Deutscher Wundkongress

Der Deutsche Wundkongress ist das größte deutsche Forum zum Thema „chronische Wunde“.

EWMA-DEWU – Rückblick 2026

Teilnehmer Symposium

Vom 6. bis zum 8. Mai war Bremen wieder das Mekka der Wundbehandler aus ganz Deutschland – und diesmal auch aus ganz Europa, denn der Deutsche Wundkongress, kurz DEWU, fand diesmal in Kombination mit dem 36. Kongress der European Wound Management Association (EWMA) statt. Laut den Veranstaltern selbst war die diesjährige Konferenz die meistbesuchte in der Geschichte der EWMA mit 6.364 Teilnehmenden aus 81 Ländern, 955 Vorträgen, 661 ePostern und 166 Ausstellern.

Unter dem Motto „Neuanfang versus Umdenken: Wundversorgung in einer Welt im Wandel” trafen sich die Teilnehmenden auf dem Messegelände zu Fachvorträgen, Diskussionsrunden und Workshops und auf den über 100 Ständen der Industrieausstellung.

Besonderes Highlight auf dem HARTMANN Stand in Halle 5 war das neue Mehrkomponenten-Kompressionssystem Pütter® Pro 2 Vintens®, das die beiden Kompressionsbinden um einen Drucksensor und eine praktische Smartphone-App für Behandler und Patient bzw. Angehörigen ergänzt und damit für mehr Sicherheit im gesamten Therapieverlauf sorgt

Die HARTMANN Symposien beim DEWU 2026

Das erste Symposium stand unter dem Titel „Fortschritte in der Behandlung chronischer Wunden: Klinische Ergebnisse bei der Anwendung von superabsorbierenden Silikonverbänden bei diabetischen Fußgeschwüren und venösen Beingeschwüren“. Drei hochkarätige Experten – Prof. Dr. Ewa Stürmer vom UKE, Prof. Dr. Sebastian Probst aus Genf und Dr. Agnieszka Lipińska aus Łódź – stellten dabei das Konzept der Wund-Balance vor, präsentierten eine aktuelle Studie zu Zetuvit® Plus Silicone Border und erläuterten den Einsatz anhand praktischer Fälle.

Pütter® Pro 2 Vintens® war das Thema des zweiten interessanten HARTMANN Symposiums. Unter dem Titel „Unter Druck – aber smart“ erläuterte Kerstin Protz aus Hamburg, wie wichtig solche digitalen Systeme für eine korrekte Kompressionstherapie sind. Dr. Dorothee Busch von der Hautklinik des Universitätsklinikums Erlangen erläuterte anschließend die Grundlagen der Kompressionstherapie und deren physikalische Wirkweise und betonte eine hervorragende Evidenz für den Nutzen dieser Therapieform. Abschließend stellte Florian Botzenhardt noch das Produkt vor.

Prof. Dr. Ewa Stürmer, Prof. Dr. Sebastian Probst und Dr. Agnieszka Lipińska als Gruppenbild
Dr. Agnieszka Lipińska, Prof. Dr. Sebastian Probst, Prof. Dr. Ewa Stürmer (v. l. n. r.)
Kerstin Protz, Dr. Dorothee Busch, Florian Botzenhardt als Gruppenbild
Dr. Dorothee Busch, Kerstin Protz, Florian Botzenhardt (v. l n. r.)

Das sind die Inhalte der Referate

Fortschritte in der Behandlung chronischer Wunden: Klinische Ergebnisse bei der Anwendung von superabsorbierenden Silikonverbänden bei diabetischen Fußgeschwüren und venösen Beingeschwüren

Der Deutsche Wundkongress fand vom 6. bis zum 8. Mai 2026 in Kooperation mit der European Wound Management Association (EWMA) statt. Über 6.000 Teilnehmende besuchten die zahlreichen Vorträge und trafen sich zum fachlichen Austausch. In einem international besetzten Symposium am zweiten Kongresstag nahmen drei Experten die wissenschaftlichen Daten zu superabsorbierenden Silikonwundauflagen und deren praktische Anwendung in den Blick.

Die Sitzung wurde moderiert von Prof. Dr. Ewa Stürmer vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Sie ist dort ärztliche Leitung des Comprehensive Wound Center (CWC) und leitet die Arbeitsgrupppe Translationale Wundforschung. Die Fachärztin für Allgemeinchirurgie, Orthopädie und Unfallchirurgie erläuterte das Prinzip der Wund-Balance in der Versorgung von Menschen mit Wunden. Hierbei werden durch praxisnahe Nutzung wissenschaftlicher Erkenntnisse solche Wunden, bei denen Störfaktoren vorliegen, frühzeitig identifiziert, bevor sie stagnieren oder zu chronischen Wunden werden.

In diesem Zusammenhang betonte Prof. Dr. Stürmer die Bedeutung der patientenzentrierten Versorgung, und der Patientenedukation, die beim ersten Patientenkontakt ansetzt. Beides führt zur Steigerung und Sicherung der Lebensqualität der Betroffenen. Insbesondere in Anbetracht des Pflegenotstands wird in Zukunft die Rolle sogenannter „informal caregivers“ zunehmend an Bedeutung gewinnen, mahnte Prof. Dr. Stürmer. Dies schließt Familienangehörige aber auch die Patienten selbst mit ein, die sich zukünftig verstärkt um ihre eigene Wundversorgung kümmern werden und daher mit wichtigen Prinzipien wie der Wund-Balance vertraut sein sollten.

Wesentlicher Bestandteil des Prinzips der Wund-Balance ist das Exsudatmanagement, da chronische Wunden oft in der exsudatreichen Entzündungsphase verharren. Hierbei sind Superabsorber von besonderer Bedeutung, die überschüssiges Exsudat, aber beispielsweise auch Matrix-Metalloproteinasen (MMP) aufnehmen können. So wird zum einen der Entzündung entgegengewirkt, zum anderen einer Mazeration von Wundrand und Wundumgebung vorgebeugt, die weitere Schädigungen zur Folge haben kann. Prof. Dr. Stürmer sieht entsprechend die Fähigkeit zur Exsudatkontrolle als wesentliche Eigenschaft einer Wundauflage an. Neben der Aufnahmekapazität spielt die Fähigkeit, das aufgenommene Exsudat auch sicher zu speichern eine wesentliche Rolle – die sogenannte Retention. Ideal ist eine Wundauflage, die die Wunde sozusagen „spiegelt“, so Prof. Dr. Stürmer.

