WISSEN Die Geschichte der Händedesinfektion 175 Jahre voller Entwicklungen 1847: Semmelweis etabliert Händedesinfektion mit Chlorkalk Aufgrund der schlechten hygienischen Bedingungen verstarb Mitte des 19. Jahrhunderts etwa jeder zweite Patient nach einem chirurgischen Eingriff am sogenannten Wundfieber (Sepsis) [3]. Semmelweis stellte fest, dass Mütter nach Geburten besonders häufig verstarben, wenn sie von Ärzten entbunden wurden, die vorher Autopsien durchgeführt hatten. Er zog die richtigen Rückschlüsse und führte deshalb 1847 das Hände desinfizieren mit Chlorkalk ein. Dies sorgte dafür, dass die Müttersterblichkeit in kürzester Zeit von vormals bis zu 12 % (1842) auf etwa 1 % (1848) sank [1]. Bis sich seine Erkenntnisse durchsetzten, vergingen jedoch etliche Jahre [1,3]. 1867: Lister führt chirurgische Anti- sepsis ein In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bauten die Entdeckungen mehrerer Ärzte aufeinander auf und trieben die Hygiene voran. Während Robert Koch in Deutschland den Erreger der Tuberkulose identifizierte [4], fand Louis Pasteur in Frankreich heraus, dass Erhitzen Mikroorganismen abtötet und Lebensmittel haltbar machen kann [4,5]. Unterdessen schloss Sir Joseph Lister in Schottland aus Pasteurs Erkenntnissen, dass Bakterien auch für die schlechte Wundheilung nach chirurgischen Eingriffen verantwortlich sein könnten [5]. Er entwickelte ein Antiseptikum auf Phenolbasis, mit dem man Finger und Instrumente reinigte und Wundverbände einweichte, was die Sterblichkeit drastisch senkte [4-6]. Hygiene wurde in Gesundheitseinrichtungen bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts kleingeschrieben, was viele vermeidbare Todesfälle mit sich brachte. Der ungarische Arzt Ignaz Semmelweis erkannte als Erster einen Zusammenhang her zwischen den Händen von Ärzten und dem Kindbettfieber, an dem zu dieser Zeit unzählige Gebärende verstarben. Semmelweis gilt heute als Begründer der hygienischen Händedesinfektion [1]. Die Händedesinfektion mit alkoholischen HändeDesinfektionsmitteln wird erst seit dem Ende des 20. Jahrhunderts als wirksamste Einzelmaßnahme zur Vorbeugung nosokomialer Infektionen angesehen [2]. 1965: Sterillium® erobert die Welt Bis in die 1960er Jahre wurden für die Händedesinfektion noch allerlei hautschädigende Substanzen verwendet, deren Effekt außerdem nicht lange anhielt. Um Wirksamkeit und Verträglichkeit zu verbessern, entwickelten Forschende bei BODE Chemie, ein Unternehmen der HARTMANN GRUPPE, 1965 in Zusammenarbeit mit Ärzten am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf Sterillium®, das erste marktfähige, alkoholische Hände-Desinfektionsmittel. Heute steht Sterillium® synonym für Hände-Desinfektionsmittel und ist in über 50 Ländern weltweit etabliert [7]. 6
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