Deutscher Wundkongress

Der Deutsche Wundkongress, der in Kooperation mit der Initiative Chronische Wunden e. V. organisiert wird und gemeinsam mit dem Bremer Pflegekongress stattfindet, ist das größte deutsche Forum zum Thema „chronische Wunde“.

Deutscher Wundkongress – Ausblick 2026

„Neuanfang versus Umdenken: Wundversorgung in einer Welt im Wandel.” Unter diesem Motto steht der DEWU, der Deutsche Wundkongress, der 2026 sein 20-jähriges Jubiläum feiern kann. Seit dem ersten Event 2006 ist er zu Deutschlands größtem Forum für chronische Wunden geworden und ein praxisnaher Branchentreff für aktuelle Fragestellungen in der mobilen und stationären Pflege. Er findet gemeinsam mit dem 36. Kongress der European Wound Management Association (EWMA) statt und wird damit nach Aussagen der Veranstalter zum weltweit führenden Kongress zum Wundmanagement.

Vom 6. bis 8. Mai werden in Bremen wieder rund 5000 Teilnehmende, rund 350 Referierende in Fachvorträgen, Diskussionsrunden und Workshops und über 100 Aussteller bei der Industrieausstellung erwartet. Selbstverständlich ist auch die PAUL HARTMANN AG wieder an der Weser vertreten. Auf dem Messestand G10 in Halle 5 erwartet die Besucherinnen und Besucher ein breites Themenspektrum, unter anderem ein interaktiver Workshop mit VR-Brille sowie ein Workshop zum Thema Kompression. Die inzwischen schon klassische Fotobox sowie der Barista für den kleinen Genuss zwischendurch dürfen natürlich nicht fehlen.

Ergänzt wird das Programm am Donnerstag, dem 7. Mai um zwei spannende Symposien. Das erste Symposium von 13:15 bis 14:15 Uhr in Halle 4 / Raum D steht unter dem Titel „Die Behandlung chronischer Wunden voranbringen – klinische Ergebnisse mit Silikon-SAP-Wundauflagen bei der Behandlung von Ulcera cruris venosum und diabetischen Fußulzera“. Im Symposium werden die Ergebnisse einer aktuellen Beobachtungsstudie vorgestellt, die Verbesserungen im Wundgebiet, in der Wundbettqualität und in der Exsudatkontrolle nach sechswöchiger Anwendung von Silikon-SAP-Wundauflagen aufzeigt. Ein weiterer Fokus liegt auf den Vorteilen für die Verbesserung der Lebensqualität der Patienten. Vorgestellt wird die Studie von Prof. Dr. Sebastian Probst, Professor für Gewebevitalität und Wundversorgung an der Hochschule für Gesundheit in Genf und ehemaliger Präsident der EWMA, und Dr. Agnieszka Lipińska, Leiterin des Diabeteszentrums ARGO im polnischen Łódź.

Deutscher Wundkongress – Rückblick 2025

Rund 4.880 Wundexpertinnen und Wundexperten aller Berufsgruppen und Fachbereiche waren vom 7. bis zum 9. Mai 2025 zum 19. Deutschen Wundkongresses nach Bremen gekommen, um in verschiedenen Fachvorträgen, Workshops sowie auf der begleitenden Industrieausstellung ihr Wissen über die neuesten Erkenntnisse und Methoden der Wundversorgung zu erweitern und zu vertiefen.

Auch HARTMANN war sowohl mit zwei Symposien als auch mit einem großen Stand auf der Messe vertreten. Mit klaren Botschaften wie „Super saugfähig, unerreicht weich“, „Schluss mit unwirksam.“ oder „Tschüss Schäume“ lockten die attraktiven Messewände Interessierte sozusagen hinter die Kulissen. Hier gab es nicht nur Kaffee und die Möglichkeit, lustige Fotos zu schießen – hier konnten die Kongress-Besucherinnen und Besucher vor allem mehr über Produkte wie Zetuvit® Plus Silicone Border, das wirkstofffreie HydroClean® sowie über das neue Wundversorgungs-PLUS als einfaches Konzept zur Auswahl der richtigen Wundauflage erfahren oder live erleben, wie unkompliziert und einfach Kompressionstherapie mit Pütter® funktioniert. Natürlich wurden auch die Klassiker für die traditionelle Wundbehandlung sowie das strukturierte Hautpflege-Konzept, ergänzt durch die Produktreihe MoliCare® Skin, präsentiert.

DeWu Messestand 2025

In den vielen Gesprächen und Live-Demonstrationen räumten die kompetenten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von HARTMANN – passend zu den Stadtmusikanten – mit verschiedenen Wund-Märchen auf und bewiesen, wie modern und effektiv silikonisierte Superabsorber anstelle von Schaumverbänden sind oder dass einfache Kompressionstherapie auch leitliniengerecht möglich ist.

Spannende Erkenntnisse beim HARTMANN Symposium

Wie Kompressionstherapie leitliniengerecht möglich ist, zeigte Kerstin Protz im Rahmen des ersten HARTMANN Symposiums, am Mittwochnachmittag in ihrem Vortrag „Herausforderung Kompression gemeinsam meistern“.

Das diesjährige Kongressthema „Wundmanagement zwischen Wissenschaft, Wertschätzung und Wirtschaftlichkeit“ passte auch perfekt zu dem Wund-Balance-Kontinuum Konzept – und damit zum zweiten Symposium, das am Morgen des 8. Mai stattfand, und in dessen Rahmen die beiden Referenten Sebastian Kruschwitz und Dr. med. Tino Breitfeld in ihren Vorträgen aufzeigten, dass ganzheitliche und patientenzentrierte Wundbehandlung nicht im Widerspruch stehen müssen.

K. Protz, Sebastian Kruschwitz, T. Breitfeld
v. l. n. r.: Kerstin Protz, Sebastian Kruschwitz, Dr. med. Tino Breitfeld

Das sind die Themen der Referate

Am Nachmittag des 7. Mai ging Kerstin Protz, Projektmanagerin Wundforschung IVDP am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, in ihrem Vortrag auf die sachgerechte medizinische und leitliniengerechte Kompressionstherapie ein. Zu 90 % stehe in den Akten „Ulcus cruris wickeln“, wenn sie ambulant unterwegs sei, sagt Protz. Allerdings beschreibt Ulcus cruris nur ein Symptom und ist noch keine Diagnose. Tatsächlich sind in Deutschland bis zu 200.000 Menschen, also circa 0,2 % der Bevölkerung von einem floriden Ulcus cruris venosum (UCV) betroffen.1 Die Basis einer konservativen Therapie des UCV ist die sachgerechte medizinische Kompressionstherapie. Diese sollte auch zur Prävention und zur Rezidivprophylaxe aller Patienten mit fortgeschrittener chronischer venöser Insuffizienz eingesetzt werden – denn die Rezidivraten seien mit 50-70 % innerhalb eines halben Jahres leider sehr hoch. Doch trotz langjähriger Berufserfahrung und fachlicher Qualifikation stelle die Anlage einer sachgerechten Kompressionstherapie sowie das Erzielen adäquater Druckwerte für viele medizinische und pflegerische Fachkräfte eine Herausforderung dar. Das zeigt auch das Ergebnis einer aktuellen Befragung von 421 medizinischen Fachkräften.