Prof. Dr. Sebastian Probst von der Hochschule für Gesundheit in Genf und ehemaliger Präsident der EWMA warf anschließend einen Blick in die aktuelle Forschung. Er stellte eine prospektive klinische Studie vor, die vor Kurzem online im Journal of Wound Care publiziert wurde.

An insgesamt 80 Patienten wurde über einen Zeitraum von sechs Wochen die Effizienz von zwei superabsorbierenden Wundauflagen untersucht: Zetuvit® Plus Silicone Border und Zetuvit® Plus Silicone. In den Blick genommen wurden hierbei sowohl der Fortschritt der Abheilung der Wunde als auch die Verbesserung der Bedingungen im Wundbett. Dies umfasste das Aufkommen von Exsudat, Art und Verbreitung von Belägen sowie den Zustand von Wundrand und Wundumgebung.

Als besondere Stärken der Studie betonte Prof. Probst zum einen den prospektiven Ansatz, der Aussagen über zukünftige Entwicklungen ermöglicht und zum anderen die multizentrische Durchführung an mehreren Kliniken, aus der sich ein breiteres Bild ergibt. Zudem bildet der gleichzeitige Einschluss von sowohl Patienten mit Ulcus cruris venosum (UCV) als auch von solchen mit diabetischen Fußwunden (DFU), seiner Ansicht nach, die Realität der täglichen Versorgung ab. Mit 65 % wies der Großteil der Teilnehmer ein UCV auf.

Insgesamt bestanden die untersuchten Wunden im Durchschnitt 170 Tage. Nach sechs Wochen Behandlung mit Zetuvit® Plus Silicone Border und Zetuvit® Plus Silicone zeigte sich bei den meisten Patienten eine Abheilung um mindestens 20 % und ein Viertel der Wunden waren komplett reepithelisiert. Aber auch bei den Wunden, die noch nicht geschlossen waren, zeigten sich deutliche Verbesserungen, wie eine erhebliche Zunahme der Granulation, eine Reduktion von Belägen um mehr als 98 % sowie eine Verbesserung des Zustands der Wundumgebung.

Anhand einiger anschaulicher Fälle erläuterte Dr. Agnieska Lipińska, die Leiterin des Diabeteszentrums ARGO im polnischen Łódź, abschließend die praktische Anwendung dieser Produkte. Die Diabetologin berichtete zunächst von einem Patienten mit einem UCV, das seit etwa einem Monat bestand und erhebliche Schmerzen bereitete, insbesondere im Zusammenhang mit Débridement und dem Verbandwechsel. Dr. Lipińska entschloss sich dafür, die Wunde mit Zetuvit® Plus Silicone Border zu versorgen, das eine Exsudatkontrolle bei gleichzeitiger Schonung des Wundrands gewährleistet und unterhalb der Kompressionstherapie anwendbar ist. Schon nach wenigen Visiten hatte sich die Wundfläche deutlich reduziert.

Ähnliche Erfolge zeigten sich bei einem weiteren Patienten mit UCV, das seit über einem Jahr bestand. Auch in diesem Fall wurde die Wunde mit Zetuvit® Plus Silicone Border unterhalb einer Kompressionstherapie versorgt. Nach sechswöchiger Behandlung im Rahmen einer Anwenderbeobachtung war bereits eine deutliche Verbesserung eingetreten. Zwei Monate später war die Wunde vollständig abgeheilt.

Eine andere Art von Herausforderung stellte ein 61-jähriger Patient mit einem DFU dar. Die Wunde hatte sich unterhalb des Fußes entwickelt, an dem auch bereits Zehen amputiert worden waren. In diesem Fall wurde Zetuvit® Plus Silicone Border angewendet und gleichzeitig der Fuß durch einen Total Contact Cast entlastet. Nach etwas mehr als drei Monaten waren die Wunden schließlich abgeheilt.

Nach Dr. Lipińskas Ansicht unterstrichen diese drei Fälle die Bedeutung von Kompressionstherapie und von Entlastung sowie die Wichtigkeit der Akzeptanz der Patienten gegenüber der Therapie. Superabsorbierende vielseitig anwendbare Wundauflagen spielen hier eine bedeutende Rolle.

Unter Druck – aber smart. Die digitale Evolution der Kompressionstherapie

Eine hochkarätig besetzte Session am zweiten Kongresstag widmete sich unter dem Titel „Unter Druck – aber smart“ einer echten Innovation in der Kompressionstherapie. Die Sitzung wurde moderiert von Florian Botzenhardt, dem Senior National Brand Manager der PAUL HARTMANN AG.

Zunächst erläuterte Kerstin Protz aus Hamburg den Status der phlebologischen Kompressionstherapie in Deutschland anhand aktueller Zahlen und Daten. Von 0,2 % bis 0,5 % der deutschen Bevölkerung weist ein florides Ulcus cruris venosum (UCV) auf, so die Versorgungsforscherin. Die Prävalenz steige allerdings mit zunehmendem Lebensalter an und liegt in der Alterskohorte von 70–79 Jahren bereits bei 2,7 %.

Die Kompressionstherapie ist eine Säule in der konservativen Versorgung und soll gemäß Leitlinien nach Prüfung der Kontraindikationen bei allen Patienten mit UCV eingesetzt werden – dies ist allerdings, wie Erhebungen zeigen, bei bis zu 61 % der Menschen mit floridem UCV in Deutschland nicht der Fall. Für die Betroffenen hat eine ungenügende oder fehlende Kompressionsversorgung vielfältige Konsequenzen, beispielsweise Schmerzen, starke Exsudation und Geruchsentwicklung, Einschränkungen in der selbständigen Gestaltung des Tagesablaufs und vieles mehr.

