Pflegerin mit älterer Dame im Rollstuhl
Wundmanagement

Der Umgang mit chronischen Wunden

Wundheilungsphasen, Erkennen wann es zu einer chronischen Wunde wird und sinnvolle Therapiekonzepte
von HARTMANN Online Redaktion
Eine Folge der steigenden Lebenserwartung in der Bevölkerung ist die markante Zunahme chronischer Krankheiten, zu denen auch chronische Wunden gehören.

Chronische Wunden – wann gilt eine Wunde als chronisch?

Eine Wunde gilt als chronisch, wenn sie trotz geeigneter Therapie innerhalb eines angemessenen Zeitraums nur wenige oder keine Anzeichen der Wundheilung zeigt. Chronische Wunden entstehen meist nicht durch äußere Einwirkungen wie Schürfwunden oder Verbrennungen, sondern stehen häufig im Zusammenhang mit Grunderkrankungen, Durchblutungsstörungen, Diabetes mellitus oder anderen Faktoren, die den Stoffwechsel und die Gewebeversorgung beeinträchtigen. Dadurch kann die normale Wundheilung verzögert oder dauerhaft gestört werden.

Zu den häufigsten Arten chronischer Wunden zählen Dekubitus beziehungsweise Druckgeschwüre, Ulcus cruris beziehungsweise Unterschenkelgeschwüre sowie das diabetische Fußsyndrom. Diese Wunden benötigen ein strukturiertes Wundmanagement, eine fachgerechte Wundversorgung und regelmäßige Beurteilung, um den Heilungsverlauf bestmöglich zu unterstützen.

Je früher eine chronische Wunde erkannt und behandelt wird, desto besser sind die Chancen auf eine erfolgreiche Wundheilung. Deshalb ist es wichtig, erste Anzeichen einer schlecht heilenden Wunde richtig einzuordnen und frühzeitig medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Fuß einer Frau wird von medizinischer Fachkraft behandelt

Welche ersten Anzeichen kann man bei Personen mit solchen Wunden beobachten?

Druckgeschwüre

Ein Druckgeschwür (auch Dekubitus genannt), entsteht häufig durch anhaltenden Druck auf bestimmte Haut- und Gewebebereiche. Zur Vorbeugung und Früherkennung ist eine kontinuierliche Kontrolle des Hautzustands besonders wichtig. Erste Anzeichen eines Druckgeschwürs können Hautverfärbungen, Verhärtungen, lokal erhöhte Temperatur, Schmerzen oder Blasenbildung sein. Werden solche Symptome früh erkannt, kann rasch und gezielt reagiert werden. Mehrere Risikofaktoren können die Entstehung von Druckgeschwüren begünstigen. Dazu zählen ein höheres Alter, eingeschränkte Mobilität, Inkontinenz, Empfindungsstörungen, Adipositas oder Mangelernährung sowie Erkrankungen des Blutkreislaufs und des Zellstoffwechsels. Besonders bei gefährdeten Personen ist ein strukturiertes Wundmanagement entscheidend, um Hautschäden und chronische Wunden möglichst früh zu vermeiden.

Unterschenkelgeschwüre

Chronische Wunden treten häufig am Unterschenkel und rund um den Fußknöchel auf, obwohl sie – abhängig von der Ursache – überall an der unteren Extremität vorkommen können. Eine schwache Venenzirkulation in den Beinen kann zu einem Stau oder sogar zum Stillstand des Blutflusses führen. Dies kann wiederum Gewebeschäden und in weiterer Folge ein venöses Geschwür beziehungsweise Unterschenkelgeschwür hervorrufen. Venöse Geschwüre entstehen nicht über Nacht. Zu den möglichen Anzeichen einer gestörten Venenzirkulation zählen Schwellungen beziehungsweise Ödeme des Gewebes, Hyper- und/oder Hypopigmentierung der Haut, Stauungsekzeme sowie das subjektive Gefühl von Druck oder Schwere im Bein, besonders gegen Abend.

Diabetisches Fußsyndrom

Operation einer chronischen Wunde

Diabetisches Fußsyndrom

Das diabetische Fußsyndrom tritt als Folge von Langzeitschäden an der Blutzirkulation und/oder von Nervenschäden durch Komplikationen bei Diabetes mellitus auf. Der Ausdruck „diabetisches Fußsyndrom“ bezieht sich auf klinische Symptome am Fuß.

Der Verlust der schützenden Schmerz- und Druckempfindung ist einer der Hauptgründe für die Geschwürbildung bei diabetischen Patienten. Vorbeugende Maßnahmen zum Schutz des Fußes vor Verletzungen sind unerlässlich, da es schon bei kleinsten Verletzungen rasch zur Geschwürbildung kommen kann. In der Betreuung ist ein multidisziplinärer Ansatz entscheidend.