Warum manche Wunden nicht heilen wollen
Zunächst müsse man wissen, welche Form eines Ulcus cruris man vor sich hat: Die größte Gruppe stellt mit 50 % das Ulcus cruris venosum (UCV). 15 % sind arteriell bedingt, und bei 15 % der Fälle handelt es sich um ein arterio-venöses Ulcus cruris; 20 % haben eine andere Ursache. Hierunter fallen dermatologische und Autoimmunerkrankungen, Infektionen aber auch Tumore, die an Anzahl deutlich zunehmen. Ein diagnostiziertes UCV, das nach sechs Wochen keine Heilungstendenzen zeige – trotz adäquater Wundversorgung sowie sach- und fachgerechter Kompressionstherapie, die entsprechend getragen wird – zeigt, dass in der Versorgung etwas nicht stimmt und bedarf einer weiteren Abklärung.

Phasengerechte Kompressionstherapie

Gemäß der AWMF-Leitlinie soll die medizinische Kompressionstherapie nach Prüfung der Kontraindikationen als konservative Standardtherapie des Ulcus cruris venosum eingesetzt werden. Denn sie beschleunigt die Abheilung.2 Dabei orientiert sich die Kompressionstherapie ebenso wie die Wundversorgung an Phasen. In der Entstauungsphase sind UCV in der Regel stark exsudierend. Gemäß der Leitlinie sollten in dieser Phase Superabsorber eingesetzt werden, da sie auch unter dem Druck der Kompression genug Exsudat aufnehmen und dieses sicher einschließen. So sei z. B. Zetuvit® Plus schön weich und hinterlasse keine Abdrücke, meint die Expertin. Zur Kompressionstherapie sollten in der Entstauungsphase Materialien verwendet werden, die sich bei Umfangänderungen individuell anpassen lassen: Kurzzugbinden, Mehrkomponentensysteme (z. B. Pütter®Pro2) oder medizinische adaptive Kompressionssysteme (MAK). In der anschließenden Erhaltungsphase könne die Umstellung auf zweilagige Ulcus-Kompressionsstrumpfsysteme erfolgen. Für die Wundversorgung werden in dieser Phase Verbandmittel empfohlen, die für das nun moderate Exsudatniveau geeignet sind, z. B. feinporige Polyurethanschaumverbände. Vor allem sollten diese nicht über Polyacrylatkleber verfügen, sondern beispielsweise mit Silikon oder Gel beschichtet sein, damit die schon durch die CVI belastete Haut nicht zusätzlich gefährdet wird (z. B. HydroTac®). In der Prävention ist es weiterhin wichtig, medizinische Kompressionsstrümpfe zu tragen, da ansonsten die Venen sich wieder weiten, d. h., dass die Venenklappen nicht richtig schließen können und somit das Risiko für ein Rezidiv steigt.

Schlechte Noten für die medizinische Kompressionstherapie im Versorgungsalltag
Die zahlreichen Indikationen führen dazu, dass die sachgerechte medizinische Kompressionstherapie zu den weit verbreiteten und immer wiederkehrenden Maßnahmen des Versorgungsalltags von Betroffenen und Mitarbeitern im Gesundheitswesen gehört. Allerdings wird heute ein Großteil der durchgeführten Kompressionsbandagierungen nicht sachgemäß angelegt.3,4,5,6 Bei den meisten Verordnungen fehlen konkrete Druckangaben.7 Diese sind zwar der Leitlinie zu entnehmen, doch wird in der täglichen Praxis oft weder ein zuverlässig therapierelevanter Druck erreicht noch eine fachgerechte Anlage durchgeführt. Das verzögert die Abheilung, die Behandlungsprozesse verlängern sich, die Kosten steigen und die Lebensqualität der Betroffenen sowie die Adhärenz gegenüber der Therapie sinken.8

Auch die 421 Teilnehmenden der aktuellen Umfrage sehen hier die größten Herausforderungen für die medizinische Kompressionstherapie. Zwar fühlen sich die meisten mit Mehrkomponentensystemen sicherer: Mit Dehnungssperren oder visuellen Markierungen vereinfachen und erleichtern diese Materialien das Anlegen mit dem therapierelevanten Druck. Allerdings bleiben aus Sicht der Befragten die mangelnde Adhärenz der Patienten sowie das unzureichende Verständnis der Notwendigkeit einer Kompressionstherapie als zentrale Herausforderungen bestehen. Einen wesentlichen Ansatzpunkt zur nachhaltigen Therapieoptimierung sehen die Teilnehmenden deshalb in einer intensiven Edukation – sowohl von Patienten und Angehörigen als auch der Anwender.

(Aus-)Blick in die digitale Zukunft
„Doch vielleicht kann man mit digitalen Systemen per Smartphone auch in diesem Bereich etwas bewegen“, stellte Protz gleich zu Anfang ihres Vortrags in den Raum. Denn digitale Unterstützungssysteme, z. B. Apps, böten durchaus Potenzial, um die Versorgungsqualität zu optimieren – z. B. hinsichtlich der kontinuierlichen Drucküberwachung, objektivem Monitoring oder auch in puncto patientenindividueller Edukation und Vermitteln von Know-how für Anwender. Eine wichtige Voraussetzung wäre aber, dass sie benutzerfreundlich und individuell auf die jeweiligen Bedürfnisse anpassbar sind. Schauen wir einmal, wohin die Reise geht.

1 Heyer K, Herberger K, Protz K, Glaeske G, Augustin M: Epidemiology of chronic wounds in Germany: Analysis of statutory health insuerance data. Wound Repair Regen 2016; 24(2): 434–442.
2 Deutsche Gesellschaft für Phlebologie und Lymphologie e. V.: AWMF S2k-Leitlinie Diagnostik und Therapie des Ulcus cruris venosum, Version 4.1: (letzter Aufruf 12.05.2025).
3 Heyer K, Protz K, Augustin M: Compression therapy – cross-sectional observational survey about knowledge and practical treatment of specialised and non-specialised nurses and therapists, Int Wound J 2017; 14: 1148–1153.
4 Protz K, Reich-Schupke S, Klose K, Augustin M, Heyer K: Kompressionsmittel für die Entstauungstherapie. Vergleichende Erhebung im Querschnitt zu Handhabung, Anpressdruck und Tragegefühl. Hautarzt 2017; 69: 232–241.
5 Coull A, Tolson D, McIntosh J: Class-3c compression bandaging for venous ulcers: comparisonof spiral and figure-of-eight-techniques. J Adv Nurs 2006; 54(3): 274–283.
6 Stansal A, Lazareth I, Michon Pasturel U, Ghaffari P, Boursier V, Bonhomme S, Sfeir D, Priollet P: Compression therapy in 100 consecutive patients with venous leg ulcers. J Mal Vasc 2013; 38(4): 252–258.
7 Protz K, Eder S, Läuchli S, Stücker M, Traber J, Dissemond J: Befragung zum Verordnungsverhalten in der Kompressionstherapie in Deutschland – Querschnittsstudie bei Anwendern von phlebologischen Kompressionsverbänden. Phlebologie 2024; 53(2): 59–65.
8 Weller CD, Buchbinder R, Jonston RV: Interventions for helping people adhere to compression treatments for venous leg ulceration. Cochrane Database Syst Rev 2026; 3(3): CD008378.

Das Wund-Balance-Kontinuum ist ein Konzept, das von internationalen Experten – sowohl pflegerischen Fachexperten als auch Medizinern – entwickelt wurde. Es zeigt auf, wie sich Wundheilungsstörungen beseitigen lassen und welche Therapie – im Sinne von „Early Intervention“ bei chronischen Wunden angezeigt ist. Dabei blickt es nicht nur auf die ärztliche und pflegerische Komponente, sondern ganz besonders auch auf den Patienten und seine Wunde.

