Die Kontrolle der Ausscheidung von Harn und Stuhl ist uns nicht mit der Natur gegeben. Sie wird im Kinderalter „antrainiert“. Es ist ein Ereignis in der Familie. In der Gesellschaft wird es mit dem Älterwerden zu einer unausgesprochenen Bedingung.
In allen Kulturen sind Tabus bekannt und häufig dreht es sich um Bereiche der menschlichen biologischen Existenz: Tod, Krankheit, Behinderung, Menstruation oder die Ausscheidungen.
Entsprechend wird das Krankheitssymptom der Inkontinenz im gesellschaftlichen Zusammenleben gemieden. Trotz aller intensiven Aufklärungsbemühungen von Urologen, Gynäkologen, Fachverbänden und der in diesem Bereich tätigen Industrie ist es noch immer ein Tabuthema. Ist man betroffen, entwickelt sich Scham über das eigene Unvermögen, anstatt es als das wahrzunehmen, was es ist: eine Krankheit.

