Surveillance

Eine vielbeachtete Maßnahme mit nur wenigen klar formulierten Empfehlungen

Warum Surveillance wichtig für die Prävention von postoperativen Wundinfektionen ist

Daten aus Surveillance-Systemen aus verschiedenen Ländern haben gezeigt, dass die regelmäßige Teilnahme an einem nationalen Surveillance-System und das Feedback der eigenen Daten von SSI zusammen mit nationalen Referenzdaten zu einer signifikanten Reduktion der Rate von SSI von 25 % bis 65 % führen.1

Definition: „Surveillance ist die fortlaufende und systematische Erfassung, Analyse und Interpretation von Gesundheitsdaten zur Beschreibung und Überwachung von Gesundheitsereignissen.“2

Die Überwachung von Krankenhausinfektionen ist für ein effektives Programm zur Infektionsprävention und -kontrolle unerlässlich. Das Definieren, Erkennen, Melden und Auswerten von Krankenhausinfektionen, einschließlich postoperativer Wundinfektionen, stellt jedoch eine Herausforderung dar und erfordert Fachwissen, Zeit und Ressourcen.3

Die Surveillance ist eine vieldiskutierte Maßnahme, die in verschiedenen Leitlinien zur Prävention von postoperativen Wundinfektionen erwähnt wird. Dennoch gibt es nur wenige Empfehlungen, die als solche deklariert sind …

Leitlinien

Leitlinien
LeitlinienEmpfehlungKategorie (falls genannt)
CDC4„Zur Identifikation von Wundinfektionen bei stationären und ambulanten chirurgischen Patienten sollten die CDC-Definitionen für postoperative Wundinfektionen ohne Modifikation angewendet werden.“Kategorie IB
„Zur Identifikation von Wundinfektionen bei stationären (und wiederaufgenommenen) Patienten sollten die direkte prospektive Beobachtung, indirekte prospektive Erkennungsmethoden oder eine Kombination von beiden bis zur Entlassung angewendet werden.“Kategorie IB
„Wenn nach der Entlassung eine Surveillance von Wundinfektionen nach bestimmten Operationen (z. B. Koronararterien-Bypass) durchgeführt wird, sollte eine Methode angewendet werden, die den verfügbaren Ressourcen und den benötigten Daten gerecht wird.“Kategorie II
„Zur Identifikation von Infektionen bei ambulanten Patienten sollte eine Methode angewendet werden, die den verfügbaren Ressourcen und den benötigten Daten gerecht wird.“Kategorie IB
„Nach Abschluss der Operation die Wunde klassifizieren. Die Klassifizierung ist durch ein Mitglied des Operationsteams vorzunehmen.“ Kategorie II
„Bei allen Patienten, die sich einer für die Surveillance ausgewählten Operation unterziehen, müssen die für eine Wundinfektion relevanten Risikofaktoren aufgezeichnet werden (Wundkontaminationsklasse, ASA, OP-Dauer).“Kategorie IB
„Regelmäßige Berechnung der operationsbezogenen Wundinfektionsraten, stratifiziert nach Risikofaktoren, die bekanntlich mit einem erhöhten Risiko für postoperative Wundinfektionen assoziiert sind (z. B. NNIS-Index).“Kategorie IB
„Feedback der stratifizierten Infektionsraten an die Operateure. Die optimale Häufigkeit und das optimale Format für solche Ratenberechnungen werden durch die stratifizierten Fallzahlen (Nenner) und die Ziele lokaler, kontinuierlicher Initiativen zur Qualitätsverbesserung bestimmt.“Kategorie IB
„Keine Empfehlung, dem Ausschuss für Infektionsbekämpfung kodierte operateurspezifische Daten zur Verfügung zu stellen.“Ungelöstes Problem

WHO3

--
NICE5--
KRINKO1Eine Surveillance von postoperativen Wundinfektionen ist verpflichtend.Kategorie IA/IV

HARTMANN:

Portrait von Denise Leistenschneider, Senior Clinical Consultant
„Nur durch regelmäßige Überwachung können Maßnahmen sinnvoll eingesetzt, optimiert und letztlich wirksam werden.“
Denise Leistenschneider, Senior Clinical Consultant

Auszug aus den Empfehlungen

Die Surveillance von postoperativen Wundinfektionen ist verpflichtend.1

Postoperative Wundinfektionen sollten identifiziert werden:4

  • bei stationären Patienten

  • bei entlassenen Patienten

  • bei ambulanten Patienten

Zur Identifikation von Wundinfektionen bei stationären (und wiederaufgenommenen) Patienten sollten die direkte prospektive Beobachtung, indirekte prospektive Erkennungsmethoden oder eine Kombination von beiden angewendet werden.4

Zur Surveillance nach der Entlassung und zur Identifikation von Infektionen bei ambulanten Patienten sollte eine Methode angewendet werden, die den verfügbaren Ressourcen und den benötigten Daten gerecht wird.4

Bei für die Surveillance ausgewählten Operationen müssen die für eine Wundinfektion relevanten Risikofaktoren aufgezeichnet werden (Wundkontaminationsklasse, OP-Dauer).4

Die operationsbezogenen Wundinfektionsraten sollten regelmäßig berechnet werden.4

Das Operationsteam sollte regelmäßig über die aktuellen Infektionsraten informiert werden.4

Ziel der Surveillance

KISS des NRZ

Obwohl es nur wenige Empfehlungen gibt, die eindeutig als solche deklariert sind, sorgt zum Beispiel auch das KISS (Krankenhaus-Infektions-Surveillance-System) des NRZ (Nationales Referenzzentrum) dafür, dass nosokomiale Wundinfektionen in deutschen Krankenhäusern durch sein Surveillance-Protokoll (Modul OP-KISS) regelmäßig erfasst und überwacht werden können:

  • Der Schwerpunkt liegt auf bestimmten Indikator-Operationen (z. B. Hüftendoprothesen [HPRO], Eingriffe am Kolon [COLO], Operationen am Herzen [CARD] oder Leistenhernien [HERN]), die häufig durchgeführt werden und bei denen Wundinfektionen eine besondere Relevanz haben.
  • Es sollte sichergestellt werden, dass die Indikator-OP häufig genug durchgeführt wird, sodass die Ergebnisse interpretierbar werden.
  • Basis sind die Festlegungen und Definitionen des NHSN bzw. der CDC.
  • Risiko-Stratifizierung anhand des NNIS-Risikoscores (OP-Dauer, ASA-Score des Patienten, Kontaminationsgrad der Operationswunde)
Alle aufgeführten Inhalte und Empfehlungen sind als Auszüge aus der Originalliteratur zu betrachten und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Literatur
  1. KRINKO (2018) Prävention postoperativer Wundinfektionen. Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut. Bundesgesundheitsbl 61: 448–473.
  2. Centers for Disease Control (CDC) (1988) Guidelines for Evaluating Surveillance Systems. MMWR Suppl; 37(5): 1–18.
  3. WHO (2018) Global guidelines for the prevention of surgical site infection. World Health Organization 2018.
  4. CDC (1999) Guideline for Prevention of Surgical Site Infection. Infect Control Hosp Epidemiol. 20(4): 247–278.
  5. NICE (2020) Surgical site infections: prevention and treatment. NICE guidelines. Veröffentlicht: 11. April 2019. Zuletzt aktualisiert: 19.°August°2020. www.nice.org.uk/guidance/ng125.
  6. NRZ. https://www.nrz-hygiene.de/files/Protokolle/OP-Protokolle/Wundinfektionen/Protokoll_OP_KISS_01_2017.pdf. Abruf: 14.03.2024.

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