So gab Sebastian Kruschwitz, Fachbereichsleitung Wundmanagement am Zentrum für Beatmung und Intensivpflege GmbH in Berlin, im ersten Teil des zweiten Symposiums am Morgen des 8. Mai 2025 Einblicke in seinen Praxisalltag – und wie er immer wieder vor der Herausforderung steht, Balance zu halten, sowohl bei der Wund- und Patientenbehandlung als auch in der klinischen Praxis.

Sebastian Kruschwitz ist so lange in der Wundversorgung tätig, wie es Zetuvit® Plus gibt. Das Besondere an seiner Arbeit ist, dass er in der außerklinischen Intensivpflege tätig ist. Das bedeutet, seine Patienten sind in dem seit 2006 errichteten Zentrum für Beatmung und Intensivpflege nicht stationär, sondern ambulant untergebracht. Das habe eine ganz andere Qualität. „Wir bieten spezialisierte und innovative Versorgung für Menschen, die beatmet werden müssen oder neurologische Grunderkrankungen und dadurch einen minimalen Bewusstseinszustand haben.“ Die relativ große Einrichtung mit sechs Wohnbereichen verfügt über einen eigenständigen Fachbereich Wundmanagement, dessen Leitung Kruschwitz innehat. Pro Wohnbereich ist ein ausgebildeter Wundexperte im Pflegeteam. Die Therapieabstimmung erfolgt in enger Zusammenarbeit mit den behandelnden Ärzten. Je nach Anforderung bestehen aber auch zahlreiche Kooperationen mit anderen Fachbereichen wie Logopädie, Physio- und Ergotherapie oder Podologie.


Alles eine Frage der Balance
Das Wund-Balance-Konzept setzt Kruschwitz täglich um – zunächst mit der Wund-Balance: Dazu gehören für ihn die frühzeitige Erkennung und Intervention, das Exsudatmanagement, die Normalisierung und Aufrechterhaltung des Heilungsverlaufs sowie die Veränderung von Biomarkern. Zur Balance der Patientenbehandlung zählt er die Ergebnismessung (Wund-QoL), die Adhärenz und die Balance der Lebensqualität der Patienten sowie patientenzentriertes Assessment und Diagnose. Balance in der klinischen Praxis ließe sich aus seiner Sicht damit erreichen, auf alle Herausforderungen einzugehen, klinische Entscheidungen zu treffen, die Versorgungskontinuität zu gewährleisten und eine realistische Zeiteinteilung in der täglichen Praxis vorzunehmen. Voraussetzungen seien natürlich die regelmäßige Weiterbildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die Schulung und Beratung von Klienten und deren Angehörigen durch das ausgebildete Fachpersonal.

Im klinischen Bereich sind die Kosten für die Wundbehandlung solcher „Klienten“, wie Kruschwitz liebevoll die Bewohner des Zentrums für Beatmung und Intensivpflege nennt, wesentlich höher als im ambulanten Bereich. Von daher versuche er stets, alles im Rahmen seiner Möglichkeiten und Ressourcen selbst vorzunehmen. „Denn es ist möglich, mit guten Konzepten einen Klinikaufenthalt zu vermeiden.“ Es bedarf eben manchmal anderer Wege, so der Experte, z. B. bei der Kommunikation: „Hier müssen wir auf andere Parameter achten, z. B. gibt es spezielle Scores für die neurologische Grunderkrankung, nach denen man die Schmerzen oder andere Faktoren einschätzen kann?“.

Mit einigen Praxisfällen erlaubte Kruschwitz den Besuchern des zweiten HARTMANN Symposiums, einen Blick hinter seine Kulissen, sprich auf seine Arbeit im Rahmen des Wund-Balance-Konzepts. Dabei ging es u. a. um die Behandlung von kleineren bis sehr großen Abszessen mit HydroClean® und Microwasserstrahl-Débridement sowie um das Erkennen von Keimbelastung mit Hilfe von Bildgebungsgeräten.

„Ein gutes Netzwerk ist erfolgsbringend. Denn im Endeffekt profitiert jeder Player in diesem Spiel von einer interdisziplinären, ambulanten Zusammenarbeit“, mit diesen Worten knüpfte Dr. med. Tino Breitfeld, Oberarzt und Leiter des Wundzentrums des Harzklinikums in Quedlinburg, an seinen Vorredner an. Bevor er an diesem Symposiums-Morgen mit seinem eigentlichen Vortrag begann, betonte er, dass von der ambulanten Wundversorgung vor allem der Patient profitiere. Er selbst habe das Glück, seine Leistungen sowohl im Krankenhaus als auch in der Praxis anbieten zu können: „So kann ich Patientenströme steuern und dafür sorgen, dass sie länger ambulant bleiben.“

Auch für Breitfeld verbindet das Wund-Balance-Kontinuum wissenschaftlich fundierte Wundversorgung mit individuellen Patientenbedürfnissen und klinischer Praxis. Doch der Alltag sehe manchmal anders aus, und bei der Wundheilung spiele der Faktor Mensch eine ganz entscheidende Rolle: „Spätestens, wenn man in die Patientenwohnung kommt, hört jegliche Wissenschaft auf – und trotzdem muss es irgendwie funktionieren.“ Wenn z. B. der einzige soziale Kontakt eines Patienten die nette Pflegekraft sei, wolle er vielleicht gar nicht, dass seine Wunde schnell abheilt. Für Breitfeld ist es daher absolut sinnvoll, das Gesamtkonzept – Wunde, Mensch und Praxis – zusammenzuführen. Und das hätte das Wund-Balance-Kontinuum sehr schön geschafft.

Wund-Balance: heilungsstörende Faktoren rechtzeitig erkennen

Faktoren, welche die Wundheilung stören, müssten unbedingt erkannt werden. Früher wurde noch behauptet, es gäbe nichts „Fassbares“. Doch heute kennt man die Biomarker – MMP 2 und 9, Elastasen, lokale Entzündungen, oxidativer Stress, Nähr- und Sauerstoffmangel oder fehlende Angiogenese/Epithelisierung. „Das kann man inzwischen monitoren, Studien durchführen und so die Wundtherapie auf ein neues Level heben“, betont der Experte.

Das eigentliche Ziel sei aber, die chronische Wunde zu verbannen, sprich, sie gar nicht erst entstehen zu lassen. Es sei wichtig, proaktiv die störenden Faktoren zu erkennen und frühzeitig entsprechende Maßnahmen einzuleiten. Im daily business vergesse man jedoch gern, die grundlegenden Aspekte der Wundtherapie zu beachten. So müsse an erster Stelle die Grunderkrankung diagnostiziert und leitliniengerecht therapiert werden – „ansonsten kann ich eine Wunde züchten, solange ich möchte“, warnt Breitfeld. Als Nächstes kommt das (sinnvolle) chirurgische Débridement – „wann immer möglich und ganz gleich, ob mit Ultraschall oder nur mit trockenen und sterilen Kompressen. Was faul ist, muss weg, sonst wird es nicht heilen. Und erst nach der Wundreinigung kann man sich Gedanken über die Wundauflage machen.“ Im Einmaleins der Wundtherapie – Absorption, Sequestierung, Retention, Entfernung – spiele das Exsudatmanagement eine große Rolle. Die Wunde dürfe weder zu trocken noch zu feucht sein. Deshalb müssten Wundauflagen abhängig vom Wundbefund bzw. vom Stand der Heilungsphase ausgewählt werden, der regelmäßig zu evaluieren sei. Je nach Phase kämen unterschiedliche Wundauflagen in Frage: „Es gibt keine Wundauflage, die in allen Phasen der Wundheilung gleich wirksam ist.“ Auch die Exsudatzusammensetzung – welche Art von Keimen befinden sich in der Wunde? – sei entscheidend. Hier seien Superabsorber sinnvoll: Sie können sehr viel Exsudat aufnehmen, die darin enthaltenen Heilungsinhibitoren sicher aufsaugen, binden und immobilisieren (z. B. Zetuvit® Plus Silicone Border).