Aber auch die Gründe für eine unzureichende Kompressionstherapie sind vielfältig. So fehlt es insbesondere im ambulanten Bereich oft an entsprechender Diagnostik und Kausaltherapie. Versorger sind häufig nicht auf dem aktuellen Stand und setzen Erkenntnisse aus der Wissenschaft oft nicht in der Praxis um. Daher erfolgt Kompressionstherapie, auch wenn sie angewendet wird, häufig mit veralteten und/oder nicht korrekt angelegten Materialien, weshalb Bandagierungen meist nicht therapierelevante Druckwerte erreichen, oder den Druck rasch wieder verlieren und in der Folge verrutschen.

In der Konsequenz verlängert sich die Entstauungsphase, die Wundheilung verzögert sich, die Kosten steigen und die Lebensqualität sowie die Adhärenz der Betroffenen sinken. Als Möglichkeit zur Verbesserung der Situation sieht Kerstin Protz – neben einer individuellen Patientenedukation – die Verbesserung des Wissens der Versorger, wobei bereits in Ausbildung und Studium angesetzt werden sollte.

Zusätzliches Potential verspricht die digitale Unterstützung der Kompressionstherapie, beispielsweise die digitale Überwachung und Dokumentation des Kompressionsdrucks. Eine entsprechende App wurde bei einer von ihr durchgeführten Erhebung unter Pflegefachpersonen unter mehreren Aspekten als nützlich bewertet. Insbesondere in der Patientenedukation und zur Erhöhung der Nachvollziehbarkeit der Therapie für alle Beteiligten sahen die Teilnehmer Potential. Zudem könnte eine entsprechend leicht zu bedienende und vom Anbieter einfach zu aktualisierende App ein Mittel zur Informationsbereitstellung für alle an der Therapie Beteiligten sein und gleichermaßen das Wissen von Betroffenen und Versorgern stärken.

In diesem Zusammenhang sieht Kerstin Protz beim neuen Pütter® Pro2 Vintens®, einem Mehrkomponentensystem mit Sensor und App in mehrfacher Hinsicht vielversprechendes Potenzial.

Dr. Dorothee Busch von der Hautklinik des Universitätsklinikum Erlangen erläuterte anschließend die Grundlagen der Kompressionstherapie und deren physikalische Wirkweise. Für den Nutzen dieser Therapieform bestehe eine hervorragende Evidenz, betonte die Dermatologin, allerdings werde sie nur unzureichend in der Praxis umgesetzt. Richtig angewendet reduziert die Kompressionstherapie nicht nur Ödeme, sie verringert zudem nachweislich Entzündungszeichen, so Dr. Dorothee Busch.

Für Akzeptanz von Seiten der Patienten, als einen entscheidenden Faktor für den Therapieerfolg, ist es wichtig, nicht nur die Wirkung und Vorteile der Kompressionstherapie zu erläutern, sondern auch über den Kompressionsdruck zu sprechen. Hier sei es hilfreich, dass Kompressionstherapie sozusagen „dosierbar“ ist, kommentierte Dr. Dorothee Busch.

Die individuelle Anpassung der Therapie an die Bedürfnisse des Patienten sei ihrer Erfahrung nach insbesondere in der Kompressionstherapie von besonderer Bedeutung. Man könne somit langsam starten, um den Betroffenen an den Druck zu gewöhnen und dann im späteren Verlauf allmählich die Bandagierung bis zur therapierelevanten Druckwertspanne steigern.

Welcher Kompressionsdruck unterhalb der Bandagierung aber tatsächlich besteht, ist kaum abschätzbar und auch nur schwer zuverlässig zu kontrollieren. Das Pütter® Pro2 Vintens® Mehrkomponentensystem bietet hier die Möglichkeit zur unkomplizierten und zuverlässigen Ermittlung des tatsächlichen Drucks. Als erheblichen Vorteil sieht Dr. Busch den einfachen Umgang mit dem System an, der es auch den Betroffenen unkompliziert ermögliche, den Druck über die App abzulesen. Dadurch wird die Selbstpflegekompetenz gestärkt und die Adhärenz unterstützt. Zudem lassen sich Druckverläufe darstellen und viele Informationen ermitteln, die bisher gar nicht vorhanden sind. Weiteres Potential eröffnet das Produkt für neue Ansätze in der Forschung, so Dr. Dorothee Busch.

Nach einer kurzen und unterhaltsamen Zusammenfassung der Geschichte der PAUL HARTMANN AG stellte Florian Botzenhardt abschließend das Produkt vor und moderierte den regen Austausch mit dem Publikum.



Deutscher Wundkongress – Rückblick 2025

Rund 4.880 Wundexpertinnen und Wundexperten aller Berufsgruppen und Fachbereiche waren vom 7. bis zum 9. Mai 2025 zum 19. Deutschen Wundkongresses nach Bremen gekommen, um in verschiedenen Fachvorträgen, Workshops sowie auf der begleitenden Industrieausstellung ihr Wissen über die neuesten Erkenntnisse und Methoden der Wundversorgung zu erweitern und zu vertiefen.

Auch HARTMANN war sowohl mit zwei Symposien als auch mit einem großen Stand auf der Messe vertreten. Mit klaren Botschaften wie „Super saugfähig, unerreicht weich“, „Schluss mit unwirksam.“ oder „Tschüss Schäume“ lockten die attraktiven Messewände Interessierte sozusagen hinter die Kulissen. Hier gab es nicht nur Kaffee und die Möglichkeit, lustige Fotos zu schießen – hier konnten die Kongress-Besucherinnen und Besucher vor allem mehr über Produkte wie Zetuvit® Plus Silicone Border, das wirkstofffreie HydroClean® sowie über das neue Wundversorgungs-PLUS als einfaches Konzept zur Auswahl der richtigen Wundauflage erfahren oder live erleben, wie unkompliziert und einfach Kompressionstherapie mit Pütter® funktioniert. Natürlich wurden auch die Klassiker für die traditionelle Wundbehandlung sowie das strukturierte Hautpflege-Konzept, ergänzt durch die Produktreihe MoliCare® Skin, präsentiert.

DeWu Messestand 2025

In den vielen Gesprächen und Live-Demonstrationen räumten die kompetenten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von HARTMANN – passend zu den Stadtmusikanten – mit verschiedenen Wund-Märchen auf und bewiesen, wie modern und effektiv silikonisierte Superabsorber anstelle von Schaumverbänden sind oder dass einfache Kompressionstherapie auch leitliniengerecht möglich ist.

