine Entzündung mit oder ohne Infektion hindeuten
Eitrig [C]Undurchsichtig, milchig, gelb, beige oder braun, manchmal grün
Oft dick
  • Vorwiegend Eiter (Neutrophile, inflammatorische Zellen, Bakterien) eventuell mit Belag / verflüssigtem nekrotischem Gewebe
  • Deutet auf eine Infektion hin
  • Eine Grünfärbung kann durch eine Infektion mit Pseudomonas aeruginosa entstehen
  • Kann mit Geruch einhergehen
Blutig-
eitrig [D]
Rötlich, milchig, undurchsichtig
Dick
  • Mischung aus Blut und Eiter
  • Oft durch eine bereits ausgebrochene Infektion
BlutendRot, undurchsichtig
Dick
  • Vorwiegend durch enthaltene rote Blutkörperchen, Hinweis auf erhöhte kapilläre Brüchigkeit oder ein Trauma an der Wunde
  • Kann auf eine bakterielle Infektion hindeuten

Wund- und Exsudatmanagement: Ziele und Strategien

Grundsätzlich erfolgt ein effektives Management von Wundexsudat im Zusammenhang mit einem umfassenden und individuellen Wundmanagement. Die Komplexität und Bandbreite der verschiedenen Probleme, denen Patienten mit einer Wunde häufig gegenüberstehen, erfordern dabei oft eine multidisziplinäres Team, für das der Patient im Mittelpunkt steht [25].

Das allgemeine Ziel des Wundmanagements ist für viele Patienten das Erreichen einer Heilung und das Schließen der Wunde. Heilung ist aber nicht immer das Ziel. Bei einem Patienten mit einer malignen Wunde beispielsweise, deren Entwicklung von Chemotherapie, Strahlentherapie oder Operation abhängt, ist wahrscheinlich vor allem Symptombehandlung wichtig, zusammen mit der Eindämmung des Exsudats oder der Bildung einer Kruste oder Verschorfung sowie der Einstellung der Exsudatproduktion [10]. Ein anderes Beispiel: Bei einem Patienten mit einer nicht infizierten, ischämischen, nicht mehr zu rettenden Zehe kann das Ziel sein, das Gewebe zu trocknen, damit eine Mumifizierung einsetzt und einer lokalen bzw. systemischen Infektion vorgebeugt wird. Wichtig für die Verbesserung der Lebensqualität ist auch die Aufklärung von Patienten und Betreuer über

  • Ursache der Wunde und mitursächliche Faktoren
  • Grund für die Behandlung,
  • wann / wie Hilfe zu suchen ist, wenn Probleme auftreten.

Die Aufklärung ist entscheidend für eine gleichberechtigte Entscheidungsfindung und zur Förderung des Einverständnisses des Patienten [48].
Patienten / Betreuer, die Verbandwechsel vornehmen, müssen  über Händehygiene, Reinigung und Verbandwechseltechniken sowie über die Entsorgung von Verbandmaterial aufgeklärt werden.

Ziele des Exsudatmanagement als integrierter Teil eines umfassenden Wundmanagements und der Dokumentation sind:

  • Optimierung der Feuchtigkeit im Wundbett
  • Schutz der umliegenden Haut
  • Behandlung der Symptome und Verbesserung der Lebensqualität des Patienten

Optimierung der Feuchtigkeit

Die Grundlage des Exsudatmanagements sind Wundauflagen / Verbände, die neben der Regulierung des Feuchtigkeitsniveaus im Wundbett auch dazu verwendet werden, topische antimikrobielle Wirkstoffe zu verabreichen, das autolytische Débridement zu fördern oder die Menge an Proteasen und Entzündungsmediatoren zu beeinflussen [28,29]. Die Wundauflage bzw. der Verband der Wahl sollte Flüssigkeit so managen können, dass folgende Kriterien erfüllt werden:

  • Schaffung eines feuchten Wundmilieus ohne Lecks, Austrocknung des Wundbetts oder Schädigung der Wundumgebungshaut
  • Ermöglichung eines geeigneten  Zeitabstandes zwischen den Verbandwechseln [10]

Mit entsprechenden Wundauflagen / Verbänden können dabei folgende Strategien zur Anpassung des Feuchtigkeitsgrads im Wundbett führen [10,32]:

Steigerung

Steigerung des Feuchtigkeitsgrads durch Wahl einer Wundauflage, die Feuchtigkeit spendet oder erhält, sowie eine Verringerung der Häufigkeit der Verbandwechsel.

