Vorbereitung der Operationsstelle

Warum die Vorbereitung der Operationsstelle eine wichtige Rolle in der Vermeidung postoperativer Wundinfektionen spielt

Illustration of surgery tools
Die KRINKO erklärt:

Die präoperative Antiseptik des OP-Feldes nimmt eine Schlüsselstellung in der Prävention von SSI ein, weil bei der Durchtrennung des Integuments (Haut, Schleimhäute, Auge) eine Verschleppung der residenten Flora in die Tiefe des OP-Felds verhindert werden soll.1

Laut WHO wird unter der Vorbereitung des Operationsgebiets die präoperative Behandlung der intakten Haut des Patienten im OP-Saal verstanden2. In unserer Illustration sind aber auch sterile Abdeckungen zu sehen.

Leitlinien

Leitlinien
LeitlinieEmpfehlungKategorie (falls genannt)
CDC3,4„Die Inzisionsstelle und deren Umgebung gründlich waschen und reinigen, um grobe Verunreinigungen zu entfernen, bevor die Haut antiseptisch vorbereitet wird.“3

Kategorie IB

„Die intraoperative Hautvorbereitung mit einem alkoholbasierten Hautantiseptikum durchführen, sofern dies nicht kontraindiziert ist.“4

Kategorie IA – starke Empfehlung; hohe Evidenzqualität

„Das präoperative Hautantiseptikum in konzentrischen Kreisen von innen nach außen auftragen. Der vorbereitete Bereich muss groß genug sein, dass bei Bedarf die Inzision vergrößert, eine neue Inzision vorgenommen oder eine Drainage gelegt werden kann.“3Kategorie II
„Die Anwendung einer mikrobiellen Versiegelung unmittelbar nach der intraoperativen Hautvorbereitung ist für die Prävention von postoperativen Wundinfektionen nicht erforderlich.“4Kategorie ll – schwache Empfehlung; geringe Evidenzqualität
„Die Verwendung von selbstklebenden Abdecktüchern aus Kunststoff mit oder ohne antimikrobielle Eigenschaften ist zur Prävention von postoperativen Wundinfektionen nicht erforderlich.“4Kategorie ll – schwache Empfehlung; hohe bis moderate Evidenzqualität
„Es sind OP-Mäntel und -Abdeckungen zu verwenden, die auch bei hohem Flüssigkeitsaufkommen eine wirksame Barriere bilden (d. h. aus flüssigkeitsabweisenden oder flüssigkeitsundurchlässigen Materialien).“Kategorie IB
WHO2„Das Gremium empfiehlt zur Vorbereitung der Haut des Operationsgebiets die Verwendung eines alkoholbasierten Hautantiseptikums auf Chlorhexidingluconat-Basis.“

Starke Empfehlung, geringe bis moderate Evidenzqualität

„Das Gremium merkt an, dass nach der Vorbereitung der Haut des Operationsgebiets keine antimikrobiellen Versiegelungen zum Reduzieren von postoperativen Wundinfektionen verwendet werden sollten.“Eingeschränkte Empfehlung, sehr geringe Evidenzqualität
„Das Gremium schlägt vor, bei chirurgischen Eingriffen zur Vorbeugung von postoperativen Wundinfektionen entweder sterile Einweg-Mäntel und -Abdeckungen aus Vliesstoff oder sterile, wiederverwendbare OP-Mäntel und -Abdeckungen aus Webstoff zu verwenden.“Eingeschränkte Empfehlung, moderate bis sehr geringe Evidenzqualität
„Das Gremium schlägt vor, zur Prävention von postoperativen Wundinfektionen keine selbstklebenden Abdecktücher aus Kunststoff mit oder ohne antimikrobielle Eigenschaften zu verwenden.“Eingeschränkte Empfehlung, geringe bis sehr geringe Evidenzqualität
NICE5

„Bei chirurgischen Eingriffen nicht routinemäßig Inzisionsfolien verwenden, die nicht mit Iodophor imprägniert wurden, da sie das Risiko für postoperative Wundinfektionen erhöhen können.“

„Wird eine Inzisionsfolie benötigt, ist eine mit Iodophor imprägnierte Inzisionsfolie zu verwenden, sofern der Patient keine Iod-Allergie hat.“

„Die Haut des Operationsgebiets unmittelbar vor der Inzision antiseptisch vorbereiten.“

„Die Risiken der Verwendung von Hautantiseptika bei Babys beachten, insbesondere das Risiko schwerer chemischer Verletzungen durch die Verwendung von Chlorhexidin (sowohl in alkoholischen als auch in wässrigen Lösungen) bei Frühgeborenen.“

„Bei der Entscheidung für ein geeignetes antiseptisches Hautpräparat können die in Tabelle 1 aufgeführten Optionen herangezogen werden.“ (Tabelle 1 finden Sie weiter unten.)

„Wenn eine Diathermie durchgeführt werden soll:

  • Antiseptische Hautpräparate mittels Verdampfung trocknen
    und
  • Ansammlungen von alkoholischen Präparaten vermeiden.“
  • -
    KRINKO1

    Die Kommission empfiehlt, im Operationsraum eine gründliche Antiseptik der Haut des Operationsgebiets mit einem alkoholbasierten Hautantiseptikum durchzuführen. Durch Zusatz eines remanent wirkenden Antiseptikums wird eine über die Wirkung von Alkohol hinaus anhaltende Wirkung erreicht. Welchem Wirkstoff der Vorzug zu geben ist, ist derzeit ungeklärt.