Spannende Erkenntnisse beim HARTMANN Symposium

Wie Kompressionstherapie leitliniengerecht möglich ist, zeigte Kerstin Protz im Rahmen des ersten HARTMANN Symposiums, am Mittwochnachmittag in ihrem Vortrag „Herausforderung Kompression gemeinsam meistern“.

Das diesjährige Kongressthema „Wundmanagement zwischen Wissenschaft, Wertschätzung und Wirtschaftlichkeit“ passte auch perfekt zu dem Wund-Balance-Kontinuum Konzept – und damit zum zweiten Symposium, das am Morgen des 8. Mai stattfand, und in dessen Rahmen die beiden Referenten Sebastian Kruschwitz und Dr. med. Tino Breitfeld in ihren Vorträgen aufzeigten, dass ganzheitliche und patientenzentrierte Wundbehandlung nicht im Widerspruch stehen müssen.

K. Protz, Sebastian Kruschwitz, T. Breitfeld
v. l. n. r.: Kerstin Protz, Sebastian Kruschwitz, Dr. med. Tino Breitfeld

Das sind die Themen der Referate

Herausforderung Kompression gemeinsam meistern

Am Nachmittag des 7. Mai ging Kerstin Protz, Projektmanagerin Wundforschung IVDP am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, in ihrem Vortrag auf die sachgerechte medizinische und leitliniengerechte Kompressionstherapie ein. Zu 90 % stehe in den Akten „Ulcus cruris wickeln“, wenn sie ambulant unterwegs sei, sagt Protz. Allerdings beschreibt Ulcus cruris nur ein Symptom und ist noch keine Diagnose. Tatsächlich sind in Deutschland bis zu 200.000 Menschen, also circa 0,2 % der Bevölkerung von einem floriden Ulcus cruris venosum (UCV) betroffen.1 Die Basis einer konservativen Therapie des UCV ist die sachgerechte medizinische Kompressionstherapie. Diese sollte auch zur Prävention und zur Rezidivprophylaxe aller Patienten mit fortgeschrittener chronischer venöser Insuffizienz eingesetzt werden – denn die Rezidivraten seien mit 50-70 % innerhalb eines halben Jahres leider sehr hoch. Doch trotz langjähriger Berufserfahrung und fachlicher Qualifikation stelle die Anlage einer sachgerechten Kompressionstherapie sowie das Erzielen adäquater Druckwerte für viele medizinische und pflegerische Fachkräfte eine Herausforderung dar. Das zeigt auch das Ergebnis einer aktuellen Befragung von 421 medizinischen Fachkräften.

Warum manche Wunden nicht heilen wollen
Zunächst müsse man wissen, welche Form eines Ulcus cruris man vor sich hat: Die größte Gruppe stellt mit 50 % das Ulcus cruris venosum (UCV). 15 % sind arteriell bedingt, und bei 15 % der Fälle handelt es sich um ein arterio-venöses Ulcus cruris; 20 % haben eine andere Ursache. Hierunter fallen dermatologische und Autoimmunerkrankungen, Infektionen aber auch Tumore, die an Anzahl deutlich zunehmen. Ein diagnostiziertes UCV, das nach sechs Wochen keine Heilungstendenzen zeige – trotz adäquater Wundversorgung sowie sach- und fachgerechter Kompressionstherapie, die entsprechend getragen wird – zeigt, dass in der Versorgung etwas nicht stimmt und bedarf einer weiteren Abklärung.

Phasengerechte Kompressionstherapie

Gemäß der AWMF-Leitlinie soll die medizinische Kompressionstherapie nach Prüfung der Kontraindikationen als konservative Standardtherapie des Ulcus cruris venosum eingesetzt werden. Denn sie beschleunigt die Abheilung.2 Dabei orientiert sich die Kompressionstherapie ebenso wie die Wundversorgung an Phasen. In der Entstauungsphase sind UCV in der Regel stark exsudierend. Gemäß der Leitlinie sollten in dieser Phase Superabsorber eingesetzt werden, da sie auch unter dem Druck der Kompression genug Exsudat aufnehmen und dieses sicher einschließen. So sei z. B. Zetuvit® Plus schön weich und hinterlasse keine Abdrücke, meint die Expertin. Zur Kompressionstherapie sollten in der Entstauungsphase Materialien verwendet werden, die sich bei Umfangänderungen individuell anpassen lassen: Kurzzugbinden, Mehrkomponentensysteme (z. B. Pütter®Pro2) oder medizinische adaptive Kompressionssysteme (MAK). In der anschließenden Erhaltungsphase könne die Umstellung auf zweilagige Ulcus-Kompressionsstrumpfsysteme erfolgen. Für die Wundversorgung werden in dieser Phase Verbandmittel empfohlen, die für das nun moderate Exsudatniveau geeignet sind, z. B. feinporige Polyurethanschaumverbände. Vor allem sollten diese nicht über Polyacrylatkleber verfügen, sondern beispielsweise mit Silikon oder Gel beschichtet sein, damit die schon durch die CVI belastete Haut nicht zusätzlich gefährdet wird (z. B. HydroTac®). In der Prävention ist es weiterhin wichtig, medizinische Kompressionsstrümpfe zu tragen, da ansonsten die Venen sich wieder weiten, d. h., dass die Venenklappen nicht richtig schließen können und somit das Risiko für ein Rezidiv steigt.