Erhalt

Erhalt des Feuchtigkeitsgrads unter Weiterverwendung des aktuellen Wundauflagen- / Verbandtyps und Beibehaltung der aktuellen Verbandwechselhäufigkeit.

Reduktion

Reduktion des Feuchtigkeitsgrads durch Wechsel zu einem Verbandtyp mit besserer Flüssigkeitmanagementkapazität, hinzufügen oder Gebrauch eines sekundären Wundverbands mit stärkerer Saugfähigkeit und Steigerung der Häufigkeit der Wechsel des primären und /oder sekundären Verbandes.

Zu erwägen ist auch die Anwendung einer NPWT oder eines Systems zur Aufnahme von Exsudat oder eines Stomas bzw. einer Fistelvorrichtung.

Schutz der umliegenden Haut

Die Prävention gegen und die Behandlung von Mazeration um die Wunde herum sowie von Hauterosionen ist wichtig, da diese Vorläufer einer Wundexpansion sein können und Schmerzen oder Beschwerden hervorrufen können. Ein Kontakt zwischen der Umgebungshaut und dem Exsudat sollte mithilfe richtiger Verbände / Vorrichtungen vermieden werden.

Das Risiko von Hauttraumata durch den Wechsel der Wundauflage / Vorrichtung sollte minimiert werden. Der Gebrauch weniger haftender oder silikonhaltiger Wundauflagen, die Vermeidung von Pflasterfixierungen sowie die Anwendung von Schutzsalben für die Wundumgebungshaut oder Barrierefilmen kann helfen, die Haut zu schützen und das Risiko weiterer Schäden reduzieren [33]. Wenn die Wundumgebungshaut aufgrund der reizenden Wirkung des Exsudats entzündet ist, kann ein topisches Kortikosteroid indiziert sein [34].

Exsudat und Wundgeruch

Portrait Hans Smoda rund
„Neben der Menge ist auch die Zusammensetzung des Exsudats ist ein sehr wichtiger Faktor. Es enthält Stoffe, die nicht förderlich für die Wundheilung sind. Diese Inhibitoren verhindern die Reparatur von Gewebe und müssen daher neutralisiert werden.“
Prof. Dr. Hans Smola, Deutschland

Die meisten Wunden haben einen leichten Geruch [35] und auch manche Wundauflagen wie z. B. Hydrokolloide, gehen mit einem deutlichen Geruch einher [36]. Unangenehmer Geruch kann aber durch Faktoren entstehen wie z. B. nekrotisches Gewebe, Mikroorganismen, starke Exsudatmengen, schlecht vaskularisiertes Gewebe und / oder eine Wundhöhle / Darm- oder Harnwegfistel [10,38]. Extrem geruchsintensives, eitriges Exsudat kann auf eine Wundinfektion hindeuten [35]. Das Management schlechter Gerüche kann besonders problematisch sein bei Patienten mit malignen Wunden [40,41]. Patienten und Pfleger geben an, dass übler Geruch das Wundsymptom sei, das am belastendsten und sozial am isolierendsten ist[38].

Reduktion von Ödemen

Ein Ödem im Gewebe um die Wunde herum steigert die Exsudatproduktion und kann verschiedenste Probleme als Ursache haben, von der Wundinfektion über venöse Hypertonie bis hin zur Herzinsuffizienz.

