DESINFACTS | Ausgabe 1/2025

INTERVIEW Arbeitssicherheit und Handhygiene „Therapie im Schlaf!“ Herr Prof. John, Ihren Veröffentlichungen zufolge gehören Hautkrankheiten – Dermatosen – zu den häufigsten Berufskrankheiten überhaupt. Rund ein Drittel aller beruflich bedingten Erkrankungen in der EU und den USA betreffen allein die Haut. Warum ist das so? Viele Erkrankte arbeiten im Gesundheitssektor. Die sollten doch wissen, wie sie ihre Haut schützen können, oder nicht? Es gibt Berufe, die aufgrund der typischen Tätigkeiten ein deutlich erhöhtes Risiko für Hauterkrankungen haben. Berufe im Gesundheitswesen gehören dazu. Vor allem Pflegekräfte sind gefährdet. Studien unter Krankenschwestern und Altenpflegerinnen haben eine Punktprävalenz von rund 20 % gezeigt. Das heißt: Eine von fünf hat eine berufsbedingte Hauterkrankung. Ein bedeutender Risikofaktor für Berufsdermatosen ist beispielsweise die Anzahl der täglichen Handwaschungen mit Seife. Ein weiterer wichtiger Risikofaktor ist die Tragedauer von Einmalhandschuhen. Beides ist im Gesundheitswesen häufig. Je länger Einmalhandschuhe während der Arbeit getragen Prof. Dr. Swen Malte John ist Leiter der Abteilung Dermatologie, Umweltmedizin und Gesundheitstheorie der Universität Osnabrück, Vorsitzender der Taskforce Occupational Skin Diseases der Europäischen Akademie für Dermatologie und Venerologie und Wissenschaftlicher Direktor des Instituts für interdisziplinäre Dermatologische Prävention und Rehabilitation – kurz: iDerm – in Osnabrück. werden, desto wahrscheinlicher ist eine Hauterkrankung. Beim Händewaschen mit Seife ist es ebenso: je öfter, desto häufiger sind Ekzeme, also entzündliche Veränderungen der Haut. Ein wichtiger Aspekt ist aber auch, dass viele Betroffene berufsbedingte Ekzeme als unvermeidliches Schicksal hinnehmen und als Zeichen dafür, dass sie „richtig“ arbeiten. Das ist ein Fehler. Kaputte Hände gehören nicht zum Job! Und sie sind auch kein Zeichen für Einsatzwillen. Wer hat denn grundsätzlich ein erhöhtes Risiko und sollte auf Hautpflege und -schutz achten? Etwa 30 bis 40 % der Menschen haben anlagebedingt eine empfindliche Haut. Auf Hautpflege und Hautschutz sollte aber eigentlich jeder achten. Und damit ist vor allem auch das korrekte Desinfizieren der Hände mit einem rückfettenden alkoholischen Hände-Desinfektionsmittel gemeint. Insgesamt haben aber Frauen ein doppelt so hohes Risiko, im Laufe des Lebens eine Kontaktdermatose zu entwickeln. Also Nur unversorgte Hauterkrankungen sind unheilbar! 18

RkJQdWJsaXNoZXIy NDU5MjM=