Bei einem diabetischen Fußsyndrom erfordern Füße und Nägel besondere Aufmerksamkeit: Schon kleine Schürfwunden, Druckstellen oder Verletzungen können bei Diabetes mellitus eine chronische Wundentwicklung begünstigen und zur Entstehung chronischer Wunden führen.

Wie können chronische Wunden verhindert werden?

Fuß mit chronischer Wunde wird versorgt

Druckgeschwüre können – wie aus dem Wort hervorgeht – verhindert werden, indem man die Ursache von Druck und Reibung reduziert, entfernt oder besser verteilt. Bei gefährdeten Personen sollten aus diesem Grund korrekt bestimmte und geeignete Interventionen zur Druckreduktion vorgenommen werden. Dazu gehören das regelmäßige Drehen und Umlagern immobiler Patienten und der Einsatz druckentlastender Vorrichtungen.

Venöse Geschwüre erfordern zwei entscheidende Interventionen: Kompressionstherapie und Mobilisierung. Patientenschulung und -befähigung spielen eine entscheidende Rolle für den Erfolg dieser Therapieprogramme; daher müssen Patienten einerseits die Bedeutung der Kompression erkennen und andererseits lernen, ihre Beine in Bewegung zu halten.

Selbstbefähigung ist für Diabetes-Patienten ebenso wichtig. Die Betroffenen sollten sicherstellen, dass ihre Füße täglich kontrolliert werden. Sie müssen warm und trocken gehalten werden, barfuß gehen ist absolut tabu. Negative Entwicklungen lassen sich durch regelmäßige Arztbesuche zur Überwachung und Beurteilung reduzieren.

Ein ganzheitlicher Ansatz in der Betreuung ist entscheidend für eine erfolgreiche Behandlung und Heilung von chronischen Wunden. Entscheidend ist, dass die grundlegende Erkrankung, z. B. Diabetes mellitus oder arterielle Verschlusskrankheit, behandelt wird.

Wundheilungsphasen: Wie heilen Wunden normalerweise?

Unabhängig von der Art der Wunde und dem Ausmaß des Gewebeverlustes findet der Wundheilungsprozess in drei dynamischen Phasen statt: der Reinigungsphase, der Granulationsphase (Gewebeaufbau) und der Epithelisierungsphase (Epidermisation). Bei chronischen Wunden – die trotz geeigneter Therapie wenig oder gar keine Anzeichen einer Heilung innerhalb annehmbarer Zeit zeigen – ist dieser gesunde Heilungsprozess gestört und die Geweberegeneration verzögert.

Phase 1: Reinigungsphase

In der ersten Zeit der Heilung versucht die Wunde, sich selbst von Verunreinigungen zu befreien. Wundexsudat ist häufig vorhanden und Anzeichen einer Infektion können auftreten (Rötung, Schwellung, Schmerzen, Wärme, Funktionseinschränkung). Die lokale Wundversorgung dient der Unterstützung dieser Prozesse und beschleunigt die Reinigung. In diesem Stadium hat die Entfernung von avitalem und nekrotischem Gewebe Priorität, aber auch die Förderung der Wundreinigung und Beseitigung von Bakterien und Toxinen, die zu einer verzögerten Heilung beitragen könnten.

Phase 2: Granulationsphase

Das Gewebe aus tiefen Defekten kann sich nicht regenerieren, daher wird in dieser Phase ein Wunddefekt mit neuem Gewebe gefüllt. Die Granulationsphase steht für die Regeneration von Gewebe, wenn die Wunde von innen gefüllt wird.
Hier haben der Schutz dieses neuen Gewebes und die Vorbeugung einer Austrocknung der Wunde Priorität. Wenn die Wunde austrocknet, sterben Zellen ab. Eine konstante Versorgung mit Feuchtigkeit hält den Heilungsprozess aufrecht.

Phase 3: Epithelisierungsphase

Feuchtigkeitsversorgung ist auch in der letzten Phase der Heilung wichtig. An diesem Punkt wurden die Hautfunktionen weitestgehend wiederhergestellt (eine vollständige Regeneration ist oft nicht möglich). Die Oberflächenzellen sind dabei, die Wundheilung abzuschließen, sind aber immer noch anfällig für die negativen Auswirkungen der Austrocknung und müssen daher feucht gehalten und vor schädlichen Außeneinwirkungen geschützt werden.
Ein ganzheitliches Therapiekonzept zur Wundbehandlung sollte daher:

  • übermäßiges Exsudat absorbieren
  • Granulationsgewebe fördern und Heilungsprozesse aktivieren
  • den Feuchtigkeitshaushalt im Gleichgewicht halten, um optimale Heilungsbedingungen zu schaffen
  • die Wunde schützen und Infektionen verhindern
Zwei Ärzte operieren an chronischer Wunde

Wie werden problematische Wunden behandelt?