Als vierten Punkt nannte Breitfeld die „Umgebungsoptimierung“, die ebenso einen wichtigen Einfluss auf die Wundheilung haben kann. Dazu gehört einmal die Ernährung, ein unfassbar wichtiges Thema, das in Wissenschaft und Praxis viel zu selten richtig beleuchtet werde. Außerdem können Medikamente, zu wenig Bewegung (z. B. bei chronischer Veneninsuffizienz) und weitere Faktoren die Wundheilung negativ beeinflussen. Als letzten, für ihn aber überaus entscheidenden Punkt nannte Breitfeld die seltenen Erkrankungen, die nicht vergessen werden dürften.

Patientenzentrierter Ansatz
Ein ganz wichtiger Punkt des Wund-Balance-Kontinuums ist für Tino Breitfeld der patientenzentrierte Ansatz: „Um vernünftig therapieren zu können, muss ich nicht die Wunde, sondern den Patienten kennen – mit seiner Wunde. Aber auch mit seinen häuslichen Gegebenheiten, seinen Bedürfnissen und Ängsten – was kann er umsetzen, was stört ihn (z. B. Kompression). Dazu müsse man ihn und oder auch seine Bezugspersonen in die Entscheidungen einbinden – vorausgesetzt, dass er es möchte. „Compliance ist extrem wichtig. Deshalb steht der Patient im Mittelpunkt und alles drumherum wird ein bisschen so geschnürt, dass es passt“, sagte der Wundexperte. Leider scheitere diese Idealvorstellung aber oft an der Zeit- und Ressourcenknappheit im Gesundheitswesen. Oberste Priorität hätte aber immer die Steigerung der Lebensqualität.

Warum an seltene Erkrankungen denken?
Zum Schluss seines Vortrags warf Breitfeld noch einen Blick hinter die Kulissen verschiedener seltener Erkrankungen und erläuterte, warum es so wichtig ist, daran zu denken. Denn seltene Erkrankungen sind gar nicht so selten, wie es scheint. Wie schon Kerstin Protz in ihrem Vortrag erwähnte, entstehen 20 % der Unterschenkelulcerationen durch eine seltene Erkrankung. „Das ist gar nicht so wenig“, betont Breitfeld, „das heißt, man muss nicht alle kennen, aber man sollte dran denken!“

Zu den seltenen Erkrankungen gehört beispielsweise die Acne inversa, eine entzündliche Erkrankung der Haarfollikel, deren Ursache und Entstehung noch nicht abschließend erforscht sind. Sie ist chronisch rezidivierend und benötigt deshalb eine lebenslange Therapie. Erfolgreich sei v. a. die LAight-Therapie – eine Kombination aus Licht und Radiofrequenz. Diese sei schonend, wirke antibakteriell, reduziere die Talgproduktion und den Haarfollikelverschluss und fördere die Durchblutung, sodass die Gewebeneubildung angeregt werde.

Das Pyoderma ganraenosum, wahrscheinlich eine Autoimmunerkrankung, trete v. a. bei Bagatellverletzungen auf. Ein Signal für diese Erkrankung seien u. a. extrem starke Schmerzen. Ansonsten sei sie auch mit einer Probeentnahme (PE) nur sehr schwer zu erkennen, da es viele ähnlich aussehende Differenzialdiagnosen gebe. Ziel sei in solchen Fällen ein Therapieversuch – aber bloß kein Débridement! –, der dem Patienten zu einer schnellen Besserung, v. a. Schmerzlinderung verhelfe.

Ganz gleich, welche Vermutung man habe, ob Neoplasien, Karzinomen, Kalziphylaxie oder eine andere seltene Erkrankung, eine PE sei enorm wichtig, denn sie könne oft für entsprechende Klarheit sorgen.

Fazit

Es liegt nicht nur im wissenschaftlichen Interesse, dass es so viele seltene Erkrankungen gibt, es hat auch eine direkte Konsequenz auf die Wundtherapie. Allerdings sollte man nicht bei jedem Hufgetrappel gleich ein Zebra hinter der Kulisse vermuten. Die Empfehlung beider Referenten aus der Vormittagsveranstaltung: Erst einmal schauen, diagnostizieren, reinigen und dann richtig therapieren – mit dem Ziel der einfachen, schnellen, nachhaltigen und auch wirtschaftlichen Wundheilung.

Deutscher Wundkongress – Rückblick 2024

168 Sitzungen, Workshops und Diskussionen, 117 Aussteller und 4 628 Pflegende, Ärzte, Wundexperten und Mitarbeitende aus der Gesundheitsbranche und der Forschung – das war der Deutsche Wundkongress vom 15. bis 17. Mai 2024 in Bremen, der damit einen Überblick über den aktuellen Stand der Forschung und zukünftige Entwicklungen in der Pflege und Wundtherapie gab und gesundheitspolitische Themen wie den Fachkräftemangel oder die Auswirkungen des Klimawandels auf die Pflege diskutierte.

Ein fester Programmbestandteil des DEWU ist seit Jahren ebenfalls die Verleihung des Deutschen Wundpreises in unterschiedlichen Kategorien. Die Preisgelder werden von der Initiative Chronische Wunden (ICW) e.V. gestiftet. In diesem Jahr hat die Fachjury vier Arbeiten prämiert und einen Sonderpreis für „Newcomer“ vergeben.

In der angeschlossenen Fachausstellung präsentierten 117 Firmen und Dienstleister ihre Arbeit und Produkte für die Pflege und die Wundtherapie. Wer sich zum HARTMANN Stand begab, wurde sofort auf den Star des diesjährigen Forums aufmerksam: Zetuvit® Plus Silicone Border. „Goodbye Schäume!“ prangte in großen Lettern an der Stellwand und wies die Besucher auf eine neue Generation der Wundauflage Zetuvit® Plus Silicone Border hin. Die Silikon-SAP-Wundauflage ist ein Allrounder für die Wundversorgung, denn sie eignet sich für die Behandlung eines breiten Spektrums sowohl von akuten als auch von chronischen Wunden mit mäßiger bis starker Exsudatbildung.

HARTMANN Messestand beim Deutschen Wundkongress 2024
Am Stand von HARTMANN herrschte großer Andrang unter den Messebesuchern.

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Ebenfalls im Fokus stand bei HARTMANN das Wund-Balance-Kontinuum[1]. Dabei handelt es sich um einen ganzheitlichen Ansatz, der von einem internationalen Expertengremium entwickelt wurde und den Patienten in den Mittelpunkt stellt. Ziel ist, die Komplexität der Wundversorgung zu verringern und die Lebensqualität der Patienten zu verbessern.

