Wir stellen Ihnen die Alltagsgegenstände mit den meisten Viren und Bakterien vor

Auch wiederkehrende Pockenausbrüche sind in den Geschichtsbüchern zu finden. Im Laufe der Jahrhunderte kam es immer wieder zu lokalen und regionalen Pockenepidemien. Wie viele Todesfälle die Krankheit insgesamt verursacht hat, lässt sich heute nur schwer nachvollziehen. Doch allein im 20. Jahrhundert starben weltweit mehr als 300 Millionen Menschen an Pocken. [2]
Interessanter Fakt: Am 8. Mai 1980 wurden die den Menschen gefährlichen Pockenviren für ausgerottet erklärt – eine einzigartige Leistung in der Geschichte der Medizin. „Die Pocken waren die erste große Krankheit, die durch eine wirksame Impfung vollständig ausgerottet werden konnte, erläutert Henrik Eßler.
Die Grundlagen dafür wurden in China und im Nahen Osten gelegt. Hier wurde die Technik der „Variolation“ angewendet. Dabei handelte es sich um eine frühe Form der Pockenimpfung, bei der der Inhalt der Pockenpusteln systematisch zwischen Menschen übertragen wurde (Inokulation).
In der westlichen Welt war es die Impfmethode von Edward Jenners, die schließlich zum Durchbruch führte: Im Jahr 1796 übertrug er Kuhpockenviren auf einen achtjährigen Jungen. Bei diesem Experiment fand er heraus, dass der Junge nach Überwindung der Krankheit gegen die weitaus gefährlicheren Menschenpocken immun geworden war. [3] Jenner nannte sein Verfahren „Vaccination“ (dt. Impfung), nach vacca, dem lateinischen Wort für Kuh, denn sein Impfstoff basierte nicht auf dem Erreger der Menschenpocken, sondern auf dem Kuhpocken-Erreger.
Dank Impfungen konnten die Pocken schließlich ausgerottet werden. „Der Staat und das Gesundheitswesen wuchsen in diesem Prozess immer mehr zusammen. Ab etwa 1800 entwickelte sich die Disziplin der medizinischen Statistik. Das bedeutete, dass der Staat Aufzeichnungen darüber führte, wie viele Menschen geboren wurden und wie viele starben und wie gesund oder krank sie waren“, erklärt Ralph Höger. Auch Impfungen wurden überwacht, und 1807 führte Bayern als erster deutscher Staat die Impfflicht ein.
Doch diese gesetzliche Vorschrift rief auch eine Gegenbewegung auf den Plan. Schon damals wurden bizarre Verschwörungstheorien verbreitet: Manche Menschen befürchteten beispielsweise, dass die Impfung sie – zumindest teilweise – in eine Kuh verwandeln würde.

Die Spanische Grippe wütete von 1918 bis 1920 und forderte in diesem relativ kurzen Zeitraum weltweit zwischen 27 und 50 Millionen Todesopfer. [5] Sie wurde durch das Influenzavirus verursacht, wenngleich dies erst später herausgefunden wurde. „Viren sind eigentlich erst seit den 1930er Jahren nachweisbar“, erklärt Henrik Eßler: „Häufig konnten Forscher zwar Bakterien nachweisen, doch diese waren nicht der eigentliche Erreger.“
Interessanter Fakt: Auch hier lassen sich überraschende Parallelen zur heutigen Zeit ziehen, denn die Maßnahmen gegen die Spanische Grippe waren den Corona-Regeln nicht unähnlich. In den USA wurde beispielsweise empfohlen, sich häufig die Hände zu waschen oder einen Mundschutz zu tragen.


Schätzungen zufolge hat HIV/AIDS bisher weltweit fast 35 Millionen Menschen das Leben gekostet. Ein Ende der HIV-/AIDS-Pandemie ist noch lange nicht in Sicht. Allein im Jahr 2020 gab es 1,5 Millionen Neuinfektionen. [6]
Interessanter Fakt: Hier wird häufig eine weitere wichtige Gegenmaßnahme umgesetzt: Die „Gesundheitsaufklärung ist ein sehr wirksames Mittel zur Bekämpfung von Pandemien“, erläutert Ralph Höger. Dazu gehört es, Informationen zu Schutzmaßnahmen in der Öffentlichkeit zu verbreiten, beispielsweise im Rahmen von Kampagnen zur Gesundheitsaufklärung.
Und heute? Durch die globale COVID-19 Pandemie sind über 4,5 Millionen Menschen gestorben. [7]
Die Corona-Pandemie war eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Ein Blick in die Geschichte vergangener Pandemien und Epidemien zeigt jedoch, dass wir zunehmend in der Lage sind, aus unseren Erfahrungen zu lernen. Eines ist also sicher: Ob durch Gesundheitsaufklärung, Schutzmaßnahmen wie Mundschutz, Impfungen oder Hygienemaßnahmen wie Händedesinfektion – noch nie waren wir besser darauf vorbereitet, den Kampf gegen eine neue Pandemie aufzunehmen.

Ralph Höger, Sozialhistoriker, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Geschichte und Ethik der Medizin des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf. In seiner Dissertation befasst er sich mit dem Thema „Psychiatrisches Heilungswissen (1840–1914)“ am Beispiel der Psychiatrie in Württemberg. Zu seinen weiteren Forschungsgebieten gehören die Geschichte des Wissens, die Didaktik der Geschichte sowie Theorien und Methoden der Geschichtswissenschaft.
Henrik Eßler, Sozial- und Wirtschaftshistoriker, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Geschichte und Ethik der Medizin des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf und Kurator am Medizinhistorischen Museum Hamburg. Sein Dissertationsprojekt befasst sich mit dem Thema „Konstrukteure der Krankheit: Moulagenbildnerei als Beruf?“. Zu seinen weiteren Forschungsgebieten gehören visuelle und materielle Kulturen der Medizin, Hygienediskurse und Biopolitik in der Stadtentwicklung sowie historische Berufsforschung im Gesundheitswesen.
[1] https://www.aerztezeitung.de/Panorama/50-Millionen-Europaeer-starben-im-Mittelalter-an-Pest-324602.html (abgerufen am: 06.09.2021)
[2] https://www.welt.de/geschichte/article196420277/Pocken-Gestank-verwesender-Leichen-verpestete-weite-Gebiete.html(abgerufen am: 06.09.2021)
[3] https://www.spektrum.de/magazin/die-ausrottung-der-pocken/823065(abgerufen am: 06.09.2021)
[4] https://www.pharmazeutische-zeitung.de/cholera-epidemie-1892-in-hamburg-und-die-folgen-117189/(abgerufen am: 06.09.2021)
[5] https://www.aerzteblatt.de/archiv/197155/Spanische-Grippe-Ein-Virus-Millionen-Tote (abgerufen am: 06.09.2021)
[6] https://www.pharmazeutische-zeitung.de/die-pandemie-die-laengst-vorbei-sein-sollte-126107/(abgerufen am: 06.09.2021)
[7] https://covid19.who.int/(abgerufen am: 06.09.2021)"