Instrumente

Eine Maßnahme, die von einigen vernachlässigt und von anderen als sehr bedeutsam eingeschätzt wird

Themen im Abschnitt „Instrumente“


In diesem Abschnitt bezieht sich der Begriff „Instrumente“ auf Medizinprodukte und chirurgische Instrumente und deren Verwendung im Operationssaal

„Chirurgische Instrumente sind Werkzeuge oder Geräte, die Funktionen wie Schneiden, Sezieren, Greifen, Halten, Zurückziehen oder Nähen an der Operationsstelle übernehmen. Die meisten chirurgischen Instrumente bestehen aus rostfreiem Stahl.“1

In den WHO-Leitlinien werden verschiedene Aspekte dieser Maßnahme erwähnt, wie z. B. der Dekontaminationsbereich, die Dekontaminationsmethoden, die Verwendung steriler Instrumente im Operationssaal und die Handhabung von Endoskopen,1 die hier nicht alle behandelt werden können.

Leitlinien

Leitlinien
LeitlinienEmpfehlungKategorie (falls genannt)
CDC2„Wenn es während einer Operation zu einer sichtbaren Verschmutzung oder Kontamination von Oberflächen oder Instrumenten mit Blut oder anderen Körperflüssigkeiten kommt, müssen die betroffenen Bereiche vor der nächsten Operation mit einem von der Umweltbehörde EPA zugelassenen Krankenhausdesinfektionsmittel gereinigt werden.“Kategorie IB (US-Bundesverordnung: OSHA)
„Keine Empfehlung zur Desinfektion von Umgebungsflächen oder Geräten, die in Operationssälen zwischen den Operationen verwendet werden, wenn keine sichtbare Verschmutzung vorliegt.“Ungelöstes Problem
„Sterile Instrumente und Lösungen müssen unmittelbar vor der Verwendung zusammengestellt werden.“Kategorie II
WHO1„Die Instrumente sollten vor der Reinigung nicht in Desinfektionsmittel gelegt werden.“-
Wechseln von chirurgischen Instrumenten: „Das Gremium hat beschlossen, aufgrund fehlender Evidenz keine Empfehlung zu diesem Thema zu formulieren.“-
NICE3
--
KRINKO4Falls es während der Operation zur Kontamination des Operationskittels, des Sterilfeldes oder der Operationshandschuhe kommt, Kittel bzw. Handschuhe wechseln bzw. das Operationsfeld neu abdecken und unsteril gewordene Instrumente wechseln.

Kategorie IB

Es dürfen nur sachgerecht aufbereitete Medizinprodukte zur Anwendung kommen.

Kategorie IV

Nach Ende der Operation Instrumente und andere aufzubereitende Materialien im Operationsraum bedarfsweise mit manueller Vorbereitung in geeignete Behältnisse ablegen. Diese werden geschlossen zur ZSVA bzw. zum Übergaberaum für unreine Güter verbracht.

Kategorie IV

Hierbei wird insbesondere auf eine gefahrlose Entsorgung spitzer Gegenstände geachtet.Kategorie IV
Wenn nach vorangegangener Operation die Flächen-Zwischendesinfektion abgeschlossen ist, mit der Vorbereitung der folgenden Operation beginnen. Die benötigten sterilen Instrumente und Materialien im Operationssaal von einer steril bekleideten Person auf steril abgedeckten Tischen herrichten und anschließend bis zum Beginn der eigentlichen Operation mit sterilen Tüchern abdecken. Diese Tätigkeit durchführen, bevor andere Aktivitäten im OP-Saal stattfinden (zum Beispiel Lagerung, Narkoseeinleitung).

Kategorie I|

Für die Vorbereitung steriler Instrumente im Vorlauf ausschließlich einen gesonderten Raum benutzen (siehe „Instrumentenvorbereitung“ unten).Kategorie I|
Instrumentenvorbereitung: Falls Instrumentiertische nicht im OP vorbereitet werden, sondern in einem gesonderten Raum (Vorbereitungsraum für Instrumentiertische), dort die gleichen hygienischen Bedingungen (z. B. Lüftungsbedingungen) wie im OP gewährleisten.-

HARTMANN:

Portrait von Denise Leistenschneider, Senior Clinical Consultant
Denise Leistenschneider, Senior Clinical Consultant
Denise Leistenschneider, Senior Clinical Consultant
„Instrumente, die direkt mit dem Körperinneren des Patienten in Berührung kommen, müssen besonderen Hygieneanforderungen unterliegen.“

Zusammenfassung der Empfehlungen

  • Es dürfen nur sachgerecht aufbereitete Medizinprodukte zur Anwendung kommen.4

  • Sterile Instrumente und Lösungen dürfen erst unmittelbar vor der Verwendung vorbereitet werden.2

  • Instrumente, die während einer Operation unsteril geworden sind, sollten ersetzt werden4 bzw. vor der nächsten Operation gereinigt werden.2

  • Nach Ende der Operation sollten aufzubereitende Instrumente in geeignete Behältnisse gelegt (dabei insbesondere auf eine gefahrlose Entsorgung spitzer Gegenstände achten) und zum Übergaberaum für unreine Güter oder geschlossen zur ZSVA gebracht werden.4

  • Die benötigten sterilen Instrumente und Materialien sollten im Operationssaal von einer steril bekleideten Person auf steril abgedeckten Tischen hergerichtet und anschließend bis zum Beginn der eigentlichen Operation mit sterilen Tüchern abgedeckt werden.4

  • Falls die Vorbereitung in einem gesonderten Raum stattfindet, die sterilen Instrumente auf einem Instrumentiertisch herrichten und in diesem Raum die gleichen hygienischen Bedingungen sicherstellen wie im OP.4