Hochkarätig besetztes HARTMANN Symposium

Das neue Behandlungskonzept war auch Thema des Symposiums von HARTMANN mit dem Titel „Wund-Balance-Kontinuum. Ein neues Konzept für die Wundversorgung“ und stieß bei den Kongressbesuchern auf großes Interesse. Sven Wörsdörfer von HARTMANN führte als Moderator durch das Symposium und stellte die Zielsetzung für die Zukunft vor: Benötigt werden ganzheitliche Ansätze für das Gleichgewicht in der Patientenversorgung und ein verstärktes interdisziplinäres Arbeiten.
Referenten am Rednerpult
Prof. Dr. Hans Smola; PD Dr. med. Cornelia Erfurt-Berge; John Schäfer (v.l.n.r.)

Und das sind die Themen der Referate:

Das neue Behandlungskonzept war auch Thema des Symposiums von HARTMANN mit dem Titel „Wund-Balance-Kontinuum. Ein neues Konzept für die Wundversorgung“ und stieß bei den Kongressbesuchern auf großes Interesse. Prof. Dr. Hans Smola, Professor für Dermatologie an der Uniklinik Köln und Ärztlicher Direktor der PAUL HARTMANN AG, ging in seinem Vortrag „Der Einfluss und Management von Biomarkern bei der Versorgung von chronischen Wunden“ auf die Beschaffenheit der Wunde ein. Die Wundheilung kann durch systemische Grunderkrankungen wie venöse Insuffizienz, Diabetes mellitus, Entzündungen, Karzinome oder Mangelernährung beeinträchtigt werden. Sie kann auch durch lokale Faktoren gehemmt werden, etwa durch eine exzessive Proteaseaktivität, den Abbau der extrazellulären Matrix, ein aberantes lokales Entzündungsmuster (oxidativer Stress), das Ausbleiben der Angiogenese sowie einen Sauerstoff- oder Nährstoffmangel bei Patienten mit arterieller Verschlusskrankheit (AVK).

Das Ziel der Therapie ist, die Wundheilung zu normalisieren, indem die Angiogenese ausgelöst wird, das Granulationsgewebe wächst, die Epithelisierung erfolgt und Entzündungsmuster und Mikromilieu normalisiert werden. Um dieses Zeil zu erreichen, ist die Wahl des Wundauflagematerials entscheidend. Bewährt haben sich Polyacrylat-Superabsorber, da sie ein Vielfaches ihres Eigengewichts an Flüssigkeit aufnehmen können. Zudem können sie Proteine binden und das Proteaseniveau sehr effizient auf 13 bis 15 % herabsetzen[2]. Hinzu kommt, dass die Wundauflagen divalente Ionen wie Kalzium und Magnesium binden, die für die Wirksamkeit einiger der Proteasen, zum Beispiel Metalloproteasen essenziell sind. Diese duale Wirksamkeit konnte in einer randomisierten kontrollierten Studie bestätigt werden[4]. Für die Studie wurde eine Patientenkohorte mit chronischem, schwer heilenden Ulcus cruris venosum (UCV) (n = 47) und eine mit akuten Spalthautentnahme-Wunden (n = 10) über einen Zeitraum von 12 Wochen bzw. 21 Tagen beobachtet. Die Wundauflagen wurden nach dem Wechsel biochemisch analysiert. Dabei stellte sich heraus, dass sich die Muster der biochemischen Marker innerhalb der ersten 14 Tage dem Muster akuter Wunden angeglichen haben und dann stabil blieben. Daher sollte das Wundbett in dieser Zeit normalisiert werden. Das bedeutet, dass die Wundauflagen die Entzündung umdrehen können, unabhängig davon, ob die Patienten viele Bakterien in der Wunde haben oder nicht. Dadurch wird die Wundheilung langfristig befördert, auch wenn der eigentliche Effekt klinisch erst viel später sichtbar ist.

Den Patienten mit ins Boot nehmen

Wie das neue Konzept für die Wundversorgung in der Praxis umgesetzt werden kann, erläuterte die Oberärztin und Leiterin des Wundzentrums Dermatologie an der Hautklinik des Uniklinikums Erlangen, PD Dr. med. Cornelia Erfurt-Berge, in ihrem Vortrag „Das Wund-Balance-Kontinuum und seine Rolle in der klinischen Praxis“. Neben der eigentlichen Wundversorgung stehen hierbei die Patientenbedürfnisse im Fokus, denn in der Theorie entwickelte Standards und Richtlinien müssen auch gelebt werden, damit sie zum Erfolg führen. „Der Patient bringt nicht nur Grunderkrankungen und seine häusliche Versorgungssituation mit, sondern auch Erwartungen an uns als Behandler. Die haben wir auch an ihn und fordern eine Therapieadhärenz. Diese unterschiedlichen Erwartungen müssen zusammengebracht werden, um zu einer gemeinsamen Entscheidung zu finden. Denn nur wenn der Patient die Therapieschritte verstanden hat, kann die Behandlung erfolgreich sein“, davon ist Dr. Erfurt-Berge überzeugt. Beim neuen Konzept geht es darum, mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Wundheilung zu arbeiten und gleichzeitig die Hindernisse für die Wundheilung zu erkennen, sowohl im kleinen Bereich der Wunde als auch im ganzheitlichen Ansatz des Patienten mit seinen Bedürfnissen. Ein wichtiger Aspekt sei die frühzeitige Identifizierung kritischer Wunden, denn viele Patienten würden sehr spät – mitunter erst nach zwei Jahren – vorstellig werden.

Mit dem Patienten ins Gespräch kommen

Als Beispiel für den patientenzentrierten Ansatz stellte sie einen 80-jährigen Patienten aus ihrer Wundambulanz mit einem venösen Ulcus vor. Er wurde wegen eines mazerierenden Wundrands zuerst nach Schmerzen befragt, da der Austritt von Wundexsudat auf die Wundumgebung eine intensive Reizung hervorruft. Während chronisch venöse Wunden häufig im Anfangsstadium weniger schmerzhaft sind, verursachen diese Komplikationen einen großen Leidensdruck. Weitere anamnestische Fragen zur Veränderung der Wunde, wie häufigere Verbandswechsel oder stärkerer Geruch, können anhand eines spezifischen Fragebogens gestellt werden. Er bietet einen guten Gesprächseinstieg, wenn für den Behandler sofort ersichtlich ist, welche Einschränkungen der Lebensqualität den Patienten besonders belasten. Ebenfalls wichtig beim patientenzentrierten Ansatz ist laut Erfurt-Berge das Empowerment. Damit wird der Patient ins Boot geholt, indem er eine Anleitung für die Selbstversorgung seiner Wunde erhält. In letzter Zeit beobachtet sie die Häufung von depressiven Erkrankungen bei Patienten mit chronischen Wunden, die auch mit Hilfe eines Fragenbogens oder im Gespräch erfasst werden könnten. Diese können ebenfalls die Ursache für mangelnde Adhärenz sein. Weitere Faktoren, die die Lebensqualität des Patienten beeinträchtigen können, sind eine Einschränkung der Mobilität und Schlafmangel. Unterrepräsentiert ist für die Wundexpertin das Thema Ernährung, denn auch adipöse Patienten könnten eine Mangelernährung haben, wenn sie beispielsweise einen hohen Proteinverlust über eine große Gamaschen Ulzeration hätten. Es ist also wichtig, mit dem Patienten ins Gespräch zu kommen, sei es mit Hilfe eines Fragebogens oder im Behandlergespräch.

