WUNDFORUM 1/2023

Patienten große Arbeitserleichterungen für die Pflegenden, können aber zu einer verminderten Körperwahrnehmung führen. Pflegeziel: Dekubitus verhindern Die pflegerischen Maßnahmen, einen Dekubitus zu verhindern, sind nahezu deckungsgleich mit den Behandlungsmaßnahmen: Einschätzung Dekubitusgefährdung Als Hilfe hierzu stehen einige Bewertungsskalen wie die Norton-Skala, die Waterlow-Skala oder die BradenSkala zur Verfügung. Allen Skalen ist gemeinsam, dass sie einige grundsätzliche Bewertungskriterien zum geistigen und körperlichen Zustand sowie zur Aktivität und Beweglichkeit des Patienten in ähnlicher Weise berücksichtigen, sodass sie letztlich alle eine brauchbare Hilfe darstellen. Als einfache Regel kann gelten: Je bewegungsunfähiger ein Mensch ist, desto größer ist die Dekubitusgefahr. Sind zudem weitere Risikofaktoren ersichtlich, ist höchste Wachsamkeit erforderlich. ½ Die Einschätzung der Dekubitusgefährdung sollte nicht erst dann beginnen, wenn bereits Rötungen an den Risikostellen aufgetreten sind. ½ Die Punktebewertung ist in regelmäßigen Abständen zu kontrollieren, um Veränderungen rechtzeitig festzustellen und ggf. mit veränderten Maßnahmen darauf reagieren zu können. ½ Die Bewertung des Dekubitusrisikos ist auch Bestandteil einer profunden Dokumentation. Haut beobachten Die Haut des Patienten ist täglich auf Anzeichen für eine beginnende Druckbelastung zu inspizieren. Erste Anzeichen für eine Dekubitusgefährdung sind weiße bzw. rote, scharf begrenzte Hautstellen. lung sichergestellt sein. Es hat keinen Sinn, einzelne Körperstellen freizulagern und dafür andere mit Druck zu belasten. Gummiringe sind z. B. aus diesem Grund absolut verboten. Des Weiteren muss der Patient auf den Lagerungshilfen sicher und rutschfest liegen. Bei nicht sachgerechter Lagerung treten durch die ungünstige Gewichtsverteilung riskante Scherkräfte auf. Dynamische Systeme, wie z. B. Antidekubitusmatratzen und Wechseldruckmatratzen in verschiedensten technischen Ausführungen, werden vorrangig bei großen Dekubitalulzera, bei Patienten mit multiplen Dekubitusrisikofaktoren und postoperativ nach einer Dekubituschirurgie eingesetzt, um eine absolut sichere Druckentlastung zu erreichen. Sie bieten in vielen Pflegebereichen – Klinik, stationäre und ambulante sowie häusliche Kranken- und Altenpflege – neben der Sicherheit für den Die häufigsten Dekubituslokalisationen Je nachdem, wo der Druck auf die Haut einwirkt, kann sich ein Dekubitus an jeder Körperstelle entwickeln. Bevorzugt entsteht ein Dekubitus jedoch über Knochenvorsprüngen, die wenig mit Unterhautfettgewebe gepolstert sind. An den fünf klassischen Dekubituslokalisationen entwickeln sich ca. 95 % aller Dekubitalulzera. B B A C E D A Sakraler Dekubitus entsteht in Rückenlage. Der Sakralbereich dürfte die häufigste Lokalisation sein. Hier sind oftmals auch tangentiale Scherkräfte mitbeteiligt. B Fersendekubitus entsteht in Rückenlage. Einem Sakral- und Fersendekubitus ist mit 30°-Schräglagerung re und li sowie guter Fersenfreilagerung vorzubeugen. C Trochanter- dekubitus entsteht in 90°-Seitenlage. Diese ist hochriskant und sollte nicht angewendet werden, alternativ risikoarme 30°-Schräglagerung. D Knöcheldekubitus entsteht in 90°-Seitenlage. Besonders gefährdet: seitliche Fußknöchel. Zusätzlich zur 30°-Schräglagerung durch Freilagern zu schützen. E Sitzbeindekubitus entsteht beim Sitzen (Stuhl / Rollstuhl). Hierbei darf der Patient in Rückenlage liegen, da in dieser Position die Sitzbeinhöcker nicht belastet sind. Medizinprodukte- bzw. hilfsmittelassoziierte Druckschädigung, z. B. durch ein Hörgerät WISSEN 6 HARTMANN WUNDFORUM 1 / 2023

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