  • Die Instrumente sollten vor der Reinigung nicht in Desinfektionsmittel gelegt werden.1

Warum sollten Instrumente nicht in Desinfektionsmittel gelegt werden?1

  • Die Instrumente könnten beschädigt werden oder korrodieren.
  • Blut und Körperflüssigkeiten können das Desinfektionsmittel inaktivieren, was wiederum die mikrobielle Kontamination fördern und zur Bildung eines Biofilms führen kann.
  • Wenn kontaminierte Gegenstände in chemische Desinfektionsmittel gelegt werden, kann der Transport zum Dekontaminationsbereich für das medizinische Personal gefährlich sein.
  • Unsachgemäße Handhabung und versehentliche Beschädigung können die Folge sein.
  • Es kann zur Entwicklung einer antimikrobiellen Resistenz gegen Desinfektionsmittel beitragen
Klassifizierung der Instrumentendekontamination1
Klassifizierung

Kritisch

Semikritisch

Unkritisch

Definition:

Medizinprodukte, die die Haut oder die Schleimhaut durchdringen oder in sterilen Körperhöhlen eingesetzt werden

Definition:

Medizinprodukte, die mit Schleimhaut oder krankhaft veränderter Haut in Kontakt kommen

Definition:

Medizinprodukte, die mit intakter Haut in Kontakt kommen

Grad der mikrobiellen Wirkung:

Tötet alle Mikroorganismen ab

Grad der mikrobiellen Wirkung:

Tötet alle Mikroorganismen ab, mit Ausnahme großer Mengen an Bakteriensporen

Grad der mikrobiellen Wirkung:

Tötet vegetative Bakterien, Pilze und Viren ab

Dekontaminationsmethode:

Sterilisation (normalerweise thermisch, wenn hitzestabil oder chemisch, wenn hitzeempfindlich)

Dekontaminationsmethode:

„High-Level-Desinfektion“, thermisch oder chemisch (unter kontrollierten Bedingungen mit minimaler Toxizität für den Menschen)

Dekontaminationsmethode:

„Low-Level-Desinfektion“ (Reinigung)

Beispiele für typische Instrumente:

Chirurgische Instrumente, Implantate, Prothesen und Geräte, Harnkatheter, Herzkatheter, Nadeln und Spritzen, Verbandsmaterial, Nahtmaterial, Entbindungssets, zahnärztliche Instrumente, starre Bronchoskope, Zystoskope, usw.

Beispiele für typische Instrumente:

Geräte für die Beatmungstherapie und Anästhesie, flexible Endoskope, Vaginalspekula, wiederverwendbare Bettpfannen und Urinale/Urinflaschen, Schalen, usw.

Beispiele für typische Instrumente:

Blutdruckmanschetten, Stethoskope, EKG-Ableitungen, usw. Umgebungsflächen, einschließlich des OP-Tisches und anderer Oberflächen im näheren Umfeld

Tabelle nach WHO: Global guidelines for the prevention of surgical site infection 20181


Dekontaminationszyklus von Mehrweginstrumenten1

Abbildung nach WHO: Global guidelines for the prevention of surgical site infection 20181

Risikobewertung für kontaminierte Instrumente1

Das Risiko der Übertragung von Mikroorganismen von Instrumenten und Geräten hängt von verschiedenen Faktoren ab:

  • dem Vorhandensein von Mikroorganismen, ihrer Anzahl und ihrer Virulenz
  • der Art des durchzuführenden Eingriffs (invasiv oder nicht-invasiv)
  • der Körperstelle, an der das Instrument oder Gerät verwendet wird

Einweg- vs. Mehrweginstrumente

  • Aufbereitete Instrumente verursachen mehrere Kostenebenen: neben den direkten Kosten (Einkaufskosten) auch indirekte Kosten (Kosten für die zentrale Sterilgutversorgungsabteilung/Aufbereitung, Wartungskosten, Verwaltungskosten).5

  • Die unzureichende Aufbereitung von Instrumenten kann zu Infektionen und Gewebereizungen führen.6

  • Das Risiko möglicher Ausbrüche im Zusammenhang mit der Verwendung aufbereiteter Instrumente ist ein wichtiger Faktor für die öffentliche Gesundheit.6

Einweginstrumente bieten Kostentransparenz sowie zusätzliche Vorteile:

  • Die Verantwortung für die Sterilisation wird an den Hersteller übertragen7
  • Vorteile für die mikrobiologische Sicherheit7
Alle aufgeführten Inhalte und Empfehlungen sind als Auszüge aus der Originalliteratur zu betrachten und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Literatur
  1. WHO (2018) Global guidelines for the prevention of surgical site infection. World Health Organization 2018.
  2. CDC (1999) Guideline for Prevention of Surgical Site Infection. Infect Control Hosp Epidemiol. 20(4): 247–278.
  3. NICE (2020) Surgical site infections: prevention and treatment. NICE guidelines. Veröffentlicht: 11. April 2019. Zuletzt aktualisiert: 19. August 2020. www.nice.org.uk/guidance/ng125.
  4. KRINKO (2018) Prävention postoperativer Wundinfektionen. Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut. Bundesgesundheitsbl 61: 448–473.
  5. European Commission. Public Health. https://health.ec.europa.eu/medical-devices-topics-interest/reprocessing-medical-devices_en. Zugriff: März 2024.
  6. FDA. https://www.fda.gov/medical-devices/products-and-medical-procedures/reprocessing-reusable-medical-devices. Zugriff: März 2024.
  7. Réutilisable ou usage unique ? Stérilisation des brosses et des sets de soins versus usage

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