Bei venösen Unterschenkelgeschwüren ist wahrscheinlich eine Kompressionstherapie besonders effektiv zur Senkung der Exsudatproduktion. Dies liegt daran, dass die Kompressionstherapie einem Austreten von Flüssigkeit aus den Kapillargefäßen in das Gewebe /Wundbett entgegensteht und Ödeme verringert [49].

Manuelle Lymphdrainage (LD) ist eine sanfte Massagetechnik, vorwiegend zur Behandlung von Lymphödemen und Lipödemen. Sie könnte aber auch eine Rolle in der Reduktion chronischer Ödeme in den unteren Gliedmaßen spielen [44].

Überlegungen zur Tragezeit

Die Tragezeit wird ein immer wichtigerer Faktor in der Auswahl von Wundverbänden. Die Anzahl der Verbandwechsel wirkt sich auf den Pflegebedarf aus, auf die damit entstehenden Kosten für den Patienten sowie auf erforderliche Fahrten und Ausfallzeiten in der Arbeit [45].

Verbundene Wunden länger ungestört zu lassen, unterstützt belegtermaßen die Wundheilung [46]. Wenn möglich sollte die Wahl der Wundauflage helfen, die Häufigkeit der Verbandwechsel zu reduzieren und Störungen der Wundheilungsumgebung zu vermeiden [47]. Dies kann zu einem reduzierten Risiko für Infektionen und Komplikationen führen und eine positive wirtschaftliche Auswirkung in Form von weniger Zeitaufwand und geringeren Kosten haben.

Auch die Wünsche des Patienten sind ein starker Faktor für dessen Akzeptanz. Verbände, die nicht sicher an Ort und Stelle bleiben, können Beschwerden verursachen, zu Unbehagen führen und die Fähigkeit des Patienten zur Ausführung alltäglicher Aktivitäten beeinträchtigen.

Probleme durch übermäßige Produktion von Wundexsudat [10,17,45]

  • Nässen und Flecken
  • Übler Geruch
  • Erhöhte Infektionsgefahr
  • Häufige Verbandwechsel
  • Beschwerden / Schmerzen
    Proteinverlust und Flüssigkeits- /Elektrolytungleichgewicht
  • Schäden an der Haut um die Wunde herum, z.B. Mazeration und Erosionen
  • Wundausdehnung
  • Psychosoziale Auswirkungen

Auswirkungen von übermäßiger bzw. unzureichender Exsudatproduktion

Wie die Abbildung zeigt, kann übermäßige Exsudatproduktion die verschiedensten Auswirkungen haben, die Patienten schwer belasten, aber auch für Pflegefachkräfte eine große Herausforderung sein. Besonders ist auf den signifikanten Proteinverlust durch eine starke Exsudatproduktion hinzuweisen. Beispielsweise schätzt man, dass ein Patient mit einem Dekubitus der Kategorie / des Stadiums IV (Gewebe- / Strukturverlust auf allen Ebenen) Protein in der Größenordnung von 90-100 g / Tag mit dem Exsudat verlieren kann [50].

Eine unzureichende Exsudatproduktion kann das autolytische Débridement, das nur im feuchten Wundmilieu ablaufen kann, verzögern und somit der Heilung im Weg stehen [10]. Zudem ist bei geringer Exsudatproduktion das Risiko groß, dass die Wundauflage mit der Wunde verklebt. Bei der Verbandabnahme kommt es dann zum „Zellstripping“ d.h. neugebildete Zellen werden mit dem Verband abgerissen, was für den Patienten sehr schmerzhaft ist.

Im 30-minütiges Webinar erläutern Prof. Marco Romanelli, Prof. Paul Chadwick und Prof. Hans Smola nochmals die wichtigsten Informationen zum Thema Exsudatmanagement.
Webinar Wundexsudat
Wunde - Webinar

Literatur:
Für die Beiträge „Strategien für ein sicheres Exsudatmanagement“ (S. 9-15)
[1] Keith Harding in „Wound exudate - effective assessment and management“, London, 2019
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