Moderne Wundauflagen unterstützen die natürlichen physiologischen Prozesse der Wundheilung in jeder Heilungsphase. Sie sorgen für ein feuchtes Wundmilieu, schützen die Wunde vor äußeren Einflüssen und fördern aktiv die Wundheilung.

Für die Behandlung akuter und chronischer Wunden steht ein speziell entwickeltes Konzept zur modernen Wundversorgung zur Verfügung. Es basiert auf der aufeinander abgestimmten Anwendung der Wundauflagen HydroClean® plus und HydroTac®, die entsprechend der jeweiligen Wundheilungsphase eingesetzt werden.

HydroClean® plus wird in der Wundreinigungsphase bis zur Bildung von Granulationsgewebe verwendet. Dank seines besonderen Saug-Spül-Mechanismus entfernt die Wundauflage Nekrosen, Fibrinbeläge und Bakterien aus dem Wundbett und bindet sie sicher im Saugkörper. Im Inneren der Wundauflage werden Bakterien durch das Antiseptikum Polyhexanid (PHMB) reduziert und dauerhaft eingeschlossen. So unterstützt HydroClean® plus eine effektive Wundreinigung und die Vorbereitung der Wunde auf die weitere Heilung.

Nach erfolgreicher Wundreinigung wird HydroTac® bei sauberem Granulationsgewebe bis zum Wundverschluss eingesetzt. Die Wundauflage absorbiert überschüssiges Wundexsudat und gibt bei Bedarf gleichzeitig Feuchtigkeit an die Wunde ab. Dank der AquaClear Technologie trägt HydroTac® zur Regulierung des feuchten Wundmilieus bei und schafft optimale Bedingungen für die Wundheilung. Die Deckschicht schützt die Wunde zusätzlich vor Bakterien und unterstützt die Bildung von neuem Gewebe.

FAQs - häufig gestellte Fragen

1. Was ist eine chronische Wunde?
Eine Wunde gilt als chronisch, wenn trotz adäquater Therapie innerhalb eines erwartbaren Zeitraums keine oder nur geringe Heilungstendenzen erkennbar sind. Häufig liegt eine Grunderkrankung wie Diabetes mellitus, eine venöse oder arterielle Durchblutungsstörung oder anhaltender Druck zugrunde, die den normalen Wundheilungsprozess beeinträchtigt.
2. Welche Arten chronischer Wunden treten in der Praxis am häufigsten auf?
Zu den häufigsten chronischen Wunden zählen Dekubitus (Druckgeschwüre), Ulcus cruris (venöse oder arterielle Unterschenkelgeschwüre) und das diabetische Fußsyndrom (DFS). Sie unterscheiden sich hinsichtlich Ursache, Lokalisation und Therapieansatz, erfordern jedoch stets eine ursachenorientierte Behandlung.
3. Welche frühen Warnzeichen weisen auf die Entstehung einer chronischen Wunde hin?
Frühzeichen können je nach Ursache variieren. Dazu gehören anhaltende Hautrötungen, Verhärtungen, lokale Überwärmung, Schwellungen, Schmerzen oder Blasenbildung. Bei venösen Erkrankungen treten häufig Ödeme, Hautverfärbungen und Stauungsekzeme auf. Menschen mit diabetischer Neuropathie zeigen oft keine Schmerzen, weshalb regelmäßige Fußinspektionen essenziell sind.
4. Warum ist die Behandlung der Grunderkrankung für die Wundheilung entscheidend?
Eine lokale Wundversorgung allein reicht bei chronischen Wunden meist nicht aus. Erst die Behandlung der zugrunde liegenden Ursache, beispielsweise durch Kompressionstherapie bei venösen Ulzera, Druckentlastung bei Dekubitus oder ein optimiertes Diabetesmanagement beim diabetischen Fußsyndrom, schafft die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Wundheilung.
5. Welche Rolle spielen moderne Wundauflagen bei der Behandlung chronischer Wunden?

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Moderne Wundauflagen unterstützen die physiologischen Abläufe der Wundheilung, indem sie ein feuchtes Wundmilieu fördern, Exsudat managen, die Wunde vor Verunreinigungen schützen und die Heilungsphasen gezielt begleiten. Je nach Wundzustand kommen unterschiedliche Wundauflagen zur Wundreinigung, Granulation und Epithelisierung zum Einsatz.