Schlechte Noten für die medizinische Kompressionstherapie im Versorgungsalltag
Die zahlreichen Indikationen führen dazu, dass die sachgerechte medizinische Kompressionstherapie zu den weit verbreiteten und immer wiederkehrenden Maßnahmen des Versorgungsalltags von Betroffenen und Mitarbeitern im Gesundheitswesen gehört. Allerdings wird heute ein Großteil der durchgeführten Kompressionsbandagierungen nicht sachgemäß angelegt.3,4,5,6 Bei den meisten Verordnungen fehlen konkrete Druckangaben.7 Diese sind zwar der Leitlinie zu entnehmen, doch wird in der täglichen Praxis oft weder ein zuverlässig therapierelevanter Druck erreicht noch eine fachgerechte Anlage durchgeführt. Das verzögert die Abheilung, die Behandlungsprozesse verlängern sich, die Kosten steigen und die Lebensqualität der Betroffenen sowie die Adhärenz gegenüber der Therapie sinken.8

Auch die 421 Teilnehmenden der aktuellen Umfrage sehen hier die größten Herausforderungen für die medizinische Kompressionstherapie. Zwar fühlen sich die meisten mit Mehrkomponentensystemen sicherer: Mit Dehnungssperren oder visuellen Markierungen vereinfachen und erleichtern diese Materialien das Anlegen mit dem therapierelevanten Druck. Allerdings bleiben aus Sicht der Befragten die mangelnde Adhärenz der Patienten sowie das unzureichende Verständnis der Notwendigkeit einer Kompressionstherapie als zentrale Herausforderungen bestehen. Einen wesentlichen Ansatzpunkt zur nachhaltigen Therapieoptimierung sehen die Teilnehmenden deshalb in einer intensiven Edukation – sowohl von Patienten und Angehörigen als auch der Anwender.

(Aus-)Blick in die digitale Zukunft
„Doch vielleicht kann man mit digitalen Systemen per Smartphone auch in diesem Bereich etwas bewegen“, stellte Protz gleich zu Anfang ihres Vortrags in den Raum. Denn digitale Unterstützungssysteme, z. B. Apps, böten durchaus Potenzial, um die Versorgungsqualität zu optimieren – z. B. hinsichtlich der kontinuierlichen Drucküberwachung, objektivem Monitoring oder auch in puncto patientenindividueller Edukation und Vermitteln von Know-how für Anwender. Eine wichtige Voraussetzung wäre aber, dass sie benutzerfreundlich und individuell auf die jeweiligen Bedürfnisse anpassbar sind. Schauen wir einmal, wohin die Reise geht.

1 Heyer K, Herberger K, Protz K, Glaeske G, Augustin M: Epidemiology of chronic wounds in Germany: Analysis of statutory health insuerance data. Wound Repair Regen 2016; 24(2): 434–442.
2 Deutsche Gesellschaft für Phlebologie und Lymphologie e. V.: AWMF S2k-Leitlinie Diagnostik und Therapie des Ulcus cruris venosum, Version 4.1: (letzter Aufruf 12.05.2025).
3 Heyer K, Protz K, Augustin M: Compression therapy – cross-sectional observational survey about knowledge and practical treatment of specialised and non-specialised nurses and therapists, Int Wound J 2017; 14: 1148–1153.
4 Protz K, Reich-Schupke S, Klose K, Augustin M, Heyer K: Kompressionsmittel für die Entstauungstherapie. Vergleichende Erhebung im Querschnitt zu Handhabung, Anpressdruck und Tragegefühl. Hautarzt 2017; 69: 232–241.
5 Coull A, Tolson D, McIntosh J: Class-3c compression bandaging for venous ulcers: comparisonof spiral and figure-of-eight-techniques. J Adv Nurs 2006; 54(3): 274–283.
6 Stansal A, Lazareth I, Michon Pasturel U, Ghaffari P, Boursier V, Bonhomme S, Sfeir D, Priollet P: Compression therapy in 100 consecutive patients with venous leg ulcers. J Mal Vasc 2013; 38(4): 252–258.
7 Protz K, Eder S, Läuchli S, Stücker M, Traber J, Dissemond J: Befragung zum Verordnungsverhalten in der Kompressionstherapie in Deutschland – Querschnittsstudie bei Anwendern von phlebologischen Kompressionsverbänden. Phlebologie 2024; 53(2): 59–65.
8 Weller CD, Buchbinder R, Jonston RV: Interventions for helping people adhere to compression treatments for venous leg ulceration. Cochrane Database Syst Rev 2026; 3(3): CD008378.

Das Wund-Balance-Kontinuum: ganzheitlich und patientenzentriert – und ganz ohne Widerspruch

Das Wund-Balance-Kontinuum ist ein Konzept, das von internationalen Experten – sowohl pflegerischen Fachexperten als auch Medizinern – entwickelt wurde. Es zeigt auf, wie sich Wundheilungsstörungen beseitigen lassen und welche Therapie – im Sinne von „Early Intervention“ bei chronischen Wunden angezeigt ist. Dabei blickt es nicht nur auf die ärztliche und pflegerische Komponente, sondern ganz besonders auch auf den Patienten und seine Wunde.

So gab Sebastian Kruschwitz, Fachbereichsleitung Wundmanagement am Zentrum für Beatmung und Intensivpflege GmbH in Berlin, im ersten Teil des zweiten Symposiums am Morgen des 8. Mai 2025 Einblicke in seinen Praxisalltag – und wie er immer wieder vor der Herausforderung steht, Balance zu halten, sowohl bei der Wund- und Patientenbehandlung als auch in der klinischen Praxis.

Sebastian Kruschwitz ist so lange in der Wundversorgung tätig, wie es Zetuvit® Plus gibt. Das Besondere an seiner Arbeit ist, dass er in der außerklinischen Intensivpflege tätig ist. Das bedeutet, seine Patienten sind in dem seit 2006 errichteten Zentrum für Beatmung und Intensivpflege nicht stationär, sondern ambulant untergebracht. Das habe eine ganz andere Qualität. „Wir bieten spezialisierte und innovative Versorgung für Menschen, die beatmet werden müssen oder neurologische Grunderkrankungen und dadurch einen minimalen Bewusstseinszustand haben.“ Die relativ große Einrichtung mit sechs Wohnbereichen verfügt über einen eigenständigen Fachbereich Wundmanagement, dessen Leitung Kruschwitz innehat. Pro Wohnbereich ist ein ausgebildeter Wundexperte im Pflegeteam. Die Therapieabstimmung erfolgt in enger Zusammenarbeit mit den behandelnden Ärzten. Je nach Anforderung bestehen aber auch zahlreiche Kooperationen mit anderen Fachbereichen wie Logopädie, Physio- und Ergotherapie oder Podologie.


