Anwendung von Hydroclean auf einer Wunde
Wundmanagement

Verbandwechsel zuhause: Hygiene muss sein!

Wundinfektionen vermeiden und Wundheilung bestmöglich fördern!
von HARTMANN Online Redaktion 19.04.2026

Auch zu Hause: Hygiene beim Verbandwechseln

Auch im häuslichen Umfeld können Keime und Bakterien vorkommen, die für eine Wunde problematisch werden können. Deshalb ist beim Verbandwechsel zuhause sorgfältige Hygiene besonders wichtig. Der Verbandwechsel sollte möglichst keimarm beziehungsweise aseptisch durchgeführt werden, um Wundinfektionen zu vermeiden und die Wundheilung bestmöglich zu unterstützen.

Studie zu Hygiene bei häuslicher Pflege

In einer repräsentativen Studie des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP), für die 400 Leitungskräfte ambulanter Dienste befragt wurden, zeigte sich, dass anscheinend alle an der häuslichen Pflege beteiligten Gruppen in Sachen Hygiene mehr oder weniger große Probleme haben.

Fehlendes Wissen von pflegenden Angehörigen ist ein zentrales Problem

Drei Viertel der befragten Pflegedienstleitungen (76 %) gaben an, dass dies die Umsetzung der fachlichen und gesetzlichen Hygienestandards bedeutend erschwere.

Schwierigkeiten, hygienische Standards einzuhalten

Laut Umfrage liegt dies in den meisten Fällen daran, dass die Mitarbeiter zu wenig Zeit haben (38 %) oder generell zu wenig sorgfältig sind.


Wissensdefizite

Als die drei Hygienethemen mit dem dringendsten Informationsbedarf gaben die Befragten an: Umgang mit Pflegebedürftigen mit Problemkeimen (27 %), Händedesinfektion (20 %) und Wundversorgung (16 %).
Strukturierte Information zu den erforderlichen Hygienemaßnahmen beim häuslichen Verbandwechsel ist also angebracht. Nachfolgend werden drei grundsätzliche Hygieneregeln aufgezeigt, die dabei helfen, das Infektionsrisiko zu senken.

Durch Hygiene Wundinfektionen vermeiden

Wundinfektionen zählen zu den schwerwiegendsten Störungen der Wundheilung. Mikroorganismen können in die Wunde eindringen, sich vermehren und Gewebe schädigen. Dadurch wird die Heilung verzögert, im schlimmsten Fall kann sich die Infektion bis zu einer lebensbedrohlichen Sepsis ausbreiten. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Patienten mit geschwächtem Immunsystem sowie Menschen mit diabetischen, arteriellen oder druckbedingten Wunden. Auch antibiotikaresistente Keime erhöhen das Risiko. Umso wichtiger ist ein hygienisches und aseptisches Arbeiten beim Verbandwechsel. Die grundlegenden Hygieneregeln sind dabei umzusetzen:

  • Regel Nr. 1: Niemals die Wunde mit bloßen Händen berühren.
  • Regel Nr. 2: Hygienische Händedesinfektion durchführen.
  • Regel Nr. 3: Hygienisches Umfeld schaffen.

Erforderlich ist allerdings: Disziplin und Gewissenhaftigkeit bei der Durchführung des Verbandwechsels. Denn nur so lassen sich Risiken vermeiden.

Regel Nr 1: Niemals die Wunde mit bloßen Händen berühren

Beim Verbandwechsel ist die Non-Touch-Technik entscheidend, da die meisten Wundinfektionen über Handkontakt übertragen werden. Die Wunde darf nicht mit bloßen Händen berührt werden. Maßnahmen an der Wunde erfolgen mit sterilen Instrumenten oder, falls erforderlich, mit sterilen Einmalhandschuhen. Je nach Wundsituation kann ein Handschuhwechsel notwendig sein, insbesondere nach Kontamination. Nach dem Ausziehen und Entsorgen der Handschuhe ist eine sorgfältige Händedesinfektion unerlässlich, um Keimübertragungen zu vermeiden.

Handschuhe angezogen

Regel Nr. 2: Hygienische Händedesinfektion durchführen

Die hygienische Händedesinfektion ist eine der wichtigsten Maßnahmen zur Infektionsprävention beim Verbandwechsel und erfolgt vor der Materialvorbereitung sowie nach Abschluss der Versorgung. Ringe und Uhren sollten zuvor abgelegt werden. Nach der Händedesinfektion müssen die Hände vollständig trocknen, bevor Einmalhandschuhe angezogen werden. Nach dem Ausziehen der Handschuhe ist eine erneute Händedesinfektion erforderlich, um mögliche Keime sicher zu entfernen.

