Der Umgang mit chronischen Wunden
In einer repräsentativen Studie des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP), für die 400 Leitungskräfte ambulanter Dienste befragt wurden, zeigte sich, dass anscheinend alle an der häuslichen Pflege beteiligten Gruppen in Sachen Hygiene mehr oder weniger große Probleme haben.
Laut Umfrage liegt dies in den meisten Fällen daran, dass die Mitarbeiter zu wenig Zeit haben (38 %) oder generell zu wenig sorgfältig sind.
Wundinfektionen zählen zu den schwerwiegendsten Störungen der Wundheilung. Mikroorganismen können in die Wunde eindringen, sich vermehren und Gewebe schädigen. Dadurch wird die Heilung verzögert, im schlimmsten Fall kann sich die Infektion bis zu einer lebensbedrohlichen Sepsis ausbreiten. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Patienten mit geschwächtem Immunsystem sowie Menschen mit diabetischen, arteriellen oder druckbedingten Wunden. Auch antibiotikaresistente Keime erhöhen das Risiko. Umso wichtiger ist ein hygienisches und aseptisches Arbeiten beim Verbandwechsel. Die grundlegenden Hygieneregeln sind dabei umzusetzen:
Erforderlich ist allerdings: Disziplin und Gewissenhaftigkeit bei der Durchführung des Verbandwechsels. Denn nur so lassen sich Risiken vermeiden.
Beim Verbandwechsel ist die Non-Touch-Technik entscheidend, da die meisten Wundinfektionen über Handkontakt übertragen werden. Die Wunde darf nicht mit bloßen Händen berührt werden. Maßnahmen an der Wunde erfolgen mit sterilen Instrumenten oder, falls erforderlich, mit sterilen Einmalhandschuhen. Je nach Wundsituation kann ein Handschuhwechsel notwendig sein, insbesondere nach Kontamination. Nach dem Ausziehen und Entsorgen der Handschuhe ist eine sorgfältige Händedesinfektion unerlässlich, um Keimübertragungen zu vermeiden.

Die hygienische Händedesinfektion ist eine der wichtigsten Maßnahmen zur Infektionsprävention beim Verbandwechsel und erfolgt vor der Materialvorbereitung sowie nach Abschluss der Versorgung. Ringe und Uhren sollten zuvor abgelegt werden. Nach der Händedesinfektion müssen die Hände vollständig trocknen, bevor Einmalhandschuhe angezogen werden. Nach dem Ausziehen der Handschuhe ist eine erneute Händedesinfektion erforderlich, um mögliche Keime sicher zu entfernen.
Für einen hygienischen Verbandwechsel sollten Störquellen und Keimreservoire minimiert werden: Fenster geschlossen halten, Haustiere und Blumen entfernen sowie unnötiges Betreten des Raumes vermeiden. Über offenen Wunden sollte nicht gesprochen werden, um eine Keimbelastung durch die Atemluft zu verhindern. Alle Materialien müssen griffbereit auf einer sauberen, leicht desinfizierbaren und desinfizierten Fläche vorbereitet werden, damit die Wunde nur kurz offenliegt. Benutzte Verbände und Materialien sind sofort in keimdichten Beuteln zu entsorgen. Bei großflächigen oder infektionsgefährdeten Wunden können Mund-Nasen-Schutz, Haarschutz und Schutzschürze zusätzlich die Hygiene erhöhen.
Lückenlose, sichere Hygiene beim Verbandwechsel kann nur gemeinsam mit dem Patienten bzw. seinen Angehörigen gelingen. Dazu wird es oft notwendig werden, sie mit den Hygieneregeln vertraut zu machen, wozu die Pflegekraft häufig viel Fingerspitzengefühl und auch Empathie für die individuelle Lebenssituation des Patienten aufbringen muss. Lohn aber ist, den Patienten vor Schaden zu bewahren.
Eine der wichtigen Aufgaben des Wundverbandes ist, überschüssiges Exsudat aufzunehmen. Damit werden gleichzeitig Bakterien und abgestorbenes Gewebe aus der Wunde entfernt. Der Verband unterstützt so die Säuberung der Wunde und dient im Hinblick auf vorhandene pathogene Keime der Infektionsprophylaxe.
Der Wundverband kann aber überschüssiges, bakterienbelastetes Exsudat nur dann in den Saugkörper aufnehmen, wenn die Wundauflage engen Kontakt zur Wundfläche hat. Ein solcher enger Kontakt ist bei flächigen Wunden mit flächigen Kompressen relativ leicht herzustellen. Anders hingegen bei tiefen, zerklüfteten Wunden: Hier muss die Wundauflage tamponierfähig sein, um auch in tiefen Bereichen bakterienbelastetes Exsudat sicher aufzunehmen.