Alles eine Frage der Balance
Das Wund-Balance-Konzept setzt Kruschwitz täglich um – zunächst mit der Wund-Balance: Dazu gehören für ihn die frühzeitige Erkennung und Intervention, das Exsudatmanagement, die Normalisierung und Aufrechterhaltung des Heilungsverlaufs sowie die Veränderung von Biomarkern. Zur Balance der Patientenbehandlung zählt er die Ergebnismessung (Wund-QoL), die Adhärenz und die Balance der Lebensqualität der Patienten sowie patientenzentriertes Assessment und Diagnose. Balance in der klinischen Praxis ließe sich aus seiner Sicht damit erreichen, auf alle Herausforderungen einzugehen, klinische Entscheidungen zu treffen, die Versorgungskontinuität zu gewährleisten und eine realistische Zeiteinteilung in der täglichen Praxis vorzunehmen. Voraussetzungen seien natürlich die regelmäßige Weiterbildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die Schulung und Beratung von Klienten und deren Angehörigen durch das ausgebildete Fachpersonal.

Im klinischen Bereich sind die Kosten für die Wundbehandlung solcher „Klienten“, wie Kruschwitz liebevoll die Bewohner des Zentrums für Beatmung und Intensivpflege nennt, wesentlich höher als im ambulanten Bereich. Von daher versuche er stets, alles im Rahmen seiner Möglichkeiten und Ressourcen selbst vorzunehmen. „Denn es ist möglich, mit guten Konzepten einen Klinikaufenthalt zu vermeiden.“ Es bedarf eben manchmal anderer Wege, so der Experte, z. B. bei der Kommunikation: „Hier müssen wir auf andere Parameter achten, z. B. gibt es spezielle Scores für die neurologische Grunderkrankung, nach denen man die Schmerzen oder andere Faktoren einschätzen kann?“.

Mit einigen Praxisfällen erlaubte Kruschwitz den Besuchern des zweiten HARTMANN Symposiums, einen Blick hinter seine Kulissen, sprich auf seine Arbeit im Rahmen des Wund-Balance-Konzepts. Dabei ging es u. a. um die Behandlung von kleineren bis sehr großen Abszessen mit HydroClean® und Microwasserstrahl-Débridement sowie um das Erkennen von Keimbelastung mit Hilfe von Bildgebungsgeräten.
Seltene Erkrankungen im Wund-Balance-Kontinuum: Am Anfang steht die Ursache

„Ein gutes Netzwerk ist erfolgsbringend. Denn im Endeffekt profitiert jeder Player in diesem Spiel von einer interdisziplinären, ambulanten Zusammenarbeit“, mit diesen Worten knüpfte Dr. med. Tino Breitfeld, Oberarzt und Leiter des Wundzentrums des Harzklinikums in Quedlinburg, an seinen Vorredner an. Bevor er an diesem Symposiums-Morgen mit seinem eigentlichen Vortrag begann, betonte er, dass von der ambulanten Wundversorgung vor allem der Patient profitiere. Er selbst habe das Glück, seine Leistungen sowohl im Krankenhaus als auch in der Praxis anbieten zu können: „So kann ich Patientenströme steuern und dafür sorgen, dass sie länger ambulant bleiben.“

Auch für Breitfeld verbindet das Wund-Balance-Kontinuum wissenschaftlich fundierte Wundversorgung mit individuellen Patientenbedürfnissen und klinischer Praxis. Doch der Alltag sehe manchmal anders aus, und bei der Wundheilung spiele der Faktor Mensch eine ganz entscheidende Rolle: „Spätestens, wenn man in die Patientenwohnung kommt, hört jegliche Wissenschaft auf – und trotzdem muss es irgendwie funktionieren.“ Wenn z. B. der einzige soziale Kontakt eines Patienten die nette Pflegekraft sei, wolle er vielleicht gar nicht, dass seine Wunde schnell abheilt. Für Breitfeld ist es daher absolut sinnvoll, das Gesamtkonzept – Wunde, Mensch und Praxis – zusammenzuführen. Und das hätte das Wund-Balance-Kontinuum sehr schön geschafft.

Wund-Balance: heilungsstörende Faktoren rechtzeitig erkennen

Faktoren, welche die Wundheilung stören, müssten unbedingt erkannt werden. Früher wurde noch behauptet, es gäbe nichts „Fassbares“. Doch heute kennt man die Biomarker – MMP 2 und 9, Elastasen, lokale Entzündungen, oxidativer Stress, Nähr- und Sauerstoffmangel oder fehlende Angiogenese/Epithelisierung. „Das kann man inzwischen monitoren, Studien durchführen und so die Wundtherapie auf ein neues Level heben“, betont der Experte.

Das eigentliche Ziel sei aber, die chronische Wunde zu verbannen, sprich, sie gar nicht erst entstehen zu lassen. Es sei wichtig, proaktiv die störenden Faktoren zu erkennen und frühzeitig entsprechende Maßnahmen einzuleiten. Im daily business vergesse man jedoch gern, die grundlegenden Aspekte der Wundtherapie zu beachten. So müsse an erster Stelle die Grunderkrankung diagnostiziert und leitliniengerecht therapiert werden – „ansonsten kann ich eine Wunde züchten, solange ich möchte“, warnt Breitfeld. Als Nächstes kommt das (sinnvolle) chirurgische Débridement – „wann immer möglich und ganz gleich, ob mit Ultraschall oder nur mit trockenen und sterilen Kompressen. Was faul ist, muss weg, sonst wird es nicht heilen. Und erst nach der Wundreinigung kann man sich Gedanken über die Wundauflage machen.“ Im Einmaleins der Wundtherapie – Absorption, Sequestierung, Retention, Entfernung – spiele das Exsudatmanagement eine große Rolle. Die Wunde dürfe weder zu trocken noch zu feucht sein. Deshalb müssten Wundauflagen abhängig vom Wundbefund bzw. vom Stand der Heilungsphase ausgewählt werden, der regelmäßig zu evaluieren sei. Je nach Phase kämen unterschiedliche Wundauflagen in Frage: „Es gibt keine Wundauflage, die in allen Phasen der Wundheilung gleich wirksam ist.“ Auch die Exsudatzusammensetzung – welche Art von Keimen befinden sich in der Wunde? – sei entscheidend. Hier seien Superabsorber sinnvoll: Sie können sehr viel Exsudat aufnehmen, die darin enthaltenen Heilungsinhibitoren sicher aufsaugen, binden und immobilisieren (z. B. Zetuvit® Plus Silicone Border).