Neben der Lebensqualität des Patienten spielt auch die Kausaltherapie eine große Rolle für die Behandlung der Wunde. Am Beispiel eines Patienten stellte Erfurt-Berge eine erfolgreiche Therapie mit Superabsorbern vor. Der 54-jährige Koch wurde mit einer zweijährigen Wunde stationär aufgenommen, nachdem er seinen Arbeitsplatz aufgrund krankheitsbedingter Fehltage verloren hatte. Nach der Behandlung der Mazerationen mit Superabsorbern und einer adäquaten Kompression hat sich die Lebensqualität des Patienten deutlich verbessert. Verantwortlich dafür ist insbesondere die Verringerung der Exsudatmenge, denn die Verbände nässen und riechen nicht mehr und müssen auch seltener gewechselt werden. Im Anschluss an die stationäre Behandlung erfolgte die Aufnahme des Patienten in die Wundsprechstunde, um die weitere Versorgung z. B. mit Hilfe eines Pflegedienstes zu initiieren und einen möglichen Wiedereinstieg in das Berufsleben anzustreben. Entscheidend für den Erfolg war der Aufbau eines Vertrauensverhältnisses mit dem Patienten.

Das Leben mit der Wunde aus Patientensicht

Das Vertrauensverhältnis ist auch für den Fachtherapeuten und Wundexperten ICW sowie Teamleiter der IVDP am Universitätsklinikum Eppendorf (UKE), John Schäfer, ein zentrales Thema bei der Versorgung von Menschen mit chronischen Wunden. Wie Erfurt-Berge stellte auch er in seinem Vortrag „Aspekte der Lebensqualität von Patienten bei chronischen Wunden (Quality of Life)“ fest, dass die Patienten erst nach einer langen Odyssee in die Uni-Klinik kommen und dadurch das Vertrauen in die Wundpflege verloren hätten. Das kann seiner Meinung nach nur wieder aufgebaut werden, wenn der Behandler auf ihre Wünsche und Bedürfnisse eingeht. Dazu müssten medizinische Fachkräfte auch die weniger patientenbezogenen Faktoren beurteilen, deren Einfluss auf die Wundheilung nicht so offensichtlich ist. Dazu zählen finanzielle Auswirkungen etwa durch Rezeptgebühren, berufliche Fehlzeiten oder Arbeitslosigkeit, persönliche Auswirkungen durch Einschränkungen des täglichen Lebens sowie das soziale Unterstützungsnetzwerk des Patienten, also Betreuungspersonen, Freunde und Familie. Auch häusliche Umgebung und Hygiene spielen eine Rolle: Wohnt der Patient im ländlichen Bereich und kann daher schwer erreicht werden? Hat er Haustiere, die die Hygiene beeinträchtigen? Einen großen Einfluss auf die Wundheilung haben psychosoziale Faktoren, denn das Leben mit einer Wunde ist für Betroffene emotional und kann ein Gefühl der Isolation auslösen, z. B. wenn aus Scham die Gesellschaft mit anderen Menschen vermieden wird. Daher ist es für medizinische Fachkräfte umso wichtiger, sich das Leben mit der Wunde aus Patientensicht schildern zu lassen.

Welchen Einfluss die Wundauflage auf die Lebensqualität haben, kann stellte John Schäfer am Beispiel einer jungen Patientin mit einem Pyoderma gangraenosum vor. Um den Wundgeruch zu neutralisieren, trug sie einen Verband mit Aktivkohle. Er erzielte zwar die gewünschte Wirkung, ließ sich aber nur unter starken Schmerzen lösen, da er mit der Wunde verklebte. Befragt nach ihrer Priorität, gab die Patientin die Schmerzlinderung an. Die Lösung war für sie die Behandlung mit der hydroaktiven Wundauflage HydroClean®, die bis zu drei Tage Ringerlösung an die Wunde abgibt und gleichzeitig Wundexsudat aufnimmt, so dass eine interaktive und kontinuierliche Wundspülung einsetzt. Für die Patientin war nicht nur der schmerzfreie Verbandwechsel wohltuend, sondern auch der zusätzliche kühlende Effekt der Wundauflage. Dadurch hat sie mit dem ersten Verband Vertrauen in die Behandlung gefasst und eine kausale Therapie ermöglicht.

Lebensqualität ist messbar

Hilfreich für die Erfassung der Lebensqualität ist der validierte Fragebogen Wound-QoL (Quality of Life)[3]. Er umfasst 17 Fragen, die sich in die Kategorien Alltag, Körper und Psyche unterteilen lassen und die Erfahrungen des Patienten in den vergangenen sieben Tagen abfragt. Damit können die Patienten direkt angeben, wie sie sich fühlen. Hinzu kommt, dass der Fortschritt der Therapie für den Patienten bei einer späteren Wiederholung und Evaluation dokumentiert werden kann. Auch das schafft Vertrauen. Die Ziele sollten auf die Wunde bezogen SMART sein: S steht für spezifisch, beispielsweise „deutlich weniger Wundgeruch“, M für messbar, z. B. anhand von Skalen (Visuelle Analogskala), A für attraktiv, dass z. B. durch weniger Geruch die Teilhabe am sozialen Leben möglich ist, R für realistisch, was durch das Exsudatmanagement gut umsetzbar ist, und schließlich T für die Terminierung: „Bis wann soll der Geruch verringert werden?“ Als Mit-Autor des Whitepapers resümierte John Schäfer, dass sich die Experten alle einig darin waren, die Lebensqualität und den Patienten beim neuen Wund-Balance-Kontinuum deutlich mehr in den Mittelpunkt zu stellen: „Bei diesem Konzept geht es darum, den Schwerpunkt von der Wundbehandlung auf die Wundheilung zu verlagern“, fasste John Schäfer zusammen.

Quellen:
[1] Wounds International (2023) Wound Balance: achieving wound healing with confidence. Wounds International, London. Zum Download verfügbar unter www.linkforwoundhealing.com
[2] Humbert, P. et al. (2014). Protease-modulating poly­acrylate-based hydrogel stimulates wound bed preparation in venous leg ulcers – a randomized controlled trial. Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology 28(12), Seiten 1742-1750
[3 ]Blome C, Baade K, Debus ES, Price P, Augustin M. The "Wound-QoL": a short questionnaire measuring quality of life in patients with chronic wounds based on three established disease-specific instruments. Wound Repair Regen. 2014 Jul-Aug;22(4):504-14.
[4] HydroClean Extension Studie (2014)

Rückblick 2023: „Wundversorgung 2023 – ein Spagat zwischen Anspruch und Realität“

In Geburtstagslaune war HARTMANN in diesem Jahr beim 17. Deutschen Wundkongress in Bremen, denn Zetuvit® Plus ist seit 15 Jahren auf dem Markt. In Deutschlands Superabsorber Nr. 1 haben die Heidenheimer 15 Jahre Erfahrung buchstäblich aufgesaugt, und zwar durch den kontinuierlichen Austausch mit ihren Kunden. Das Resultat ist eine überzeugende Leistung bei Absorption und Retention sowie zufriedene Patienten hinsichtlich Tragekomfort und Verträglichkeit bei gleichzeitiger Kosten- und Zeitersparnis.
Deutscher Wundkongress 2023 – Messestand
Am Stand von HARTMANN herrschte großer Andrang unter den Messebesuchern.
Deutscher Wundkongress 2023 - Compreflex
Das neue medizinisch adaptiven Kompressionssystem Compreflex® Standard Calf erleichtert das Anlegen sowohl für medizinische Fachkräfte als auch für Patientinnen, Patienten und Angehörige.
Neben dem Jubiläum stand am HARTMANN-Stand auch die Kompressionstherapie im Fokus. Mit dem neuen medizinisch adaptiven Kompressionssystem Compreflex® Standard Calf für die Wade und dem Compreboot® Standard Foot für den Fuß ist die Anwendung über dem Unterziehstrumpf sowohl für medizinische Fachkräfte als auch für Patienten und Angehörige so einfach wie nie. Der Wrap für die Wade ist mit einem System ausgestattet, auf dem die Kompressionsbereiche von 21 - 46 mmHg deutlich gekennzeichnet sind, so dass sie bei jeder Benutzung genau eingestellt werden können. Das Interesse an dieser einfachen Kompressionstherapie war bei den zahlreichen Besucherinnen und Besuchern entsprechend groß, denn eine korrekte Anlagetechnik wird in der Ausbildung medizinischer Fachkräfte oft vernachlässigt. Dennoch nutzten Viele die Möglichkeit, sich auch das korrekte Anlegen der Pütterbinde und PütterFlex sowie der 2-Komponenten-Kompressionssysteme Pütter®Pro 2 und Pütter®Pro 2 Lite vom Profi zeigen zu lassen. Schließlich beschert ihnen ein richtig angelegter Kompressionsverband dankbare Patienten, da deren Schmerzen und Beschwerden schnell nachlassen.