    Kategorie IA

    Zur Antiseptik auf Schleimhäuten und dem Auge für den jeweiligen Anwendungsbereich zugelassene Antiseptika verwenden. Während der deklarierten Einwirkzeit das Hautareal satt benetzt und feucht halten, bevorzugt durch mehrfaches Aufbringen des Antiseptikums. Dabei auf die längere Einwirkzeit auf talgdrüsenreichen Hautarealen achten. Ferner darauf achten, dass der Patient nicht in einer Flüssigkeitsansammlung des Hautantiseptikums zu liegen kommt, da dies zu Hautnekrosen und zur Verpuffung führen kann.

    Kategorie IB,
    Kategorie III,
    Kategorie II,
    Kategorie II

    Nach der Antiseptik des OP-Feldes die Umgebung des Operationsgebietes steril abdecken. Bei Operationen, bei denen ein Durchfeuchten nicht auszuschließen ist, flüssigkeitsundurchlässige Abdeckungen verwenden. Die Verwendung von nicht antiseptisch imprägnierten Inzisionsfolien wird nicht empfohlen.

    OP-RingfolienbietennichtbeiallenOperationennachweisbareVorteile in Bezug auf Prävention von SSI.

    Kategorie IB,
    Kategorie IB,
    Kategorie IB,
    Kategorie I


    HARTMANN:

    Portrait von Denise Leistenschneider, Senior Clinical Consultant
    Denise Leistenschneider, Senior Clinical Consultant
    Die menschliche Haut spielt eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von postoperativen Wundinfektionen und sollte daher bei der Prävention besonders berücksichtigt werden.

    Wie lauten die Empfehlungen?

    Icon of an injury cover
    • Verwenden Sie ein (alkoholisches1–3) Hautantiseptikum (auf Basis von CHG2) zur Vorbereitung der Haut des Patienten im Operationssaal.1–5

    icon of arrow in circle
    • Tragen Sie das Antiseptikum in konzentrischen Kreisen von innen nach außen auf und berücksichtigen Sie bei der Bestimmung der Größe des vorbereiteten Feldes eine mögliche Vergrößerung der Inzision und das Legen einer Drainage.3

    icon of a drop
    • Vermeiden Sie Ansammlungen alkoholischer Flüssigkeiten, um Nekrosen und Verpuffung zu vermeiden.1,5

    icon of layers
    • Verwenden Sie bei Bedarf Abdeckungen.1,3

    • Verwenden Sie keine selbstklebenden Abdecktücher aus Kunststoff.2,4

    Icon of a question mark
    • Es gibt keine einheitliche Empfehlung zur Imprägnierung (ob und wie) von Abdecktüchern und Inzisionsfolien.

    NICE: Optionen für die Hautantiseptik (Tabelle 1)5

    WannGeeignetes Hautantiseptikum
    Erste Wahl, sofern keine Kontraindikation besteht und wenn das Operationsgebiet nicht in der Nähe von Schleimhäuten liegtAlkoholische Chlorhexidinlösung
    Alternative, wenn das Operationsgebiet in der Nähe von Schleimhäuten liegtWässrige Chlorhexidinlösung
    Alternative, wenn Chlorhexidin kontraindiziert istAlkoholische Povidon-Iod-Lösung
    Wenn sowohl eine alkoholische Lösung als auch Chlorhexidin ungeeignet sindWässrige Povidon-Iod-Lösung

    Kurze Geschichtsstunde6

    Icon of 50% postoperative mortality
    Vor der Mitte des 19. Jahrhunderts lag die Sterblichkeitsrate nach Amputationen aufgrund von Sepsis noch bei 50 %. Der britische Chirurg Joseph Lister erkannte den Zusammenhang zwischen der Ausbreitung von Mikroorganismen in Operationswunden und Todesfällen in der postoperativen Phase. Er begann daraufhin, Wunden mit Phenol (damals Karbolsäure) zu behandeln. Die Zahl der Sepsisfälle nach Operationen ging drastisch zurück und moderne antiseptische Techniken wurden eingeführt.
    MIP advice
    Alle aufgeführten Inhalte und Empfehlungen sind als Auszüge aus der Originalliteratur zu betrachten und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
    Literatur

    1. KRINKO (2018) Prävention postoperativer Wundinfektionen. Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut. Bundesgesundheitsbl 61: 448–473.
    2. WHO (2018) Global guidelines for the prevention of surgical site infection. World Health Organization 2018.
    3. CDC (1999) Guideline for Prevention of Surgical Site Infection. Infect Control Hosp Epidemiol. 20(4): 247–278.
    4. Berrios-Torres SI, et al. (2017) Centers of Disease Control and Prevention Guideline for the Prevention of Surgical Site Infection, 2017. JAMA Surg152(8): 784–791.
    5. NICE (2020) Surgical site infections: prevention and treatment. NICE guidelines. Published: 11 April 2019. Last updated: 19 August 2020.www.nice.org.uk/guidance/ng125.
    6. Hemani ML, Lepor H (2009) Skin Preparation for the Prevention of Surgical Site Infection: Which Agent Is Best? Rev Urol 11(4): 190–195.

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