Als vierten Punkt nannte Breitfeld die „Umgebungsoptimierung“, die ebenso einen wichtigen Einfluss auf die Wundheilung haben kann. Dazu gehört einmal die Ernährung, ein unfassbar wichtiges Thema, das in Wissenschaft und Praxis viel zu selten richtig beleuchtet werde. Außerdem können Medikamente, zu wenig Bewegung (z. B. bei chronischer Veneninsuffizienz) und weitere Faktoren die Wundheilung negativ beeinflussen. Als letzten, für ihn aber überaus entscheidenden Punkt nannte Breitfeld die seltenen Erkrankungen, die nicht vergessen werden dürften.

Patientenzentrierter Ansatz
Ein ganz wichtiger Punkt des Wund-Balance-Kontinuums ist für Tino Breitfeld der patientenzentrierte Ansatz: „Um vernünftig therapieren zu können, muss ich nicht die Wunde, sondern den Patienten kennen – mit seiner Wunde. Aber auch mit seinen häuslichen Gegebenheiten, seinen Bedürfnissen und Ängsten – was kann er umsetzen, was stört ihn (z. B. Kompression). Dazu müsse man ihn und oder auch seine Bezugspersonen in die Entscheidungen einbinden – vorausgesetzt, dass er es möchte. „Compliance ist extrem wichtig. Deshalb steht der Patient im Mittelpunkt und alles drumherum wird ein bisschen so geschnürt, dass es passt“, sagte der Wundexperte. Leider scheitere diese Idealvorstellung aber oft an der Zeit- und Ressourcenknappheit im Gesundheitswesen. Oberste Priorität hätte aber immer die Steigerung der Lebensqualität.

Warum an seltene Erkrankungen denken?
Zum Schluss seines Vortrags warf Breitfeld noch einen Blick hinter die Kulissen verschiedener seltener Erkrankungen und erläuterte, warum es so wichtig ist, daran zu denken. Denn seltene Erkrankungen sind gar nicht so selten, wie es scheint. Wie schon Kerstin Protz in ihrem Vortrag erwähnte, entstehen 20 % der Unterschenkelulcerationen durch eine seltene Erkrankung. „Das ist gar nicht so wenig“, betont Breitfeld, „das heißt, man muss nicht alle kennen, aber man sollte dran denken!“

Zu den seltenen Erkrankungen gehört beispielsweise die Acne inversa, eine entzündliche Erkrankung der Haarfollikel, deren Ursache und Entstehung noch nicht abschließend erforscht sind. Sie ist chronisch rezidivierend und benötigt deshalb eine lebenslange Therapie. Erfolgreich sei v. a. die LAight-Therapie – eine Kombination aus Licht und Radiofrequenz. Diese sei schonend, wirke antibakteriell, reduziere die Talgproduktion und den Haarfollikelverschluss und fördere die Durchblutung, sodass die Gewebeneubildung angeregt werde.

Das Pyoderma ganraenosum, wahrscheinlich eine Autoimmunerkrankung, trete v. a. bei Bagatellverletzungen auf. Ein Signal für diese Erkrankung seien u. a. extrem starke Schmerzen. Ansonsten sei sie auch mit einer Probeentnahme (PE) nur sehr schwer zu erkennen, da es viele ähnlich aussehende Differenzialdiagnosen gebe. Ziel sei in solchen Fällen ein Therapieversuch – aber bloß kein Débridement! –, der dem Patienten zu einer schnellen Besserung, v. a. Schmerzlinderung verhelfe.

Ganz gleich, welche Vermutung man habe, ob Neoplasien, Karzinomen, Kalziphylaxie oder eine andere seltene Erkrankung, eine PE sei enorm wichtig, denn sie könne oft für entsprechende Klarheit sorgen.

Fazit

Es liegt nicht nur im wissenschaftlichen Interesse, dass es so viele seltene Erkrankungen gibt, es hat auch eine direkte Konsequenz auf die Wundtherapie. Allerdings sollte man nicht bei jedem Hufgetrappel gleich ein Zebra hinter der Kulisse vermuten. Die Empfehlung beider Referenten aus der Vormittagsveranstaltung: Erst einmal schauen, diagnostizieren, reinigen und dann richtig therapieren – mit dem Ziel der einfachen, schnellen, nachhaltigen und auch wirtschaftlichen Wundheilung.

Deutscher Wundkongress – Rückblick 2024

168 Sitzungen, Workshops und Diskussionen, 117 Aussteller und 4 628 Pflegende, Ärzte, Wundexperten und Mitarbeitende aus der Gesundheitsbranche und der Forschung – das war der Deutsche Wundkongress vom 15. bis 17. Mai 2024 in Bremen, der damit einen Überblick über den aktuellen Stand der Forschung und zukünftige Entwicklungen in der Pflege und Wundtherapie gab und gesundheitspolitische Themen wie den Fachkräftemangel oder die Auswirkungen des Klimawandels auf die Pflege diskutierte.

Ein fester Programmbestandteil des DEWU ist seit Jahren ebenfalls die Verleihung des Deutschen Wundpreises in unterschiedlichen Kategorien. Die Preisgelder werden von der Initiative Chronische Wunden (ICW) e.V. gestiftet. In diesem Jahr hat die Fachjury vier Arbeiten prämiert und einen Sonderpreis für „Newcomer“ vergeben.

In der angeschlossenen Fachausstellung präsentierten 117 Firmen und Dienstleister ihre Arbeit und Produkte für die Pflege und die Wundtherapie. Wer sich zum HARTMANN Stand begab, wurde sofort auf den Star des diesjährigen Forums aufmerksam: Zetuvit® Plus Silicone Border. „Goodbye Schäume!“ prangte in großen Lettern an der Stellwand und wies die Besucher auf eine neue Generation der Wundauflage Zetuvit® Plus Silicone Border hin. Die Silikon-SAP-Wundauflage ist ein Allrounder für die Wundversorgung, denn sie eignet sich für die Behandlung eines breiten Spektrums sowohl von akuten als auch von chronischen Wunden mit mäßiger bis starker Exsudatbildung.