Unter dem Dach „Wir. Für euch.“ präsentierte HARTMANN nicht nur die Wundversorgung und Kompressionstherapie, sondern auch eine kompetente Unterstützung für die ambulante Pflege. Für den Schutz des Pflegepersonals vor Krankheitserregern sorgen die Peha-soft® Handschuhe in verschiedenen Materialien sowie der undurchlässige Einmal-Schutzkittel Foliodress® und Atemschutzmasken. Dreh- und Angelpunkt der Händehygiene ist die Desinfektion, für die HARTMANN drei verschiedene Sterilium®-Produkte anbietet. Zum Infektionsschutz gehören jedoch auch Hautschutz und -pflege, was durch die MoliCare®Skin-Serien gewährleistet wird. Die MoliCare®-Einlagen und -Pflegeprodukte bieten Patientinnen und Patienten mit Blasenschwäche Sicherheit für jeden Tag.

Verbandmitteldefinition: Die (un-)endliche Geschichte

Einen regelrechten Ansturm erlebte das Symposium des Unternehmens „S12 Wundversorgung 2023, die neue Realität“. Offensichtlich brannte die Frage nach der Vereinbarkeit von adäquater Wundversorgung der Patientinnen und Patienten mit den gesundheitspolitischen Voraussetzungen den Kongressbesuchenden unter den Nägeln.
Deutscher Wundkongress 2023 - Symposium
Zahlreiche Kongressbesucherinnen und -besucher verfolgten das Symposium „S12 Wundversorgung 2023, die neue Realität“

In ihrem Vortrag „Gesundheitspolitik, die Realität verständlich erklärt“ erläuterte Steffi Nawrath, Senior Managerin Regionales Krankenkassenmanagement der PAUL HARTMANN AG, was mit der neuen Verbandmitteldefinition auf Ärzte und Pflegekräfte zukommt und, welche Chancen sich daraus für sie in der Versorgung von Menschen mit chronischen Wunden ergeben. Sie zeigte eindrucksvoll, dass der Weg von der Gesetzgebung für den Anspruch auf Versorgung über die Rechtsverordnung und G-BA-Richtlinien bis zu den Versorgungsverträgen und schlussendlich der Versorgung der Patientin und des Patienten in erster Linie lang ist. So wurde die seit 2019 im Sozialgesetzbuch (SGB) V formulierte Verbandmitteldefinition bereits 2017 im Heil- und Hilfsmittelversorgungsgesetz (HHVG) erstmals erwähnt und 2021 noch einmal mit dem Gesundheitsversorgungsweiterentwicklungsgesetz (GVWG) aktualisiert. Es folgte die Richtlinie vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA), der definiert, was Verbandmittel und was sonstige Produkte zur Wundbehandlung sind. Die Richtlinie besteht aus drei Teilen: Teil 1 bezeichnet eindeutige klassische Verbandmittel, die verordnungsfähig sind wie Binden, Kompressen oder Tupfer. Unter Teil 2 fallen verordnungsfähige Verbandmittel mit ergänzenden Eigenschaften wieSalbenkompressen, Wundauflagen und Superabsorber. In Teil 3 geht es um sonstige Produkte zur Wundbehandlung (sPzW), die nur verordnungsfähig sind, wenn ihr medizinischer Nutzen durch den G-BA bestätigt wurde. Dazu zählen nicht formstabile Zubereitungen mit Wirkstoffen, die aktiv in die Wundheilung eingreifen und honighaltige Produkte. Stichtag für den Nachweis des Nutzens ist der 2.12.2023. Laut Steffi Nawrath ist dieser Termin die Krux, denn der G-BA hat das Stellungnahmeverfahren zur Definition der Produkte vor über einem Jahr eingeleitet, jedoch bislang noch keine konkreten Vorgaben zu den Verfahrens- und Evidenzanforderungen getroffen. Für die Versorgung bedeutet das, dass diese Produkte nach dem Stichtag am 2.12.2023 gegebenenfalls aus der Erstattung herausfallen. Daher fordern sowohl sie als auch der Bundesverband Medizintechnologie eine Fristverlängerung, deren Aussicht auf Erfolg sie bei 50 zu 50 sieht. Somit kann noch keine definitive Aussage für die weitere Erstattung der sonstigen Produkte zur Wundbehandlung getroffen werden.

Nicht jeder Verbandwechsel muss von einem Spezialisten erfolgen

Im zweiten Teil ihres Vortrags ging Steffi Nawrath auf die Rolle der Pflege im Bereich Wundversorgung ein und stellte dem Auditorium einen fünfjährigen gesetzgeberischen Prozess zur Versorgungsanpassung bei Patientinnen und Patienten mit chronisch und schwer heilenden Wunden vor. Nach Abschluss der Bundesrahmenempfehlung zur Häuslichen Krankenpflege (HKP)-Richtlinie stehen aktuell die Verhandlungen von Versorgungsverträgen für die spezialisierte Wundversorgung auf Landesebene an. Diese ist erst möglich und abrechnungsfähig, wenn die Verträge mit den Krankenkassen abgeschlossen wurden. Zwar sei der Wunsch der Kassen, die Wundversorgung in die Hand der Pflege zu geben, klar vorhanden, aber es gebe noch wenige Abschlüsse. Als positive Beispiele nannte sie erste Verträge mit Wundzentren in Bayern sowie einen ersten Kollektivvertrag in Sachsen. Hürden für die angestrebte Spezialisierung sieht sie bei den Pflegediensten u. a. im Personalmangel, der unklaren Finanzierung, dem Zeit- und Geldmangel für die Weiterbildung und einer erforderlichen Neuorganisation innerhalb des Pflegedienstes. Aus HARTMANN-Sicht ist der Ansatz der Spezialisierung in der Pflege politisch falsch gedacht, denn auch wenn die chronische Wunde in Spezialisten-Hand gehört, müsse nicht jeder Verbandwechseln durch eine Spezialistin oder einen Spezialisten erfolgen. Aus diesem Grunde fordert HARTMANN von der Politik ein ambulantes Therapiemanagement, bei dem spezialisierte Fachkräfte andere anleiten können.