Eigenverantwortliche Händedesinfektion

Hände zeigen Umsetzung von Händedesinfektion
Die Einreibetechnik „eigenverantwortliche Händedesinfektion“ setzt voraus, dass der Anwender eigenverantwortlich handelt und bewusst sowie gewissenhaft auf die vollständige Benetzung der Hände achtet. Ausreichend Händedesinfektionsmittel in die trockene hohle Hand geben, sodass alle Areale der Hände satt mit dem Präparat benetzt werden können [1]. Händedesinfektionsmittel sorgfältig über 30 Sekunden in die Hände einreiben, dabei alle Hautpartien erfassen. Besonderes Augenmerk auf Fingerkuppen und Daumen legen [2]. Sie sind klinisch besonders wichtig, da sie am häufigsten in direktem Kontakt mit Patienten und potenziell verkeimten Oberflächen kommen. An den Fingerkuppen findet sich zudem die höchste Keimdichte im Vergleich zu anderen Hautpartien [3].

Regel Nr. 3: Hygienisches Umfeld schaffen

Für einen hygienischen Verbandwechsel sollten Störquellen und Keimreservoire minimiert werden: Fenster geschlossen halten, Haustiere und Blumen entfernen sowie unnötiges Betreten des Raumes vermeiden. Über offenen Wunden sollte nicht gesprochen werden, um eine Keimbelastung durch die Atemluft zu verhindern. Alle Materialien müssen griffbereit auf einer sauberen, leicht desinfizierbaren und desinfizierten Fläche vorbereitet werden, damit die Wunde nur kurz offenliegt. Benutzte Verbände und Materialien sind sofort in keimdichten Beuteln zu entsorgen. Bei großflächigen oder infektionsgefährdeten Wunden können Mund-Nasen-Schutz, Haarschutz und Schutzschürze zusätzlich die Hygiene erhöhen.

Tipps zum sicheren Arbeiten

Verband wird abgenommen
Das Abnehmen des Verbandes kann mit einer unsterilen Pinzette erfolgen, weil dabei nur der alte Verband und nicht die Wunde berührt wird.
Wundauflage wird auf Fuß appliziert
Die neue Wundauflage wird mithilfe zweier steriler Pinzetten appliziert. Kommt man damit nicht zurecht, sind sterile Einmalhandschuhe zu tragen.
Saugkompresse wird mit sterilem Handschuh appliziert
Eine Saugkompresse kann mit unsterilen Handschuhen appliziert werden, da hierbei die Wunde nicht mehr direkt berührt wird.

Patienten und Angehörige in Hygiene schulen

Lückenlose, sichere Hygiene beim Verbandwechsel kann nur gemeinsam mit dem Patienten bzw. seinen Angehörigen gelingen. Dazu wird es oft notwendig werden, sie mit den Hygieneregeln vertraut zu machen, wozu die Pflegekraft häufig viel Fingerspitzengefühl und auch Empathie für die individuelle Lebenssituation des Patienten aufbringen muss. Lohn aber ist, den Patienten vor Schaden zu bewahren.

Wundauflage kann Infektionsrisiko reduzieren

Eine der wichtigen Aufgaben des Wundverbandes ist, überschüssiges Exsudat aufzunehmen. Damit werden gleichzeitig Bakterien und abgestorbenes Gewebe aus der Wunde entfernt. Der Verband unterstützt so die Säuberung der Wunde und dient im Hinblick auf vorhandene pathogene Keime der Infektionsprophylaxe.

Der Wundverband kann aber überschüssiges, bakterienbelastetes Exsudat nur dann in den Saugkörper aufnehmen, wenn die Wundauflage engen Kontakt zur Wundfläche hat. Ein solcher enger Kontakt ist bei flächigen Wunden mit flächigen Kompressen relativ leicht herzustellen. Anders hingegen bei tiefen, zerklüfteten Wunden: Hier muss die Wundauflage tamponierfähig sein, um auch in tiefen Bereichen bakterienbelastetes Exsudat sicher aufzunehmen.

Hydroclean Wundcompresse auf Körper
Kompressen wie das hydroaktive HydroClean sind durch ihren guten Kontakt zur Wundfläche ideal zur Versorgung flächiger Wunden.
tamponierbare Wundhöle
Bei tiefen Wunden und Wundhöhlen ist eine tamponierbare Wundauflage wie HydroClean mini oder HydroClean cavity notwendig.
Literatur

1) Köck R, Cuny Ch, Walther B, für den Forschungsverbund MedVet-Staph: MRSA bei Haustieren: Bedeutung für den Menschen, HygMed 2013; 38-7 / 8

2) Diese Tipps entsprechen den „AWMF-Leitlinien zur Hygiene in Klinik und Praxis, Anforderungen der Hygiene bei chronischen und sekundär heilenden Wunden“ (AWMF-Leit­linien-Register Nr. 029 / 042).


Weiterführende Literatur: Die verschiedenen Empfehlungen des Robert Koch-Instituts (RKI) zu den Themen Hygiene und Infektionsprävention, die für die Praxis verbindlichen Charakter haben, sind unter www.rki.de abrufbar.