Im Gegensatz zu akuten Wunden, die durch äußere (Gewalt-)Einwirkungen auf die Haut entstehen, handelt es sich bei chronischen Wunden überwiegend um Gewebezerstörungen, die sich von inneren Haut- und Gewebeschichten nach außen hin entwickeln. Ursache für die Gewebezerstörung ist zumeist eine Minderdurchblutung des betroffenen Hautgebietes (Ischämie), die über zunehmende Ernährungs- und Stoffwechselstörungen im Hautgebiet zum Gewebetod (Nekrose) führt.
Blutmangel und damit Sauerstoff- und Nährstoffmangel im Wundgebiet sowie reichlich abgestorbenes Gewebe sind jedoch die denkbar schlechteste Ausgangsbasis für eine Wundheilung. Denn die Reparationsleistung der Zellen muss in einem extrem stoffwechselgeschädigten Gebiet gestartet werden, was eine reguläre Wundheilung mit zeitlich korrektem Auftreten der an der Wundheilung beteiligten Blut- und Gewebezellen unmöglich macht. Vielmehr bewirkt die fortbestehende Gewebezerstörung einen verstärkten Einstrom von Entzündungszellen wie Granulozyten und Makrophagen in das Wundgebiet, die sowohl Bakterien und andere Fremdkörper inaktivieren als auch Zytokine und Proteasen freisetzen.
Bestimmte Proteasen, nämlich die Matrix-Metalloproteasen (MMPs) spielen im Wundheilungsprozess eine wichtige Rolle. Ihre Aufgabe ist es, beschädigte und avitale Bestandteile der extrazellulären Matrix (ein von den Zellen selbst produziertes Netzwerk, das vor allem Informationsaufgaben hat) abzubauen. Dies bedeutet eine erste Reinigung der Wunde, die bei normaler Wundheilung etwa drei Tage dauert. Dann geht die Entzündungsphase in die Phase des Gewebeaufbaus, also in die eigentliche Reparaturphase über.
Hält jedoch bei der chronischen Wundheilung der Einstrom von Granulozyten und Makrophagen in das Wundgebiet an, werden im Übermaß entzündungsfördernde Zytokine freigesetzt, die ihrerseits die Produktion der MMPs steigern.
Der Überschuss an MMP-Aktivität ist nun deshalb so kritisch, weil neugebildete Bindegewebsbestandteile wie Fibronektin und Kollagen gleich wieder abgebaut werden können. Das Gleichgewicht von Gewebeaufbau und -abbau verschiebt sich in chronischen Wunden zugunsten des Abbaus. Die unkontrollierte Entzündung hält an, die Heilung stagniert.
Zusätzlich wird die Wirkung von Wachstumsfaktoren durch die im Übermaß vorhandenen MMPs beeinträchtigt. Dies ist eine weitere Ursache dafür, dass die Wundheilungskaskade nicht fortgesetzt werden kann und die Entzündung persistiert (fortbesteht). Gleichzeitig infiltrieren toxische Zerfallsprodukte von Gewebe und auch Bakterien das umliegende Wundgebiet, was einen weiteren Gewebsuntergang zur Folge hat und die Chronizität der Wunde unterhält.
Dementsprechend ist bei chronischen Wundverhältnissen das wichtigste Therapieziel, den Teufelskreis der persistierenden Entzündung mit ihrer exzessiven MMP-Aktivität zu durchbrechen.
Eine erfolgversprechende und einfach anzuwendende Therapieoption dazu ist das hydroaktive Wundkissen HydroClean®.