Über die Versorgung mit wirkstofffreien Wundauflagen referierte die Krankenschwester und Pflegeexpertin im Bereich Wundmanagement der Kreiskliniken Reutlingen GmbH, Astrid Probst, in ihrem Vortrag „Wirkstofffreie Wundversorgung, was ist zukünftig realistisch?“. Bevor die Auswahl für eine Wundauflage getroffen werden kann, müssten die Ursache und die Therapie der Wunde geklärt werden, was Aufgabe der Ärztinnen und Ärzte sei. Das Therapieziel legt dasinterdisziplinäre Team fest bestehend aus Hausärztinnen/Hausärzten, Homecare-Unternehmen und Pflegedienst. Hier sei insbesondere die Kommunikation der Beteiligten untereinander essenziell. Die wichtigste Voraussetzung für den Therapieerfolg ist für Astrid Probst die Mitarbeit der Patientinnen und Patienten. Daher sei es vor der Einleitung einer Behandlung sinnvoll, sich ein Bild von dem individuell erreichbaren Zielen der Therapie zu machen. Diese Therapieziele müssten so definiert sein, dass sie zu einem eindeutigen, für die Patientin und den Patienten nachvollziehbaren Therapievorteil führen. Darüber hinaus sollten sie nicht zu hochgesteckt sein, um die Patientin oder den Patienten nicht von der Therapie zu enttäuschen und zu demotivieren. Konsequenterweise beeinflusst das Therapieziel auch die Therapie der Wunde. In der Reutlinger Klinik werden bei einigen Behandlungen auch Psychologinnen oder Psychologen hinzugezogen, etwa bei Amputationen, da sie für die Patientinnen und Patienten einen massiven Eingriff bedeuten, berichtete Astrid Probst.

In der Klinik wurde ebenfalls beschlossen, keine silberhaltigen Wundauflagen zu verwenden. Dazu verwies sie auf ein Positionsdokument der World Union of Wound Healing Societies (WUWHS) zur Rolle arzneimittelfreier Wundauflagen beim Management von Wundinfektionen. Stattdessen werden in Reutlingen Patientinnen und Patienten mit Infekten mit der HydroClean®- Wundauflage der Firma HARTMANN behandelt. Das nekrotische Gewebe wird durch die Wundauflage angefeuchtet und kann durch ein autolytisches Débridement den Biofilm auf der Wundoberfläche aufbrechen. Gleichzeitig werden Mikroorganismen, Matrix-Metallo-Proteasen und Endotoxine der Bakterien von der Auflage absorbiert und gebunden, wodurch sich die Keimbelastung mit jedem Verbandwechsel reduziert. Hinzu kommt, dass sich durch die Wirkstofffreiheit keine Resistenzen bilden und somit die mikrobielle Belastung reduziert wird.

Den erfolgreichen Einsatz der Wundauflage HydroClean® zeigte sie am Beispiel eines Rauchers mit einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) am Unterschenkel ohne Infektionsanzeichen. Mit Hilfe des MolecuLight-Gerätes konnte sie perFluoreszenzbildgebung den Keim Pseudomonas aeruginosa in der Wunde bestimmen. Durch das Gerät waren auch Keime und Bakterien in der Wundumgebung zu erkennen, die in der Klinik daher im Rahmen des Débridements auch gereinigt wird. Der Keim hatte sich nach einer feiertagsbedingten Unterbrechung der Therapie vermehrt und wurde im ersten Schritt mit Maden behandelt. Im Anschluss erfolgte eine erfolgreiche Therapie mit der HydroClean®-Wundauflage. Das MolecuLight verwendet Astrid Probst auch zur Patienten-Edukation, denn damit wird die Keimbelastung für die Patientin und den Patienten ersichtlich und die Maßnahmen lassen sich besser erklären und nachvollziehen. Das Verständnis für die Therapie fördert auch die Patienten-Compliance. Für den Verbandwechsel erhält die Patientin oder der Patient von der Klinik einen Stick mit einem Video, in dem nicht nur die einzelnen Schritte dargestellt, sondern auch die Wundauflagen erklärt werden.

Astrid Probst kam in ihrem Vortrag zu dem Schluss, dass wirkstofffreie Wundauflagen mit der richtigen Diagnose, der richtigen Therapie und dem geeigneten Therapieziel eine Alternative in der Behandlung von infizierten Wunden sind.

Bei Jan Forster, Wundexperte ICW und Fachkrankenpfleger Anästhesie und Intensivpflege im Wundzentrum des Klinikums Links der Weser stand die Balance der Wunde im Fokus seinesder Wunde nach Abnahme des Verbandes sehr trocken. Die Patientin berichtete von einer stark nässenden und riechenden Wunde. Um die Wunde in Balance zu bringen, musste die Auflage sowohl eine hohe Exsudatmenge aufnehmen und gleichzeitig ein feuchtes Wundmilieu erhalten.Daher entschied Forster sich für Zetuvit® Plus Silicone von HARTMANN. Durch die Silikon-Wundkontaktschicht der Superabsorber-Wundauflage wird die Wundfläche feucht gehalten und das Exsudat zuverlässig absorbiert. Die Patientin hatte weniger Schmerzen, fühlte sich mit dem Verband sicherer und hatte den Eindruck, dass die Wunde weniger riecht. Aus Sicht des Therapeuten besteht nun ein optimales Feuchtigkeitsverhältnis an der Wunde und sie ist somit ausbalanciert.

Ebenfalls eine Balance finden konnte Jan Forster bei einem Patienten mit pAVK und Diabetes Typ 2, der nach einer Zehamputation aufgrund eines Entlastungsschuhs einen Druckulcus entwickelt hatte. Im ersten Schritt wurde die Wunde mit einem Schaumverband mit Silikonbeschichtung therapiert. Es zeigte sich, dass das Wundbett unter dem Verband zu feucht war, weil er die Exsudatmenge nicht aufnehmen konnte. Mit der Zetuvit® Plus Silicone Border Auflage gelang es, die Wunde auszubalancieren. Für Forster können die selbstklebenden Superabsorber mit einer Silikonbeschichtung ein adäquater Ersatz für den Einsatz von Schaumverbänden sein, zumal sie auch leichter von der Patientin oder dem Patienten gewechselt werden können.

Eine Wundheilungsstörung stellte Jan Forster am Beispiel einer Patientin mit einem durch pAVK ausgelösten Ulcus Cruris Arteriosum am Unterschenkel vor. Da die Blutversorgung bei der Patientin gegeben war, entschied sich Jan Forster für den Einsatz der HydroClean®- Wundauflage. Sie versetzte den Behandler in die Lage, ein scharfes Wunddébridement zu machen und so das nekrotische Gewebe einfach zu entfernen. Nach einem Monat konnte die Patientin in die ambulante Versorgung entlassen werden.

Abschließend präsentierte Jan Forster einen Patientenfall, der ihm besonders ans Herz gegangen ist: Eine 40-jährige Patientin hatte nach einer Tumorentfernung eine Fußamputation und wurde von ihrem Orthopäden mit trockenen Kompressen versorgt. Da die Wunde nicht heilte, konnte sie die Prothese nicht tragen, was ihr Leben als Mutter dreier schulpflichtiger Kinder stark einschränkte. Um das nekrotische Gewebe aufzulösen und abzutragen, erfolgte eine intensive Therapie mit der HydroClean® Wundauflage. Innerhalb von drei Wochen zeigte sich eine deutliche Verbesserung. Im Anschluss erfolgte eine zwölftägige Therapie mit dem hydrophilen Schaumstoffverband HydroTac® von HARTMANN. Die Patientin war überglücklich, dass nicht nur ihre Wunde, sondern auch ihr Leben wieder in Balance ist.