HARTMANN Messestand beim Deutschen Wundkongress 2024
Am Stand von HARTMANN herrschte großer Andrang unter den Messebesuchern.

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Ebenfalls im Fokus stand bei HARTMANN das Wund-Balance-Kontinuum[1]. Dabei handelt es sich um einen ganzheitlichen Ansatz, der von einem internationalen Expertengremium entwickelt wurde und den Patienten in den Mittelpunkt stellt. Ziel ist, die Komplexität der Wundversorgung zu verringern und die Lebensqualität der Patienten zu verbessern.

Hochkarätig besetztes HARTMANN Symposium

Das neue Behandlungskonzept war auch Thema des Symposiums von HARTMANN mit dem Titel „Wund-Balance-Kontinuum. Ein neues Konzept für die Wundversorgung“ und stieß bei den Kongressbesuchern auf großes Interesse. Sven Wörsdörfer von HARTMANN führte als Moderator durch das Symposium und stellte die Zielsetzung für die Zukunft vor: Benötigt werden ganzheitliche Ansätze für das Gleichgewicht in der Patientenversorgung und ein verstärktes interdisziplinäres Arbeiten.
Referenten am Rednerpult
Prof. Dr. Hans Smola; PD Dr. med. Cornelia Erfurt-Berge; John Schäfer (v.l.n.r.)

Und das sind die Themen der Referate:

Verbandmitteldefinition: Die (un-)endliche Geschichte

Einen regelrechten Ansturm erlebte das Symposium des Unternehmens „S12 Wundversorgung 2023, die neue Realität“. Offensichtlich brannte die Frage nach der Vereinbarkeit von adäquater Wundversorgung der Patientinnen und Patienten mit den gesundheitspolitischen Voraussetzungen den Kongressbesuchenden unter den Nägeln.
Deutscher Wundkongress 2023 - Symposium
Zahlreiche Kongressbesucherinnen und -besucher verfolgten das Symposium „S12 Wundversorgung 2023, die neue Realität“

Quellen:
[1] Wounds International (2023) Wound Balance: achieving wound healing with confidence. Wounds International, London. Zum Download verfügbar unter www.linkforwoundhealing.com
[2] Humbert, P. et al. (2014). Protease-modulating poly­acrylate-based hydrogel stimulates wound bed preparation in venous leg ulcers – a randomized controlled trial. Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology 28(12), Seiten 1742-1750
[3 ]Blome C, Baade K, Debus ES, Price P, Augustin M. The "Wound-QoL": a short questionnaire measuring quality of life in patients with chronic wounds based on three established disease-specific instruments. Wound Repair Regen. 2014 Jul-Aug;22(4):504-14.
[4] HydroClean Extension Studie (2014)

Rückblick 2023: „Wundversorgung 2023 – ein Spagat zwischen Anspruch und Realität“

In Geburtstagslaune war HARTMANN in diesem Jahr beim 17. Deutschen Wundkongress in Bremen, denn Zetuvit® Plus ist seit 15 Jahren auf dem Markt. In Deutschlands Superabsorber Nr. 1 haben die Heidenheimer 15 Jahre Erfahrung buchstäblich aufgesaugt, und zwar durch den kontinuierlichen Austausch mit ihren Kunden. Das Resultat ist eine überzeugende Leistung bei Absorption und Retention sowie zufriedene Patienten hinsichtlich Tragekomfort und Verträglichkeit bei gleichzeitiger Kosten- und Zeitersparnis.
Deutscher Wundkongress 2023 – Messestand
Am Stand von HARTMANN herrschte großer Andrang unter den Messebesuchern.
Deutscher Wundkongress 2023 - Compreflex
Das neue medizinisch adaptiven Kompressionssystem Compreflex® Standard Calf erleichtert das Anlegen sowohl für medizinische Fachkräfte als auch für Patientinnen, Patienten und Angehörige.
Neben dem Jubiläum stand am HARTMANN-Stand auch die Kompressionstherapie im Fokus. Mit dem neuen medizinisch adaptiven Kompressionssystem Compreflex® Standard Calf für die Wade und dem Compreboot® Standard Foot für den Fuß ist die Anwendung über dem Unterziehstrumpf sowohl für medizinische Fachkräfte als auch für Patienten und Angehörige so einfach wie nie. Der Wrap für die Wade ist mit einem System ausgestattet, auf dem die Kompressionsbereiche von 21 - 46 mmHg deutlich gekennzeichnet sind, so dass sie bei jeder Benutzung genau eingestellt werden können. Das Interesse an dieser einfachen Kompressionstherapie war bei den zahlreichen Besucherinnen und Besuchern entsprechend groß, denn eine korrekte Anlagetechnik wird in der Ausbildung medizinischer Fachkräfte oft vernachlässigt. Dennoch nutzten Viele die Möglichkeit, sich auch das korrekte Anlegen der Pütterbinde und PütterFlex sowie der 2-Komponenten-Kompressionssysteme Pütter®Pro 2 und Pütter®Pro 2 Lite vom Profi zeigen zu lassen. Schließlich beschert ihnen ein richtig angelegter Kompressionsverband dankbare Patienten, da deren Schmerzen und Beschwerden schnell nachlassen.

Unter dem Dach „Wir. Für euch.“ präsentierte HARTMANN nicht nur die Wundversorgung und Kompressionstherapie, sondern auch eine kompetente Unterstützung für die ambulante Pflege. Für den Schutz des Pflegepersonals vor Krankheitserregern sorgen die Peha-soft® Handschuhe in verschiedenen Materialien sowie der undurchlässige Einmal-Schutzkittel Foliodress® und Atemschutzmasken. Dreh- und Angelpunkt der Händehygiene ist die Desinfektion, für die HARTMANN drei verschiedene Sterilium®-Produkte anbietet. Zum Infektionsschutz gehören jedoch auch Hautschutz und -pflege, was durch die MoliCare®Skin-Serien gewährleistet wird. Die MoliCare®-Einlagen und -Pflegeprodukte bieten Patientinnen und Patienten mit Blasenschwäche Sicherheit für jeden Tag.